Sprachentwicklung im Kindergartenalter - bis wann ist Lispeln ok?

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  • Aloha ihr Lieben!


    Eine kurze Frage in die Runde: Haben eure Kinder im Kindergartenalter gelispelt? Wenn ja, welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht?


    Die Rumpelwichtin wird im März 4 Jahre alt und ist so eigentlich sprachlich ziemlich fit, würde ich sagen. Plappert wie ein Wasserfall, lernt fleißig neue Worte und Redewendungen dazu etc. Aber sie lispelt nach wie vor ganz massiv (v.a. die Klassiker "s" und "sch", aber auch andere Konsonanten sind manchmal ein Problem). Ist das in dem Alter noch ganz normal oder sollte ich mit ihr mal zum Arzt? Habe irgendwo gelesen, dass Kinder, die lange lispeln, später häufig eine Lese-Rechtschreib-Schwäche entwickeln. Das würd ich ihr gern ersparen, aber ich will sie auf der anderen Seite auch nicht völlig unnötig zum HNO oder Logopäden schleifen.

    "No one can make you feel inferior without your consent" Eleanor Roosevelt

  • Ich würde den Zahnwechsel abwarten. Ich habe als Kind auch gelispelt, das hat sich erst recht spät gegeben. Und dass ich an einer LRS leide, kann nun wirklich niemand behaupten, das scheint mir völliger Unsinn. Welche Schwäche entwickeln dann dieser Theorie nach Stotterer? :/

    I am a bear of very little brain, and long words bother me. (Winnie-the-Pooh)


    Ein Leben ohne Bücher ist nicht lebenswert. (Erasmus von Rotterdam)

  • Ich hab mich auch schon gefragt, ob das mit dem Stillen zusammen hängt. Ja, das wird jetzt wieder einige in Schockstarre versetzen, aber mein Kind mag zumindest abends zum einschlafen und morgens beim Aufwachen noch ein paar Minütchen gestillt werden, wenn sie bei Mama ist... big deal... nicht :P

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  • Die Zischlaute sind die schwierigsten, die in der deutschen Sprache zu bilden sind. Entsprechend kann es gut sein, dass sie erst am Ende der (ersten) Sprachentwicklung sauber gebildet werden. Da setzt man das Ende so zwischen vier und sieben Jahre, wenn ich mich richtig erinnere.


    So gesehen bist du mit der Rumpelwichtin noh im grünen Bereich.


    Nun kann es für das Lispeln neben der Sprachentwicklung auch andere Ursachen geben. Das reicht von körperlichen Fehlbildungen bis zu psychischen oder technischen Gründen. Auf die körperlichen Fehlbildungen wie "Hasenscharte" guckt man als Elternteil und auch der Arzt.

    "Psychische" Gründe können "Gruppenzwang" oder "Sprachspielereien" sein: Ein bestimmte Aussprache gehört zur "social group" oder fördert die Aufmerksamkeit Dritter - halt so Zeugs, das den Kids oft gar nicht so sehr bewusst ist. "Technische Gründe" kann das berühmte Bonbon im Mund sein. Ich habe darunter auch immer Wachstumsbesonderheiten gezählt: Mal wächst die Zunge schneller als der Gaumen, mal langsamer. Mal wachsen die Milchzähne schräg nach hinten, mal nach vorne. Und immer muss das Kind sich neu einstellen. - Die letzten Gründe sind immer nur vorübergehend und damit Larifari.

    In der Praxis heißt das aber In der Regel wird eh erst eingegriffen, wenn die zweiten (Schneide)Zähne da sind. Vorher ist alles, was Sprachbildung angeht, eher was für Helikoptereltern und weniger substantiell.


    Lange Rede, kurzer Sinn: Behalte es im Blick/Ohr. Korrigiere ggfls. (um zu beobachten, ob du eine Ursache feststellen/abstellen kannst mit Hausmitteln). Und immer gut: Viel (artikuliertes/dramatisches) Vorlesen und Nacherzählen lassen. Also "mit Sprache spielen".


    Unsere Kids haben phasenweise alle gelispelt und haben ungenaues Sprechen etc. sich immer wieder für kurze Phasen angewöhnt (bis in die Zwanzigerjahre hinein, hüstel) und abgewöhnt ...

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Danke dir, Bap :)


    Du hast bestimmt recht und es gibt gar keinen Grund zur Sorge... ich bin nur etwas hellhörig (haha, Wortwitz) an der Stelle, weil KV und seine Geschwister in dem Alter wohl alle Hörprobleme wegen Flüssigkeit im Gehörgang hatten oder so was in der Art. Beim jüngsten Geschwisterkind des KV ist das wohl lange keinem aufgefallen und so konnte der erst nach einer OP mit ca. 7 Jahren ordentlich sprechen. So was macht mich dann doch dezent nervös. Gibt's außer der fragwürdigen Aussprache vielleicht noch andere Symptome, an denen ich festmachen könnte, ob mein Kind einen Hörfehler hat? Oder sollte ich da bei Sorgen einfach direkt zum HNO tigern?

