Gedanken zu Ads

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  • Ich habe es an anderer Stelle gepostet, möchte es aber hier nochmal als Thema zur Diskussion stellen.


    Eins vorweg: Ich habe kein Ads-Kind und weiß daher kaum wirklich, wovon ich rede. Ich möchte niemanden verletzen, und falls ich das doch tue, bitte ich um Entschuldigung, es entsteht dann aus Unkenntnis.


    Ich mache mir so meine Gedanken, und ich versuche mal, sie in Worte zu fassen.


    Ads-Kinder schießen wie die Pilze aus dem Boden. Hochbegabung ist eines der Anzeichen, neben den sozialen Schwierigkeiten und der motorischen Unruhe.


    Was mir auffällt: Kein Mensch kommt auf die Idee, die Hochbegabung medikamentös behandeln zu wollen. Warum? Weil die nicht stört. Wen stört sie nicht? Uns, die wir nicht hochbegabt sind. Warum stört sie uns nicht? Weil davon keine Gefahr ausgeht, keine Abgrenzung, weil sie unseren anerzogenen gesellschaftlichen Werten nicht im Wege steht, im Gegenteil. Leistung ist zur Zeit eine der am meisten gestellten Anforderungen an uns, je höher die Leistung, umso größer die Chance, im Leben seinen Mann zu stehen.


    Dass so viele hochbegabte Kinder, mit all den anderen "neuen" Eigenschaften, zur Welt kommen, muss doch einen Sinn haben, oder zumindest einen Grund. Wieso stempeln wir das, was wir nicht verstehen, womit wir nicht umgehen können, weil es neu ist und nicht in unser Weltbild passt, als krank ab, als Störung?
    Möglicherweise haben WIR, die die Kinder nicht verstehen, die Störung, und nicht die. Oder einfach nur nicht genügend Intelligenz, um sie zu verstehen und so auch mit dem "Negativen", das diese "Krankheit" mit sich bringt, umgehen zu können.


    Was nicht passt, wird bekämpft. Nur, WEIL es nicht passt. Zu UNS nicht passt, UNS Probleme bereitet.


    Vor 200 Jahren wurden Menschen, die mehr wahrnahmen als die Allgemeinheit, auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Heute suchen viele diese Menschen auf, um Antworten zu bekommen, die man selbst nicht findet.
    Vor 200 Jahren wurden geistig behinderte Menschen für immer in Anstalten gesteckt, versteckt. Sie passten nicht.
    Heute werden sie integriert, und die Menschen, die hautnah mit ihnen zu tun haben, sind dankbar dafür, dass sie die Erfahrung dieser außergewöhnlich liebevollen Beziehungen machen DÜRFEN, die nur mit geistig behinderten Menschen möglich ist.


    Diese Ads-Kinder sind neu. Und was neu ist, macht erstmal Angst. Deshalb wird das, was neu ist, bekämpft.
    Möglicherweise bringen wir uns damit um eine entscheidende Erfahrung. Möglicherweise tun wir ihnen entsetzlich Unrecht und übersehen, im Kampf um (Wieder)herstellung unserer gewohnten "Ordnung", die Chancen für die Welt und die Gesellschaft, die von diesen, in der heutigen Zeit noch besonderen Kinder ausgehen.


    Ihr Mütter und Väter, die ihr Ads-Kinder habt: Vielleicht mögt ihr euch ja mal nach dem Guten, dem im positiven Besonderen, das euren Kindern eigen ist, öffnen. Ich bin sicher, ihr werdet eine Menge finden. Umdenken ist angesagt. Der "Fehler" liegt in unserer Einstellung, nicht in den Kindern.


    Vielleicht wäre es sinnvoller, dafür zu kämpfen, dass diese Kinder so sein dürfen, wie sie sind, sie zu integrieren, anstatt die unbequemen Anteile in diesen Kindern und damit sie selbst, zu bekämpfen.


    Was meint ihr?

    :strahlen Je größer der Dachschaden, umso schöner der Ausblick in den Himmel! :strahlen

  • (und dies war meine Antwort)


    Hallo Varecia,


    das hast du wirklich ganz wunderschön gesagt, aber in ein paar Punkten muss ich dir widersprechen.


