Sohn meines Partners

  • Liebe Grüße an alle,


    mein Partner und ich sind seit 2 Jahren ein Paar. Wir bringen beide ein Kind mit in die Beziehung. Meine Tochter ist 19 Jahre und sein Sohn 14 Jahre.


    Ich habe das Gefühl, dass der Sohn meines Partners es nicht akzeptieren kann, dass er seinen Vater nicht mehr für sich alleine hat. Und seitdem wir zusammen wohnen hat sich das Gefühl verstärkt. Wenn er am Wochenende oder in den Ferien zu uns kommt werde ich nicht gegrüßt und er tut so als wäre ich nicht da. Er begrüßt mich nur wenn sein Vater in quasi dazu auffordert. Wenn ich ihn anspreche und ihn z.B. etwas frage bekomme ich so gut wie keine Antwort oder er dreht sich zu seinem Vater und gibt ihm die Antwort auf die Frage (als ob sein Vater ihn quasi das gefragt hätte). Das verletzt mich ehrlich gesagt sehr das der Sohn so zu mir ist und weiß nicht wie ich mich verhalten soll.


    Auch muss es in meinen Augen immer so laufen das wir Dinge machen auf die der Sohn Lust hat. Was wir möchten ist egal.


    Habt ihr Tipps ?

  • Erfahrung habe ich damit keine; Tipps wären deshalb reine Theorie. Bei einem Machtwort des Vaters zuckt mein Gefühl innerlich etwas zusammen. Ist die Begrüßung, die nur nach Aufforderung erfolgt, wirklich befriedigend für Dich? Wären quasi erzwungene Antworten wirklich "etwas wert"? Einschreiten sollte er natürlich, wenn sein Sohn sich richtig feindselig verhält; beleidigend wird o.ä.


    Ob und wie sich das lösen lässt, hängt vermutlich auch davon ab, wie die Trennung gelaufen ist, wie groß die Hoffnung des Sohnes war, dass sich die Eltern wieder versöhnen; wie dolle die Hormone da reinspielen (soll ja auch eigene Pubertiere geben, bei denen man froh sein kann, wenn sie noch mal ein "Guten Morgen" rausbekommen); vielleicht auch das Gefühl, dass er Papa jetzt gar nicht mehr für sich haben kann - oder was es sonst noch für Gründe geben kann.


    Deine Tochter ist vermutlich nicht mit umgezogen, oder? Könnte sie mal mit ihm sprechen und so vielleicht herausfinden, wo es wirklich hakt? Was sagt Dein Partner dazu, wenn Ihr beide darüber sprecht?

    LG
    CoCo




    Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.
    ~ Elisabeth Beatrice Hall 1906 im Buch "The friends of Voltaire" ~

  • Der Sohn meines Partner lebt bei seiner Mutter und ist alle 14 Tage am Wochenende bei uns und in den Ferien.


    Die Trennung der Eltern hat bereits früh stattgefunden. Da war der Junge ein knappes Jahr alt. Daher kennt er es nicht anders, dass Mama und Papa nicht mehr zusammen sind.


    Meine Tochter ist mit umgezogen. Ob er bei ihr mit der Sprache raus rückt bezweifle ich ehrlich gesagt. Ich kann mich da aber auch irren.


    Wenn ich mit meinem Partner darüber spreche tut er es eher ab das er ja ein Kind ist.

  • Wenn ich mit meinem Partner darüber spreche tut er es eher ab das er ja ein Kind ist.


    Die eine Sache ist, dass Dein Partner natürlich zwischen den Stühlen sitzt. Die andere ist, dass es in eine Partnerschaft gehört, mit seinem Kummer; seinen Gefühlen ernst genommen zu werden. Nicht, dass sie irgendwie "abgetan" werden...


    Die Mutter des Jungen und Du - kennt Ihr Euch?

    LG
    CoCo




    Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.
    ~ Elisabeth Beatrice Hall 1906 im Buch "The friends of Voltaire" ~

  • Mit Machtwort meinte ich nicht das Kind zu Floskeln auffordern, sondern über das Miteinander reden.

