Bedürfnisorientierte Erziehung

Die Registrierung ist wieder eröffnet! Wir begrüßen euch recht herzlich bei uns im Forum!
  • musicafides: Naja, es ist die Frage, wie du Augenhöhe definierst. Ich begegne ihm auf Augenhöhe, weil ich jedem Menschen auf Augenhöhe begegne. Weil er gleichwertig ist. Das ist etwas anderes als gleichberechtigt!!!! Und weil ich möchte, dass er ebenfalls mit allen Menschen auf Augenhöhe geht und nicht weil ich Angst hätte, seine Liebe zu verlieren. Augenhöhe ist für mich gleichbedeutend mit Respekt. Und der ist für mich nicht altersabhängig. Jeder Mensch hat den gleichen Respekt verdient.


    Da ich finde, dass auch Diskutieren gelernt werden muss, diskutier ich mit ihm. Konfliktlösung muss gelernt werden, und Lösungen zu finden, die allen am nächsten kommen. Aber ja bspw nicht darüber ob das Antibiotikum genommen werden muss, oder der Helm aufgesetzt wird.


    Schwierig wird es dann, und da trifft es eventuell eher zu, dass da Ängste hinter stecken und der Wunsch, Frust zu vermeiden, wenn du alles tust, damit das Kind keinen Frust erlebt, wenn du alles machst, wie das Kind es möchte, auch wenn es gegen deine Grenze geht

    Einmal editiert, zuletzt von Borte ()

  • Was das mitentscheiden anbelangt: Nun, dass ist irgendwie Gefühlssache. für mich ganz maßgebend: gibt es einen berechtigten Grund, Nein zu sagen, Veto einzulegen. Falls nein, entscheidet er. Das ergibt sich irgendwie. Und ist auch eine Frage der Klarheit, di man ausdrückt. Es gibt bestimmte Bereiche des Lebens, da entscheide ich. Das sind nicht viele. Die kennt er auch. Und im Grunde weiß er auch, dass er eben ganz viel selbst bestimmen darf, weil ich, als "Leitwolf" entschieden habe, dass er da selbst bestimmt sein darf.


    Es äußert sich mehr im Miteinander: zum Bspw niemals einen Regelverstoß "ungesehen" lassen. Also was bspw gar nicht geht, ist, wenn das Kind fragt, o es das Handy darf, du sagst "Nein", und das Kind nimmt es sich einfach, und du stehst daneben und machst nix.
    Ein Nein, ist ein Nein, bleibt ein Nein und wird niiiiiiiiiiiiemals in dem Moment, wo das Kind ein Ja "erpressen" möchte, aufgehoben. ( Vorher, wenn er freundlich eine Begründung anbringt, besteht die Möglichkeit).



    Also: 1. Niemals einem Kind hinterherrennen, wenn man etwas von ihm will.


    2. Ein Nein vom Erwachsenen, dass vom Kind mit einem Wutanfall quittiert wird, bleibt ein Nein. Mit normaler Lautstärke kann man aber ein Nein durchaus besprechen.


    3. Niemals einen Regelverstoß ignorieren, immer erstmal ansprechen. Das muss nicht schimpfend sein, auch nicht anklagend, aber ansprechen ist wichtig, sonst verliert man seinen Stand als Leitwolf.

    2 Mal editiert, zuletzt von Borte ()

  • musicafides


    Guter Artikel, so empfinde ich es auch, obwohl meine Kinder schon groß sind (16 und 12).


    Borte
    So tickt halt jeder anders ;) Respekt jedem Menschen gegenüber gehört sich generell, da bin ich bei dir. Das ich mein Kind als gegenüber wichtig nehmen, sollte auch selbstverständlich sein, trotzdem (so sehe ich es), bin ich nicht beste Freundin, sondern Mutter und so sind die Gespräche. Wenns ein Veto gibt, höre ich mir das an, klar, aber wenn ich schon merke, das es wieder nur typisches Teenie-BlaBlaBla ist, vertiefe ich die Unterhaltung nicht - weil sinnlos. Dafür sind dann Freunde da, mit denen Teenie-BlaBla ausgetauscht werden kann, weil selbst Teenies ;)

    :thumbup: Always look on the bright side of life! 8)

  • Ja, genau. deshalb ist es eben auch wichtig, wie man bspw Augenhöhe definiert. Für mich hieße das eben nicht, dass es bedeutet, dass jemand "die Freundin" sein möchte. Daher sehe ich in "auf Augenhöhe sein" erstmal nichts negatives.
    Musicafides bspw scheint dabei eine andere Eingebung zu haben und kommt daher zu einem anderen Ergebnis.


