Wir und unsere Monster - Geschichten über Depression

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  • Ich bin gerade unsicher, ob meins hier wirklich in diesen Thread passt. Es gibt schon viele Übereinstimmungen und doch ist es auch so unterschiedlich. Bei mir ist es ja nicht die "Krankheit", sondern kommt "von außen".


    Ich weiss, dass Du etwas anderes gemeint hast als ich CoCo. Aber die ähnliche Frage stelle ich mir auch, daher bin ich mir noch net so sicher, ob ich hier in diesen thread passe. Weil ich bei mir einfach net erkennen kann, ob ich eine "echte" Depression mein eigenen nennen darf, oder ob es einfach die Lebensumstände waren und sind, die mich zu meinem jetzigen Ich geführt haben, und, sollten diese sich ins Positive ändern, mein "Monster" sich auflösen würde.


    Schaut man sich die Kriterien einer D. an, vergleicht man die Symptome, die Dauer etc, so würde ich sagen, ich habe definitiv ein Kellermonster, welches sich deutlich häufiger im Wohnbereich aufhält als im Keller.
    Jedoch habe ich z. B. noch nie Gedanken an Lebensbeendigung gehabt, habe noch ganz viel Hoffnung, sehe Licht am Ende des Tunnels usw. Das Problem ist nur, dass sich das Monster mit allem was es an Gewicht aufbringen kann auf meinem Rücken festkrallt und ich es net schaffe, ans Ende des Tunnels zu gelangen. Auch mein Therapeut hat mir das noch nicht so diagnostiziert.


    Eine Freundin meinte ich hätte eine Depression. Meine Freundin möchte dies aber auch gern jedem aufschwatzen damit sie damit net allein ist. ^^
    Ich bin der Meinung, ich habe sehr starke Parallelen, aber mit etwas Glück würde der Pfeil bei mir irgendwann wieder nach oben zeigen. Glaube ich... :S


    Aber ich weiss es net genau, ich bin mein ganzes Leben schon sehr empfindlich gewesen, sehr sensibel und melancholisch, kann über den Weltschmerz weinen usw...jedenfalls schleppe ich auch ein dickes hässliches, mich auslachendes Monster mit mir rum. Wo ich mich auch frage, in wie weit gehört es zu mir, und wie weit kann ich es los werden. :frag


    Danke für diesen thread

    Wer sich den Gesetzen nicht fügen lernt,

    muß die Gegend verlassen, wo sie gelten.

    (Johann Wolfgang von Goethe)

  • Ich hoffe, ich darf euch eine Frage stellen...sie interessiert mich, da ich öfters Patienten mit Depression betreue.
    Wie fühlt es sich an, bei Depression mit Medikamenten? Bewirkt es etwas?
    Warum haben viele Menschen Scheu die Medikation zu nehmen? Wird aus dem schwarz .....grau ...und irgendwann vielleicht wieder bunt?
    Ich wünsche euch allen, dass die Monster zahmer werden.
    LG

    Nicht auf das Leben kommt es an, sondern auf den Schwung, mit dem wir es anpacken. H. Walpole

  • Psychopharmaka verändern wichtige Stoffwechselprozesse im Gehirn.
    Ja, lenchen, sie bewirken etwas. Sehr viel sogar... und für meinen Geschmack sind sie quasi "unberechenbar". Die Veränderung geschieht nicht plötzlich. Die gewünschte Wirkung der meisten Antidepressiva setzt erst nach einigen Wochen ein. Oftmals sind zwar die Nebenwirkungen sofort heftig vorhanden, die gewünschten Effekte lassen jedoch auf sich warten.
    Die Scheu vor der Einnahme solcher Medikamente ist absolut berechtigt. Kein Mensch kann dir wirklich vorhersagen, was das Medikament in deinem Gehirn bewirken wird.


    Es ist also absolut gut und richtig, die Einnahme zunächst einmal kritisch zu hinterfragen, bevor man sich auf ein solches Abenteuer einlässt. Und ich kann - aus meiner persönlichen Erfahrung heraus - jedem Betroffenen nur ans Herz legen, sich in dieser Zeit gut begleiten zu lassen. Mich hat man seinerzeit stationär auf mein Medikament eingestellt und ich muss ganz klar sagen, ich hätte die Anfangszeit allein nicht durchgestanden. (Noch schlimmer war allerdings letztlich sogar das Absetzen des Medikamentes!)

  • Ich persönlich habe mich viele Jahre strikt geweigert, Medikamente in Betracht zu ziehen. Da war so wenig, an dem ich mich in mir festhalten konnte und die Angst, das dann auch noch zu verlieren, war groß.


    Um in meinem Job weiter bestehen zu können, habe ich dann alles versucht, auch Medikamente genommen. Wahrscheinlich wäre ich einige Monate früher zusammengebrochen, wenn ich sie nicht genommen hätte. Was haben sie mir gebracht? Langjährige Freundschaften, die ich aufgekündigt habe, weil die Frage kam, warum ich diesen Schritt gegangen bin. Eine Freundin, die mir blieb, sagte mir später, dass sie mich nicht wieder erkannt hätte, ich wäre teils richtig aggressiv gewesen (vor allem in Zusammenhang mit Alkohol).
    In der Klinik wurde ich umgestellt. Die erste war unauffällig, nach der zweiten bin ich körperlich zusammen gebrochen und lag einen kompletten Tag im Bett und hörte meinem Körper beim Vibrieren zu. Ich denke, diese heftige Reaktion ist verantwortlich dafür, dass auch die Pille ausgesetzt hat (wobei ich dafür ja dankbar sein müsste ...)


