Die angeblich dunkle Seite der Kindheit

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  • Zufällig bin ich auf einen FAZ-Artikel des Arztes Dr. Rainer Böhm gestossen, der mich ziemlich aufgeregt hat:


    http://www.familie-ist-zukunft…2/04/boehm-faz-040412.pdf


    Fazit des Artikels, Krippenbetreuung ist schlecht für Kinder, sie werden dadurch gestresst und das ganze ist sowieo nur von Wirtschaftslobbyisten vorangetrieben. :kopf


    Ich finde der Artikel ist ein Schlag ins Gesicht jeder/s Alleinerziehenden...
    Was meint ihr dazu?


    Edit: Ich muss los, mein Kind der dunklen Seite aussetzen und es in die ach so furchtbare Krippe bringen. :ohnmacht:

    Erziehung besteht aus 2 Dingen: Vorbild sein und Liebe. (Montessori)


    Es gibt kein problematisches Kind, es gibt nur problematische Eltern. (A.S. Neill)


    Erziehe dich selbst, bevor du Kinder zu erziehen trachtest. (J. Korczak)

    Einmal editiert, zuletzt von frascita ()

  • @ frascita: ich stimme dir zu, das ist ein schlag ins gesicht jeder alleinerziehenden...auch mir bleibt keine andere möglichkeit als mein kind fremdbetreuen zu lassen :(
    allerdings muss ich auch sagen, dass in der krippe meiner tochter so einiges schief gelaufen ist und meine maus WAR gestresst und da sie noch nicht sprechen kann, hab ich ewig gebraucht um rauszukriegen warum :( teilweise wurden da die kids zu 4 stunden bettruhe verdonnert, statt wie angegeben 28 plätze haben die aus reiner geldgier (war ne private krippe) insgesammt 70 kinder aufgenommen....pro erzieherin kamen da tw. 20 kinder....informationsaustausch mit eltern = null.....inzwischen streiken da wohl sämtliche erzieherinnen und das jugendamt ermittelt
    gott sei dank nimmt der kindergarten jetzt auch zwerge ab 2 und da läuft es wesentlich besser :anbet

    "Wenn du tot bist, weißt du nicht, dass du tot bist. Aber für dein Umfeld ist es hart. - Genauso ist es, wenn du blöd bist."
    (unbekannt)

  • was anderes bleibt uns ja auch nicht übrig bri ;)
    trotzdem finde ich dass deutschland im hinblick auf kinderbetreuung immer noch ein entwicklungsland ist.....erst wird man total alleine gelassen, dann wird gemeckert
    in anderen ländern klappt das doch auch und da wird gar nicht groß darüber diskutiert :frag

    "Wenn du tot bist, weißt du nicht, dass du tot bist. Aber für dein Umfeld ist es hart. - Genauso ist es, wenn du blöd bist."
    (unbekannt)

  • Das Problem ist, dass relativierende Sätze wie: Qualitativ schlechte Betreuung führe möglicherweise zu Bindungsstörungen, diese wiederum möglicherweise zu einem höheren Risiko, psychisch zu erkranken, im Text so gut versteckt sind, dass die Botschaft rüberkommt: Krippenbetreuung ist per se schlecht. Das will der Autor wohl auch. Mit welchem politischen Motiv? Finde ich nicht gut.

  • Mich würde ja interessieren ob der Mann Kinder hat und ob er in Elternzeit war? Vermutlich nicht, vermutlich verdient er als Arzt eine ganze Menge und falls er Kinder hat macht das alles seine Frau und er redet klug daher ... sorry, aber sowas nervt mich wirklich...

  • eben blue sea, statt "per se" schlecht hätten sie schreiben sollen ....."bei uns schlecht" und lösungsvorschläge machen sollen

    "Wenn du tot bist, weißt du nicht, dass du tot bist. Aber für dein Umfeld ist es hart. - Genauso ist es, wenn du blöd bist."
    (unbekannt)

  • Ich finde die Forderung, die Entscheidung der Eltern bezüglich einer "Fremdbetreuung" von ökonomischen Zwängen unabhängig machen zu müssen, sehr gut und auch im Sinne von uns AE.
    Die wissenschaftlichen Befunde erscheinen mir plausibel, welche Rückschlüsse daraus gezogen werden können, kann selbstverständlich diskutiert werden.


    Ich erinnere mich, dass ein (von mir ansonsten sehr geschätzter) Professor während meines Studiums in den 90er Jahren ähnlich argumentierte (stärker aus der Bindungsforschung kommend). Bei der potentiellen sozialpolitischen Dimension seiner Argumentation gab es großen Widerspruch ("Frauen zurück an den Herd"?). Doch aus der Sicht der Kinder, für die die Bindung an ihre Bezugsperson(en) zweifelsfrei eine wichtige Rolle in der frühkindlichen Entwicklung spielt, ein bedenkenswertes Plädoyer.
    Ich denke und hoffe, dass im Idealfall beides gelingen kann: eine sichere und stabile Bindung, die das Kind "entspannt" groß werden lässt und auf dieser Basis der Erfahrungsreichtum durch zusätzliche "Erlebniswelten"..