    Zuallererst, auch hochbegabte Kinder werden medikamentös behandelt, es kommt natürlich immer auf die Schwere an. Häufig sind die Symptome bei hb die selben wie bei Ads, oftmals wird es miteinander verwechselt, aber oft gibts auch beides im Doppelpack. Die Tochter einer Freundin ist seit über einem Jahr nicht mehr zur Schule gegangen, sie ist vierzehn und könnte mal eben aus dem Stand ein Abi bestehen, aber leider kann sie vor lauter Angst und Panik nicht mehr in eine Schule gehen... Sie bekommt Medikamente und Verhaltenstherapie, hat aber definitiv kein Ads.


    Zweitens sind Ads-Kinder nicht neu, du kennst sicher Erwachsene, die auch Ads haben. Sie fallen nur in unserer schnelllebigen Zeit mittlerweile mehr auf, haben viel größere und schwerwiegendere Probleme als früher.


    Und drittens, es sind in den seltensten Fällen die Eltern, die ihr Kind anpassen wollen. Ich gehe mal davon aus, dass jeder sein Kind liebt, so wie es ist, auch wenn es häufig schwierig ist, aber der Druck kommt immer noch von außen. Also möchtest du, dass dein Kind sich anpasst, um seiner selbst willen. Dass das nicht funktioniert, lernt man erst mit der Zeit.


    Viertens, liegt bei Ads'lern tatsächlich eine Störung vor, bei Interesse kann ich dich gerne mit Worten wie Rezeptoren, Noradrenalin und Dopamin erschlagen. :laber


    Liebe Grüße MacKayla

  • Danke, Varecia...


    ADS-ler passen vermutlich nicht in die aktuelle Gesellschaftsstruktur - wenn man schon ihre Stärken anerkennen würde, dann wäre es schon viel einfacher!

  • Hallo ,


    es ist doch so ,sobald ein Kind "Anders" ist als andere wird es ausgegrentzt.


    Egal ob ADS ,Hyperaktiv, Entwicklungsverzögert etc.pp.


    Ein Kind mit ADS zu haben stellt die Eltern jeden Tag auf neue ,vor einer großen Herausforderung.Die Eltern müßen lernen damit umzugehen und ihrem Kind auch verständnis entgegenzubringen.Gleichzeitig müßen sich dich Eltern und auch das Kind in der Welt da draussen oft rechtfertigen und beweisen.


    Mir fällt es immer wieder auf ,das z.B ein Kind welches Down Syndrom hat ,in der Gesellschaft als "Normal" wahrgenommen wird ,ein Kind aber welches Geistig fit ist ,nicht körperbehindert ,aber halt "andere"Schwierigkeiten hat ausgegrentzt wird.


    Das macht mich Traurig .Ich weiß wovon ich rede ,mein Großer hat eine Entwicklungsverzögerung sowie eine leichte Form von ADS .


    Aber dafür Liebe ich ihn umso mehr ,weil er der beste Sohn der Welt ist.


    LG


    Tilda

  • Mir fällt gerade auf, dass mein "Aufruf", die guten Dinge zu sehen, an die Mütter und Väter von Ads-Kindern gerichtet ist.


    Tatsächlich meine ich aber uns alle damit.

    :strahlen Je größer der Dachschaden, umso schöner der Ausblick in den Himmel! :strahlen

  • Hallo Varecia




    wenn es nur um Hochbegabung geht, gibt es nur eins was man machen kann, fördern, fördern, fördern.




    Wenn man dies allerdings nicht kann, weil Begabtenförderung
    unwahrscheinlich teuer ist und der Staat für sowas kein Cent zahlt,
    wird das Kind Verhaltensauffällig.


    Man kan das potenzial welches das Kind hat, nicht alleine fördern.


    Ein Hund, angenommen ein Jagdhund, der immer immer den Trieb
    laufen-schnüffeln, laufen-schnüffeln und laufen hat, wenn du den in
    einem Zwinger sperrst und nur normal mit ihm Gassi gehst, der wird auch
    Verhaltensauffällig und Agressiv.


    So ist das mit Hochbegabten ungeförderten Kindern auch. Sie langweilen
    sich und bauen deshalb meistens Mist, die Lehrer erkennen das nicht und
    das Kind samt Eltern werden als Asozial abgestempelt und somit wird aus
    dem Kind, was ein brillianter Wissenschaftler bei richtiger Förderung
    hätte werden können, ein Kleinkrimineller der aus alles Schulen
    geflogen ist und ein Akte bei der Polizei hat. ( ist jetzt sehr
    übertrieben geschildert ).




