Zwischenzeugnis ausstellen lassen?

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  • Hallo zusammen,


    bei uns in der Arbeit ist es seit einiger Zeit etwas... ungemütlich. Meine Chefin hat zwischenzeitlich immer mal wieder die Sozialkompetenz und die Empathie eines Rasenmähers, und manchmal bringt sie Schoten, die mich, trotz aller Gelassenheit, doch manchmal auf die Palme bringen und/oder sprachlos zurück lassen. Das, gepaart mit der Tatsache, dass ich nach Nachttarif bezahlt werde und dadurch deutlich weniger verdiene, als meine tagsüber arbeitenden Kollegen, lässt mich mit dem Gedanken spielen, mich beruflich eventuell neu zu orientieren.


    Daher kam mir der Gedanke, mir ein Zwischenzeugnis ausstellen zu lassen und mich einfach mal auf Doof in einem anderen Haus zu bewerben. Außerdem habe ich die Hoffnung, dass es meine Verhandlungsposition stärkt, wenn sie fürchtet, dass ich mich ernsthaft mit dem Gedanken trage, zu gehen. Immerhin sind wir mit 2,5 Stellen unterbesetzt, meine Nachtdienstkollegin geht nächstes Jahr in Rente und wir müssen dann mit 6 Mann (Frau) einen 24/7-Betrieb gewährleisten. Wenn ich dann auch noch weg wäre, würde es ganz schön dünn werden.


    Nun habe ich damit noch so gar keine Erfahrung; bei meinen vorherigen Stellen habe ich einfach immer die Befristung auslaufen lassen und kurz vor Ende ein Abschlusszeugnis verlangt. Das ist jetzt der erste Job, in dem ich länger bin. Wie würdet ihr das denn handhaben?

    Man sitzt insgesamt viel zu wenig am Meer...

  • Wie du sagst: Wenn ein Mitarbeiter sich sein Zwischenzeugnis ausstellen lässt, klingeln beim Vorgesetzten die Alarmglocken. Also der Schuss könnte auch nach hinten losgehen.

    Idealerweise nimmt man die Gelegenheit eines Vorgesetztenwechsels oder einer Versetzung innerhalb des Betriebs als Anlass dafür. Das ist durchaus üblich und nichts Unkeusches.

    Wenn sich seit deiner Einstellung in deiner Tätigkeit aber keine Veränderungen ergeben haben, keine neuen Verantwortungen hinzukamen, und es so "keinen betrieblichen Grund" dafür gibt, solltest du dich darauf gefasst machen, direkt in ein Gespräch verwickelt zu werden. Also am besten übst du vorher mit einer Freundin solch ein Mitarbeitergespräch ein.

    Du solltest dir über alles was du sagen möchtest VORHER klar sein. Und du musst wissen, was du nur denken, aber auf keinen Fall sagen möchtest/darfst.

    "Und wofür willst du dann das Zwischenzeugnis, wenn es dir hier, wie du sagst, so gut gefällt?"

    "Ja, bekommst du, nur im Moment muss ich ... und deshalb gib mir etwas Zeit."

    "Ach, du möchtest uns verlassen?"

    solche und ähnliche Fragen und Vertröstungen werden kommen, und du solltest wissen, wie du freundlich aber bestimmt, deine Position vertrittst.

    Lass dich von einer Freundin so richtig in die Mangel nehmen. Je schlimmer sie dich "grillt", desto besser bist du gewappnet für das Gespräch.

    (Das Wort "grillen" stammt nicht von mir. Dieses "Kompliment" hat ein Republikanischer Kandidat nach seiner Befragung durch Kamala Harris ihr gemacht.)

    Ach die Liebe hat's so eilig, nur die Feindschaft wird nie langweilig ... (Rio Reiser)

  • Kannst Du einen Nebenjob oder eine Qualifikation, die Du anstrebst vorschieben?


    Ich brauchte kürzlich ein Zeugnis für eine Quali, ich bin froh, die in der Tasche zu haben...

    Never argue with an idiot, he will drag you down to his level and beat you with experience!

