Ehebruch von Gericht bestraft

  • Das Bundesverwaltungsgericht hat in einem jetzt veröffentlichten Urteil vom 22.01.2025, Az. 2 WD 14.24 die Beziehung eines Hauptfeldwebels mit der Frau eines Mannschaftssoldaten sanktioniert und damit Urteile niedrigerer Gerichte bestätigt. In solcherart Beziehung läge regelmäßig eine Missachtung der Kameradschaftspflicht nach § 12 des Soldatengesetzes vor und eine Belastung des Dienstbetriebs.


    In der Sache war der verheiratete Soldat zuhause ausgezogen. Anschließend begann die Beziehung zwischen dessen Frau und einem Hauptfeldwebel aus dem Bataillon des Soldaten. Da aber eine Scheidung noch nicht ausgesprochen war und es theoretisch zu einer Neubelebung der Ehe hätte kommen können, kam es zur Verurteilung des Unteroffiziers: Kürzung der Bezüge und ein Beförderungsstop jeweils auf Zeit. Begründung: Durch die Missachtung der Ehe könne das Leben in der militärischen Gemeinschaft massiv belastet und zugleich die Bereitschaft, in Krisensituationen füreinander einzustehen, gefährdet werden, hieß es vom Gericht.


    Die Ehe des Soldaten ist mittlerweile geschieden, laut Gericht ist aber auch die nachfolgende Beziehung zwischen Frau und Hauptfeldwebel beendet worden.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Puh... Gilt das gleichermaßen für Polizisten, Feuerwehrleute und sonstige Berufe, die mir ad hoc nicht einfallen, in denen sich einer auf den anderen blind verlassen können muss?

    LG
    CoCo




    Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.
    ~ Elisabeth Beatrice Hall 1906 im Buch "The friends of Voltaire" ~

  • Was bitte soll daran unglaublich sein?


    Es gibt wenig, was dich als Soldat moralisch so aufrecht hält, wie deine Partnerschaft. Und selbst wenn du ausziehst. Solange die Ehe noch nicht geschieden ist, hat niemand da seine Finger auszustrecken.


    Überleg dir mal, du ziehst mit so jemandem in den Einsatz und musst auch noch Kopf und Kragen für denjenigen riskieren, wenn er z.B. verwundet wird.


    Ich schäme mich für diesen Hauptfeldwebel. Sich an die Nochfrau eines Untergebenen ranmachen verstößt so ziemlich gegen alle Tugenden, die ein Hauptfeldwebel mal gelernt haben sollte. Das ist ein sehr erfahrener Unteroffizier, um dir etwas Kontext zu bieten Coco. Der hat Militärische Erfahrung, vor allem aber auch schon Lebenserfahrung. Der sollte es besser wissen.

  • Wieso? Das ist normal. Gab es während meiner Zeit auch mal.


    Ich meine gelesen zu haben der in dem Fall hier wäre auch noch der unmittelbare Vorgesetze gewesen (also nicht nur lt. Dienstgrad, das ist er ja sowieso).


    Monday

    genau 🙂


    LG

    ... unn denn bin ick in mir jejangen, war aber ooch nüschd los! :drink ...

  • Bei vielen AG würde so ein Vorgang - bekanntgeworden - sicherlich den Arbeitsfrieden stören und auch die Compliance-Regeln tangieren.

    Eine rechtliche Auseinandersetzung (Abmahnung wäre zB ebenso denkbar wie Entlassung) wäre aber sicherlich komplizierter, wenn nicht, wie im Beispielfall, auf das Soldatengesetz Zugriff genommen werden kann.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Das hier


    Da aber eine Scheidung noch nicht ausgesprochen war und es theoretisch zu einer Neubelebung der Ehe hätte kommen können, kam es zur Verurteilung des Unteroffiziers:


    liest sich für mich, als ob es kein Problem sei, sobald die Scheidung durch wäre. Wäre das dann besser für den Teamgeist? Ist das nicht grundsätzlich zu viel Einmischung ins Privatleben? Es gehören zwei dazu und die Frau wurde doch vermutlich nicht gezwungen, oder?

    LG
    CoCo




    Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.
    ~ Elisabeth Beatrice Hall 1906 im Buch "The friends of Voltaire" ~

  • Gibt es denn Hintergrundinfos, wie die Situation zwischen den Expartnern war? Die beiden waren getrennt, er ist ausgezogen, sie hat sich einen neuen Partner gesucht/ gefunden, wie auch immer. -Das ist doch nicht unmoralisch. Oder muss man erst das Trennungsjahr und die Scheidung abwarten, bevor man sich einen neuen Partner sucht?

    Das sowas vor Gericht verhandelt wird, verstehe ich nicht. Das ist doch Privatsache.

  • Ich glaube es geht nicht um die Moral auf ihrer Seite, sondern um Führungsverantwortung. Deshalb hat er jetzt einen befristeten Beförderungsstopp. Wäre das die Nochfrau eines Menschen gewesen, der nicht seiner Führung untersteht, wäre es kein Problem gewesen.

    LG Campusmami



    Sonne muss von Innen scheinen :sonne


    Das Leben findet draußen statt :rainbow: .

  • Ich kenne mich Null mit Beförderungsstrukturen in der Bundeswehr aus... Vielleicht brauchte es das Urteil deshalb.


    In anderen größeren Unternehmen oder Organisationen würde eine Führungskraft nach so einem Vorfall auch nicht weiter befördert. Dazu bräuchte es aber kein Urteil, man würde es halt sein lassen.

    LG Campusmami



    Sonne muss von Innen scheinen :sonne


    Das Leben findet draußen statt :rainbow: .

  • Juristen weisen im Moment darauf hin, dass das Beamtenrecht diese arbeitsrechtliche Möglichkeit wie im Soldatenrecht auch - wenn auch in anderer Formulierung - beinhalten würde. Aber seit den 1980erjahren gäbe es keinen bekannten Fall mehr, in dem sich darauf berufen wurde.

    Diskutiert wird auch die Frage der sexuellen Selbstbestimmung, die hier den Protagonisten genommen sei.

    In der Bundeswehrrechtsgeschichte gibt es keinen dokumentierten vergleichbaren Fall, in dem eine Frau in ähnlicher Position wie der Unteroffizier war.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.