    Und unter Diskussion verstehe ich auch kein BlahBlah. oder ein hundertfach von sich gegebenes " Ich will Aber" Aber ein Austausch von Argumentationen, oder ein sich einigen im Mittelfeld.

  • Daher sehe ich in "auf Augenhöhe sein" erstmal nichts negatives.


    In einer anderen Bedeutung kann man ja nur erfolgreich mit seinen Kindern sprechen, wenn man sich gegenseitig in die Augen blickt, also mit den Kindern (physisch) auf Augenhöhe ist und nicht über sie hinwegredet, so dass nichts von dem, was man sagen möchte, ankommt. Man beugt sich dann aber zu seinem Kind herab oder setzt sich dazu, um diese Augenhöhe einzunehmen. Man begegnet also dem Kind auf Augenhöhe, ohne (grundsätzlich) auf Augenhöhe zu sein.

  • Borte


    Die Erfahrung zeigt aber (zumindest bei meinen Kindern), dass es bei Teenies fast nur auf BlaBla hinaus läuft. Was für die Allgemeinheit ist (also Familie), ist per se schon mal doof und wird nicht eingesehen, hat keine Priorität etc. pp. - Da diskutiere ich nicht, weil es da nichts zum diskutieren gibt.


    Will mein Kind aber auf eine Party (die Große), höre ich mir an was sie sagt - da wird auch diskutiert, manchmal gebe ich mein Okay, manchmal aber auch nicht - und da muss sie dann halt lernen, dass das Leben kein Wunschkonzert ist und da unterbinde ich gefühlte 10.000 weitere Diskussionsversuche ihrerseits (respektive "Ich will meine Mutter überreden").


    Geht es aber z. B. um elementare Dinge, wie z. B. auf welchem Weg die Große ihr Abitur macht - ist es (für mich) klar, dass sie das entscheidet - weil ihr Leben. Genauso um Berufswünsche, Kleidungswünsche usw. usf. - da lasse ich nicht die Mutter raushängen - weil da geht es um Selbstbestimmung (für mich). Allerdings, gebe ich zu, lasse ich mein Kind nicht mit Hot Pants oder Minirock auf Partys / Veranstaltungen / selbst nicht zur Schule. Findet sie mega kacke - aber auch da diskutiere ich nicht, sie weiß einfach noch nicht um die Gefahren.


    Macht halt jeder wie er / sie / es denkt. ;)

    :thumbup: Always look on the bright side of life! 8)

    Einmal editiert, zuletzt von Grace_99 ()


  • Da sag ich doch auch gar nichts gegen. ;-) Ist doch in Ordnung. Um überreden seitens der Kinder geht's ja auch nicht.

  • Was konkret liegt jetzt eigentlich an? Führt die Kita dieses Konzept bei dir ein? oder viel das in einem Gespräch mal?


    Was die Probleme grenzenloser Kinder anbelangt, nein, die sehe ich so nicht als Ursache. Jedenfalls nicht das, was gerne damit impliziert wird. Das ist mir viel zu einfach gedacht.


    Das ist doch viel komplexer und vielschichtiger.


    Zum einen finde ich, dass die Erwartungen an Kinder größer geworden sind. Sowohl im Leistungsbereich als auch im sozialen Bereich und viel schneller Probleme gesehen ( und mit einer Diagnose benannt ) werden, wo noch gar keine sind.


    Zum anderen: Es gibt nicht soooo viele Kinder denke ich, die bewusst als Erziehungsmaßnahme grenzenlos aufwachsen.
    Aber es gibt viele Kinder, die ziemlich sich selbst überlassen, oder in Desinteresse aufwachsen. Die mögen grenzenlos sein, als Nebenerscheinung, aber die Probleme liegen eher ganz woanders.


    Dann gibt es die Kinder, die durchaus zu Hause nicht zeigen können, dass es ihnen nicht gut geht, und daher in Kita und Schule "austicken" Oft nur ein Schrei, Seht mich.


    Dann gibt es die Kinder, die übermäßig streng aufwachsen, und daher woanders ihr Ventil suchen, um auszubrechen.


    Sicher gibt es auch die Kinder, die so aufwachsen, nur ich zähle, mein ist das Universum, ich mach was mir gefällt, aber dann ticken die Eltern doch oft auch so. Und auch da sehe ich nicht das Problem in "keine Grenzen", sondern in der bewussten Vermittlung einer bestimmten Einstellung.


    das Problem ist eher vielschichtig und gerade , wenn man bedenkt, wie lange Kinder sich in Betreuungseinrichtungen heute im Schnitt befinden, sieht man schon, dass da viel mehr drin steckt, als in der bloßen Tatsache, Eltern würden keine grenzen mehr stecken.