    Fazit: Nie wieder!


    Es gibt mit Sicherheit Fälle, bei denen Tabletten notwendig sind. Beispielsweise bei einem Freund mit Schizophrenie, der nun ein normales Leben führen kann. Auch die punktuell dämpfende Medikation ist in einigen Fällen sinnvoll, wenn man richtig am Kabel dreht. (Wenn man selber dahinter steht und sich dafür entscheidet.)
    Aber die Antidepressiva haben an meiner Grundsituation nichts verbessert. Eigentlich haben sie es schlimmer gemacht, weil sie mich in falscher Sicherheit wiegten.


    Wenn es so geht, dann immer ohne. Das Erwachen, nach dem kompletten Absetzen von allem, als die Schwangerschaft bekannt wurde, löste viele Wochen schlimme Suizidgedanken aus. Die ich in dieser Phase teilweise interessiert betrachtet habe, weil es natürlich ein völlig abwegiger Gedanke war, dem ich niemals nachgegeben hätte, zu verknallt war ich in meinen Bauch. Aber gebraucht hätte ich es nicht ...

  • Nele,
    es gibt da so viele Abstufungen wie Menschen, würde ich sagen. Man braucht keinen Diagnosestempel, um sich schlecht zu fühlen oder deprimiert fühlen zu "dürfen". Aber es kann befreiend sein, wenn einem endlich mal jemand per (seriöser) Diagnose sagt, warum es einem schlecht geht.
    Suizidgedanken hatte ich auch nie, habe schließlich Kinder, aber ich habe schon mehrere Momente erlebt, wo mir schlagartig klar war, warum Betroffene sich vor einen Zug werfen. Denn die Schwärze kann so unerträglich sein, dass man meint, es nicht noch einen Tag oder noch eine Stunde länger aushalten zu können. Ich habe diese Momente einfach stur ausgesessen, die Zähne fest zusammengebissen und wie gelähmt abgewartet, dass sich der Schraubstock um meine Seele wieder eine Umdrehung öffnet. Beim ersten solchen Moment bin ich in Panik geraten, inzwischen weiß ich, dass sowas passieren kann - und dass es vorüber geht. Aber das Aushalten ist unglaublich anstrengend.


    Mit einem Huckepack-Monster durchs Leben zu gehen - oder sich zu schleppen - klingt auch nicht gerade angenehm.
    Wenn du vermutest, dass es auch an deinen Lebensumständen liegen könnte, dann wäre natürlich die Frage: Was kannst du verändern? Kannst du die Dinge zum Besseren verändern, die dich belasten? Und falls nicht, welche Möglichkeiten hast du, diese Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten? Das kann ungemein hilfreich sein! Du bist ja anscheinend in Behandlung - geht es da auch um solche Fragen?
    Und wenn dein Monster dich auslacht, dann wäre da auch die Frage nach deinem Selbstwertgefühl. Hast du oft Selbstzweifel?
    Immerhin bist du hoffnungsvoll, das ist doch schon mal sehr gut!



    Lenchen,
    deine Fragen lassen sich nicht so einfach beantworten, jeder Mensch ist anders. Ob ein Medikament wirkt, und wenn ja, wie, das ist sehr individuell.
    Die Scheu vor Medikamenten ist teils berechtigt, teils auch nicht, finde ich.
    Wenn man in die USA schaut, wo mit Psychopillen nur so um sich geworfen wird, wo sie beworben werden und völlig kritiklos auch an Jugendliche (und Kinder!) verteilt werden und von den meisten Menschen ebenso kritiklos eingenommen werden - dann gruselt es mich richtig!
    Ohne Frage steht eine sehr mächtige Pharmamafia äh -industrie dahinter, die nur am Profit interessiert ist, und die auch Ärzte mit Vergünstigungen ködert. Ohne Frage haben einige Präparate bei einigen Patienten fatale Nebenwirkungen wie Kontrollverlust, der zu Mord und Selbstmord führen kann.
    Andererseits gibt es Präparate, die sicherer sind als andere (zumindest statistisch), gibt es vernünftige Ärzte, die genau abwägen, aufklären und kontrollieren, gibt es Patienten, die ohne die zeitweilige Medikation kaum die Kurve kriegen.


