Kindergeld - Die Geschichte

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  • Zum ersten Januar 2021 gibt es mehr Kindergeld. Das hat Geschichte:


    Kindergeld gibt es in Deutschland seit 1935. Es wurde also, upps, von den Nationalsozialisten eingeführt. Da ist es aber wie bei den Leuten, die abergläubisch sind: Man zieht nicht ins 13. Stockwerk, ist am Freitag, dem 13. vorsichtig, sitzt im Flugzeug nicht in Reihe 13. Aber aufs 13. Monatsgehalt verzichtet man nicht ... Das Kinderbeihilfegesetz wurde ungefähr zeitgleich mit den "Rassegesetzen" beschlossen. Welche üble Verknüpfung. Man steht wie so oft staunend davor, dass ein menschenverachtendes Regime eine im Ansatz nicht schlechte Idee wie das kindergeld hat. Wie auch immer.




    Wobei es in der NS-Zeit Kindergeld sowie nur für die arische Bevölkerung gab. Und bei der Einführung nur als Beihilfe für Niedrigverdiener und erst ab dem fünften Kind – andere Zeiten halt.




    Wenig später gab es dann die monatliche Zahlung ab dem dritten Kind. 10 Reichsmark. Klingt wenig, war aber bei einem Grenzverdienst bis 185 Euro, upps, Reichsmark, nicht gerade wenig.




    Kaum waren wir Fußballweltmeister, gab es ab 1954 25 Mark fürs Kind. Mein Vater ist damals ins Berufsleben mit 200 Mark Einstiegsgehalt nach Hause gekommen. Muss doch mal mein älteres Geschwister fragen, ob es sich als Kindergeldkind versteht … Obwohl: Kindergeld gab es immer noch erst ab dem dritten Nachwuchszwerg. Da mussten Eltern schon vorlegen.Der erste Familienminister hat das getan. Franz-Josef Wuermeling brachte es auf fünf Kinder. Hat ihm aber nix genutzt. Sein Verdienst war zu hoch.




    Gezahlt haben das Kindergeld übrigens die Arbeitgeber. Sie mussten eine Zwangsabgabe in die Familienkasse zahlen, aus der das Kindergeld damals finanziert wurde.




    Das änderte sich 1961. Seitdem wird das Kindergeld vom Bund bezahlt und ist eine offiziell steuerliche Vergünstigung. Das galt dann ab dem 2. Kind und es wurden 25 Mark pro Kopf und Monat ausgezahlt. Jedoch nicht an schwerreiche Familien - all jene, die mehr als 7.200 Mark im Jahr im Säckel hatten. Und auch Beamte gingen leer aus. – Nur ein Schelm kann hier behaupten, damit hätte die Regierung die Verbreitung von Beamtengenen in der Gesellschaft verhindern wollen.







    Es dauerte neun Jahre und einen Wirtschaftsboom, bis das Kindergeld wieder angepackt wurde. 1970 setzte man die Einkommensgrenze auf 13200 Mark Jahreseinkommen. Wer mehr verdiente, bekam als Krösus nix ausbezahlt. Es sei denn, er war Beamter. Für den gab es den Familienzuschlag. Gehaltsunabhängig.




    1975 wurde der Regierung klar, dass die Babyboomerjahre vorbei waren. Nach 1964 wurde Jahr um Jahr weniger Nachwuchs vom Storch gebracht. Hatte bestimmt mit der Klimaerwärmung zutun. Oder dem Waldsterben. Keinesfalls mit der 68er-Generation. Die war doch für freie Liebe. Aber vielleicht gerade auf dem Weg nach Indien.

    Also Kigeld für die Daheimgebliebenen ab dem ersten Zwerg.



    Kindergeld gab es übrigens bis zum 27. Lebensjahr. Ab 2006 meinte der Staat jedoch, spätestens mit 25 seien die Racker jetzt dann doch einmal erwachsen.




    Seit 2012 kann dafür eigener Verdienst der Kinder nicht mehr zum Verlust der Zahlung führen, so man sich noch ausbildet.




    In den Zeitraum fällt auch ein Urteil des höchsten Gerichts, dass das Kindergeld als Steuerentlastung den Grundbedarf des Kindes sichern muss. Seitdem kommt es nicht mehr alle Jubeljahre zu einer Kindergelderhöhung. Sondern verpflichtend alle zwei Jahre wird geguckt, was der Nachwuchs denn so kostet. – Immer mehr, aber nicht viel. Darum betrug die Standardkindergelderhöhung 2 Euro. Aber besser alle zwei Jahre 2 Euronen mehr als 15 Jahre gar nüscht …




    So sah das dann in den letzten 10/11 Jahren aus:

    • 2010 bis 2014: 184 Euro (für das erste und zweite Kind)
    • 2015: 188 Euro
    • 2016: 190 Euro
    • 2017: 192 Euro
    • 2018: 194 Euro
    • 2019: 204 Euro
    • 2021: 219 Euro

    Die jetzige Erhöhung für 2021 war übrigens bereits abgeklärt und seit 2018 bekannt und angedroht. Nur halt von vielen Betroffenen schlicht verdrängt. Aber das macht die Sache ja nicht schlecht.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

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