Klassenfahrt und Ramadan

  • Meine Tochter (15) fährt in einigen Wochen auf Klassenfahrt und dieser Zeitraum fällt in den Ramadan.

    Nun sollen wir Eltern uns zu der Idee äußern, dass alle Kinder um 4 Uhr gemeinsam das Frühstück einnehmen und anschließend wieder schlafen gehen. Es "betrifft" zwei Kinder, die von der Gruppe nicht ausgeschlossen werden wollen.

    Könnt ihr verstehen, dass ich mich dieser Abstimmung der Eltern eigentlich entziehen möchte und gerne die Kinder entscheiden lassen möchte?


    Brauche dringend Input!

    Liebe Grüße Sternenfeuer

  • Wie ist denn der Plan bezüglich der christlichen Fasten- und Passionszeit, die dieses Jahr ja ziemlich parallel läuft? Gibt es da Nachfrage und Ideen?


    Aber ernsthaft; Je fundamentalistischer der islamische Glaube ausgeübt wird, desto stärker wird bereits von Kindern und Jugendlichen das Fasten verlangt. Die verschiedenen Strömungen innerhalb des Islam diskutieren das heftig.

    Die freie Religionsausübung ist sicherlich ein hohes und schützenswertes Gut. Aber ob die Unterstützung so weit gehen muss, wie es jetzt hier vorgeschlagen wird, da bin ich mir nicht sicher. Unter anderem werden damit etwaige liberalere Angehänger des Islams erheblich unter Druck gesetzt. Das passiert in D schon viel zu sehr.


    Denkbar kann sicherlich sein, dass um 4 Uhr wer will und ggfls. aus Solidarität frühstückt. Und dann den Tag über auch fastet oder sich essensmäßig sehr zurück hält - wer es aus Solidarität will, wohlgemerkt. (Wie sieht es mit dem Personal aus? Was muss da zusätzlich geleistet werden?)

    Es muss aber auch die andere Möglichkeit angeboten werden: Normales Frühstücken.


    Gut ist sicherlich der Gedanke, hier die Jugendlichen entscheiden zu lassen. Sich sachkundig zu machen, zu diskutieren, zu entscheiden. Das sollte aber ergebnisoffen passieren. Hier scheint im Vorfeld ja schon ein bisschen was gelaufen zu sein.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Guten Morgen,

    für mich wäre das ein no go. Jeder soll die Religion ausüben, die er möchte aber dass dann alle anderen das mitmachen müssen, geht für mich gar nicht.

    Der Vorschlag von volleybab ist gut.

    Überleg mal wann die aufstehen müssen wenn sie um 4 Uhr frühstücken sollen.

    Ich könnte da keinen Bissen runter bekommen.

    Es gibt nichts Schöneres als geliebt zu werden,


    geliebt um seiner selbst willen oder


    vielmehr trotz seiner selbst.


    Zitat Victor Hugo

  • Ich schließe mich Volleybaps Vorschlag an.

    Wenn sich andere den beiden anschließen wollen ,dann sollte das ermöglicht werden. Wenn es aber zu einem Zwang wird, dass die gesamte Klasse das so handhaben muss, damit 2 sich nicht ausgeschlossen fühlen fände ich das kritisch. Ich finde es auch als zu kurz gedacht. Müssen dann die Unternehmungen unterbrochen werden, da sie in die Gebetszeiten fallen und sollen dann alle daran teilnehmen und wie ist das tagsüber mit fasten?
    Woher kommt denn das Frühstück um 4 Uhr? Sind sie in eine mSelbstversorgerhaus? Denn um 4 Uhr, wird noch kein Personal zur Verfügung stehen, dass für Frühstück für eine gesamte Klasse sogt.

    Was ist mit Kindern, die nciht schwimmen können? Müssen dann alle auf das Spaßbad verzichten?
    Was, wenn Kinder vegan leben? Sollen dann alle anderen das für diese Zeit auch, um den Veganern zu erspraren Fleisch zu sehen?

    Auf freiwilliger und Selbstbestimmter Basis gerne, aber eben nur dann.

  • Wer hatte denn die Idee?

    Da Schule sich religionsneutral zu verhalten hat, würde ich als Lehrerin ein solches Ansinnen nicht unterstützen, ja sogar ggf. unterbinden. Welcher Schüler schläft nach einem Frühstück von 4-5 nochmal? Und ab wann hängen die SuS dann in den Seilen (spätestens mittags)? Das ist doch völlig unpraktikabel.

    „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe." (1. Korinther 16,14) - Jahreslosung 2024


    „Mach‘s wie Gott - werde Mensch.“ (Franz Kamphaus)

  • Also ich persönlich würde es die Kinder entscheiden lassen. Aber das würde für mich einige Fragen aufwerfen. Gutes zusätzlich noch Frühstück für welche lang schlafen. Was ist über Tag gibt es da auch essen und trinken oder sollen die Kinder auch solidarisch sein. Und wie sieht es mit dem Abendessen aus Sonnenuntergang ist ja ca 19.45 Uhr gibt es das dann auch zu dieser Zeit?