    Allerdings muss ich sagen, nicht jedes ADHS Kind ist hochbegabt, es gibt mehr Hochbegabte die dazu auch noch ADHS habe.


    Die Mischung aus ADHS und Hochbegabung ist sehr brisant und wird oft verkannt.


    Mein Sohn hatte in den nonverbalen Test ein durchschnitt von 111 IQ, in
    manchen musischen Untertest sogar 156 IQ und in anderen dann wiederum
    nur 95-98 IQ. Das alles ohneKonzentration und ohne Medis.


    Meine Ärztin meinte ich sollte drum beten, wenn wir den Test unter Medis und Konzentration wiederholen, er nicht hochbegabt ist, weil die Problematik dadurch um längen Schwieriger wird.




    ADHS ist eine Krankheit, es fehlen gewisse Botenstoffe die dem Hirn
    ermöglichen ein Gespäch zu verfolgen, seolbst wenn auf der Strasse
    einer hupt. Das kann mein Sohn ohne Medis nicht ! Alles prasselt
    ungefiltert auf sein kleines Hirn und macht ihn kirre.


    Hochbegabung ist keine Krankheit und braucht auch nicht behandelt zu
    werden, man muss es nur fördern, wie ein Kind was gut im Sport ist und
    dadurch gern und oft auch in der Freizeit zum Verein geht.




    Die ADS Kinder sind nicht neu, neu ist nur das es jetzt ein medizinischen Namen hat und behandelt werden kann.


    natürlich liegt der Fehler nicht bei den Kindern.


    Ich habe immer gedacht, ach ADHS papperlerpap, er ist nur lebhaft.


    Nachdem mein Sohn aber auf einer Balkonbrüstung stand und überlegte das
    ja eh alles doof ist auf der Welt, und er ja am liebsten gar nicht
    geboren wäre......................musste ich zugunsten meines Kindes
    meine Einstellung ändern.





    So, meiner ist nun auch verschoben !

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    LG Jennylee

  • Und drittens, es sind in den seltensten Fällen die Eltern, die ihr Kind anpassen wollen. Ich gehe mal davon aus, dass jeder sein Kind liebt, so wie es ist, auch wenn es häufig schwierig ist, aber der Druck kommt immer noch von außen.


    :daumen


    Die Älteste meiner 3 Kids hat ADS ohne H.
    Sie ist jetzt 14 und besucht die 8. Klasse Realschule. 2 Jahre haben wirs mit G8 versucht. Laut Testung hätte sie intelligenzmässig locker Abi machen können, konnte aber dem Druck auf dem Gymi nicht standhalten.


    Wir haben jetzt insgesamt 8 Jahre schulischen Leidensweg hinter uns. Eine Verhaltenstherapie, eine Psychotherapie wegen ihrer Schul- und Prüfungsängste und ihrer Schwierigkeiten mit sozialen Kontakten.
    Wir sind im Laufe ihrer Schullaufbahn auf ein paar wenige verständnisvolle Lehrer gestossen, die meine Tochter gemeinsam mit mir unterstützt haben, das waren dann die Schuljahre, die etwas weniger aufreibend verlaufen sind.
    Überwiegend sind mir allerdings Lehrer begegnet, die ADS für eine faule Ausrede für erziehungsunfähige Eltern halten.
    Damit kann ich leben, nicht allerdings mit der Tatsache, dass mein Kind bisweilen so unter ihrer Andersartigkeit gelitten hat, dass sie regelmässig Sonntagabend Bauchschmerzen bekam. Ich musste sie eine zeitlang mehrmals die Woche aus der Schule abholen, kreidebleich, mit Magenkrämpfen und Schwindelanfällen, kaum zu Hause, waren die Symptome weg.


    Zu Hause habe ich ein äusserst kooperatives Kind, das zwar leicht mal ausflippt (Afffektlabilität und mangelnde Impulskontrolle), da ich aber diesbezüglich inzwischen Gelassenheit übe, haben wir eigentlich keine nennenswerten Schwierigkeiten. Die, die wir haben, sind wohl eher pubertär bedingt.


    Ich musste auch die Erfahrung machen, dass meine Tochter einfach unbequem war, man riet mir, sie medikamentös zu behandeln, damit sie besser "funktioniere" :wuetend ...das sagt eigentlich schon alles.