    Das er die Entscheidung getroffen hat, das ihr zusammenlebt und das er ein gutes Miteinander erwartet. Das alle ihren Beitrag dafür leisten müssen. Das es natürlich auch Konflikte geben kann, das aber auch jeder seine Bedürfnisse äußern muss.
    Nur muffelig sein, ist keine Lösung.

    Er ist nur zwei Wochenenden im Monat da - vielleicht finden Vater & Sohn ein gemeinsames Hobby für Samstags mit exclusiver Papa Zeit?
    Damit könnte das Bedürfnis nach Zweisamkeit gestillt werden und gemeinsame Erlebnisse geschaffen werden.

    Ihr hängt nicht 48 Stunden als Zweckgemeinschaft aufeinander.

    Das entlastet alle Parteien und die restliche Zeit ist kann man dann ein kooperatives Miteinander erwarten.


    Meine Nachbarn haben das gleiche Thema.
    Der Vater freut sich wie Bolle, der Junior ist muffig - ist auch nicht seine Umgebung / kaum Freunde in der Gegend. Also zockt er den Samstag durch und muffelt, wenn es um Anpassung geht.


    Was in der Altersklasse nicht unüblich ist.


    Nach einer Eskalation gibt es nun einen Plan - Vater und Sohn verlassen am Samstag nach einem ausgiebigen, gemeinsamen Frühstück das Haus - fahren zum Bundesligaspiel, spielen gemeinsam Pokémon oder Geocache in einer benachbarten Stadt, gehen Essen - machen Jungs Sachen. Zum Abendessen kommen sie wieder. Das verläuft dann jetzt friedlicher - ausgepowert, Akkus nach Aufmerksamkeit gefüllt.


    Immerhin kommt er (noch) am Wochenende - oft wird es in der Alterklasse weniger … verläuft sich . Die Freunde zuhause feiern, er ist nicht da….

  • Das Thema zocken ist auch bei uns groß geschrieben.


    Im Prinzip kommt der Junge zu uns und das ganze Wochenende läuft die Playstation. Pausiert wird im Prinzip nur, wenn gegessen wird. Würde man sagen, dass sie aus bleibt würde er garnicht zu uns kommen.

  • Da kommt halt einiges zusammen. Papa hat neue Frau, er ist nicht mehr der Mittelpunkt am WE und, naja, die Pubertät schlägt halt auch zu. Ich finde Lenas Vorschlag gut. Und "Zocken" kann ja auch ein gemeinsames Erleben sein. Zusammen mit oder gegen den Vater.


    Bei "Playstation aus" muß man ein attraktiven Alternativprogramm bieten, sonst gibts natürlich nur Gemaule. Hat er bei seiner Mutter auch eine PS? ODer ist das für ihn einfach das Highlight des Papa-WEs?


    Nichtsdestrotrotz steht der Vater im Senkel. Und "ein Kind" ist der mit 14 nicht mehr.

  • Pubertierende Patchwork-Kinder sind eine Wundertüte. Dein Tun und Lassen "im normalen Rahmen" ist selten die Ursache für das Verhalten der Pubertisten. Am Bonuselternteil wird manchmal der ganze Lebensfrust abgeladen. Umgekehrt kann es auch sein, dass der Bonuselternteil zum Helden hochstilisiert wird und ein leibliches Elternteil "mit Verachtung" bestraft wird. Selbst wenn es dir gelingen sollte, die Gründe für die Reaktion herauszubekommen, empfindet man als Erwachsener die oft als banal, vorgeschoben, läppisch (während sie für den Teenager schon höchst gewichtig sind).