  • Wenn ich mich recht erinnere , bist du auch in der Alten- oderKrankenpflege unterwegs. Solltest du Fachkraft sein, kannst du ohne irgendetwas zu befürchten selbstbewusst mit erhobenem Kopf zu deiner Vorgesetzten gehen und ein Zwischenzeugnis verlangen. Dafür brauchst du gar keinen Grund angeben. Natürlich könnte sie dich fragen, warum du das möchtest, daraufhin solltest du ehrlich antworten und ein Gespräch mit ihr führen. In diesem Gespräch kannst Du die Dinge anführen, die dich stören. Vorgesetzte in solchen Berufen sollten immer ganz ganz nett zu ihren Mitarbeitern sein. Manche Mitarbeiter nutzen dieses Wissen allerdings auch aus und werden richtig frech aber das ist eine andere Geschichte. In was für einem Betrieb arbeitest du denn, das du als Nachtwache weniger Geld verdienst als der Tagdienst?

  • Ich arbeite im Krankenhauslabor und bin für Bereitschaftsdienste eingestellt - das heißt, ich mache nur Nacht- und Wochenenddienste. Deswegen bin ich in einen anderen Tarif eingruppiert als meine Kolleginnen, die diese Bereitschaftsdienste zusätzlich zu ihren Stunden ableisten, dafür jedoch auch nur 90% ihres normalen Stundenlohns erhalten. Ich allein decke im Moment etwa 1/3 aller Dienste ab und komme dabei im Schnitt auf ca. 35-40 Stunden/Woche. Sprich, falle ich weg, haben die Anderen ein Problem, vor allem, da meine andere Nachtdienstkollegin, die ca. 1/4 aller Dienste macht, im Februar in Rente geht. So schlecht ist meine Verhandlungsposition also nicht, drum überlege ich eben, ob so ein "Schuss vor den Bug" mir da nicht vielleicht nützlich sein könnte. Eine Zusatzausbildung oder in Nebenjob wäre extrem unglaubwürdig, weil ich wirklich voll mit meinem Haupt ob ausgelastet bin. Darum fällt diese Beg leider weg.


    Edit: Ich bin staatlich geprüfte Medizinisch-Technische Laborassistentin, also eine Fachkraft in meinem Bereich.

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  • Wie Tahila schon geschrieben hat: Du brauchst keinen Grund für ein Zwischenzeugnis. Verlange es einfach und lass die Chefetage grübeln. Vielleicht machen sie dir von selbst ein besseres Angebot bzgl. Bezahlung.

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    Ein Leben ohne Bücher ist nicht lebenswert. (Erasmus von Rotterdam)

  • Ok. Mit der Eingruppierung hat deine direkte Vorgesetzte wahrscheinlich nichts zu tun. Das hängt dann ja am Tarifvertrag des KH.
    was möchtest du denn verhandeln? Und wie sind deine Chancen auf einen anderen Job? Kannst du in den Tagdienst wechseln? Wenn du selbst unflexibel bist , wäre ich an deiner Stelle vorsichtig damit Ansprüche Zu stellen.
    so wie ich es verstehe missfällt dir das zwischenmenschliche Verhalten deiner Vorgesetzten. Du kannst ihr deine Wahrnehmung spiegeln. Da finde ich Vollbios Vorschlag gut dies zu üben gut.
    dann liegt es an deiner Vorgesetzten, ob sie mit dieser Information professionell umgeht.
    wenn es dir wegen des Zwischenzeugnisses nur um den Schuss vor den Buk geht , dann würde ich ein offenes Gespräch bevorzugen

  • Vorgesetzte in solchen Berufen sollten immer ganz ganz nett zu ihren Mitarbeitern sein. Manche Mitarbeiter nutzen dieses Wissen allerdings auch aus und werden richtig frech aber das ist eine andere Geschichte.

    Im Krankenhaus ist der Umgang mit Mitarbeitern üblicherweise unterirdisch, es sei denn, man hat eine gewisse Gehaltsstufe erreicht, dann gehts.


    Warum bekommst Du Nachts weniger? Ist das ein Bereitschaftsdienst? Stufe D?


    Ansonsten gibt es ja eher Nachtzuschläge.


    Gerade die Nachtdienste sind ja extrem unbeliebt, da kannst Du sicher verhandeln, eine Zulage von ein paar hundert Euto im Monat sollte locker drin sein.

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  • da kannst Du sicher verhandeln, eine Zulage von ein paar hundert Euto im Monat sollte locker drin sein.

    Leider nein, das hab ich schon durch.

    Ist das ein Bereitschaftsdienst? Stufe D?