    Ich habe die erste Depression ohne Medis ausgesessen (hatte noch keine offizielle Diagnose), es hat einige Monate gedauert, bis ich wieder einigermaßen handlungsfähig und alltagstauglich war. Ich konnte mir das erlauben weil ich einen Partner hatte, der das mit mir zusammen durchgestanden hat, weil ich nicht berufstätig war, weil mein Kind noch nicht schulpflichtig war.....
    Beim 2. Mal war ich allein mit krankem Kind, musste handlungsfähig bleiben, musste irgendwie funktionieren. Da habe ich es probiert mit einem SSRI und gute Erfahrungen gemacht, denn ich konnte damit meinen Alltag bewältigen, wenn auch nur auf Sparflamme.
    Nein, die Welt wird nicht wieder bunt damit, sie bleibt erstmal grau, aber sie ist eben auch nicht mehr schwarz.
    Ich sehe diese Medikamente als vorübergehende Gehhilfe, um nicht total abzustürzen oder um wieder auf die Beine zu kommen.
    Von grau nach bunt muss man dann schon selbst wieder hinkriegen, bzw mit Therapie.


    Dies ist aber ausdrücklich nur meine Erfahrung und meine Meinung.

  • Ich hab mich geweigert Medikamente zu nehmen, aus gutem Grund.


    Eine Freundin von mir leidet auch an Depressionen und hat mit Medikamente bekommen. Sie wird diese Medikament immer nehmen müssen, es gibt keine Möglichkeit von denen wieder los zu kommen. Das schlimmste ist aber das diese Medikamente Nebenwirkungen haben. Morgens nimmt sie z. B. Antidrepressiva, dieses macht aber müde, darum bekommt sie ein Medikament welches gegen die Müdigkeit hilft. Auf dieses braucht sie aber abends dann ein Schlafmittel um zu schlafen. :-(
    Wir sind mal zu viert Spazieren gegangen. Vier Mädels mit Depressionen, ich war die einzige ohne Medis. Die anderen drei haben sich bestimmt eine Stunde über Medikamente ausgetauscht. Wer welche nimmt, Nebenwirkungen, welche Medis man dann für welche Nebenwirkung nehmen kann. Ich kam mir vor wie unter drei wandelnden Beipackzetteln. Ich bin nie wieder mit diesen Mädels spazieren gegangen. :-)


    Gruß
    Gwen


    Edit sagt: Meiner Meinung nach sollten Medis immer als der letzte Ausweg gesehen werden, wenn nichts mehr geht. Das war bei meiner Freundin nicht so, sie hat sie sofort verschrieben bekommen und kommt jetzt nicht mehr davon los.


    Edit sagt nochmal: Was mir noch einfällt. Ich durfte mal den Beipackzettel von einem ihrer Antidepressiva lesen und in den Nebenwirkungen stand das dieses Medikament Depressionen auslösen kann :ohnmacht:

    3 Mal editiert, zuletzt von SilentGwen ()

  • Gwen,
    mir ist nicht ganz klar, wieso deine Freundin ihr Medikament nicht auch wieder herunterdosieren und ausschleichen können sollte?
    Habe ich ehrlich gesagt noch nie gehört, dass das nicht möglich ist. Vielleicht sollte sie mal den Arzt wechseln...

  • Natürlich ist das möglich, wie soll ich das erklären :hae:


    Ich denke sie hat Angst davor, die Medikamente nicht mehr zu nehmen. Angst davor in ein noch grösseres Loch zu fallen als es zuvor war. Es sind inzwischen auch so viele Medikamente. Wenn wir uns treffen reden wir nicht mehr über Depressionen, allgemein haben wir nicht mehr so viel Kontakt. Da sie sich sehr verändert hat.


    Gruß
    Gwen

  • CoCo, es fällt mir so schwer, etwas zu deiner Geschichte zu schreiben. Ich finde, man kann so viel Falsches sagen, auch wenn man es gar nicht möchte. Ich weiß nicht, wie es wäre, würde ein solcher Schicksalsschlag jemanden aus meinem Bekannten- oder Freundeskreis treffen. Natürlich möchte man da sein, aber ... ich wüsste einfach nicht, was ich sagen soll, weil es vielleicht nichts zu sagen gibt?
    Was hilft dir? Was möchtest du, was möchtest du nicht? Was ist, mal abgesehen von diesen wirklich verletzend-anmaßenden Kommentaren, etwas, was gar nicht geht?


    Momentan bekomme ich meine Worte nicht sortiert - deshalb möchte ich erstmal einen Text von Beate Großmann hier reinstellen. Beate ist auch eine betroffene Mutter; die ihren Sohn vor fast 9 Jahren verloren hat. Inzwischen ist sie ausgebildete Trauerbegleiterin. Ich habe ihre Erlaubnis, den Text ins Forum zu stellen. Das meiste kann ich so unterschreiben...


    BEGEGNUNGEN MIT TRAUERNDEN ELTERN
    Wenn ich über meine Trauer spreche, werde ich meist von Nichtbetroffenen gefragt…
    Was kann ich tun? Was sage ich? Wie reagiere ich?
    Wie kann ich Unterstützung sein?
    Aus meiner eigenen Erfahrung heraus möchte ich hier gerne einige Fragen beantworten.