    Auch der leibliche Elternteil hat wenig Chancen. Er hat seine gewachsene Rolle, an der sich ein Teenager auch abarbeitet. Bei Teenagern auf eine Verhaltensweise mit Druck zu reagieren, bewirkt immer eine Gegenreaktion. Ob der Erwachsene als "kurzfristiger Sieger" herausgeht, hängt davon ab, wie abhängig der Teenager ist. Von den Umgangs(bonus)eltern ist ein Teenager in der Regel nie abhängig. "Deutliche Ansage" ist entsprechend eher kontraproduktiv, ist meine Erfahrung.

    Es ist oft sogar umgekehrt: Bestimmte Dinge werden gemacht, um Streit zu provozieren. Um ein Ventil für angesammelten Frust zu finden.


    Meine persönliche Erfahrung: Man muss viel erdulden. Und man muss reden. Nicht zwingend mit dem Pubertisten. Aber mit dem Partner. Der oft auch hilflos ist. Zu ihm ist der Pubertist anders. Gibt sich oft anders. Der Partner erlebt die Tiefe der Verletzung nicht mit, weil es schwer wahrzunehmen ist, dass hier immer wieder längst vorhandene Wunden aufgerissen werden, selbst wenn es im akuten Augenblick nur ein "kleiner Stupser" ist.

    Reden müsst ihr als Partner, weil ihr sonst schnell auseinanderdividiert werdet. (Das ist ja Sinn und Zweck des unterschiedlichen Behandelns aus Pubertistensicht). Und natürlich hat der leibliche Elternteil noch einmal ganz andere, gewachsene Instinkte zum Pubertisten, es schwingt viel Vergangenheit - manchmal bis hin zu Schuldgefühlen und Schutzreflexen - mit. Da ist es hilfreich, irgendwann einmal drüber zu reden, ohne gerade emotionalisiert zu sein.


    Was aber immer ist: Patchwork ist verflixt viel Arbeit und in der Regel intensiv. Mit so vielen Variablen, dass ganz viel "schiefliegen" kann.


    Ich habe mir damals angewöhnt, eine möglichst "dicke Haut" mir zuzulegen und zu ertragen in der Situation. Und einfach den Bonuspubi "wie das eigene Kind", dem man ja auch viel verzeiht, "weiterzulieben". Selbst wenn es gerade der berühmte Kaktus ist. Umgekehrt aber mich zu sensibilisieren, um rechtzeitig zu erkennen, wenn Druck auf den neuen Partner ausgeübt wird und da zu entlasten.


    "Die" Lösung gibt es leider nicht. Auch nicht "den Trick". Was beim einen toll funktioniert, geht beim anderen katastrophal daneben. Und. Was gestern noch funktioniert hat, ist heute sichtbar völlig falsch ... Man muss halt immer in Bewegung bleiben, andere Dinge ausprobieren und hoffen, dass man irgendwie durchkommt. Ab ca. 30 soll es besser werden - man muss nur dran glauben ...


    Dir und Euch auf jeden Fall viel Kraft. Es ist eine zerreissende Situation.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Mal ganz salopp formuliert: wenn der Sohn eh nur alle zwei Wochen und in den Ferien bei euch ist - lass ihn. Vorausgesetzt die Beziehung zwischen dir und deinem Freund läuft gut, reg‘ dich nicht auf. Das ist es nicht wert 😉.


    Anders sähe es sicherlich aus, wenn der Sohn bei euch wohnen würde.

  • Schwierig, aber ich glaub ich wäre da bei jannne - wenn sonst alles in der beziehung passt, dann versuche es zu veratmen. Kannst du dir nicht zeit für dich an diesen Wochenenden nehmen und dich zB mit Freundinnen treffen?

    Vielleicht ergibt sich auch von alleine eine Änderung, die Pubertät hält zum Glück nicht ewig an.

  • Wobei… ich kann gut nachvollziehen und verstehen, dass es weh tut, wenn man vom „Bonuskind“ mehr oder weniger ignoriert oder schlimmer noch abgelehnt wird.


