Im Schatten trotz Sonne

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  • Ich würde Deinem Partner empfehlen sich eine Selbsthilfegruppe für Angehörige zu suchen.


    Es ist nicht nur eine harte Zeit voller Irrungen und Wirrungen für die Betroffenen, sondern auch für die Menschen, die dem erkrankten nahe stehen, auch die brauchen Hilfe.


    Liebe Grüße


    Ute


  • Hallo lenchen,


    bewusst mal ganz strukturiert.

    zu blau: Ja kann sie. Aber eben Konjunktiv. Eine Depression muss nicht alles zerstören. Es ist nicht leichter mit psychischen Erkrankungen, aber es auch weder eine Garantie für ein „für immer“ noch für ein zu Ende.


    zu grün: bleib mal im hier und jetzt. Umgangssprachlich nenne ich das „Kopfwichsen“ und das macht geistig schrecklich impotent. ^^

    Du bist für den Moment weder in der Lage, noch ist es Deine Aufgabe, Eure Beziehung zu pflegen, zu analysieren oder zu verantworten. Dein Partner ist schon groß. DU musst da gar nichts werfen oder (auf-)fangen! Bleib bei Dir und bemühe Dich um Dich selbst.


    zu rot: das gehört wohl mit der Abwärtsspirale zum Wesen von Depressionen.

    Fehlende Botenstoffe, Hormone und/oder Erschöpfung, seelisch wie körperlich sind keine Frage von Stärke oder Willen.

    Es gibt nichts, was Du Dir verzeihen musst.

    Ich lese Dich ja schon ein paar Monde (2010?). Du hast soviel erreicht, geschafft bewältigt, überwunden.

    Schnapp Dir Deine innere „Werkzeugkiste“, nimm in die Hand was Du kannst in winzigen Schritten und habe Geduld mit Dir und der Welt. Ich weiß Geduld ist auf Platz 1 der Herausforderungen ;).

    Achtsamkeit -Achtung- Selbstachtung


    vg von overtherainbow

  • Verständnis meines Partners…

    Es ist sehr schwer für ihn, denn wir hatten eine sehr innige Beziehung und vor ein paar Monaten fing ich an mich zu ändern ( diese Veränderungen bemerkte ich nicht oder schob sie auf Coronazeiten, Stress, etc. etc.)

    Ich habe antrainierte Strategien solche Phasen zu übergehen und nehme nicht wahr, dass es mir nicht mehr gut ging… immer Stückchen mehr.
    Das liebevolle, zugewandte Ich…war immer weniger. Es ist schwer das zu formulieren, erklären wen man selbst nicht weißt, was los ist, den Partner nicht zurückzuweisen. Das konnte er nicht verstehen, es gab viele Gespräche vor dem Supergau und auch während dessen. Aber in der Zeit davor, wusste selber nicht, was und warum gerade etwas passiert. Hab mich gezwungen zu funktionieren, dann in der dunklen Phase bin ich gar nicht imstande zu denken… da kann ich ihm kaum was erklären ( außer wie ich fühle, bzw nix fühle)

    Er hat einige Gespräche mit meinen Freunden ( die entweder selbst Depression hatten oder eben einen depr. Partner hatten) geführt.

    Danach hat er wohl verstanden, dass er sich abgrenzen muss und mir die Ruhe geben muss. Dass diese Phase anders wird und er mich auf ihn zugehen lassen soll.

    Diese Phase ist tatsächlich da, aber er ist damit gerade überfordert… so in etwa:“jetzt hab ich mich gerade dran gewöhnt für mich zu sein.. und jetzt will sie wieder was anderes…“

    Seine Kumpels sehen es natürlich anders ( lass sie zicken, Spielchen)

    Für mich ist es extrem anstrengend ihm erklären zu müssen, ich bin krank, ich schnipse nicht und erwarte nicht, dass er springen soll. Ich habe ein Bedürfnisses geäußert, ich brauche ihn.

    Solche zermürbende Diskussionen lassen mich ans Handtuch werfen denken.

    Also mein Partner hat sich mit dem Thema beschäftigt, signalisiert Verständnis aber fühlt sich ungerecht behandelt. Im Gespräch fiel „Persilschein“ ( erwarte es für mein Benehmen? ) das hat mich sehr getroffen.

    Schwer…

    ich glaub richtig Verständnis kann nur jemand haben, der in diesen Schuhen gelaufen ist.

    Nicht auf das Leben kommt es an, sondern auf den Schwung, mit dem wir es anpacken. H. Walpole

  • Overtherainbow,


    wir führen viele Gespräche (oder versuchen es) denn das was passiert, verändert die ganze Beziehung. Mein Partner wünscht sich natürlich die alte Lena. Durch diesen Freiraum, den ich brauchte, haben wir uns jetzt schon irgendwie entfremdet. Klar, woher soll ich geben, wenn in mir nix ist.

    Das wirft für mich ganz viele Fragen… essenzielle… liebt er nur die tolle Frau Lena, die Strahlelena?Das Strahlen ist weg… ein Ungleichgewicht ist da. Eine Erkrankung nimmt ganz viel von der Attraktivität weg.

