Sorgerechtsstreit: (Keine) Folgen, wenn Beteiligte ausrasten

  • In Familiengerichtsverfahren werden in den Schriftsätzen der Parteien manchmal die übelsten Vorwürfe gemacht und wildesten Behauptungen aufgestellt. Anscheinend ohne jegliche Folgen. Betroffene sollen regelmäßig einfach akzeptieren, dass diese Dinge über sie gesagt werden, die Welt aus einer besonderen Sicht gesehen wird und irgendwie nichts davon irgendeine Auswirkung auf den Gerichtsbeschluss hat. Das FamGericht guckt halt nach vorne, wie es immer heißt und schaut, wie es ohne großen Zwist Lösungen herbeibringt. Da werden Kompromisse einfach erwartet, beim Betroffenen ein dickes Fell vorausgesetzt und krude Aussagen der psychischen Drucksituation des anderen Verfahrensbeteiligten entschuldigend zugeschrieben.



    Das ist kürzlich in Berlin anders gewesen. Eine Berliner Polizeikommissarin hat sich anscheinend während eines Sorgerechtsstreits mit den drei Kindern aus Deutschland abgesetzt. In vier Schreiben ans FamGericht wurde dessen Zuständigkeit bezweifelt und der „BRD-GmbH“ vorgeworfen, sie sei „lediglich eine volksbetrügerische Staatssimulation“ und „kein Rechtsstaat“ mehr. Deshalb hätte das Gericht keine Legitimation, in einem Sorgerechtsverfahren zu entscheiden. (Ob und was über den Ex-Partner gesagt wurde, ist unbekannt, da diese Akten nicht öffentlich sind.)



    Diese Anwürfe wurden – wie auch immer, man kann sich aber den ein oder anderen Weg denken – dem Dienstherrn durchgestochen. Der stellte die Verfassungstreue der verbeamteten Polizeikommissarin daraufhin infrage und strich ihr ihre Bezüge. Dagegen klagte die Mutter – und verlor (OVG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 13.03.2025 – OVG 80 D 1/25).



    Während man sich einerseits freut, dass oben genannte kruden Vorwürfe vor dem FamGericht nur bedingt versickern und belanglos scheinen, ärgert man sich andererseits darüber, dass nur reagiert wird, wenn das Gericht und der Staat angegangen werden. Während die sonstigen Prozessbeteiligten ohne Schutz und irgendwelche Folgen auf das Übelste angegangen werden können.


    Ansonsten bleibt nur das Staunen darüber, was es so alles gibt ...

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Der stellte die Verfassungstreue der verbeamteten Polizeikommissarin daraufhin infrage und strich ihr ihre Bezüge. Dagegen klagte die Mutter – und verlor (OVG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 13.03.2025 – OVG 80 D 1/25).




    Jep. Polizisten sind in Deutschland grundsätzlich verbeamtet. Und werden vom Staat alimentiert (egal, ob das Gehalt ist oder Pension). Ist für die eigentliche Sache - üble Schriftsätze ans FamGericht haben auf einmal Auswirkung und Folgen - aber eher nicht von Bedeutung.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Während man sich einerseits freut, dass oben genannte kruden Vorwürfe vor dem FamGericht nur bedingt versickern und belanglos scheinen, ärgert man sich andererseits darüber, dass nur reagiert wird, wenn das Gericht und der Staat angegangen werden. Während die sonstigen Prozessbeteiligten ohne Schutz und irgendwelche Folgen auf das Übelste angegangen werden können.

    Ja, genau das. Und als beschuldigter Elternteil, hat man keine Chance irgendwie zu reagieren, sondern muss veratmen, was das Zeug hält. Genau genommen atme ich immer noch an meiner ersten Scheidung vor 20 Jahren und genauso an der zweiten vor 3 Jahren...


    Ich weiß, das ist extrem kleinlich und vielleicht eher ein Charaktermangel von mir als Aufgabe des Rechtssystems, aber ich hätte so gerne die Möglichkeit, manchen kompletten Quatsch, der von sich gegeben wurde, offiziell geradezuziehen.