    "No one can make you feel inferior without your consent" Eleanor Roosevelt

  • Leslie, erster Schritt sollte vielleicht sein, dass du dir das genaue Krankheitsbild von der Ex-Familie holst. Damit der Doc ggfls.weiß, wonach er gucken sollte. Denn das scheint ja eine nicht augenfällige Sache zu sein.


    Zweiter Schritt war bei mir immer der KiA. Bei U-Untersuchungen bzw. den Erkrankungsbesuchen habe ich so Sachen immer durchgesprochen. Und sollte dann der Facharzt ran müssen, habe ich mir Tipps von KiA geholt, welcher Facharzt denn Kindern zugewandt ist, welche Erfahrungen mein Doc mit dem hat(te).

    Liebe Grüße



    Bap



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  • Boa, ich weiß gar nicht mehr, wie das genau bei Sohni war. Aber ich glaube, ich war auch bei der Logo, als er mit den bleibenden Zähnen immer noch gelispelt hat. Das war übrigens wohl eine rein motorische Sache. Die Logo hat ihm gezeigt, wo die Zunge beim S stehen muß und er mußte das mit einem Finger kontrollieren und nach zwei oder drei Sitzungen war die Sache durch.

  • Hallo leslie_w,


    es spart sicherlich nicht den Weg zum HNO, gleichzeitig ist hier der Paukenerguss von meinem Gold eigentlich ganz klassisch aufgefallen.


    Einfach mal weggucken, wenn Du mit der Rumpelwichtin sprichst oder bewusst den Mund bedecken (z.B. hinter einem neuen Buch „verstecken“) und Mimik weglassen.


    Es klingt banal, aber ein nicht unwesentlicher Teil der täglichen Dialoge und Handlungen sind mit so kleinen Kindern doch sehr gleich.


    lg von overtherainbow

  • Mein Junior hatte massiv mit Paukenergüssen zu tun, auch heute wird bei jedem Schnupfen die Aussprache verwaschen, weil die Ohren dicht sind.

    Er hat mir 3,5 Jahren überhaupt das erste Mal was Verständliches gesprochen, da war OP Nummer 2 gerade vorbei und endlich hörte er mal was...

    Lispeln ist aus meiner Sicht eher kein Zeichen für Paukenergüsse. Neben der verwaschenen Aussprache kamen beim Junior durchgeschriene Nächte dazu, weil der Druck auf den Ohren schmerzhaft war.

    Aber es schadet nichts, mal beim HNO vorstellig zu werden. Ich hab das damals am Kinderarzt vorbei gemacht, der das alles nicht besorgniserregend fand und war heilfroh, dass endlich die Ursache gefunden war. Eltern und Kind gingen zu den Zeitpunkt quasi auf dem Zahnfleisch wegen der Nächte.

  • Junior hat mit 2 Jahren eine mittelmäßige Aussprache an den Tag gelegt, hat auch nicht immer mitbekommen wenn er angesprochen wurde. Richtig auffällig wurde es dann, als wir seine Fehlsichtigkeit mit einer Brille behoben hatten.

    Er hatte immer auf die Dinge gezeigt, nur bei direkter Ansprache reagiert plus verwaschener Sprache.

    Ich bin dann zum Kinderpädaiulogen gegangen, der uns nach 3 wöchiger homöopathischer Behandlung ins Krankenhaus schickte.

    1. OP Polypen und Paukenergüsse beheben.

    2. OP anderer HNO und anderes KH: Polypen, Paukenergüsse beheben und Röhrchen. 2 Jahre nach der 1sten OP.

    Danach hatte Junior rund 9 Monate Logopädie, die dann durch den Zahnwechsel beendet wurde.


    Nach dem Drama mit dem ersten Paukenerguss, der von Anfang an anfälligen Ohren (erbliche Vorbelastung durch den KV) bin ich da sehr hellhörig. Ich bin unserem HNO ja fast auf den Geist gegangen, wegen dem Logopädie Rezept und der jährlichen Untersuchung. Aber nachdem ich ihm die Situation des KVs, wie ich sie kenne, darlegte, hatte er Verständnis.


    Solange keine körperlichen Beschwerden dazu führen, denke ich, dass es einfach eine kindliche Art ist, die Muttersprache zu entdecken.

    Junior hat das, wegen der OPs nicht so gemacht, dafür fängt er in der 2ten Klasse damit an- der kann jetzt Quatsch Wörter mit klarer Aussprache.