    Genau



    Ich bin halt einfach genervt, weil neue Kolleginnen hofiert werden ohne Ende (sofortige Eingruppierung in Stufe 6, Urlaub über Weihnachten 2 Wochen lang, keine Dienste an Feiertagen oder Wochenenden) während der "Altbestand" das auffangen soll. Wird dann doch einmal ein Wochenenddienst gemacht, wird den neuen Kolleginnen bei den Tagdiensten "entgegengekommen" (was heißt, dass ich gebeten werde, vor oder nach meinem Dienst ein paar Stunden zusätzlich zu machen). Nachdem ich lange Zeit vieles möglich gemacht habe, habe ich nun auch einmal das "Neinsagen" für mich entdeckt. Jetzt bin ich die Böse, Unkollegiale, weil ja bei den anderen nicht nur ein Kind, sondern zusätzlich auch ein Mann da ist, der versorgt werden muss, da solle ich doch mal Rücksicht drauf nehmen (ja, genauso habe ich das von meiner Chefin gesagt bekommen). Da ist für mich jetzt schön langsam der Ofen echt aus. Darum habe ich mich jetzt einfach mal umgeschaut, und es gäbe schon echt schöne Stellen - allerdings mit dem Haken, dass ich da immer mindestens 45 min einfache Fahrt hätte, während ich jetzt bei 15 min liege.


    Naja, vielen Dank auf jeden Fall für die Denkanstöße, ich lass mir jetzt einfach nochmal durch den Kopf gehen, ob und wenn ja was ich machen werde.

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  • Jetzt bin ich die Böse, Unkollegiale, weil ja bei den anderen nicht nur ein Kind, sondern zusätzlich auch ein Mann da ist, der versorgt werden muss, da solle ich doch mal Rücksicht drauf nehmen (ja, genauso habe ich das von meiner Chefin gesagt bekommen).

    starke Aussage über die Wahl der männlichen Lebensabschnittsgefährten, gefällt mir :D



    Zum Rest, ich kenne das mit der Wertschätzung, alles wird auf die "ehda"-Kosten* gebucht . Da habe ich die Konsequenzen gezogen, seit 1.3. bin ich der neue der hofiert wird.

    Angenehmes Gefühl, mal sehen wie lange es anhält



    *"ehda" = "Der ist eh da und kriegt das sowieso immer irgendwie hin"

  • Aaaaaaalso, als MTA findest du immer und überall einen Job, die werden gesucht ohne Ende. Ich bin auch eine, ich weiß also wie es da aussieht auf dem Markt. Man kann sich quasi die Stelle, die am besten passt aussuchen, echt! Und ein Zwischenzeugnis kannst du dir auch ohne Angabe von Gründen alle 2 Jahre ausstellen lassen, das macht auch keinen schlechten Eindruck oder sowas. So eine Chefin wie du sie beschreibst, habe ich auch. Der ist es vielleicht nicht egal das du gehst, aber sie findet auch wieder jemanden, der den Job macht.


    Vielleicht verhandest du lieber wegen einer besseren Bezahlung, als ein Zwischenzeugnis zu fordern. Ich glaube nicht, dass du da irgendwen vor den Bug schlägst.

  • Im Krankenhaus ist der Umgang mit Mitarbeitern üblicherweise unterirdisch, es sei denn, man hat eine gewisse Gehaltsstufe erreicht, dann gehts.

    Das kann ich gar nicht bestätigen, eher im Gegenteil. Chefs die schlecht mit den Mitarbeitern umgehen gibts oft und auch in jeder Branche. Aber grundsätzlich davon zu sprechen, dass Laborpersonal einen schlechten Umgang miteinander pflegt ist schlicht nicht wahr.

  • Bei der Zulage hast du Dich abspeisen lassen. Natürlich geht das und neu Eingestellte werden sicherlich nicht zum Tariflohn arbeiten.


    Aber Agrippa hat schon recht mit dem "ehda", von daher würde ich an Deiner Stelle einen Termin zur Gehaltsbesprechung vereinbaren und vorher nach einem Zwischenzeugnis fragen.


    Wenn die Dir nicht mindestens 200-300€ mehr zahlen, dann würde ich mir was Anderes suchen.


    Und wenn die kommen mit: Geht nicht!


    Dann sagst Du: Wir zwei wissen genau was geht und was nicht. Ich kenne mich mit den Marktpreisen ganz gut aus und weiss, was man üblicherweise an Zulagen bekommt und dass ich mich hier Jahrelang unter Preis verkauft habe.


    Und Gehalt hat nunmal was mit Werzschätzung zu tun und die fehlt mir hier.


    Ich hab so 30% mehr ausgehandelt.

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