    Ich kann nur für mich sprechen, was mir gut getan hat, was ich gebraucht habe besonders in den ersten Tagen, Monate und Jahren meiner Trauer.
    Ich spreche von Jahren, denn die Trauer ist nicht begrenzt.
    Sie ist immer da, auch wenn sie sich mit der Zeit verändert.
    Alles kann, muss aber nicht stimmig für andere Trauernde sein. Und es gibt so vieles zu sagen.
    Ich beschränke mich, auf das, meiner Meinung nach,Notwendigste!
    Nach der ersten Zeit und der großen Anteilnahme, beginnt der Alltag wieder, für das Umfeld, doch für die Trauernden nicht!
    In dieser Zeit ist es zusätzlich verletzend, trauernden Menschen aus dem Weg zu gehen. Auch wenn es schwer ist Betroffenen zu begegnen, so ist es doch so einfach als Nichtbetroffener, ein Lächeln, einen Gruß oder ein kleine Berührung zu schenken.
    Wenn Worte fehlen, muss man sie nicht erzwingen.
    Es reicht aus zu sagen:
    "Ich weiß nicht was ich sagen soll…mir fehlen die Worte“…
    Es war furchtbar für mich wenn Menschen, die ich gut kannte, auf die andere Seite gingen oder wirklich so taten als sehen sie mich nicht, oder über mich redeten. Ich habe auch damit gelernt zu leben, und bei diesen Menschen handhabe ich es inzwischen genauso.


    So zu tun, als sei die Welt in Ordnung, ist fehl am Platz.
    Für trauernde Eltern ist die Welt nicht mehr in Ordnung.
    Die banalsten Aussagen sind ein Schlag ins Herz. z.B.:
    Ein " Schönens Wochenende“ zu wünschen, es ist nichts mehr ist schön und nichts ist gut. Es gibt keinen guten Tag mehr.
    Es ist nicht tröstlich, nach dem unbegreiflichen Tod eines Kindes zu hören ..“Zeit heilt alle Wunden“ oder ..“Das Leben geht weiter“..“Sie haben ja noch ein Kind“…Worte, die den Tod des Kindes schmälern. In diesem Moment sind sie unangebracht und bedeutungslos. Sie nehmen nicht die Hilflosigkeit, die Machtlosigkeit und die Gewalt des Todes des liebenden Kindes.
    Und die obligatorische Frage nach dem „Wie geht es“…
    Will man ja eigentlich nicht wirklich beantwortet haben.
    Denn ein jeder der Kinder hat, möchte sich nicht nur eine Minute lang vorstellen, sein Kind sei tot.
    Unvorstellbar, doch für betroffene Eltern ist dies der Alltag.


    Stellt euch die Frage selbst, was meint ihr?
    Wie würde es euch gehen?
    Hilfe für die ersten Wochen ist!
    Bietet euch an einzukaufen, alltägliche Dinge zu verrichten. Behördengänge, Erledigungen.
    Stellt einen Kuchen oder ein paar Blumen vor die Tür.
    Bietet an, Essen vorbei zu bringen.
    Im Haushalt zu helfen…usw.
    Mein ganz großes Anliegen.
    Vergesst die Geschwisterkinder nicht.
    Schenkt ihnen die Möglichkeit den Alltag mit euch zu erleben.
    Sie haben ihren lieben Bruder, ihre geliebte Schwester verloren und ihre Eltern, trauern, stehen unter Schock, jedes Geschwisterkind leidet sehr.
    Trauernde Eltern sind Jahre im Ausnahmezustand, auch wenn der Alltag augenscheinlich gelebt wird. In den ersten Jahren, sind Betroffene darauf angewiesen, dass sich Freunde und Familie bei ihnen melden. Es reicht nicht aus, zu sagen „Melde dich wenn du, ihr uns braucht“ das können Betroffen nur bedingt. Sie sind nicht fähig anzurufen oder Dinge zu tun, die für andere, so einfach erscheinen.
    Eltern sind buchstäblich "bewegungslos".


    Wichtig ist, ruft an, schickt eine Karte, schreibt eine Mail.
    Wenn Eltern nicht sprechen oder Besuch haben können, sollte dies akzeptiert werden, doch scheitert nicht daran.
    Zeigt, dass ihr immer da sein werdet
    Bleibt nicht fern, auch wenn es schwer ist zu begleiten.
    Eltern haben ihr Kind verloren, das Leben das sie kannten, ist vorbei. Zusätzlich Familie und Freunde zu verlieren ist kaum zu ertragen. Leider ist dem aber so. Den meisten betroffenen Eltern ergeht es so.
    An Festen, Geburtstage und sonstige Feiern teil zu nehmen muss neu erlernt werden, denn das Kind an der Seite fehlt.
    Alle sind da….Mein Kind fehlt.
    Nicht immer können Eltern daran teilnehmen, dies wird leider nicht verstanden und als Rückzug gewertet.
    Besonders wichtig ist, an den Gedenktagen des Kindes Anteil zu nehmen. Sei es mit einer Karte, einer Mail, einem kleines Geschenk dem Friedhofbesuch oder einer anderen Geste, die den Betroffenen sichtbar macht und auch zeigt. Es wird an mein Kind gedacht. Mein Kind wird nicht vergessen. Und…
    „Wir sind nicht allein“
    Schweigen von Familie und Freunden, ist egal aus welchen Gründen, immer ein allein gelassen werden. Natürlich gibt es Gründe, doch warum auch immer, es ändert nichts daran, dass in der schwersten Zeit des Lebens die Unterstützung von Seite der Familie fehlt.


