Pubi-Auskotz-Thread

  • Ich weiss, dass man viele Dinge erst aus der gelebten Zukunft heraus für die Vergangenheit klären kann und ich weiss auch, dass sie erst noch viele Erfahrungen machen muss, um wertschätzen zu können, was sie bis dato bei uns erleben durfte.


    Aber ich habe ihr in diesem Brief geschrieben, was mich verletzt hat, dass sie mich für die Erfüllung ihrer Bedürfnisse grußlos über Bord geworfen hat und ich mir einfach nur erhofft hatte, dass sie für ihren Teil des Streits Verantwortung übernimmt. Dass ich es bedauer, dass sie lieber unsere Beziehung ( und bis vor einem Jahr haben wir aus meiner Sicht über Gott und die Welt reden können) wegwirft, als über ihren Schatten zu springen. Dass sie erwartet, dass man sich bei ihr für Fehler entschuldigt, aber ihren Teil dort nicht bringt.


    Ich hab angenommen, dass sie in ihrer Entwicklung bereits soweit ist, zu verstehen, was ich meine...


    Das meine ich mit klären, dass ihr unsere Beziehung wichtig genug ist, sich mit mir auseinander zu setzen...


    Einfach ein, Aywa, ich sehe, dass mein Verhalten blöd war, aber ich brauche Zeit...irgendwas in der Art...versteht ihr, was ich meine?

  • Ich glaube tatsächlich, du legst die Latte sehr hoch.
    Gerade in Eltern -Kind- Beziehungen (und du bist Stiefelternteil) funktioniert das sehr sehr spät, dass das „Kind“ Verantwortung für die Beziehung übernimmt. Vor allem dann, wenn es ein gesundes Gegenüber hat.

    Sie ist dir sehr wichtig, gib ihr Zeit und auch wenn du dich jetzt auf jeden Fall zurückziehst, sei später wieder gesprächsbereit.
    Das kann aber länger dauern, bis sie soweit ist, also nicht in Wochen und Monaten zählen. Vielleicht schafft sie es nie, denk an ihre Geschichte, denk, was sie erfahren hat und was ihr vorgelebt wurde:

    Kontaktabbruch statt Beziehung erhalten.

    Liebe Grüße
    Die Elefantendame


    Umwege erweitern die Ortskenntnis

  • Aywa, so sehr ich verstehen kann, dass Du ihr alles schriftlich mitgeteilt hast, weil ein Gespräch nicht möglich war - so sehr können geschriebene Worte auch total falsch ankommen; egal wie sehr man sich bemüht, so zu schreiben, dass es nicht missverständlich ist. Das kommt eventuell zu dem, was meine Vorschreiber meinten und dem ich mich anschließe, noch hinzu.

    LG
    CoCo




    Halte mich fern von der Weisheit, die nicht weint; von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.
    ~ Kalil Gibran ~

  • Deine Erwartungen an die junge Dame sind viel zu hoch.

    Das ist mir auch im deinen früheren Beiträgen zu dem Thema sauer aufgestoßen.

    Ich finde, ihr, du und dein Mann, regt euch über Dinge auf, habt Erwartungen, die nicht zur momentanen Situation passen.


    Mir kam es beim Lesen manchmal so vor, als sucht ihr geradezu nach Fehlern....die sie mit Sicherheit auch macht. Bei mir ist der Eindruck entstanden, es wird daran gearbeitet, das sie endlich auszieht.


    Die junge Dame hat erklärt, dass das Studium gerade die volle Leistungsfähigkeit beansprucht.

    Ich habe das Gefühl, sie ist ev. damit auch überfordert, will es sich aber nicht eingestehen.


    Was sie jetzt braucht, sind empathische Eltern mit sehr viel Verständnis und Geduld, die auch Mal ein Auge zudrücken.


    Ihr mit Vorwürfen und Nichtbeachtung zu begegnen, und sie damit praktisch zum Auszug zu zwingen, ist der falsche Weg.

  • Da habt ihr natürlich Recht, das muss ich mit einkalkulieren. Ich weiss auch, dass alles Zeit braucht...über mir ist einfach eine Welle der Enttäuschung aufgetaucht und auch das will erstmal bearbeitet werden...

  • Hey Bay...


    Ich weiss deinen Kommentar zu schätzen, allerdings muss ich an der Stelle intervenieren...