    Es ist sehr bequem , dem pauschal einem - zumeist noch falsch verstandenen Konzept- die Schuld in die Schuhe zu schieben. Denn selbst, wenn Eltern keine Grenzen stecken würden, können Kinder eines ganz super: sich verschiedenen Lebensmodellen anpassen. Und so werden doch bei vielen, auch komplett selbst bestimmten Kindern zuhause, dabei die Werte vermittelt, auf Grenzen anderer dabei zu achten, und vor allem nicht zu vergessen, was wir zu hause so machen, kann woanders anders laufen. Aus diesem Grunde kann ein Kind, obwohl es zuhause niemals aufräumen muss, durchaus begreifen und Anwenden, dass es dies in der Kita im Interesse aller tun muss.



    E sei denn , es hat einen Grund zu rebellieren ( siehe Punkt 1 und 2), oder die Familie blauen Blutes vermittelt bewusst, dafür gibt's Putzfrauen und in Gruppen müssen wir uns schon gar nicht integrieren.


    Und hier liegt halt oft ein massives Missverständnis vor: die hier angesprochenen Erziehungswege haben rein gar nichts mit einer solchen Einstellung zu tun.

  • Was konkret liegt jetzt eigentlich an?


    Gar nichts. Unsere Kommune bietet diesen Vortrag an (in den Räumen einer kath. Gemeinde) und hat die Einladungen wohl in großem Stil an die Kindertagesstätten verteilt mit der Bitte, darüber (an der Pinnwand) zu informieren. Da mir dieser Begriff erst einmal neu war, habe ich die Gelegenheit genutzt und einmal hier nachgefragt, zumal ich mir vermutlich den Vortrag nicht werde anhören können. Dafür hab ich jetzt hierüber schon viele wertvolle Einblicke bekommen. Vielen Dank dafür!

  • Ich glaube sogar, dass es umgekehrt ist: Wenn man Ratgeber liest, liest man die, die einem ohnehin schon entsprechen. Die anderen legt man beiseite bzw. kauft sie erst garnicht. :)


    Borte Die Seite kenn ich nicht, aber da les ich gerne mal rein, bei Gelegenheit.


    Ich glaube, dass Grace von einem ganz anderen Lebensabschnitt der Kinder redet, als wir anderen 3. Unsere Kinder sind ja deutlich kleiner und stellen damit auch noch andere Anforderungen an uns als Erwachsene.


    Für mich persönlich habe ich entschieden, dass ich nur noch dort meine Regeln durchsetze, wo es um die Sicherheit meiner Kinder (z.B. im Straßenverkehr) oder ihre Gesundheit geht (Zähneputzen, Medikamente), um meine Grenzen oder die von anderen Menschen/Lebewesen, die ihre Grenzen für meine Kinder nicht verständlich kommunizieren (unser Hund lässt die Kinder z.B. ALLES mit sich machen, obwohl er dabei Schmerzen hat), um bestehende Gesetze (z.B. ich mache nicht absichtlich das Eigentum anderer Menschen kaputt), oder um Dinge, die mir für unseren Tagesablauf wichtig sind. Dazu gehört auch, dass ich um 8 Uhr losfahre zum Kindergarten und meine Kinder zu diesem Zeitpunkt geputzte Zähne haben. Der wichtigste Grundsatz hier ist aber: Mein Körper, meine Regeln, bzw. dein Körper, deine Regeln.
    Bei uns ist es auch so, dass ich im Wohnzimmer die Regeln mache. Wer sich nicht daran halten kann oder mag, kann nicht mit uns im Wohnzimmer sein und darf gerne ins Kinderzimmer gehen um dort z.B. wie ein wahnsinniger Affe zu kreischen, mit Lego um sich zu werfen oder 5 Minuten lang "Blödarsch" zu sagen. Dafür dürfen die Kinder im Kinderzimmer die Regeln machen, solange dabei niemand verletzt wird.
    Innerhalb dieses Rahmen haben sie die Möglichkeiten selbst zu entscheiden - und ich auch. Das gibt mir auch enorme Freiheiten, denn auch ich darf mich jedes Mal neu entscheiden und muss mich nicht an starre Regeln halten.


    Auf Augenhöhe bedeutet für mich, dass jeder Mensch ein Experte für sich selbst ist. Also frage ich den Experten, was gerade angesagt ist und hole mir seine Expertenmeinung auf meine Anregungen ein.


    Ewiges Generve nach einem Nein kenne ich hier überhaupt nicht. Vermutlich, weil ich mich da noch nie drauf eingelassen habe. Eine höfliche Frage oder nochmal ein anderes Argument, ein anderer Vorschlag etc. ist da was ganz anderes.

    Ich bin eine Mutter - und was ist deine Superkraft?