Beiträge von Kaj

    In Sachsen, wo man wieder auf zwei Examina setzt und für Lehrämtler den Bachelor-Master-Quatsch abgeschafft hat, definitiv. Es gibt heute mehr verpflichtende Praktika als früher.


    Fachlich muss man mehr können, als man ggf. mal unterrichtet. In Sprachen z.B. kann man ohne bestimmtes historisches Wissen (Sprachentwicklung) plus Spracherwerb beim Kind nicht verstehen, warum Kinder bestimmte Fehler machen. Und in der Oberstufe am Gymnasium wird auf ein Studium, also wissenschaftliches Arbeiten vorbereitet. Das geht nicht ohne Fachwissen. Außerdem muss man fächerverbindend und fachübergreifend arbeiten. Wie soll das ohne umfangreiches Studium gehen?

    Und dann gibt es da immer wieder die ganz schlauen SuS, die man mit unnützem Wissen echt beeindrucken kann…

    Glaub‘s mir, die saßen hinter mir, als ich in der Fünften oder Sechsten war.

    Wer eine regimekritische Meinung hatte oder aus der falschen Familie kam, dem wurde der Schulweg verbaut und er wurde in einen Beruf gedrückt.

    Heute wird im westdeutschen Schulerfolgssystem natürlich niemandem die Zukunft verbaut oder der Lebensweg, und niemand wird in einen Beruf gedrückt. Außer Hauptschüler und Behinderte. Die landen in irgendwelchen Aushilfsjobs oder Werkstätten und kriegen nichtmal Mindestlohn.


    Und wie war das nochmal mit den Berufsverboten in den 70ern und 80ern? Ach ja, ist ja schon lange her…darüber breitet man geflissentlich den Mantel des Schweigens.

    Darum sind ja auch eine Zeit lang unzählige Lehrerkommissionen nach Finnland gereist, um vom dortigen Schulsystem zu lernen.

    Und die Finnen haben vorher in der DDR hospitiert und sich an diesem Schulsystem, natürlich ohne die Ideologie, orientiert. Weil dieses Mint-Fach-fokussiert und praxis- bzw. berufsorientiert war und allen SuS dieselben Möglichkeiten geboten hat. Das konnten die CDU-geführten alten weißen Männer natürlich nur abbügeln und versenken. Wer will schon mit Arbeiterkindern im Hörsaal sitzen?


    Der Einsatz von Lehramtsstudenten ist ein rein organisatorisches Problem. Ständige Lehrerwechsel sind ja auch den Lerngruppen nicht gerade zuträglich.

    LuL über Jahre hinweg keine [Leistungen] erbringen müssen....


    vg von overtherainbow

    Wie nennst du diese Falschbehauptung dann? Ich nenne sie Aburteilen und Vorurteil und alle über einen Kamm.


    Ich bin raus hier. Mich kotzt dieses Lehrerbashing sowas von an. Geht erstmal vier Wochen in meinen Schuhen!

    Kaj bei Lehrevaluationen müsste man die Betroffenen sprich die SuS fragen. Ich denke, wir sind uns einig, dass die Qualität des Unterrichts das eigentliche Qualitätskriterium für Lehrkräfte sein müsste. Oder bewertest du deine SuS danach, wie schnell sie auf Mails antworten, oder wie groß ihr Kinderzimmer ist?

    Absolute Zustimmung!


    Wie kommt es dann nur, dass so viele Schlaumeier der Meinung sind, Schule von heute beurteilen zu können und meinen, Lehrern erzählen zu müssen, dass sie besseren Unterricht machen sollen und gefälligst mal arbeiten und weniger jammern? Wie viele Eltern stellen sich denn gerade auf die Hinterbeine und protestieren gegen die riesigen Klassen, in denen vernünftige pädagogische und didaktische Arbeit gar nicht mehr leistbar ist?!

    Ich seh keine…im Gegenteil: Bei uns hat ein Vater gefordert, die Klassen zu vergrößern und Vorlesungen in der Aula abzuhalten, damit die Stoffvermittlung gewährleistet ist.

    Krasse Ausfälle hat man doch an jeder Schule. Die Betonung liegt auf „krass“. Ich könnte dir auch sofort einen Namen nennen.

    Aber einer auf 120…und die werden wegen einem alle abgeurteilt wie in overtherainbows letztem Beitrag?

    Wie und woran will man denn Lehrerleistung messen? Wie schnell eine Klassenarbeit korrigiert wird? Wie oft Tablets eingesetzt werden? Ob Gruppenarbeit oder Frontalunterricht stattfindet? Ob SuS gut unterhalten werden oder gar selbst arbeiten müssen? Wie lange Lehrer X täglich in der Schule ist? Ob jede Email sofort und zu jeder Tages- und Nachtzeit beantwortet wird?


    Lehren und Lernen ist immer Interaktion. Und da spielen ein paar zwischenmenschliche Faktoren eine nicht zu kleine Rolle, von den äußeren Faktoren mal ganz abgesehen.

    Ich als schnöde Bürgerin, empfehle jammernden verbeamten Lehrer:innen mal 4 Wochen Vollzeit in der Pflege...

    Ich kann mit mehreren Monaten insgesamt dienen, denn das waren meine Ferienjobs während des Studiums, inkl. waschen, wickeln, putzen, füttern etc. pp.

    Die Arbeitsbedingungen für die Pflegekräfte waren damals schon grenzwertig. Bereichernd fand ich es trotzdem, sonst hätte ich das sicher nicht jeden Sommer gemacht.