    Menschen, die ihr gut gesonnen sind, schliesst meine Tochter für immer ins Herz. Sie pflegt wenige, aber dafür langjährige Beziehungen mit absoluter Treue.


    Inzwischen klappt es in der Schule einigermassen. Vorträge seitens der Lehrerschaft über die Schlechtigkeit meiner Tochter begegne ich inzwischen mit auf Durchzug gestellten Ohren, mit dem halben Lehrerkollegium habe ich mich ohnehin schon angelegt. :D


    Leider, leider wird in unserer Gesellschaft alles, was nicht ins Schema passt, aussortiert und abgestempelt.


    Danke für den Fred, varecia.


    LG


    vanilla

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    Wer sich selbst erkennt, ist weise.
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    Wer sich selbst besiegt, ist stark.
    Wer zufrieden ist, ist reich.
    Wer seine Mitte nicht verliert, ist unbezwingbar.
    (Laotse)

  • Hallo,


    Du schreibst "Ich habe kein Ads-Kind und weiß daher kaum wirklich, wovon ich rede." Ja, scheint so.


    1/3 der Kinder mit AD(H)S machen keinen Schulabschluss, die Kinder haben ein erhöhtes Risiko für Drogensucht, Kriminalität. Sie haben Schwierigkeiten im sozialen Kontakt mit anderen Kindern unter denen sie leiden, haben Konzentrations- und Lernschweirigkeiten unter denen sie leiden. Vielleicht 1/3 hat gleichtzeitig eine Lese-Rechtsschreib-Schwäche, unter der sie leiden können und die sie ohne Förderung in ihrer Entwicklung hemmt.


    Die Idee solchen Kindern nicht helfen zu wollen durch spezifischen Förderung von Teilleistungsschächen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, bei ihnen therapeutisch Selbstkontrolle, Selbstorganisation, sozialverträgliches Verhalten zu verbessern, ihnen einen Schulabschluss und eine Ausbildung zu ermöglichen, sei es durch Wahl der Schulform durch Verhaltenstherapie, durch Medikamente, ... für eine solche Idee diese Kinder nicht fördern zu wollen habe ich kein Verständnis.


    Viele Grüße


    Segelpapa1


  • Die Idee solchen Kindern nicht helfen zu wollen durch spezifischen Förderung von Teilleistungsschächen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, bei ihnen therapeutisch Selbstkontrolle, Selbstorganisation, sozialverträgliches Verhalten zu verbessern, ihnen einen Schulabschluss und eine Ausbildung zu ermöglichen, sei es durch Wahl der Schulform durch Verhaltenstherapie, durch Medikamente, ... für eine solche Idee diese Kinder nicht fördern zu wollen habe ich kein Verständnis.


    Viele Grüße


    Segelpapa1


    Wo liest du denn heraus, dass die Kids nicht gefördert werden sollen?


    Liebe Grüße MacKayla

  • Die Idee solchen Kindern nicht helfen zu wollen durch spezifischen Förderung von Teilleistungsschächen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, bei ihnen therapeutisch Selbstkontrolle, Selbstorganisation, sozialverträgliches Verhalten zu verbessern, ihnen einen Schulabschluss und eine Ausbildung zu ermöglichen, sei es durch Wahl der Schulform durch Verhaltenstherapie, durch Medikamente, ... für eine solche Idee diese Kinder nicht fördern zu wollen habe ich kein Verständnis.


    Segelpapa, dann hab ich mich nicht klar ausgedrückt.


    Dass die Kinder in solche Nöte (soziale Ausgrenzung, Angst) kommen, hängt doch mit den festgefahrenen und intoleranten Einstellungen der Menschen zusammen. Mein Post ist eigentlich ein Aufruf an alle ( =die Gesellschaft), genau DAS zu ändern, und anstatt sie als schwierig auszugrenzen und ihnen das Leben damit zur Hölle zu machen, die Kinder so zu nehmen wie sie sind und Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Kindern ermöglichen, sich wohl und angenommen zu fühlen (dazu gehört auch die Förderung, anstelle von Bekämpfung des Unbequemen).


    Ich denke, damit wäre den Kindern weit mehr geholfen als durch das, jetzt noch viel zu oft gelebte, Ausgrenzen als NICHT "RICHTIG", das die Kinder in ihrem Selbstwert massiv erschüttert.