    Ich habe nicht nur hier nach Optionen gesucht, sondern auch in meinem Leben Unterstützung eingeholt...und was ich so gespiegelt bekommen habe, auch vom näheren Umfeld, ist eher das Gegenteil gewesen, dass wir viel zu nachsichtig waren...zu viel Verständnis hatten und uns da zu sehr nach ihren Bedürfnissen ausgerichtet haben...und das was wir von ihr erwartet haben, war der normale Alltag...ich bin da deutlich härter aufgewachsen und habe auch da schon unfassbar viel Verständnis entwickelt...aber es gibt Grenzen und die dürfen eingehalten werden....wir haben unfassbar oft Augen zugedrückt, entlastet und Verständnis gehabt....

  • Es wird dich nicht trösten, Aywa, aber der von dir beschriebene Kommunikationsabbruch, nach Auszug auch oft vollständiger Kontaktabbruch zu den Eltern, ist in der New-Adult-Generation der 18- bis 35jährigen (die weit über die Liebesschmökerleser hinaus geht), erschreckend weit verbreitet.


    Die Ursache für diese Gleichgültigkeit (oft sogar Hass) den Eltern gegenüber scheint vielfältig zu sein und wird den Eltern gegenüber regelmäßig nicht einmal ansatzweise kommuniziert (oder an einer objektiv betrachtet Geringfügigkeit festgemacht oder an nicht näher definierten Basics: "Nie habt ihr mich als eigenständige Person gesehen." - "Mein Leben durfte ich nie führen, immer nur euer Leben." etc.). Oft wird aber gar kein Grund angegeben und lässt die Eltern mit aller Ungewissheit zurück. (Die "guten" mit der verzweifelten Frage, was sie denn hätten anders, "besser" machen können.)

    Gern scheint das im Umfeld einer Depression aufzutreten. Gern bei dem Versuch des jungen Erwachsenen in Verbindung mit dem Versuch, sich auf seine "eigentlichen" Lebensziele auszurichten, die - so wird angedeutet - nicht von den Eltern fremdbestimmt sind.


    Zur Aussprache, zur Klärung kommt es selten. Vielleicht erst nach ein paar Jahren. - Diese Hoffnung tröstet im Hier und Jetzt natürlich gar nicht. Und die betroffenen Eltern schwingen frei zwischen Verzweiflung, Wut und dem Versuch, irgendeine Erklärung zu finden.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Wissenschaftliche Abhandlung sowie eine Reihe populärwissenschaftliche Buchveröffentlichungen.


    Sowohl für betroffene Eltern als auch für betroffene Kids, die sich von ihren Eltern verletzt fühlen.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Ob es zu einem totalen Kontaktabbruch kommt, ist doch noch gar nicht raus. Jetzt soll sie mal ausziehen und dann ist mal 14 Tage Ruhe und dann kann Aywa ja mal eine kurze WhatsApp schreiben und fragen , wie die neue Wohnung taugt.

    Sie ist 21? Glaub in dem Alter hätte ich Aywas Brief auch nicht zu schätzen gewusst (Stichwort „uncool“ 😏) und über so „sentimentalen Beziehungskram“ hätte ich mit dem Brief in der Hand mit meiner Mutter auch nicht reden wollen.


    Ist schwer, aber versuch, es nicht zu persönlich zu nehmen. Ich war in dem Alter in der Phase: „was kostet die Welt, ich Zahl in Bar“, wollte MEIN Leben leben. Was meine Eltern gedacht haben, hatte. Ich da wirklich nicht auf dem Schirm. Gar nicht bösartig, es waren grad andere Sachen wichtiger.
    Sie wird sich die Hörnchen schon abstoßen. Haben wir doch alle irgendwie gemacht. Sie will ihre Entscheidungen selbst treffen und in dem Alter darf man das auch. Die Konseqenzen muss sie dann ja auch selbst tragen (z.B. wie finanziert sie ihre Wohnung).


    Du hast Dein Bestes gegeben und das ist auch genug. Ich hab zu meinen beiden jeweils beim Auszug gesagt: so, hiermit ist mein Erziehungsauftrag beendet 🤩

    Warts ab, zu Anfang ist es komisch, und dann freust Du Dich über Deine zusätzliche Freiheit.

