Es tut mir sehr leid, aber ich finde, hier wird schon wieder sehr viel in Schubladen und auch sehr vom Thema des Threads weg gedacht. Ich weiß nicht, ob das Thema "Männlichkeit"unbedingt was mit Gewalt zu tun hat. Ist das nicht eher eine Sache des Frauenbildes, vermittelt durch Erziehung, - des Täters, aber auch ein Stück weit des Opfers? Wenn angezogen wurde, dass Frauen "zu gehorchen" haben, ohne "einen Beschützer" nicht existieren können, weil sie "zu schwach" sind, "an den Herd" gehören, "sich nicht aufreizend kleiden" sollen, "nicht arbeiten, sondern Kinder kriegen" müssen... Dann bringt das die Männer, die so erzogen wurden, nicht nur dazu, sich als überlegen zu sehen, sondern die Frauen sehen sich auch als unterlegen. Was nicht heißt, dass diese Frauen schuld sind, wenn ihnen Gewalt wiederfährt, sondern gefährdeter. Weil sie sich durch ihre Erziehung leicht als machtlos und unterlegen empfinden. Ich wage zu behaupten, dass eine "starke, selbstbewusste" Frau eher die Notbremse zieht und aus so einer Beziehung aussteigt als eine Frau, die nach oben beschriebenem Muster erzogen wurden
In diversen Frauenselbstverteidigungskursen habe ich gelernt, dass Opfer oft zu Opfern werden, weil sie sich selbst als Opfer sehen. Und dass Selbstverteidigung schon damit anfängt, sich aus der Opferrolle heraus zu begeben, sich buchstäblich gerade zu machen, laut und deutlich "nein" oder "Stop" zu sagen.
Hier wird gerade auch viel davon gesprochen, dass "Männlichkeit" das Problem ist. Was ist denn eigentlich "Männlichkeit"? Ich wage zu behaupten, dass da jeder etwas anderes darunter versteht und dass der Begriff nicht eindeutig positiv oder negativ gesehen wird. Die einen sehen darin eher "Machogehabe", die anderen eher "Höflichkeit", für wieder andere hat er eher etwas mit "Aussehen" zu tun, um nur drei Beispiele zu nennen Damit lässt sich also sehr schwer vernünftig und sachlich argumentieren.
Genauso wenig geht "Beschützen" nur mit Gewalt, oder können nur Männer Beschützende sein. Ich kann mich auch mit Worten vor jemanden stellen, ich kann Zuflucht bieten, ich kann jemandem buchstäblich und/oder im übertragenen Sinne zu Seite stehen... Genauso wie es halt auch Situation gibt, in denen für akute Hilfe nur körperliches Eingreifen wirklich Sinn macht. Wenn z.B jemand vergewaltigt wird, ist es schön, wenn jemand die Polizei ruft - bis die kommt, ist es aber halt leider eher zu spät. Andererseits kann ich den Vergewaltiger auch als Frau vom Opfer wegziehen, dafür braucht es nicht unbedingt einen Mann.
Ganz abgesehen davon, dass Gewalt ja nicht normal eine körperliche Sache sein muss...