Ich komme mit der Tochter meines neuen Partners nicht zurecht

  • Hallo liebes Forum,


    ich bräuchte bitte dringend euren Rat und zwar komme ich, wie der Titel schon sagt, inzwischen gar nicht mehr mit der Tochter (13) meines Partners zurecht.


    Ich muss das alles etwas ausführlicher erzählen, um euch die schwierigen Hintergründe aufzuzeigen.


    (Ich ändere die Namen der Beteiligten aus Datenschutzgründen ab.)


    Ich bin die Esther 33 Jahre alt und bin nach meiner Scheidung in eine neue Stadt umgezogen und habe auch einen neuen Job angefangen. Das war gleich am Anfang des letzten Jahres.


    In der neuen Stadt dann gleich Anschluss bei den Kollegen gefunden und in einem Fitnesscenter angemeldet.


    Dort habe ich bei einem Kurs dann Sven (41) meinen Partner kennengelernt.


    Bis wir im Mai letzten Jahres zusammengekommen sind hat es allerdings ein paar Monate gedauert, weil Sven eine nicht ganz einfache Familiensituation hat.


    Es dauerte auch lange bis er mir alles erzählte.


    Sven hat eine Tochter (13) Becky und ist seit fast fünf Jahren alleinerziehend, weil seine Ehefrau Selbstmord begangen hat. Sie hatte scheinbar Burn Out, Depressionen und war längere Zeit in einer Einrichtung und ist dann mit einem Typen abgehauen und hat sich mit Schlaf- und Betäubungsmittel umgebracht.


    Sven und Becky waren dann selbst länger in Betreuung.


    Becky geht seit der fünften Klasse auf ein Internat, weil Sven in einer großen Kanzlei arbeitet und oft bis spät arbeiten muss.Sie ist also in den Ferien und an manchen Wochenenden bei ihm.


    Zu Beginn wussten über unsere Beziehung nur seine Schwester und ein paar enge Freunde und Becky hatten wir gesagt, ich sei nur eine Freundin.


    Erst nach ein paar Monaten hatte Sven Becky dann erzählt, dass ich DIE Freundin bin.


    Hier fing sie dann an anders mit mir umzugehen. Nicht mehr so offen, reserviert und sprach weniger mit mir. Ihre Tante, also die Schwester meines Partner meinte dann, dass das für sie klar war, da ich Svens erste feste Freundin bin und sie sich da erst gewöhnen muss.


    Ich hatte mich dann auch echt rausgenommen und wollte jetzt nicht auf Teufel komm raus mit ihr ins Gespräch kommen oder sie zu etwas drängen.

    An den Wochenenden, an denen Sie bei Sven war, hielt ich mich auch komplett raus, dass sie Zeit mit ihrem Daddy hatte. Das hatte ich mit Sven so abgemacht.


    In den Ferien hatte man sich aber schon immer mal gesehen.


    Ende letzten Jahres hat mit Sven dann gesagt, dass er möchte, dass ich bei ihm einziehe.


    Ich hatte echt lange nachgedacht ob ich das möchte, aber er hatte mich schließlich überzeugt.


    Seit ich eingezogen bin ist meine Beziehung zu Becky, wenn sie da ist, schrecklich.


    Wenn Sven im Raum ist geht es einigermaßen, aber wehe er ist mal nicht da, dann ist das echt übel.


    Sie hört auf nichts was sich sage, ok wegen mir. Allerdings ist es schon so, dass sie ganz bewusst Sachen macht, um mich zu reizen und wenn ich dann mal was sage, rennt sie zu Sven und behauptet ich würde sie maßregeln wollen.


    Das sind manchmal Kleinigkeiten aber stellenweise auch freche Aktionen.


    Sie hat z.B. ein Kleid, dass ich mir rausgelegt hatte, natürlich unabsichtlich in die Buntwäsche und mir ruiniert.

    Meine E-Auto, dass ich laden wollte, abgesteckt, weil ja ein Gewitter kommen sollte, damit ich am nächsten Tag ein Taxi rufen musste um zur Arbeit zu kommen.

    Sie hat mich gefragt, ob sie sich meine Designerhandtasche ausborgen kann und hat diese dann natürlich unabsichtlich in der U-Bahn liegen lassen.


    Die Aufzählungen könnte ich immer so weitermachen.


    Sven hat das natürlich auch schon mitgekriegt und gibt den Mediator, wobei er schon gemeint hat, dass er diese Aktionen nicht länger toleriert und hat Becky auch Konsequenzen aufgezeigt.


    Wie kann ich denn dafür sorgen, dass ich mit Becky zumindest ein wenig besser auskomme? Ich suche regelmäßig das Gespräch mit ihr und mache ihr jedes mal klar, dass ich kein Ersatz für ihre Mom sein will.


    Esther

  • Estherhase

    Hat den Titel des Themas von „Ich komme mit der Tochter meines neuen Partner nicht zurecht“ zu „Ich komme mit der Tochter meines neuen Partners nicht zurecht“ geändert.
  • Hallo Esther, eine durch die Konstellation besondere, aber nicht unbedingt seltene Sache. Was heisst: Es gibt sicherlich Chancen auf Veränderung und Erfahrungen, die man sich abgucken kann.


    Zuerst einmal der Hinweis, vielleicht einmal den Blickwinkel zu ändern. Du machst dir viele Gedanken, hast Gespräche gesucht, Infos (zum Beispiel hier, lach), suchst Lösungen. Und sagst: "Ich komme mit ... nicht zurecht."