    Through judging, we seperate. Through understanding, we grow.
    - Doe Zantamata -

  • Also, der Fall ist so abstrus, dass man sich das kaum vorstellen kann. Da es aber nichts gibt, was es nicht gibt - geschenkt.


    Die Frau war Kriminalkommissarin, sie ist Beamtin auf Lebenszeit und damit lebenslang an ihren Eid gebunden. Wenn man im Ruhestand ist, gibt es keine Rente, sondern auch weiterhin ein Gehalt, eben das Ruhegehalt (Pension). Verhält man sich irgendwann nicht mehr verfassungstreu, verliert man den Beamtenstatus, infolgedessen logischerweise auch das auch das Ruhegehalt wegfällt.


    Aber als (ehemalige) Kriminalkommissarin, als Beamtin auf Lebenszeit, weiß man das doch?!


    Die Dame schreibt also Briefe an ein Amtsgericht (also an eine offizielle Stelle), in dem sie irgendwelche abstrusen, verfassungsfeindlichen Dinge formuliert. Die Info darüber wird weitergeleitet, die Bezüge werden eingestellt - und DANN klagt die Dame dagegen, mit der Begründung, sie sei überfordert, überlastet oder wer weiß was gewesen.


    *kopfschüttel* Dat gibbet nicht' - offensichtlich aber doch.


    Edit: Im Beamtenrecht ist Verfassungstreue und politische Mäßigungspflicht festgeschrieben.

    Viele Grüße

    Omama

    Einmal editiert, zuletzt von Oma2025 ()

  • Ja, genau das. Und als beschuldigter Elternteil, hat man keine Chance irgendwie zu reagieren, sondern muss veratmen, was das Zeug hält. Genau genommen atme ich immer noch an meiner ersten Scheidung vor 20 Jahren und genauso an der zweiten vor 3 Jahren...


    Ich weiß, das ist extrem kleinlich und vielleicht eher ein Charaktermangel von mir als Aufgabe des Rechtssystems, aber ich hätte so gerne die Möglichkeit, manchen kompletten Quatsch, der von sich gegeben wurde, offiziell geradezuziehen.

    Kleinlich ist das absolut nicht. Man braucht das zum (Über)Leben, sich gegen Anwürfe und Falschbehauptungen im Bereich der Familiengerichtsbarkeit wehren zu können. Sonst erstickt man. (Für viele Betroffene ist das traumatisch und belastend über lange, lange Jahre.)

    Es interessiert aber niemanden, kümmert keinen Richter.


    Schreibt jemand in einem Handelsrechtsverfahren, im Verkehrsrecht, in einem Strafverfahren, im Arbeitsrecht, im Mietrecht, ein Beteiligter sei ein "Depp", setzt es Sanktionen vom Gericht.


    Schreibt ein Beteiligter im Familienrecht, jemand würde Kinder vernachlässigen, schlagen, sei übergriffig, ein Lügner, ein Strolch u.v.m. (jeweils ohne justiziable Beweise), passiert genau - nichts. (Weder wird er aufgefordert, Beweise vorzulegen, noch wird er, wenn es keine Beweise gibt, in die Schranken zurückgewiesen).

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Die Dame schreibt also Briefe an ein Amtsgericht (also an eine offizielle Stelle), in dem sie irgendwelche abstrusen, verfassungsfeindlichen Dinge formuliert. Die Info darüber wird weitergeleitet, die Bezüge werden eingestellt - und DANN klagt die Dame dagegen, mit der Begründung, sie sei überfordert, überlastet oder wer weiß was gewesen.

    Es würde mich nicht wundern, wenn sich am Ende herausstellt, dass die Damen an einer psychischen Krankheit leidet.

    »Ich rebelliere!«, ruft das Känguru, als es in die Küche kommt.