    Das Leben ohne sein Kind muss neu geordnet werden. Nichts ist mehr wie es war. Das Leben ist ver-rückt und jede erdenkliche Unterstützung kann Halt sein. Hinterbliebene Eltern und Geschwisterkinder sind bis tief ins Innerste verletzt und brauchen ein Umfeld, das liebevolles Verständnis zeigt. Das alte Leben mit seinem Kind ist Vergangenheit. Es ist Erinnerung, die Zukunft ist nicht mehr da.
    Einfühlsam sollte auch die Anforderung sein. Leider ist die Erwartungshaltung des Umfeldes an den Trauernden, nach den ersten Monaten der Anteilnahme, sehr groß. Und ein Jeder betrachtet und wertet dies aus einem unterschiedlichen Blickwinkel. Die gebildet Meinung über die Trauernden äußert sich dann meist in gut gemeinte Rat-Schläge, doch diese signalisieren jedem Trauernden nur
    „So wie du bist ist es nicht ok für mich“…
    „Du solltest meiner Meinung nach, anders sein“.
    Richtig ist, ja es ist alles anders. Der Mensch verändert sich in der Trauer und sucht und findet sich und sein Leben neu.
    Das bedarf einer unbegrenzte Zeit.


    Schön ist es zu hören. „ Ich nehme dich an in deinem Schmerz und lasse dich so wie du bist. Alles hat seine Berechtigung, alles hat seine Zeit. Du wirst deinen Trauer-Weg gehen, du kannst diesen schweren Weg schaffen. Ich glaube an dich und bin da und denke mit dir an dein Kind und fühle mit dir und deiner Familie.“
    Jeder Mensch hat die Fähigkeit mit einem Schicksalsschlag umzugehen und findet seinen Weg aus der Krise. Es ist unvorstellbar schwer, doch mit dem Glauben an sich selbst ist es möglich. Mindert niemals diesen Glauben, indem ihr diesen Menschen sagt, wie sie den Tod ihres geliebten Kindes zu betrauern haben.
    Danke, an alle Nichtbetroffene, fürs Lesen
    und glaubt ebenso an euch, auch wenn ihr nicht immer so gehandelt habt, wie es angebracht gewesen wäre. So sind wir trauernden Eltern euch von Herzen dankbar, falls ihr immer noch bei uns an unserer Seite seid und uns begleitet und ihr nicht gegangen seid. Schön, dass es euch gibt. Es ist uns durchaus bewusst, dass es nicht einfach ist.
    DANKE AN ALLE LIEBEN MENSCHEN DIE UNS BEGLEITET HABEN ♥
    L(I)EBENSWERTE Grüße
    Beate

    LG
    CoCo



    Halt mich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht, und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.


    ~ Khalil Gibran ~





  • Aber ich weiss es net genau, ich bin mein ganzes Leben schon sehr empfindlich gewesen, sehr sensibel und melancholisch, kann über den Weltschmerz weinen usw...jedenfalls schleppe ich auch ein dickes hässliches, mich auslachendes Monster mit mir rum. Wo ich mich auch frage, in wie weit gehört es zu mir, und wie weit kann ich es los werden.


    Nele, ich schließe mich Sonne an - das was Du da schreibst, klingt schon sehr belastend. Wenn es Dir hilft, hier darüber zu schreiben und damit vielleicht auch gleichzeitig ein bisschen zu sortieren, ist das doch gut.

    LG
    CoCo



    Halt mich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht, und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.


    ~ Khalil Gibran ~





  • CoCo, danke schön für die Worte! Ja, es ist so unvorstellbar, dass man den Schritt weiter gar nicht mehr denken möchte.
    Ich finde es so stark, dass du darüber schreibst, uns, mich, teilhaben lässt!
    Alles hat seine Berechtigung, alles hat seine Zeit. Das finde ich sehr wertvoll! Ich wünsche dir weiter Stärke auf deinem Weg, auf eurem Weg. Irgendwie fehlen mir trotzdem immer noch die Worte ...


    Nele, wenn es sich so anfühlt, dann passt es selbstverständlich. Kein Mensch ist gleich und auch keine Depression. Braucht es überhaupt eine Diagnose oder ist sie nur da, damit wir das Gefühl bekommen, gegen ein Monster mit Namen kämpfen zu können?


    Besonders empfindlich, melancholisch sein ... auch sensibel sein ... das klingt alles so negativ. "Du steigerst dich immer so rein", sagte eben mein Papa am Telefon zu mir. Ob diese "Empfindlichkeit" es begünstigt, ein Monster zu haben? Mit Sicherheit. Ob es deshalb weniger schlimm ist? Nein, sage ich mir mittlerweile.


    Bei mir variiert übrigens das, was mir hilft. Und Menschen, die mir sagen, dass Laufen den Kopf befreit, denen ... ich hab das in einer extremen Anspannungsphase mal versucht und fühlte mich hinterher noch schlechter. Handarbeiten hingegen sind wirklich hilfreich! Oder Malen (was ich überhaupt nicht kann, warum es umso schöner ist). Ich hab auch mal versucht Origami zu falten :lgh
    Manchmal ist Leute treffen super, manchmal macht es das nur noch schlimmer. Es ist so verschieden - ist das bei euch auch so?