    :strahlen Je größer der Dachschaden, umso schöner der Ausblick in den Himmel! :strahlen

    Einmal editiert, zuletzt von varecia ()

  • "...Deshalb wird das, was neu ist, bekämpft....Ihr Mütter und Väter, die ihr Ads-Kinder habt: ... Der "Fehler" liegt in unserer Einstellung, nicht in den Kindern....Vielleicht wäre es sinnvoller, dafür zu kämpfen, dass diese Kinder so sein dürfen, wie sie sind, sie zu integrieren, anstatt die unbequemen Anteile in diesen Kindern und damit sie selbst, zu bekämpfen."


    Ich sehe hier nicht viel Verständnis dafür, welche Schwierigkeiten es den Kindern bereiten kann ADS zu haben. Dass Kinder darunter leiden, wenn sie kaum Freunde haben wegen ihrer impulsiven, oft sozial unverträglichen Art. Es wird von "Bekämpfen" der Schwierigkeiten gesprochen und nahegelegt, dass es vielleicht nicht nötig sei statt von "fördern". Der Begriff "Bekämpfen" kommt in einem "Förderkonzept" nicht vor.


    Viele Grüße,


    Segelpapa1

  • "Dass die Kinder in solche Nöte (soziale Ausgrenzung, Angst) kommen, hängt doch mit den festgefahrenen und intoleranten Einstellungen der Menschen zusammen."


    Wenn ein Kind sich in der Schule nicht konzentrieren kann und merkt, dass es den Schulstoff einfach nicht mitkriegt und merkt, dass es deshalb etwas nicht versteht, das alle anderen Kinder verstehen, dann kommt es zu Versagenserfahrungen etc. Das hat nichts mit "festgefahrenen und intoleranten Einstellungen" zu tun und nichts mit "Bekämpfen". Ein solches Kind hat das Recht auf Hilfe. Man muss die Probleme des Kindes sehen und ernst nehmen. Wer sich mit einem Blick auf die Gesellschaft zufrieden gibt, der hat sich vom Kind schon entfernt.


    Viele Grüße

  • @ Segelpapa


    Also ganz ehrlich, ich glaube, du hast das echt komplett missverstanden. Letztendlich plädiert Varecia doch für Toleranz, und das, obwohl sie nicht mal mit Ads-Kids konfrontiert ist.


    Ich persönlich habe eine so aufgeschlossene und offene Haltung selten erlebt, und ich kann gar nicht sagen, wie motivierend ich es finde, dass sich mal jemand einen Kopf macht, der eben genau diesen Problemen nicht täglich ausgesetzt ist.


    Wir kämpfen doch um Integration, von daher schulden wir jemandem, der eben nicht in diesem Thema steckt, die Möglichkeit sich falsch auszudrücken, aber das Richtige zu meinen. Unsere Kinder werden auch so oft missverstanden, und da erwarten wir doch auch Akzeptanz und Verständnis. Lies es doch bitte noch mal unter diesem Gesichtspunkt durch.


    Liebe Grüße MacKayla

  • Zitat

    man riet mir, sie medikamentös zu behandeln, damit sie besser "funktioniere"

    Also mein Sohn bekommt die Medis nicht damit er besser funktioniert, sondern damit er in der Schule sein ganzes Potenzial nutzen kann und damit er ungehindert das erreichen kann, was ihm selber Spass macht.
    Ich kann einiges als Mama dafür tun dass das Karussel im Kopf langsamer wird ( mit entsprechender Erziehung und Förderung ) aber ich kann nicht dafür sorgen das es ganz aufhört zu drehen, das machen die Medis.
    Er wurde im Kindergarten von Kindern gemieden und gemobbt, weil sie mit ihm nicht klar kamen und das tat ihm unwahrscheinlich weh. Als Geburtstag anstand, hatte seine Zwillingsschwester eine ganze Liste mit Kindern die sie einladen wollte, mein Sohn hingegen wollte nur seine Oma da die Kinder ihn ja sowiso nicht mögen.
    Geheult habe ich , nächtelang, weil diese kleine Kinderseele so eine Ablehnung erfahren musste. Ich habe dann eine Bekannte gebeten mit ihren zwei Jungen vorbei zu kommen.
    Er hat zwar in seiner Freizeit immer noch keine Freunde, da er eher ein Stubenhocker und Bücherfreak ist, allerdings hat er jetzt in der Schule Freunde. Ich geh davon aus, das wenn die Kinder in der Nähe von uns wohnen würden, er sicherlich auch öfters raus gehen würde ( da es eine Sprachheilschule ist, kommen die Kinder aus dem ganzen Stadtbezirk ).
    Er kommt mit den "normalo" Kindern einfach nicht aus.
    Er erzählt über Sternenkostellationen, schwarze Löcher, Planeten und Plattentektonik und andere Kinder im gleichen Alter sagen ihm er sei dumm :( In seinem Zimmer hängen riesen Bilder unserer Erde und des Kosmos anstatt Pokemon Poster.