    »Aha«, sage ich. »Wogegen rebellierst du denn?«

    »Gegen die Zustände.«

    »Verständlich«, sage ich. »Löblich geradezu.«

    »Rebellierst du mit?«, fragt das Känguru.


    Marc-Uwe Kling, "Die Känguru-Rebellion"

  • Sorry, das hab ich glatt übersehen... man sollte ab einem gewissen Müdigkeitsgrad wohl nicht mehr komplexere Sachen als Pixi-Bücher lesen :rolleyes:

    »Ich rebelliere!«, ruft das Känguru, als es in die Küche kommt.

    »Aha«, sage ich. »Wogegen rebellierst du denn?«

    »Gegen die Zustände.«

    »Verständlich«, sage ich. »Löblich geradezu.«

    »Rebellierst du mit?«, fragt das Känguru.


    Marc-Uwe Kling, "Die Känguru-Rebellion"

  • Naja, so eine richtig nette Erschöpfungsdepression (das war bei ihr so - hatte ich das richtig gelesen?) ist schon was echt "Feines". Da wieder rauszukommen bedeutet Arbeit - und auch das richtige Quäntchen Glück. Wenn man in so einer Situation, in der man eh nicht sonderlich fest auf den eigenen Beinen steht, an die falschen Leute gerät, die einem sonstwas erzählen... Das ist aber reine Spekulation, ich hab' keine Ahnung, ob das bei dieser Frau so war.


    Ich würde nur gerne grundsätzlich eine Lanze dafür brechen, dass eine Erschöpfungsdepression (Burnout) keine lebenslange "Diagnose" ist, dass es viele Menschen in ihrem Leben mal "erwischt", dass man manchmal staunt, wen es alles mal "erwischt" hat und dass man, wenn man sich da wieder ausgearbeitet hat, anschließend auch wieder ein sehr gutes Leben führen kann - mit ein paar Erkenntnissen mehr und um ein paar Erfahrungen reicher. Sowohl privat als auch beruflich. Was für ein Bandwurmsatz!;)


    Wie auch immer - Reichsbürger geht gar nicht.<X

  • Das mag ja alles sein. Entschuldigen kann man immer viel. Fakt ist aber: Wir sind hier zuallererst in einem Sorgerechtstreit vor dem FamGericht (siehe Eingangsposting). Wenn da ein Elternteil die Kinder entzieht und ins Ausland abhaut, ist das schlimm genug. Wenn dann dem anderen Elternteil gegenüber und ggfls. auch den Kindern gegenüber argumentiert wird, Gerichte dürften keine Entscheidung treffen, dann ist das übel. Gut, wenn hier auf verschiedenen Ebenen eingegriffen worden ist.


    Mein Verständnis für die kinderentziehende Mutter bewegt sich da wirklich in ausgesprochen kleinen Grenzen.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Danke! Es ist wirklich unglaublich. Ich hätte die Vorwürfe übrigens ohne dieses Forum nicht überstanden. Mir wurden damals Vernachlässigung und viel schlimmeres vorgeworfen. Die ständige Angst im Nacken, dass es mal einen Richter gibt, der vielleicht der anderen Seite einfach glaubt und Ratio sowie Logik ausstellt. Ich fühlte mich in der Zeit so machtlos. Es war einfach nur furchtbar und hat tiefe Spuren hinterlassen.


    Der Fall Block ist für mich ebenfalls unverständlich - ich verstehe nicht (und das meine ich nicht hetzerisch), wie der Vater die Kinder nach Dänemark mitnehmen durfte und das nicht in der Begutachtung des Verfahrens in Betracht gezogen wird.


    Mir wurde übrigens ständig vorgeworfen, dass ich vorhabe in einer Nacht-und-Nebelaktion die Kinder in die USA zu entziehen. Wer mich kennt, weiss, dass ich so etwas niemals machen würde. Egal, wie mich der KV nervt - er ist der KV meiner Kinder.

  • Ich kenne aus meinem Scheidungsverfahren auch div. Vorwürfe und Anschuldigungen, die allesamt frei erfunden waren.


