Beiträge von leslie_w

    Mit "Warum soll ich, wenn X nicht ... macht?" seid ihr doch aber genau auf dem Weg, den Bap beschreibt. Eine/r von euch beiden muss halt mal den Anfang machen und sagen "Da steh ich drüber!", um die Richtung für beide zu ändern.

    Man muss ja auch mal so ehrlich sein und sagen, dass das deutsche Schulsystem nicht unbedingt immer uneingeschränkt an neueste Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften und der Psychologie angepasst agiert 😅 So Ideen wie 08:00 Uhr Schulstart für pubertierende Jugendliche, die bekanntlich recht häufig hormonell bedingt in einen Eulen-Modus verfallen, sind ja schon lustig genug, auch ganz ohne ADHS, dadurch (oder einfach durch Pubertät) bedingte depressive Schübe etc.


    Aber gerade wenn tatsächlich eh schon der starke Verdacht besteht, dass dein Bengel ADHS hat, dann nichts wie hin zur formalen Diagnose, würde ich sagen, damit er wenigstens schon mal Nachteilsausgleich kassieren kann und einen Zettel hat, auf dem schwarz auf weiß steht, dass er nicht einfach faul oder blöd ist. Ich glaub, das ist ganz wichtig für seine Psyche, wie Monday ja schon eindrucksvoll demonstriert hat. Und für das Umfeld sicher auch, denn dann hast auch du schwarz auf weiß, dass du nicht einfach zu blöd zum Erziehen bist und die Lehrkräfte nicht einfach zu blöd für konventionelle Lehre.

    Ich finde die Vorschläge vollkommen richtig, aber die Problematik mit dem Kinder- und Jugendschutz geht ja VIEL weiter als "Medienkonsum regulieren".

    Wenn Eltern und Lehrkräfte selbst z.T. schon nicht wissen oder sich nicht dafür interessieren, wie Privatsphäre-Einstellungen für WhatsApp funktionieren und weshalb die wichtig sind, wo sollen deren Kinder dann Medienkompetenz lernen?


    Und noch viel schlimmer: Wenn große Plattformen sich einen feuchten Dreck um die Durchsetzung ihrer eigenen Regeln scheren - geschweige denn die Durchsetzung europäischer Gesetze, wie sollen Kinder und Jugendliche dann auf diesen Plattformen vor irgendwem oder irgendwas geschützt werden? Der Gedanke an ein Social Media Verbot für Kinder und Jugendliche ist an der Stelle doch nur eine Bankrott-Erklärung an die Plattform-Regulation.

    Hopefull, du merkst vielleicht an den Beiträgen hier schon, dass das, was du da versuchst, kein guter Weg ist. Du willst gerade mit dem Kopf durch die Wand und schaust nicht rechts und links. Ist das eine Verhaltensweise, die du deinen Kindern vorleben / vererben möchtest? Wäre es nicht besser, ihnen beizubringen, dass man aus jeder Situation (auch einer doofen Schule, zu der man gerade keine Alternative hat) was gutes raus holen kann, wenn man sich halbwegs geschickt anstellt und gute Freunde hat, die mit ziehen?


    Ich fand Schule übrigens immer cool - und das, obwohl ich als kleinste in der Klasse immer mal wieder Mist abbekommen habe. Da hab ich eben gelernt, mich zu wehren 🤷‍♀️ Mit wachsendem Alter wurde der Mist immer weniger und die Freude an der Schule damit nur noch mehr. Warum? Weil meine Eltern mir Freude am Lernen und an der Schule vorgelebt haben. Die waren auch nicht die Kings vom Kuchenstand, das war nie ihr Ding. Aber wir haben uns z.B. hinter den Kulissen im Förderverein engagiert (ja, ich ab einem gewissen Alter auch) und es war immer klar, dass Schule wichtig ist und Spaß machen soll.

    Hier hat die Grundschul-Klassenfahrt 130€ für 3 Tage gekostet. Die geht aber auch seit gefühlten Jahrzehnten immer an den selben Ort, der 20min Autofahrt entfernt ist, da hat die Schule mittlerweile vermutlich Mengenrabatt :D Taschengeld sollten wir auch nur 3€ für den Getränke-Automaten mitgeben (damit man sich mal ausnahmsweise einen Softdrink statt Wasser und Saft leisten kann). Der Förderverein stand natürlich auch hier zur Unterstützung bereit.

    Ich kenn das nur umgekehrt, dass mir nahegelegt wurde, das Kind solle ja vielleicht besser bei ihm wohnen, weil ich ja dauernd arbeiten täte. Tue ich auch - wenn das Kind in der Schule bzw. im Hort ist. Die Vorwürfe kamen von jemandem, der zu dem Zeitpunkt vor allem nachmittags/ abends bis spät und am Wochenende arbeitete. Findet den Fehler 🙃 Will sagen: Manche Leute reden halt viel, wenn der Tag lang ist, und nicht alles davon ist uneingeschränkt intelligent 🤷‍♀️ Ignorieren und weiter im Text. Und wenn er gar zu frech wird, soll er halt mal mit dir tauschen und dann sehen, wo er bleibt.

    campusmami : Ja, ich glaube, solche Dinge haben einen Impact bei denen, die das Angebot aktiv nutzen. Vielleicht revolutionieren sie nicht die Welt, aber ein bisschen Veränderung bringen sie schon. Und sie haben eben auch eine Signalwirkung für diejenigen, die von dem Angebot ausgeschlossen werden.


    Im Übrigen ist das Angebot "Werde eine Tradwife", glaube ich, durchaus sehr attraktiv für junge Frauen. Weil es so verführerisch einfach wirkt. Die Rolle ist klar abgegrenzt, sie wird dir mit total positiv konnotierten Stichworten verkauft, was könnte daran nicht toll sein? Der Unterschied ist vielleicht, dass dieses Angebot auf weibliche Ohren / Augen trifft, die seit ein paar Jahrzehnten zunehmend gesagt bekommen, dass es zum Tradwife-Dasein auch Alternativen mit anderen Vorzügen gibt und dass wir uns von diesem "One size fits all"-Schema für die weibliche Rolle wegentwickeln dürfen. Ich frage mich, ist das im selben Maße der Fall für die Jungs, die das "Alphamännchen"-Angebot vorgesetzt bekommen?

    Nachtrag: Dass tatsächlich auch oder vielleicht sogar vor allem der Teil Erziehung/Prägung, der von außerhalb des Elternhauses - also aus der breiteren Gesellschaft - kommt, der Auslöser für diese auseinandergehenden Trends sein könnte, halte ich übrigens schon für plausibel.

    Das ist natürlich jetzt nur wieder anekdotische Evidenz, aber ich kann mich z.B. erinnern, dass in meiner Mittelstufen-Zeit schon vom Girls Day die Rede war in unserem kleinen Kaff. Da sind dann Mitschülerinnen bei den Unternehmen vor Ort in technische Bereiche eingeladen worden. Es war aber gleichzeitig - soweit ich mich erinnern kann - bei uns nicht die Rede von einem Boys Day, bei dem z.B. die Kindergärten und Pflegeheime in der Umgebung die Jungs eingeladen hätten. Das Re-Branding zum "Girls and Boys Day" hab ich hier in der Gegend z.B. dann erst bewusst wahrgenommen, als ich schon mit dem Studium fertig war, da liegen also gewiss 10-15 Jahre oder so dazwischen. Dass man da einige Leute verliert / abhängt, wenn man erst mit einer solchen zeitlichen Verzögerung komplementäre Förder-Angebote für alle anbietet, kann ich mir gut vorstellen.