    Lass ich die Medis weg, verweigert er den Unterricht und streitet mit den Lehrern, stänkert mit den Kindern und ist mit sich selbst so unzufrieden das er sein Leben in Frage stellt.



    Was also soll ich tun ?



    allein-erziehend.net/index.php?attachment/4498/ allein-erziehend.net/index.php?attachment/4499/

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    LG Jennylee

  • Nicht streiten!


    Wie man dem einzelnen ADS-ler helfen kann, hängt vom Einzelnen ab!


    Es geht um individuelle Persönlichkeiten, nicht um eine pauschale Krankheit...


    Bei einer Sehschwäche wird ja auch nicht jedem die gleiche Brille verpasst :nanana

  • Ups, Jennylee,


    da hast Du mich jetzt aber falsch verstanden.
    Ich bin nicht prinzipiell gegen die Medis.
    Wir habens mit Medikinet versucht und die positive Wirkung war sehr gering, die Nebenwirkungen dagegen haarsträubend.
    Meine Tochter war dauernd wie benebelt, schlief den ganzen Nachmittag und hatte zu nix mehr Lust, appetitlos war sie auch und das bei 40kg und einer Körpergrösse von 1,62 cm...sehr bedenklich.


    Was Du beschreibst, kenne ich auch. Während meine Mittlere Tochter die halbe Schule einladen möchte, weiss meine Grosse oft nicht, wen sie einladen will.


    Ich weiss jetzt nicht, wie alt Dein Sohn ist, aber bereits Ende der 1.Klasse, als ADS diagnostiziert wurde, sagte mir die Ärztin, dass es in der Pubertät leichter würde, da die Kinder dann mehr mit dem Verstand erreichen würden und nicht mehr ausschliesslich über ihre Gefühlswelt agieren.
    Ich kann das nur bestätigen. Ihre sozialen Kontakte sind besser geworden. Sie geht leichter mit Frustration um und lässt sich nicht mehr so leicht ins Boxhorn jagen.


    Mir gings wegen den Medis nur darum, dass sie nicht dazu da sind, die Kinder für die Umwelt "funktionabler" zu machen, sondern um den Kids zu helfen. Die Aussage damals kam vom Vertrauenslehrer :radab .


    LG


    vanilla

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    Wer zufrieden ist, ist reich.
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    (Laotse)


  • Nein, nein also ich will nicht streiten. Ich kenn ja selber auch Fälle, wo ich dem Kind keine Medis geben würde, die Mutter es aber macht und anders herum. Wie du schon sagst, es ist immer individuell und nicht pauschal zu hand haben.


    Es gibt sicherlich Eltern die ihren Kids die Medis verschreiben lassen um selber Ruhe zu habe, nur mag ich mit denen nicht über ein Kamm gescherrt werden. Ich hatte viel Rennerei, meine Kinder immer im Schlepptau, schwanger und dann mit Säugling, damit ich höre, nein ich Junge ist nur lebhaft, aber leider haben alle was anderes gesagt. Ich wollte es nicht einsehen, bis sich mein Sohn selber in Gefahren gebracht hat , wo mir mein Herz stehen geblieben sind. Ich wusste keinen Weg mehr !

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  • Ok so eine Aussage ist natürlich unterste Schublade und disqualifiziert denjenigen in meinen Augen als Vertrauenslehrer.


    Außer den mangelnen Appetit, hat er soweit keine NW, das Essen holt er Abends nach. Er kommt schlecht ins Bett und steht schlecht wieder auf, aber das war es.


    Mein Sohn ist fast 8 , er wiederholt die 1. Klasse wegen fehlendem sozial Verhalten. Er hat in der Schule alles nach geholt was im Kindergarten nicht so geklappt hat :(


    Würde ich den gravierenden Unterschied mit und ohne Medis nicht merken und auch gesagt bekommen, würde ich ihm nichts geben.