  • ......


    Der Stoffwechsel spielt ja auch manchmal eine Rolle? Vielleicht als Zünglein an der Waage? Bei einem Bekannten einer Freundin war die Depression anscheinend rein stoffwechselbedingt. Der hat nun unter Tabletten überhaupt keine Probleme mehr.


    ......


    Guten Morgen in die Runde!


    Der Bipolaren-Störung (Manisch-Depressiv) liegt häufig eine Störung des Serotoninhaushaltes im Körper zu Grunde.
    Diese körperliche Ursache kann, wenn sie ausgeprägt genug ist, allein die Auslösung der Krankheit hervorrufen.
    Äusserliche Faktoren können die Krankheit auch zum Ausbruch bringen.
    Es ist, wie jede psych. Erkrankung, immer individuell zu sehen.
    Bei dem einen Erkrankten kann es ausreichend sein nur das körperliche Defizit auszugleichen um auch psychisch einen Normalzustand zu erreichen.
    Bei dem anderen Erkrankten kann es nötig sein, gleichzeitig zur körperlichen Therapie, eine von Psychologen/Psychotherapeuten begleitete Therapie durchzuführen.



    Ich ziehe meinen Hut vor dem Mut und der inneren Stärke aller, die über ihre KellerMonster, schwarzen Hunden, mit anderen Menschen sprechen.
    Ob nun öffentlich oder in intimer Runde.

  • Hallo Inkamann,
    bewiesen ist leider noch nichts von dem wirklich, man nimmt an, dass es zum großen Teil am Serotonin liegt, aber es können auch andere Botenstoffe involviert sein - oder ganz andere Mechanismen verantwortlich sein, die wir einfach noch nicht entdeckt haben. *
    Die Tatsache, dass zB SSRI helfen, legt natürlich nahe, dass das Serotonin (mit-)verantwortlich ist, aber kein solches Medikament bringt einen ja wieder 100% zurück in die "bunte" Welt (wie Lenchen es so schön formuliert hat).
    Dazu kommt, dass diese Annahme von der Pharmaindustrie verbreitet wurde und wird.
    Es ist angenehm, die Dinge so vereinfacht zu betrachten (nicht du, sondern Pharmazie und Medizin), eine klare Kausalität anzunehmen und für dieses Problem auch gleich die passende Lösung anzubieten.


    Auch mir gefällt diese Sichtweise, sie ist entlastend und erklärend zugleich.
    Nur leider funktioniert es oft nicht so einfach. Sobald man genauer hinsieht, zeigen sich viele Ungereimtheiten, von unzureichender Wirkung bis zu fatalen Nebenwirkungen.
    Daher halte ich eine Psychotherapie grundsätzlich für notwendig, und sei es auch nur um herauszufinden, dass es sich vermutlich doch um ein mehr biologisches Problem handelt als um ein psychisches.
    Obwohl ich annehme, dass zu der biologischen Veranlagung meist auch noch eine typische Persönlichkeitsstruktur hinzukommt, die Depression (oder bipolare Störung) begünstigt.

    Ich ziehe meinen Hut vor dem Mut und der inneren Stärke aller, die über ihre KellerMonster, schwarzen Hunden, mit anderen Menschen sprechen.
    Ob nun öffentlich oder in intimer Runde.

    Weiß gar nicht, ob ich das wirklich als Kompliment annehmen kann, auch wenn es so gemeint ist. Denn ich finde ja, dass es eigentlich keine Frage von Mut sein sollte, darüber zu reden. Man verschweigt ja auch nicht peinlich berührt seinen Bluthochdruck oder seinen Diabetes :hae:
    Trotzdem danke :-)



    ...und da du sogar den schwarzen Hund kennst, vermute ich mal, dass du auch weißt, wovon wir hier reden..?





    -------------------------------
    * Ich habe mich die letzten Jahre intensiv mit verschiedenen Aspekten der Hirnforschung beschäftigt, einerseits wegen der Erkrankung meiner Tochter, andererseits weil ich es einfach unglaublich spannend finde. Und dabei zeigt sich immer wieder, dass die Wissenschaft oft nur an der Oberfläche kratzt, viele Zusammenhänge noch gar nicht entdeckt, geschweige denn verstanden hat. Wir irren uns langsam empor.
    Beispiel: Bisher hat man Schizophrenie als psychiatrische Erkrankung angesehen und mit heftigen Neuroleptika behandelt, die mit Glück auch eine Besserung bringen und mit noch mehr Glück nur wenig Nebenwirkungen verursachen - aber niemand ist damit ganz gesund.
    Jetzt hat sich herausgestellt, dass wir diese Erkrankung (und vermutlich viele andere) aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten müssen, denn es wurden Autoantikörper gefunden, die Schizophrenie verursachen (und andere psychische Probleme). Also Immuntherapie statt Neuroleptika! Auch meine Tochter war erst in der Psychiatrie, bevor man festgestellt hat, dass sie eine Gehirnentzündung hat und Autoantikörper, die ihr Gehirn angreifen. Sie hatte einfach Glück, dass man 2 Jahre zuvor diese Antikörper entdeckt hat.
    Das als Erklärung, warum ich bei dem Thema sehr pingelig sein kann :rotwerd
    ...und dir ganz sicher nicht auf den Schlips treten möchte (falls vorhanden :-) )

  • Guten Abend in die Runde!