    Ich war menschlich von meiner ex-Frau total enttäuscht und hätte ihr solch miese Lügen nicht zugetraut.


    Aber innerlich sagte mir eine Stimme: "Bleib ruhig, lass dich nicht provozieren. Sie wird diesen Quatsch nie beweisen können. Das sind Tricks, um dich aus der Ruhe zu bringen, damit du Fehler machst. So handeln Menschen, die gar keine Chance haben, ein Verfahren auf faire Weise zu gewinnen.

    Für Lügen gibt es keine Beweise."


    Und so war dann schlussendlich ja auch der Ausgang des Verfahrens. Das ABR erhielt nicht die Lügnerin.


    Ich habe zwar nicht alle Lügen mit Fakten und Tatsachen entlarven können, aber sehr viele.

    Das hat völlig gereicht. Die Glaubwürdigkeit meiner ex-Frau war dahin.

    Ein FamGericht mit falschen Verdächtigungen und Lügen zu täuschen, ist einfach keine gute Idee.


    Viele Jahre später, als wir wieder vernünftig miteinander reden konnten, kam das Thema auf den Tisch.

    Ich hab sie gefragt, warum sie sich so dumm selbst in diese Situation gebracht hat.


    Ihr Antwort: "Ich hatte die falschen Ratgeber. In meiner Panik habe ich auf meinen Stiefvater gehört."


    Lügen, falsche Verdächtigungen und Unterstellungen tun weh, ganz klar.

    Insbesondere, wenn sie vom ex-Partner kommen.

    Aber sie sind auch ein Zeichen von Hilflosigkeit.

    Wer die Wahrheit scheut, greift zur Lüge.

    Nur: Mit Lügen gewinnt man kein Verfahren.

    Früher oder später kommt die Wahrheit ans Licht und dann ist die Glaubwürdigkeit futsch. Das mussten schon ne Menge Verfahrensbeteiligte schmerzlich lernen.

  • .

    Nur: Mit Lügen gewinnt man kein Verfahren.

    Früher oder später kommt die Wahrheit ans Licht und dann ist die Glaubwürdigkeit futsch. Das mussten schon ne Menge Verfahrensbeteiligte schmerzlich lernen.

    Das kenne ich auch deutlich anders und nicht nur am eigenen Beispiel erlebt. Wie oben bereits beschrieben, werden in FamGerichtsverfahren viele Behauptungen überhaupt nicht überprüft (dazu ist in einem normalen FamGerichtsverfahren auch überhaupt kein Raum. Es gibt in der Regel keinerlei Zeugen, keine Beweisaufnahme ... Und ich bin mir sehr sehr sicher, dass eine Reihe Richter die ggfls. elendlangen Schriftsätze der Parteien und des Gutachters nicht intensiv zur Kenntnis nehmen ...). Da bleibt dann vieles im Raum stehen und die alte Spruchweisheit steht wie ein weißer Elefant im Raum: "Ohne Feuer kein Rauch!"

    Wenn Falschbehauptungen sich nicht lohnen würden in FamGerichtsverfahren, dann würden nicht so viele Anwälte genau zu dem Mittel greifen, befürchte ich ...

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

    Einmal editiert, zuletzt von Volleybap ()

  • Ich finde, Anwälte, die so unsachliche Vorwürfe in ganzen Stapeln Papier an die Gegenseite schicken, sind unseriös.

    Diese Anwälte wollen nur Kohle verdienen, indem sie alles anheizen. Das Schreiben stellt der Anwalt ja in Rechnung.

    Anwälte, die wissen, dass das alles Humbug ist, reagieren nicht darauf und sagen das auch so ihrer Mandantschaft.

    Bevor du mit dem Kopf durch die Wand gehst, überlege zuerst.........

    Was mache ich im Nebenzimmer ? (unbekannt)

    ------------------------------------------------------------------------

    G e l a s s e n h e i t .....................#atmen....