  • Deine Rumpelwichtin ist drei Jahre alt. Sie ist sprachaktiv und hat einen großen Wortschatz. Sprechfreude ist ein ganz großes plus.

    Aus Erfahrung mag ich dir sagen, dass Kinder in dem Alter noch sehr viel mit Sprache experimentieren und sich viele Dinge auch verflüchtigen.

    Wir betreuen jede Menge Kinder in dem Alter, bei denen es noch an der Aussprache "klemmt", aber die Sprachentwicklung völlig im grünen Bereich liegt. Kinder, die poltern (z.B. Weißt, du, weißt du, weißt du was) also ganze Wörter wiederholen, die verwaschen sprechen oder bei denen einige Laute noch nicht sauber gesprochen werden. Das ist nichts besorgniserregendes.

    Wichtig finde ich es, den Kinder die Sprechfreude nicht zu nehmen, indem sie im zarten Alter schon das Gefühl bekommen, etwas nicht richtig zu machen.

    Was ich machen wäre: Ganz viele Sprachanlässe schaffen, wo gerade diese Zischlaute eine große Rolle spielen. Es gibt dazu eine Menge Sprech-und Spielreime. Wenn du magst, dann schicke ich dir per pn ein, zwei Beispiele.

    Richtig lustig finden Kinder es, wenn man zusammen z.B: wie ein Roboter spricht oder langsam wie eine Schnecke oder sich mal einen Korken zwischen die Lippen klemmt. Oder Mundfühlsipiele z.B. mit ungekochten Nudeln, Reis o.ä.. macht. Das ist auch noch ein Riesengaudi. Also, alles ganz spielerisch zu Hause. Kinder lieben es, andere zu verbessern. Eine Handpuppe o.ä., die mit Absicht falsch spricht macht nicht nur Spaß, sondern lockt auch Kinder, diese zu verbessern. Z.B. Oh, ein Metterling (Schmetterling natürlich, das weiß doch jeder:S)

    Es gibt einige sehr gute Bücher zu dem Thema, die nicht nur für Fachkräfte zu verstehen sind. Mein Favorit(wenn auch ein ziemlich altes Schätzchen): Rund um den Mund. Welches ich für Eltern auch noch gut finde ist: Warum gähnt das Nilpferd? Das finden Kinder auch richtig lustig.


    Prima ist es auch, wenn man nicht das Gesprochene korrigiert, sondern selbst richtig wiederholt, damit es Kinder nochmal richtig hören.

    Ich würde beim nächsten KA -Besuch darauf hinweisen und mir seine Meinung nochmal anhören.

    So richtig tätig würde ich erst werden, wenn ich das Gefühl hätte, da verändert sich im Laufe des nächsten Lebensjahr überhaupt nichts.

    Wenn Rumpelwichtin schon eine Tageseinrichtung besucht, dann würde ich auch da nochmal nachfragen.


    Mach dir nicht zuviele Sorgen.

    Liebe Grüße


    Friday

    Einmal editiert, zuletzt von friday ()

  • Ergänzend zu Fridays Vorschlägen möchte ich unbedingt noch das Singen ergänzen. Die Texte in Reim und Vers merkt man sich leicht, man kann Quatschlieder machen (Drei Chinesen mit dem Kontrabass) oder einfach auf eine einfache bekannte Melodie neuen Text erfinden, z.B. über das, was man gerade tut.

    Es gibt auch tolle Bücher mit Gedichten für Kinder, meist sind da so schöne Sprachspiele wie „Ottos Mops“ oder „Seepferdchen und Flugfische“ von Hugo Ball. Letzteres müsste sich im gutenberg-projekt finden, einfach mal googeln.

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  • Danke friday und Kaj für die Tipps!


    Die Rumpelwichtin geht in der Tat schon in die Tagesbetreuung, seit sie 6 Monate alt ist. Da wird auch viel geredet, die üblichen Spiele gemacht etc. Singen, Quatsch-Wörter erfinden und eigene Lieder dichten tut sie auch ganz fleißig (gern mit eigener Gitarrenbegleitung und im Weihnachtsmann-Kostüm :D), also so ganz massive Sorgen mach ich mir da sowieso nicht bei ihrer Sprachentwicklung, das läuft eigentlich schon ganz gut.
    Wir haben jetzt aber in Abstimmung mit dem KA trotzdem mal für Januar einen Termin beim HNO gemacht, weil KA auch meinte, dass man bei der familiären Vorgeschichte zumindest mal vorsichtig hin schauen sollte, ob das vielleicht tatsächlich erblich war.

    "No one can make you feel inferior without your consent" Eleanor Roosevelt