    Ist es wirklich so oder bilde ich es mir ein, weil ich selbst damit nicht klar komme…

    Nicht auf das Leben kommt es an, sondern auf den Schwung, mit dem wir es anpacken. H. Walpole

  • Hallo lenchen,


    das kann ich nicht beurteilen oder wissen. Ich denke nur, daß es in einer depressiven Episode nicht gelingen wird sich selbst solche Fragen glaubhaft zu beantworten.

    Für den Moment ist jede Analyse einfach verschenkte Zeit und Energie.


    Ich setze jetzt mal voraus, daß Du nicht „hier hier, bitte für Frau Lena eine doppelte Portion Depressionen“ geschrien hast, als Frau Gott die mit der Gießkanne verteilt hat. :)

    Was sicherlich eine nicht unerhebliche Rolle spielt ist Vertrauen.

    In erster Linie Du Dir. Sich selbst vertrauen ist doch nur zu oft, nicht nur zu merken, daß etwas aus dem Ruder läuft, sondern auch aktiv dagegen vor zu gehen.

    Das hat jetzt mal nicht geklappt. ^^

    „People don’t fake depression. They fake being ok. Please be kind, always“ …ging neulich mal bei Facebook rum.

    Es wäre doch mehr als falsch, wenn es Deinen Partner nicht beschäftigen würde.

    Natürlich geht das entgegen aller romantischen Vorstellungen und unqualifizierten Randbemerkungen des Freundeskreises auch an die Basis. Es ist neu, unbekannt und fremd. Das allein würde doch schon reichen um Unsicherheiten zu erzeugen.

    Völlig wertfrei!

    Da gibt es doch trotzdem Gefühle von (Ent-)täuschung, Ängste, Hilflosigkeit, Machtlosigkeit… Nicht gegenüber dem Partner, der Partnerin. Die sind einfach so da und jetzt gerade kann keiner irgendwohin damit.

    Muss ja jetzt auch keiner.

    Ich denke, solange wie der Partner seine „Position“ in deiner Situation noch nicht gefunden hat, ist es ok, wenn jeder sich doch erstmal um sich selbst bemüht. Deswegen muss man sich doch nicht trennen, oder?

    Kreise von Johannes Oerding fällt mir dazu ein.


    Lasst Euch die Zeit die Ihr braucht und doch auch habt.

    Hab Geduld mit Dir lenchen, auch wenn es schwer fällt.

    Triff keine Entscheidungen, die Du jetzt nicht beurteilen kannst.

    Kümmere Dich um Dich, um das was Du wirklich beeinflussen kannst.


    vg von overtherainbow

  • Ach Lenchen... ich drück dich und nun geb ich was ganz persönliches frei. Ich hab im rechten Handgelenk ein Semikolon und My Story Isn't Over Yet tätowiert. Linker Unterarm... Lass mal an uns selber glauben. Ich steck da also auch mit drinnen. Der Auslöser ganz klar, meine tote Tochter. Der schwarze Hund seitdem mein Begleiter. Allerdings hab ich es geschafft, dass er ziemlich fest an der Leine liegt. Da ich in einem sehr langen Lernprozess meinen dritten tätowierten Spruch... Es ist noch keinem gelungen, sich selbst zu entkommen... es so einigermaßen geschafft habe, den umzusetzen.


    Und eine Partnerschaft ist dann stabil, wenn sie im leiseren weiter besteht. Also quasi wenn der erste Lack ab ist, ne fette Beule hat und sie trotzdem immer dein Zuhause ist.


    Solange ihr euch festhaltet ist es nicht so schlimm, wenn einer nach rechts, der andere nach links sieht. Da lotet man nur neue Wege aus, gegangen werden sie zusammen.

    Es ist besser,
    ein eckiges Etwas zu sein,
    als ein rundes Nichts.

  • Lenchen, ich habe das erst jetzt gelesen.


    Geht es dir mittlerweile besser?

    Hast du schon mal eine Psychotherapie gemacht, um dem Grund der Depression aufzuspüren ?

    Was ich gegen die Beschwerden der Wechseljahre empfehlen kann, ist Pinienrindenextrakt mit OPC.

  • Hallo Oterson,


    es geht mir wesentlich besser. Ich mache weiterhin Psychotherapie und habe einen tollen Psychotherapeuten ( der mich zügig behandeln konnte). Mein Partner hatte, nachdem es mir so schlecht ging, für sich beschlossen auch eine Psychotherapie zu machen. Auch bei ihm sind viele Themen v.a. aus der Kindheit zu bearbeiten.
    Der letzte Tropfen ist meine Arbeitsstelle gewesen, der extrem erhöhter Arbeitsdruck, Zeitdruck und vor allem die fehlende Anerkennung. In Summe etwas, wo ich so schlecht arbeiten müsste, dass ich es auch wegen meinen ethischen Gründen ablehne.
    Also habe ich meine Arbeitsstelle gewechselt. Ich liebe meine Arbeit aber NICHT unter diesen Bedingungen.