    Insgesamt ein interessantes und schwieriges Thema, bei dem es m.E. nicht "schwarz-weiß" gibt. Danke für den Artikel, Frascita!

    Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll."


    Georg Christoph Lichtenberg

  • Ich habe den Artikel nicht ganz gelesen, aber ich frage mich, wenn es den Kindern schaden würde, fremdbetreut zu werden und es (so viel habe ich gelesen) zu depressiven, straffälligen,... Kindern führt - müsste dann nicht ganz Frankreich voller leidender Kinder sein?


    Eine Bekannte von mir (Französin in Dtl.) befand sich in einer Zwickmühle. Die französischen Angehörigen plädierten dafür, dass Kind frühstmöglich in die Kita zu geben und die Deutschen hielten dagegen und vertraten die Meinung, dass ihr Kind Schaden nehmen wird, wenn es vor dem Alter von 3 Jahren fremdbetreut wird. Sie war vollkommen verunsichert. Und hat irgendwann entschieden, sie vertraut ihrem Gefühl und macht es so, wie SIE es für richtig hält.

  • eben nothern soul, und alle skandinavischen länder auch.....
    trotzdem muss ich sagen, dass ich da auch zwiegespalten bin......ich hätte mir gewünscht, mein kind hätte nicht schon mit 11 monaten in eine krippe gehen müssen, leider ging das aber nicht anders

    "Wenn du tot bist, weißt du nicht, dass du tot bist. Aber für dein Umfeld ist es hart. - Genauso ist es, wenn du blöd bist."
    (unbekannt)

  • Ich finde erstaunlich wie leicht ihr die Bedenken des Artikel einfach weg schiebt, hinter diesen neuen Erkenntnissen stehen immerhin eine ganze Reihe von Kinderärzten. Und es geht hier nicht allein um irgendwelches politisieren sondern ganz konkrete wissenschaftliche Meßwerte. Diese Meßwerte beruhen darauf das bei Kindern das Streßhormon Cortisol gemesen wurde und zwar in den USA wo aus wirtschaftlichen Gründen (die Löhne sind da oft so niedrig , das direkt praktisch ab der Geburt wieder beide Elternteile arbeiten mußten ) , also sehr früh eine außerelterliche Betreung stattfinden mußte und muß. Sie deckt sich mit meinen eigenen Beobachtungen , ich fand es immer schon sehr merkwürdig und "abartig" das kaum auf der Welt die Babys außerelterlich betreut werden . Glauben die Leute wirklich irgendein Angestellter der einen Job macht, kümmert sich genauso um ein Kind wie eine Mutter oder Vater? und da sind genauso tiefe Bindungen vorhanden ? - sehr naiv ! Aber daraus resultiert weder die " Frau zurück an den Herd" Politik oder sonst eine rückwärts gerichtete Politik sondern lediglich die Forderung nach einem Rahmen, der es (auch finaziell) ermöglicht diese für ein Baby/Kleinkind) unerläßliche bindung bzw Zeit mit dem Kind zu ermöglichen.
    Streuner

  • Ich verstehe den Artikel dahin gehend, das die Erziehungs- und Betreuungsleistung von Eltern - und da bezieht er die Väter ausdrücklich mit ein - nicht noch weiter entwertet werden soll. - Und da gebe ich ihm recht.


    Natürlich gibt es Situationen in denen 1-Jährige in eine Krippe müssen - aber daraus soll nicht abgeleitet werden, dass dies der Normalfall sein muss damit alle Eltern frühestmöglich der Arbeitswelt wieder zu Verfügung stehen.


    Eltern sind das Beste was einem Baby / Kleinkind passieren kann ..... und dann kommt lange nix - und dann erst alles andere.

    Einmal editiert, zuletzt von Loewe_63 ()

  • Hi!


    Ich fand den Artikel jetzt gar nicht mal so negativ gegen Krippenbetreuung.


    Ich lese da mehr heraus, dass qualitativ minderwertige Kinderbetreuung Kindern schadet. Und dessen bin ich mir sicher. Und ganz ehrlich: Hätte ich genug finanzielle Mittel, würde ich eine ausgebildete Kinderfrau hier einstellen, die meine Tochter betreut, bis sie 2,5 Jahre ist und selbst würde ich 20 Stunden arbeiten, plus 5 Stunden pro Woche Regenerationszeit für mich (Sport, Sauna, Wellness) damit sie eine zufriedene gutaussehende ausgeglichene, liebevolle Mama hat. Dann würde ich mir eine super-tolle Kita aussuchen, die tolle liebe ausgeglichene, intelligente gutbezahlte Erzieherinnen vorweisen kann, mit dem traumhaften Betreuungsschlüssel 3:1.


    Oder mein wunderbarer mir liebevoller und zugewandter Partner würde sagen: Mein liebster Schatz, bleib du drei Jahre zu Hause, ich mache das hier so lange jobmäßig, bleib du bei der Kleinen, ab dem 3. Jahr gehen wir beide auf Teilzeit. Natürlich ist auch er ausgeglichen und brint mir alle 2 Wochen einen Blumenstrauß mit.