    Stimmt einerseits. Andererseits ist es aber deutlich so: Die Tochter kommt mit dir nicht zurecht. Die üblichen sozialverträglichen Kontaktaufnahmen funktionieren nicht. Du beschreibst eine deutliche Ablehnung und den Versuch, dich zu verletzen (übrigens, was gut ist, immerhin noch abgefedert: Erzählt wird, dass die Tasche liegengeblieben sei ... Nicht: Hab ich verkauft, verschenkt, zerschnitten. Da ist noch ein gewisses Gespür da.)

    Anhand deiner Beschreibung vermute ich, dass du derzeit machen kannst, was du willst: Die Bonustochter wird nicht sozialverträglich reagieren. Dafür gibt es Ursachen. Und mutmaßlich ist da der Selbstmord der Mutter ein möglicherweise Auslöser. Das macht etwas mit dem Umfeld, vor allem mit einem damals achtjährigen Mädchen. (Ich werde aus der Ferne mal so Dinge in das Posting wie: Kinder geben sich oft die Schuld. Also Auslöser einer elterlichen Trennung zu sein - haben wir oft imFORUM - wie auch halt hier vielleicht Schuld am Selbstmord zu sein. )

    Ganz schnell ist da ein "verschobenen Weltbild". Kennt man bei Teens sowieso und firmiert unter dem Begriff Pubertät. Dürfte Becky auch betreffen. Aber da ist sicherlich leider noch mehr. Wenn du da mit deinem Partner herangehen willst, dann ist das eine grosse Aufgabe. Zu der ihr euch Hilfe holen solltet.

    Behaupten würde ich: Was Becky derzeit macht, ist ein Hilfeschrei. Ihr Leben in den Griff zu bekommen. Sie dabei bewahren zu begleiten, sie zu tragen und zu ertragen, ist der verflixt lange Weg. Könnt ihr als Eltern nur gemeinsam und mit viel Gespräch und Abstimmung gehen.


    Das erst einmal ein erster Gedankenanstoss.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Das waere die klassische Patchworksituation. Hier kommt zu diesem Verlustangstgefühl aber vielleicht noch die tatsächliche Erfahrung hinzu: Meine leibliche Mutter hat mich allein gelassen.

    Das könnte für Becky eine sehr bescheidene Situation sein. Und es könnte für sie sehr schwierig sein, darauf sachlich, angemessen und ohne Emotionen zu reagieren.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Vielleicht spielt da auch mit rein, dass , wenn sie sich auf dich einlässt, du auch irgendwann wieder fort bist.

    Dass die leibliche Mutter Selbstmord begangen hat, sie kommt nie mehr zurück - das ist eine komplette andere Ausgangssituation wie wenn die Mutter woanders lebt.

    Vielleicht war die therapeutische Hilfe, die Vater und Tochter in Anspruch genommen haben, für die Tochter einfach zu kurz ?


    Ich finde auch, dass ihre Dinge, die sie dir bis dato kaputt gemacht hat eher moderat sind, sie hätte sie auch zerschneiden, zerreißen, zerstören etc....können, das würde nämlich etwas ganz anderes zeigen = Wut.


    Sie scheint nicht wütend zu sein. Ich glaube, sie ist eher verzweifelt und dann kommt noch die Pubertät dazu.

    Und wahrscheinlich bist du nicht die richtige Ansprechperson für sie - auch nicht ihr Vater - ihr seid einfach zu nah dran.

    Ich würde einen Kinder- und Jugendtherapeuten aufsuchen und ihr dann aufzeigen, dass sie dort alle ihre Probleme los werden kann - ohne das ihr etwas davon erfahren werdet. Als Hilfe für sie.

    Bevor du mit dem Kopf durch die Wand gehst, überlege zuerst.........

    Was mache ich im Nebenzimmer ? (unbekannt)

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    G e l a s s e n h e i t .....................#atmen....

  • Gefällt es ihr im Internat?

    Warum hat Papa Zeit für die "Neue" und nicht für mich, warum wohnt "sie" bei "mir" Zuhause, wo ich nur selten sein darf?

    Angst den Papa an dich zu verlieren,


    sie testet Grenzen aus, möchte wissentlich verletzen,...

    aber was kann da helfen...geduldig warst du ja, ....

    Trauergruppe für Kinder/ Jugendliche...besucht dein Partner so eine Gruppe?


    naja, , du bist nicht gut genug, du wirst für sie erstmal nie an ihre Mutter heranreichen können

    ich würde sie ganz in Ruhe lassen

    und klare Ansagen,...das verletzt mich, die Äußerung finde ich nicht in Ordnung,

    für die Tasche habe ich lange gespart,

    zeigen, du bist ein Mensch mit Gefühlen,....sie wird innerlich auch viele Gefühle haben

  • Wichtig ist, dass du ihr sagst, dass du ihr Verhalten nicht gut findest oder dich ihr Verhalten verletzt, aber niemals sagen, dass sie als Person das ist.

    Bevor du mit dem Kopf durch die Wand gehst, überlege zuerst.........

    Was mache ich im Nebenzimmer ? (unbekannt)

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  • Gefällt es ihr im Internat?

    Warum hat Papa Zeit für die "Neue" und nicht für mich, warum wohnt "sie" bei "mir" Zuhause, wo ich nur selten sein darf?

    Angst den Papa an dich zu verlieren,

    Das war mein erster Gedanke.

    Wahrscheinlich hätte ich als Tochter genau diese Gedanken. Sie muss den tragischen Verlust ihrer Mutter bewältigen und der Papa schickt sie ins Internat. Heißt, die Verarbeitung muss sie alleine hinkriegen. Und dann kommt die neue Freundin und bekommt „alles“ Als Erwachsener kann man das trennen, aber als 13-jährige?
    Ich finde, hier ist vor allem der Vater gefragt. Muss er wirklich so viel arbeiten, dass die Tochter ins Internat muss? Oder wollte die Tochter auch ins Internat?