    Daran ist nicht Corona schuld, sondern seit Jahren fehlende Kräfte, nur Gewinnoptimierung, versagende Politik etc. etc.
    Mein Fleiß ändert man keine Systemfehler.

    Ich musste lernen, egoistischer zu sein… das ist nicht einfach und in meiner Beziehung kracht es ab und zu… aber ich glaub, wir wollen uns… trotz allen Widrigkeiten.
    Gleichzeitig sind viele andere langjährige Baustellen aufgebrochen … behindertes Kind ( extreme Verschlechterung , Neurologie, KJP Tagesklinik und immer dabei viel viel Glück … endlich an der richtigen Stelle zu sein und endlich die richtige Hilfe zu bekommen) so bearbeite ich endlich alle Baustellen… nun muss ich nicht weit über meine Grenzen gehen und kann meinen „Lebensrucksack“ besser packen um ihn leichter zu tragen. Sogar mein „Ben“ spielt keine Rolle mehr.
    Ich hoffe, mein Partner und ich schaffen es zusammen. Sehr oft gleitet er mir aus dem Fokus und daran muss ich arbeiten… denn das ist gerade mein Extrem… ich habe den Fokus an mir und meinen Grenzen…

    Ich musste lernen, meine Grenzen zu erkennen, zu wahren. Nicht immer erst auf Andere schauen. Eine große Rolle spielt dabei Sport, inzwischen ist es mir ein Bedürfnis jeden Tag mein Sport zu machen. Habe 15 kg abgenommen. ( trotz Antidepressiva)

    Nach diversen Untersuchungen weiß ich, dass ich nicht in den Wechseljahren bin. Alles nur Folgen vom Stress. ( Ausbleiben von Menstruation, Hitzewallungen etc, Gewichtzunahme, schlechte Blutwerte… all das habe ich nicht mehr)
    Seit 1 Monat arbeite ich wieder ( 80%) und möglicherweise werde ich weiter reduzieren. So … das war’s. Es gibt noch viel zu erzählen☀️. Mein Partner ist mir eine große Hilfe und ich bin wirklich glücklich und dankbar ihn zu haben. Die langen Jahre des AE Seins ohne familiären Hintergrund, haben Spuren hinterlassen.
    Passt alle gut auf euch auf😘


    Lena ( kein Lenchen mehr😂)

    Nicht auf das Leben kommt es an, sondern auf den Schwung, mit dem wir es anpacken. H. Walpole

  • Ich musste lernen, meine Grenzen zu erkennen, zu wahren. Nicht immer erst auf Andere schauen. Eine große Rolle spielt dabei Sport, inzwischen ist es mir ein Bedürfnis jeden Tag mein Sport zu machen. Habe 15 kg abgenommen. ( trotz Antidepressiva)

    Vielen Dank für diese umfassende Beschreibung deiner Erfahrungen. Das ist auch ein Feld, daß ich seit 1,5 Jahren ganz intensiv bearbeite. Da haben wir wohl einiges gemeinsam.
    Ein gesunder Egoismus ist überlebenswichtig, wie ich mittlerweile gelernt habe. Das fällt solchen Menschen naturgemäß schwierig, die z. B. so aufgewachsen sind, daß sie ihre eigenen Bedürfnisse kaum oder gar nicht formulieren durften. Als Kinder oder Jugendliche.
    Mir hilft dabei auch der Sport, habe im Sommer mit Kraftsport angefangen und bis jetzt über 5 Kg Muskelmasse zugelegt. Wenn man diese Körpertransformation sieht, das bewegt schon etwas in einem. Und so lange ich einigermassen über das Laufen Endorphine purzeln lasse, brauche ich nicht einmal Antidepressiva. Was natürlich auch hilft, ist ein anderes Mindset. "Das Problem ist nicht das Problem, sondern deine Einstellung zu dem Problem." um es mal sehr kurz zu beschreiben. In diesem Zusammenhang habe ich auch angefangen, mich mit Spiritualität zu beschäftigen.
    "Der spirituelle Mensch lebt von innen her. Spiritualität bedeutet, dass mein Leben eine Richtung hat, die aus meinem Herzen, aus meiner Seele kommt." (Odilo Lechner, Müncher Altabt).
    Wer morgens aufsteht und denkt, daß der Tag besch... wird, für den wird der Tag dann auch mies. Positiv denken hilft. Damit meine ich nicht, sich alles schön zu reden, wie z. B. einen ungeliebten Job. Sondern sich einfach mal nur in Gedanken vorzustellen, welche positiven Dinge der Tag für einen bereit halten könnte. Dann kommt die (Vor)Freude aus dem Innen heraus. Dann hat man auch gleich eine ganz andere Ausstrahlung und die Dinge kommen auch wieder auf einen zu. Wer von Sorge, Kummer und Angst zerfressen ist, kann selbst nichts Positives ausstrahlen und wirkt auf andere wenig attraktiv.
    Ich drücke euch weiter feste die Daumen für euren gemeinsamen Weg. Und Hut ab, daß dein Partner selbst auch Hilfe von außen sucht und annimmt. Dazu ist Erkenntnis notwendig und das ist schon eine wertvolle Ressource.