  • Wie Cappuccino schrieb: Du hast dein Bestes gegeben. Das solltest du dir einrahmen und über dein Bett hängen.

    Ich finde den Brief gut, auch wenn dieser sie nicht erreicht hat. So zum selbstsortieren.

    Allerdings würde ich jetzt aufhören mich weiter " nackt" zu machen, solange sie nicht von sich aus den Konflikt angehen möchte.


    Meine Tochter und ich geraten selten aneinander, aber wenn, so meine zwei Feststellungen: Werden sich alle Ecken völlig rundgemacht, es geht immer alles klar was sie sagt, alles ist falsch und verletzend was ich sage und am Übelsten fand ich vor ein paar Tagen, dass sie was gesagt hat, das mich wirklich getroffen hat und ich bemerkte ihre Freude darüber. Es blitzte in ihren Augen auf. DAS hat mich wirklich verletzt. Völlig klar war mir in dem Moment, dass sie in dem Konflikt selbst nicht in der Lage ist, sich von ihrem Standpunkt zu lösen oder sowas wie Empathie zu empfinden.

    Und auch wenn wir den Konflikt selbst gelöst haben, nagt das an mir. Weil es einfach so übel wehgetan hat und ich grundsätzlich denke, dass sie doch irgendwie kapieren muss, wie gut sie es hat. Wird sie nicht, weil das nun mal ihr gewohntes Leben ist.

  • Manche Kinder brauchen das einfach für ihre eigene Entscheidung, damit sie überhaupt den Absprung schaffen, benehmen sie sich so. Beweisen sich, dass es gar nicht so toll ist zu Hause. Meine beiden Großen waren auch ziemlich unerträglich kurz bevor sie ausgezogen sind. Die Wochen (oder waren es Monate?) davor. Da habe ich mir selbst gewünscht, dass sie bald weg sind. Die Stimmung war oft unterirdisch, aber es war mir schon klar, zumindest beim zweiten mal, warum. Und auch bei Freundinnen habe ich das schon miterlebt. Das Ausmaß war vielleicht nicht ganz so krass, aber das Muster gleich. So wie wenn jemand Streit beginnt kurz bevor er abreist. Sobald der Absprung geschafft war, war unser Verhältnis wieder richtig gut. Warte mal ab.

  • dass sie doch irgendwie kapieren muss, wie gut sie es hat. Wird sie nicht, weil das nun mal ihr gewohntes Leben ist.

    Doch wird sie. Rückblickend. 😉 Sie ist in der Pubertät; es ist ihr Job, sich abzugrenzen und abzunabeln. Und Deiner ist es im Grunde, die Erwachsene zu sein und Dich nicht auf "Machtspielchen" einzulassen. Das ist nicht immer so leicht; um so weniger, wenn es einen wirklich verletzt. Und wenn man selbst noch seine unbearbeiteten Baustellen hat. Ich habe das bei meiner Tochter leider auch nicht immer geschafft. Bei meinem Sohn schon etwas besser; da war die Situation aber auch eine ganz andere.

    LG
    CoCo




    Halte mich fern von der Weisheit, die nicht weint; von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.
    ~ Kalil Gibran ~

  • So, nu ist es soweit: Kind ist gerade beschwipst und viel zu spät heimgekommen. :|

    Ihr Freund hat sich ungefähr eine Million Mal bei mir entschuldigt und hat Tochter gerade tüchtig ausgeschimpft. Ich weiß gerade nicht, ob ich lachen oder sauer sein soll.^^

    Hoffentlich hat sie einen tüchtigen Kater.:cursing:

    Ich verstecke schon mal die Ibos. ^^

  • So, nu ist es soweit: Kind ist gerade beschwipst und viel zu spät heimgekommen. :|

    Ihr Freund hat sich ungefähr eine Million Mal bei mir entschuldigt und hat Tochter gerade tüchtig ausgeschimpft. Ich weiß gerade nicht, ob ich lachen oder sauer sein soll.^^

    Hoffentlich hat sie einen tüchtigen Kater.:cursing:

    Ich verstecke schon mal die Ibos. ^^

    Biete ihr zum Frühstück gleich ein Bier oder einen Schnaps an. Bei meinem Bruder hat das damals geholfen. :D

    „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe." (1. Korinther 16,14) - Jahreslosung 2024


    „Mach‘s wie Gott - werde Mensch.“ (Franz Kamphaus)