  • Ich danke euch für eure Meinungen.

    Der Wunsch wurde von den Eltern der zwei Kinder geäußert. Zwischenzeitlich konnte ich bei der Jugenherberge in Erfahrung bringen, dass um die Uhrzeit kein Personal zur Verfügung steht. Die Kinder könnten sich aber etwas vom Abendessen mitnehmen und es dann um 4 Uhr in der vorhandenen Mikrowelle eigenständig erwärmen. Ich bin gespannt, ob das dann auch für ca. 100 Schüler umsetzbar sein wird....

  • Der Wunsch wurde von den Eltern der zwei Kinder geäußert.

    Aha.

    Und wenn man den beiden vorschlägt, dass sie aus Solidarität bitte mit anderen an einem Gottesdienst, einer buddhistischen Zeremonie oder weiss der Kuckuck während der Klassenfahrt teilnehmen sollen ;-)


    Mirkowelle und 100 Schüler? No way. Es geht ja nicht nur um das Essen. Es werden ja auch Getränke benötigt etc.
    Das es um diese Zeit niemanden gibt, der dort arbeitet ist doch klar. Denen müsste ja eine Nachtschichzulage gezahlt werden. Vielleicht können ja die beiden Eltern mit Frühstück für alle anrücken ;-)

  • Ich danke euch für eure Meinungen.

    Der Wunsch wurde von den Eltern der zwei Kinder geäußert. Zwischenzeitlich konnte ich bei der Jugenherberge in Erfahrung bringen, dass um die Uhrzeit kein Personal zur Verfügung steht. Die Kinder könnten sich aber etwas vom Abendessen mitnehmen und es dann um 4 Uhr in der vorhandenen Mikrowelle eigenständig erwärmen. Ich bin gespannt, ob das dann auch für ca. 100 Schüler umsetzbar sein wird....

    Warum delegierst du das nicht an die Lehrkräfte?

    „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe." (1. Korinther 16,14) - Jahreslosung 2024


    „Mach‘s wie Gott - werde Mensch.“ (Franz Kamphaus)

  • Mich hat es schlichtweg einfach nur interessiert. Ich habe dort nur nachgefragt, ob es generell möglich wäre.

    Die Antwort hat mich jetzt auch nicht überrascht, verstehe aber gerade die "Abstimmung" der Eltern nicht. Offensichtlich haben sich weder die Klassenlehrerin, noch die betreffenden Eltern informiert, ob es vor Ort so überhaupt durchführbar ist.

  • Sind die anderen Eltern alle damit einverstanden? Ich wäre aus schon genannten Gründen auch dagegen. Käme vielleicht noch darauf an, was mein Kind selbst dazu sagt.

    LG
    CoCo




    Halte mich fern von der Weisheit, die nicht weint; von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.
    ~ Kalil Gibran ~

  • Ich würde das ganze Thema komplett ignorieren!


    Sollen doch bitte die Eltern der beiden Schüler eine Lösung finden, obwohl ich mir nicht ansatzweise vorstellen kann, dass zwei Teenies nicht auch etwas länger schlafen wollen, anstatt um 4:00 Uhr zu frühstücken. Ich denke, dass hier die Eltern eher treibende Kraft sind.


    Die Schüler sollten doch in der Schule einen sicheren Hafen haben und nicht permanent unter dem Einfluss ihrer Eltern stehen!

  • Ich wäre auch gegen die Idee.


    Ich finde es inzwischen übrigens immer merkwürdiger, dass immer mehr Menschen wissen, wann Ramadan ist und christliches Fasten überhaupt kein Thema ist.

    "We don´t make mistakes, just happy little accidents." - BR

  • Problematisch finde ich in dem Zusammenhang die Aufsichtspflicht der Lehrer. Es müsste ja mindestens ein Lehrer dann mit um 4 Uhr aufstehen, um die Schüler zu beaufsichtigen.

    Außerdem müsste die Unterkunft da mitspielen. Das kann ich mir kaum vorstellen. Oder sind die Kinder in Selbstversorgerhäusern?

    Ich stelle es mir schwierig vor um 4 Uhr aufzustehen, was zu essen, dann wieder zu schlafen und dann kurze Zeit später wieder aufzustehen, um an einem Ausflug, Führung, etc., (was man auf Klassenfahrten so macht) teilzunehmen.

  • Ich wäre auch gegen die Idee.


    Ich finde es inzwischen übrigens immer merkwürdiger, dass immer mehr Menschen wissen, wann Ramadan ist und christliches Fasten überhaupt kein Thema ist.

    Christliches Fasten ist ja etwas, das Christen betrifft. Wenn die christliche Kirche keinen Zulauf mehr hat und ihre Mitglieder nicht fasten (und auch andere christliche Bräuche) nicht leben möchten, sollte die christliche Kirche schauen, woran das liegt und überlegen, wie sie es ändern kann. Da ist wohl kaum der Islam in der Verantwortung.