    Sonne:
    Schlips zwar "auf Arbeit am Mann" :lach aber in keinster Weise von dir auf selbigen getreten gefühlt.
    Auch nicht "pingelig" :rotwerd sondern die Aussagen eines Profs bestätigend. :thumbup:


    Ich hatte das Glück, dass meine damalige Frau und KM meiner Kinder, bei einem sehr guten Prof. in Behandlung gewesen ist und noch immer (4 Jahre) bei ihm "auf dem Schirm" ist.
    Er hat es eben nicht, so wie du richtig bei anderen Medizinern beschreibst "vereinfacht", sondern die Erkrankung ganzheitlich betrachtet.
    Der Erfolg gibt ihm bis dato recht.
    Aber wie ich auch erwähnt hatte, ist dies keine auf andere Erkrankte direkt übertragbare Therapie. Jeder Erkrankte ist für sich individuell zu betrachten und zu behandeln.
    Ja, ich weiss......Wunschdenken ... Leider


    Mein eigener schwarzer Hund ist mir ein guter Kumpel geworden. Er geht zuverlässig "bei Fuß" ... hört wenn er "Platz" machen soll und wenn mal nicht, gehen wir zu unserm "Trainer" ;-)
    Tja und aus dem schwarzen Hund meiner damaligen Frau wurde ein mehr als hässliches Monster....fast hätte es damals meine Frau gänzlich, auch körperlich, sagen wir "gefressen" :kopf:-(


    Und nach der schweren Kost, möchte ich nun nicht vergessen, euch allen in der Runde noch einen angenehmen Abend zu wünschen :winken:

  • Mein eigener schwarzer Hund ist mir ein guter Kumpel geworden. Er geht zuverlässig "bei Fuß" ... hört wenn er "Platz" machen soll und wenn mal nicht, gehen wir zu unserm "Trainer" ;-)
    Tja und aus dem schwarzen Hund meiner damaligen Frau wurde ein mehr als hässliches Monster....fast hätte es damals meine Frau gänzlich, auch körperlich, sagen wir "gefressen" :kopf :-(


    Wofür ich einen halben Meter Text brauche, das fasst du in 4 Zeilen zusammen - und bringst darin noch 2 Personen unter!
    Danke für diese wunderbare Beschreibung (wenn auch inhaltlich natürlich nicht ganz so erfreulich..) :blume


    Freut mich zu hören, dass deine Frau in guten Händen ist. Dann hoffe ich, dass sich ihr Monster mit der Zeit wieder in einen schwarzen Hund verwandelt, der gut hört und selten zum Trainer muss!


    Wäre schön, wenn ihr die beiden dann irgendwann mal im Tierheim abgeben könntet........

  • Wäre schön, wenn ihr die beiden dann irgendwann mal im Tierheim abgeben könntet........


    ÄÄÄÄhhhhmmmm ........ NÖ nienicht. :amok:



    Was du nicht wissen kannst, wir haben hier zwei normale Hunde aus dem Tierheim rumlaufen. Wobei so normal sind die auch nicht ;):-D ,
    Diese beiden Hunde werden wir nie und nimmerlich abgeben. :nanana:nanana:nanana


    Bei den beiden "virtuellen" Schwarzfellträgern bin ich wiederum ganz bei dir. :thumbsup:


    Bei meiner Fau ist es eine kontinuierliche überwachte und wenn nötig angeglichene medizinisch-pharmakologische Behandlung in Kombination mit einer psychotherapeutischen Behandlung.
    Dieses ermöglicht ihr im Moment ein normales Leben in welchem sie ihren nun mehr "nur" noch schwarzen Hund, sehr gut im Griff hat.
    ...und wenn das Monster wieder versucht hervorzukommen gibt es einen Notfall-Plan. :thumbup:


    Edit sagt:
    Ist schon spät und es fehlen ein paar ,,,,,, oder sind wo sie nicht hingehören ;)

    Einmal editiert, zuletzt von Inkamann ()

  • Dann gehst du also mit 3 Hunden spazieren? Einer geht brav bei Fuß und 2 laufen wild in der Gegend herum? :D


    Was du über deine Frau schreibst klingt sehr gut!
    Und einen Notfallplan zu haben ist vernünftig, habe mir auch einen zurechtgelegt.

  • Heute Nacht um zwei kam eines meiner Monster hoch zu mir.
    Es lässt mich nicht schlafen, macht mich unruhig und nervös.
    Meint, einschlafen darfst du nicht, du musst warten bis es hell wird...


    Oft frage ich mich, wann hört es auf?
    Wann kann ich mal mehr wie eine Nacht durchschlafen, gut einschlafen, Wache nicht nachts von Albträumen auf?


    Mein Depressionsmonster kommt wie ein Dieb in der Nacht, plötzlich, unverschämt und ohne Vorwarnung.
    Dies deshalb, weil es mir jede körperliche und seelische Energie zu rauben scheint.