    Es gibt Menschen, die haben das Glück, dass ihr Leben ein Ponyhof ist. Ich nicht. Sei's drum. Das Beste daraus machen. :brille

  • Was erwartest du von einer Webseite wo die unsägliche Frau Christa Meves ein Grußwort für eine Tagung spricht (http://www.familie-ist-zukunft.de/seite/?page_id=71)?

    Ich hab den Artikel eigentlich aus der FAZ. Da es dort aber Geld kostet, Artikel aus dem Archiv zu lesen, habe ich auf diese Seite zurückgegriffen. ;)



    Ich habe das Glück, eine wirklich gute Krippe erwischt zu haben, in der mein Sohn sich sehr wohl fühlt.
    Er hat eine sichere Bindung zu mir, aber eben auch eine Bindung zu seinen Erzieherinnen.
    Viele Dinge, die in der Krippe geboten werden (z.B.: soziales Lernen unter Gleichaltrigen) kann ich zu Hause nicht ermöglichen.
    Mein Sohn wurde das ganze erste Jahr von mir 24/7 betreut. Er schläft immer noch bei mir im Bett und die Nachmittage gehören ihm.
    Er ist nicht gestresst, wenn er aus der Krippe kommt. Eher ausgeglichen.
    Natürlich wird es Kinder geben, die im Alter von 1 Jahr noch mit einer solchen Situation überfordert sind. Da gilt es für die Eltern abzuwägen.
    Und zu den Meßwerten: Es ist in meinen Augen eben so ein Korrelationsstatistischer Ansatz wie die PISA-Studie. Aufgezeigt wird, dass Krippe und Stress häufig gemeinsam auftreten.
    Nicht gezeigt wird, ob die Krippe, oder das Verhalten der Eltern, zu früher Fernsehkonsum, falsche Ernährung,... zu dem Stress führen. Man müsste so viele Variablen (zusätzliche Stressoren) ausschalten, dass meiner Meinung nach eine verlässliche Aussage nicht möglich ist.


    Vor dem Hintergrund, dass die FAZ eher eine schwarz-gelb zugewandte Tageszeitung ist, macht es durchaus Sinn, dass ein solcher Artikel (mit angeblich wissenschaftlich fundierten Ergebnissen) im April erscheint und somit der Diskussion um das geplante Betreuungsgeld Aufwind im Sinne der Regierung gibt! :pfeif

    Erziehung besteht aus 2 Dingen: Vorbild sein und Liebe. (Montessori)


    Es gibt kein problematisches Kind, es gibt nur problematische Eltern. (A.S. Neill)


    Erziehe dich selbst, bevor du Kinder zu erziehen trachtest. (J. Korczak)


  • Ich empfinde den Artikel als sehr spannend. Und als seriös, weil er sich auf breite, wesentliche Untersuchungen stützt, die der Autor versucht, sehr wertfrei darzustellen. Anders sieht das mit der headline sowie der Einführung aus, die mutmaßlich der verantwortliche Redakteur geschrieben hat ... Dem Artikeltext entspricht das jedenfalls nur bedingt.
    Das Fazit von Dir lese ich so nicht heraus. Vor allem könnte ich es nicht in drei Sätzen zusammenfassen, da der Autor sehr differenziert Vor- und Nachteile einer Eigenbetreuung und einer Fremdbetreuung unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen beschreibt.
    Was er allerdings deutlich bemängelt, ist die schlechte Vorbereitung der Einrichtung von Krippenplätzen, die eine bestmögliche Qualität deutlich verhindert.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • die tolle liebe ausgeglichene, intelligente gutbezahlte Erzieherinnen vorweisen kann, mit dem traumhaften Betreuungsschlüssel 3:1.

    So eine Krippe habe ich zum Glück gefunden. Ok, Betreunungsschlüssel 4:1, aber auch das finde ich noch traumhaft.


    ErzieherInnen sind in den meisten Fällen sehr liebe, sehr motivierte und sehr gut ausgebildete Menschen. Ihre Ausbildung dauert so lange wie ein Studium. An der Bezahlung und der Anerkennung in der Gesellschaft hapert es nur leider...

    Erziehung besteht aus 2 Dingen: Vorbild sein und Liebe. (Montessori)


    Es gibt kein problematisches Kind, es gibt nur problematische Eltern. (A.S. Neill)


    Erziehe dich selbst, bevor du Kinder zu erziehen trachtest. (J. Korczak)

  • was anderes bleibt uns ja auch nicht übrig bri ;)
    trotzdem finde ich dass deutschland im hinblick auf kinderbetreuung immer noch ein entwicklungsland ist.....erst wird man total alleine gelassen, dann wird gemeckert
    in anderen ländern klappt das doch auch und da wird gar nicht groß darüber diskutiert :frag


    Das ist klar. Aber was bleibt Dir? Überleg mal, wie lange es schon Eltern gibt, die protestieren, ermahnen, Verbesserungsvorschläge machen...
    Eigentlich bleibt nur auswandern....