    Dass verbeamtete Teilzeitler für die Bürger nicht "erklärbar" sind, verstehe ich nicht. Im Prinzip "lohnt" sich Teilzeit finanziell im Gegensatz zur Vollzeit nicht. Es gibt "teilbare" und "nicht teilbare" Aufgabenstellungen. An Konferenzen nimmt beispielsweise JEDER Lehrer Teil, egal ob Teilzeit oder nicht. Den Ausgleich für die Teilzeit unabhängig vom Unterricht zubekommen, ist teils schwierig. Abgesehen davon sollte vllt jeder Bürger, der das nicht versteht, mal ein 4wöchiges Vollzeitpraktikum in der Schule machen 😉

    Ich verstehe das schon. Lehrer werden auf Kosten des Staates ausgebildet. Wer dann grundlos nur ein paar Stunden zur Selbstverwirklichung und gegen die Langeweile zu Hause unterrichtet, gibt nicht zurück, was er bekommen hat. Und gerade jetzt im Mangel würde sich bei mehr Vollzeitlehrern die viele Arbeit anders verteilen. Ich habe Kollegen, die haben bei halber Stelle zwei freie Tage in der Woche. An den freien Tagen werden sie auch nicht eingesetzt, selbst wenn die Bude brennt. Das kannst du niemandem vermitteln, der rappelvolle Tage plus derzeit ständig Vertretungsstunden hat.

    Der Lehrerberuf ist in der Regel Mangelberuf, die Lehrkraft gesucht, vergleichsweise überdurchschnittlich hoch bezahlt und weder mehr noch weniger belastet wie als in anderen Berufen, so sie entsprechend qualifiziert ist.

    Hier fehlt nur noch die Aussage, dass Lehrer vormittags Recht und nachmittags frei und sowieso ständig Ferien haben.


    Fakt ist doch aber, dass, wenn der Beruf sooooooooo viele Vorteile hätte, viel mehr junge Leute in die Schulen streben müssten.

    Fakt ist auch, dass man als Lehrkraft für guten Unterricht eine Menge selbst investieren muss, weil die Ausstattung der Schulen unterirdisch ist. Und da kann ich mit meiner Schule noch sehr zufrieden sein.

    Fakt ist auch, dass Lehrer ständig mit ihren privaten Mitteln z.B. bei Klassenfahrten, Abordnungen und für Material in Vorleistung gehen und dann z.T. (z.B. bei Abordnung) nur einen Teil der Kosten ersetzt bekommen. Den Rest kannst du dir über die Steuererklärung zurückholen, falls es anerkannt wird.


    Wenn du abgeordnet wirst, erledigst du die Wege zwischen den verschiedenen Schulen in deiner Pause mit deinem Privatfahrzeug. Wo in der freien Wirtschaft ist dem so?

    Bei Klassenfahrten gehst du für deinen Platz in Vorleistung und kriegst die Kosten nur ersetzt, wenn die Schule noch Geld dafür hat. Dafür hütest du Tag und Nacht einen Sack Flöhe und kriegst von den Eltern nichtmal ein Dankeschön, aber gleich eins auf den Kopp, wenn Hänschen seine Jogginghose in der Jugendherberge vergessen hat.

    Es ist aber jeder gern eingeladen, bei mir 14 Tage mitzulatschen und zu erleben, wie ich in 45 min praktischen Musikunterricht mit 32 Sechstklässlern mache inkl. Instrumente verteilen und wieder aufräumen. Das bisschen Lärm in den 30 Übeminuten hält man locker aus. Mit Glück hat man gleich noch eine 6. hintendran, dann können die Instrumente auf den Tischen liegen bleiben. Spart 5 min.


    Die schlechten Arbeitsbedingungen macht kein noch so hohes Gehalt wett. Man will guten Unterricht anbieten, alle SuS mitnehmen, ohne irgendwann im Burnout zu landen. An den Schrauben muss gedreht werden. Mit mehr Gehalt und Tablets für alle ist die Kuh nicht vom Eis.

    Ich denke, man sollte mehr Anreize schaffen, damit mehr Lehrer Vollzeit arbeiten. Ich denke da z.B. an die lästigen ILE-Bögen für ALLE SuS. Problemfälle dokumentiert man sowieso, man führt Gespräche, involviert Fachpersonal etc. pp. Das ist dann eh in der Akte dokumentiert…also wofür ILE-Bögen für alle? Es fehlen auch z.B. sinnvolle Zensurenprogramme etc. Das Zeug kostet sooooo immens viel Zeit!

    Es ist auch ätzend, als Klassenlehrer immer in der Verantwortung zu stehen. Da muss es Entlastung geben, z.B. eine Stunde weniger unterrichten als Kollegen ohne Klassen.


    Wenn sich mir die Möglichkeit bietet, arbeite ich auch sofort weniger oder gehe ganz. Die aktuellen Zustände sind katastrophal für alle.

    Bei uns sind es 32, in manchen Sprachkursen sogar 33 oder 34. Mehr passen nicht in die Räume.


    Wird Zeit, dass Eltern sich zusammenschließen und protestieren.


    Die Einschränkung bzgl. Teilzeit finde ich aber gut. Im öD wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf garantiert, da sollten ein paar Stunden mehr möglich sein, wenn die Kinder im Schulalter sind und die Eltern noch nicht pflegebedürftig o.ä. Manche bei uns arbeiten nur aus Selbstverwirklichungsgründen und lassen alle Nase lang raushängen, wiiiiiiiiie überfordert sie mit nur einer Stunde mehr wären, denn sie haben ja noch sooooo viel zu tun, u.a. die Putzfee zu beaufsichtigen.

    Meiner Erfahrung nach lohnt es sich nur eher sich den anderen zuzuwenden und dem Ganzen möglichst wenig Bühne zu geben.

    Das ist richtig, nur leider nicht immer möglich. Ich muss auch Grenzen aufzeigen und darf meine Grenzen auch deutlich machen, sonst bringt ein solcher Schüler andere auf Ideen.