    Aber manchmal geht es nicht anders, als sich abzugrenzen - eben auch, um sich selbst zu schützen. Das heißt nicht, dass man das Kind oder das Pubitier ablehnt oder nicht mag. Es heißt lediglich, ein Stück zur Seite gehen, versuchen, die Situation „von außen“ zu betrachten und schlussendlich zu akzeptieren, dass es so ist, wie es nun mal ist.


    Innerlich ein wenig auf Distanz gehen, damit es nicht (so sehr) weh tut.


    Irgendwann sind sie erwachsen und entwickeln ihre eigene Sicht der Dinge.

  • Grundsätzlich, auch weil es alternativlos ist, würde ich empfehlen die eigenen Gefühle mehr in den Hintergrund zu stellen.

    Jetzt vermittelst Du, daß Du in Deinen Gefühlen abhängig vom Verhalten eines Kindes bist.

    Wer ist dann die Erwachsene?


    vg von overtherainbow

  • Klar könnte ich mich mit Freundinnen treffen, was ja auch schön sein kann. Ich hab nur das Gefühl, dass ich dann aus der eigenen Wohnung flüchte.

    Die eine Seite ist, dass man - finde ich - gewisse „Benimm-Regeln“ durchaus erwarten kann und auch sollte: Guten Tag, bitte, danke, auf Wiedersehen.


    Alles, was darüber hinaus geht… schwierig. Die Stiefmutter oder den Stiefvater zu mögen, mit ihr / ihm über Persönliches zu sprechen, eine Bindung kann man nicht einfach so erwarten.

    Wenn man sich in die Lage des Kindes (oder jugendlichen) versetzt: da ist ein Mensch, der nicht Mama oder Papa ist. Eltern sind immer etwas „anderes“, haben einen anderen „Stellenwert“. Dieser Mensch macht sicherlich einiges anders, hat möglicherweise andere Haltungen, Werte als das leibliche Elternteil. Das kann u.U. zu Konflikten führen.


    Dann ist man selbst auch noch da. Im Normalfall findet man nicht alles gut, was das betreuende Elternteil macht - vermute ich mal.

    Wenn man das alles systemisch betrachtet: je stärker man an den Umgangswochenenden seine eigenen Werte, Haltungen, Interessen durchsetzen will, desto eher kann es zu Konflikten kommen.


    Bei mir war und ist es so, dass ich versuche, meiner „Rolle“ als Stiefmutter gerecht zu werden. Das heißt : ich erwarte die o.g. „Basics“. Alles, was darüber hinaus geht, empfinde ich als eine Art „Geschenk“. Ich mache „Angebote“ („Magst du mit mir Kekse backen“ - ganz banales Beispiel…) - aber wenn die Kinder nicht wollen, ist das okay.

    Der Punkt ist m.E., dass man ein „Nein“ nicht persönlich nimmt.


    Zum Thema „Wohnung“: klar ist es deine Wohnung - und die deines Partners. Es ist eure (gemeinsame) Wohnung, in der eure Regeln gelten. Der Junge ist zeitweise schon irgendwie „Gast“, er lebt ja nicht durchgehend bei euch.


    Aber: auch er gehört dazu, dadurch, dass er der Sohn deines Partners ist.


    Schwierige Geschichte, auch emotional. 🤷‍♀️

  • Meine Jungs waren 12 und 14 als mein Mann hier eingezogen ist. Ich habe gerade überlegt, wie die miteinander kommunizieren und kommuniziert haben und muss feststellen, dass das rein quantitative auch nicht wirklich viel ist. Der Unterschied ist aber, dass das keinen hier zu stören scheint. Ich würde auch nicht sagen, dass sich die drei Beteiligte nicht wohl fühlen oder sich dadurch gestört fühlen. Die schätzen sich auf ihre wenig kommunikative Weise sehr - so jedenfalls mein Eindruck:/.

    Was fragst du denn, wenn der Sohn dem Vater antwortet? Und bist du ein Mensch der Stille nur schwer ertragen kann, oder generell negativ bewertet?

    LG Campusmami



    Sonne muss von Innen scheinen :sonne


    Das Leben findet draußen statt :rainbow: .