    Ich selber nehme noch nicht mal Kopfschmerztabletten :lach Da kämpf ich mich lieber durch den Tag !

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  • Ich weiss nicht, ob die Diskussion Sinn macht, denn es kommt wirklich auf die Art (ADS, ADHS, Hochsensibilitaet, HB, die genaue Kombination etc.) und dann noch auf die Auspraegung an. Mein Ex hat(te) ADHS und HB. Unbehandelt. Schule abgebrochen, durchgequaelt, schlechte Noten. Der Mann ist hochbegabt, aber sein ADHS hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Keinen Job halten koennen, ins Drogenmilieu abgerutscht, Depressionen, etc. Kein Wunder, dass unsere Ehe nicht gehalten hat (auch ohne sein Fremdgehen waere es wohl auseinander gegangen, weil das fuer mich einfach zu anstrengend war (geb ich zu). Dauernd die Angst, ohne alles da zu stehen, weil er wieder eine fixe Idee hatte und 4 Ueberseeumzuege wegen ihm hat mir dann doch langsam gereicht. Ein Stueck weit tut er mir leid. Er wird kein weiteres Kind haben, er wird auch keine weitere Ehe haben. Er ist dazu garnicht faehig. Seine ganze Konzentration liegt darauf, irgendwie im Arbeitsleben zu bestehen.


    Natuerlich waere alles wunderbar einfach, wenn die Umwelt unsere Kinder so akzeptiert, wie sie sind. Aber das ist utopisch. Schule und Lehrer und Kindergarten muessen genaustens ausgesucht werden (habe selbst schon einen Katastrophenfehlgriff in Bezug auf Kindergarten erlebt). Ausserdem muss ich noch was sagen: ich liebe mein Kind. Trotz Begabung, trotz Hochsensibilitaet. Sie ist wunderbar! Aber ich streite nicht ab, dass es fuer mich hoellisch anstrengend war. Vor allem BEVOR ich wusste, was sie hat! Ich mag mir garnicht vorstellen, wie das Alleinerziehenden mit z.B. ZWEI ADHS Kindern geht. Wie schaffen die das? Das ist einfach extrem anstrengend. Meine Tochter hat seit 3 Jahren nicht durchgeschlafen. Sie wacht bei jedem Verrutschen der Decke auf, 99% meiner Musik darf ich nicht hoeren (ist ihr zu traurig), ihre Ausbrueche sind so schlimm, dass die Nachbarn sich oft ins Auto schwingen und die Flucht ergreifen. Ich selbst bin oft so alle, dass ich was zur Beruhigung nehmen muss. Ich muss sie eigentlich den ganzen Tag nonstop foerdern! Ich pack das nicht. Das hat nichts damit zu tun, dass ich sie nicht akzeptiere, sondern damit, dass ich keine Maschine bin, die neben dem Alltag (kochen, putzen, waschen, Umzuege, Papierkram, Behoerdenkram noch jede Minute meine Tochter mit irgendwas foerdern kann. Und gemein ist nicht nur die Geseelschaft, die das nicht akzeptiert. Ein hochsensibles Kind, was gefoppt wird im Kindergarten von anderen Kindern ist danach u.U. tagelang fertig. Ein "anderes" Kind lacht darueber und foppt zurueck. etc etc. Man kann sein Kind nur irrsinnig staerken. Das Selbstbewusstsein, dass es ok so ist, wie es ist usw usw. Ihm beibringen, wie es die starken Gefuehle unter Kontrolle bekommen kann etc. DAs ist sehr anstrengend, auch wenn man sein Kind ueber alles liebt.

  • @ downunder


    Ob zur Zeit utopisch oder nicht, die Zahl derer, die eine Störung von was auch immer haben, steigt von Jahrzehnt zu Jahrzehnt sprunghaft an, was letztendlich in der Vererbung begründet liegen könnte. Und die Gesellschaft muss und wird dann zwangsläufig AnDerSsein akzeptieren, weil die Gesellschaft dann daraus besteht.


    Ich persönlich habe überhaupt noch nie jemanden kennengelernt, der sich mal die Mühe macht hinter dieses ganze Störungsbild zu schauen und unvoreingenommen und tolerant an dieses Thema heranzugehen. Für mich ergo ein Beweis, dass es in die richtige Richtung geht. Langsam zwar, aber (wieder für mich persönlich gesprochen) motivierend, wie ich es so noch nicht erlebt habe.


    Liebe Grüße MacKayla