    Nach mehreren Klinikaufenthalten und viel, viel ambulanter Therapie ist es mir nun möglich, wenigstens vor dem Monster keine Angst mehr zu haben. Sondern wertfrei festzustellen, aha, du bist auch wieder da, und wenn du schon da bist, können wir ja versuchen, gut miteinander auszukommen.


    Ich bringe es nicht los, ich muss lernen, damit zu leben.



    Dann ist da noch mein Angstmonster bzw. Panikmonster.
    Auch blitzschnell da, Herzrasen, Schweißausbrüche, Übelkeit, Blitze in meinem Kopf, zusammenhanglose Fetzen.
    Ausgelöst durch das falsche Wort, Bewegung, Licht, Musik oder Geräusch...



    Mittlerweile frage ich auch nicht mehr nach einem Warum - sondern versuche mich mit meinen Vorraussetzungen, Schwächen und Fehlern selbst anzunehmen.
    Und zu leben.
    Nicht mehr nur überleben, irgendwie weiterleben.
    Sondern richtig zu leben, zu genießen.


    Oft kommt dann gleich die Frage in meinem Kopf, darf ich das?
    Darf es mir gut gehen?
    Habe ich das verdient?
    Wo ist der Haken?





    ..... Schreibe später eventuell noch weiter. Der Gedanke mit den Hunden gefällt mir übrigens gut...........

  • Jona,
    keine Angst mehr vor dem Monster zu haben ist schon ein sehr großer Schritt, finde ich.
    Ich weiß nicht, ob ich das guten Gewissens von mir behaupten kann, aber ich bin auf jeden Fall sehr viel gelassener geworden (bis auf den Schreck, wenn es sich dann doch plötzlich wieder angeschlichen hat, wie neulich).
    Zu akzeptieren, dass es da ist und sich ab und zu auch bemerkbar macht, heißt ja nicht, dass man aufgibt (wie mir mal jemand einreden wollte), sondern dass man aufhört, gegen sich selbst zu kämpfen und stattdessen einen Weg sucht, um damit zu leben.
    Zu leben, statt nur zu überleben, genau wie du sagst.


    Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Angst wie die kleine Schwester der Depression ist, allein traut sie nicht nur selten heraus, aber am Rockzipfel der großen Schwester treibt sie gern ihr Unwesen.
    Beim ersten Absturz dachte ich wirklich, ich hätte eine Angststörung, denn das Depressive war mir so vertraut, dass ich es nicht als Krankheit erkannt habe. Erst viel später habe ich begriffen, dass die Angst nur ein Begleitsymptom war (und ist). Mag bei anderen Menschen anders sein, aber ich habe schon oft gelesen, dass das typisch ist. Verjagt man das eine Monster, verschwindet das andere meist auch gleich mit, jedenfalls bis auf kleine Ausrutscher.


    Die Frage, ob man sich gut fühlen darf, ob man das Recht dazu hat, ob man es verdient, sich gut zu fühlen - die kenne ich auch. Ich glaube, dass sich genau da ein geringes Selbstwergefühl zeigt im Sinne von: Ich bin es gar nicht wert, ein gutes Leben zu haben, ich bin nicht gut genug, um das zu verdienen. Oder sogar: Ich habe es verdient zu leiden.
    Auch ohne dich zu kennen kann ich dir versichern: Du darfst das! Du musst es dir nämlich gar nicht verdienen!
    Ich weiß, dass es nicht wirklich hilft, dies von anderen Leuten zu hören oder zu lesen, denn der einzige Mensch, der das glauben muss, das bist du selbst.
    Ich habe viele Jahre gebraucht, um nicht nur mit dem Verstand, sondern auch tief drinnen langsam die Überzeugung zu gewinnen, dass ich mir nichts verdienen muss, sondern das Recht einfach HABE, so zu sein, wie ich bin und so zu fühlen, wie ich fühle.
    Ich muss mich gar nicht selbst bestrafen und mir Gutes verbieten. So ähnlich wie früher die Eltern bestraft und verboten haben, uns klein gemacht haben, wenn wir ihren Erwartungen nicht gerecht wurden. Für meine Eltern war ich nicht gut genug - aber für mich selbst kann ich es sein!
    Und wenn man sich nicht mehr klein macht, dann kann man endlich wachsen - und gleichzeitig schrumpfen die Monster.
    Ich bin davon überzeugt, dass Monster Menschen mit geringem Selbstwert bevorzugen, denn da haben sie leichteres Spiel.
    Also ist das für mich ein ganz wichtiger Punkt, wo man auch in der Therapie ansetzen kann.
    Natürlich war und ist auch bei mir der Weg lang und holprig, aber das Entscheidende ist doch, dass man sich auf den Weg macht und dann immer weiter geht. Und du bist schon ein gutes Stück voran gekommen, also wirst du es auch weiter schaffen. :knuddel


    ...Ach und wegen der nächtlichen Ruhestörung: Hast du mal autogenes Training versucht? Ist ganz einfach. Ich wollte da lange nix von wissen, bis mir zufällig ein Buch in die Hände gefallen ist und ich dachte: Ok, kann man ja mal probieren. Hat super funktioniert!
    Und mit ein bisschen Übung hilft es auch wenn die Angst kommt, um sich zu beruhigen und die Angstspirale zu stoppen.