Straftaten gegen Frauen und Mädchen steigen in allen Bereichen – Fast jeden Tag ein Femizid in Deutschland

  • Schlimm ist in dem Fall, dass die Opfer immer wieder aussagen und das Erlebte dadurch immer wieder durchleiden müssen. Besonders schlimm, wenn es dann auch noch an einen "unsensiblen Klotz" gerät, der die Befragung nicht besonders einfühlsam durchführt.

    Außerdem wird das Opfer in einem neuen Prozess wieder mit dem Anwalt der Gegenseite konfrontiert, der dazu neigt zur Verteidigung seines Mandanten z.B die Glaubwürdigkeit des Opfers anzuzweifeln oder den Opfer eine Mitschuld zuzuschustern. Dafür fehlt vielen einfach die Kraft, und dann lassen sie es lieber sein, statt zu ihrem Recht zu kommen.

    Man sitzt insgesamt viel zu wenig am Meer...

  • Die taz hat zum 25.11. in ihrer Wochenendausgabe ein Dossier zum Thema veröffentlicht:

    https://taz.de/Schwerpunkt-Femizide/!t5514275/


    Die diesjährige Orange the World-Kampagne der UN hat als Thema übrigens auch genau diese Gewalt gegen Frauen in Partnerschaften:

    https://unwomen.de/orange-the-world/


    Und persönlich so zu den gewaltvollen Vorstufen: Der Weg aus einer Machtbeziehung, wie auch immer diese Macht/Gewalt ausgeübt wird, in meinem Fall war es psychisch, war lang und schwierig und im Nachhinein würd ich mein "damaliges Ich" gern kräftig, aber gewaltfrei ;) schütteln - damals haben selbst ziemlich direkte Fragen und Anmerkungen von Freund*innen nichts genutzt (na, langfristig schon). Heute kann ich mit der Erfahrung eine Nachbarin verstehen, für die wir hier schon mehrfach die Polizei gerufen haben, die aber immer gute Ausreden für ihren Partner hat (der auch nicht das personifizierte Böse ist, aber offensichtlich ein Sucht- und dann Impulskontrollproblem hat).


    Beim Gedanken an eine gute Bekannte, die vor etwa 10 Jahren von ihrem Exmann erschossen wurde, als sie die letzten Sachen für sich und die Kinder holte, wird mir immer noch schwer ums Herz. Wer hätte das erwartet im Einfamilienhaus mit 2 Akademikern, die Familie seit Generationen im Dorf lebend?


    Hoffnung, dass es besser wird in den nächsten 100 Jahren?


    Ja, Hoffnung ist immer, die habe ich, wenn ich meine Tochter und ihre männlichen Freunde sehe;

    die habe ich, wenn ich mich mit meinen migrantischen Klienten unterhalte und sie im Unterricht erlebe, die sich vehement dagegen wehren, mit "Talahons" (ihre Worte) in einen Topf geschmissen zu werden;

    die habe ich, wenn ich die Erzieher*innen in der Kita erlebe, die so zugewandt, wertschätzend und aufrichtig jedem Kind als Individuum begegnen, gewaltfrei - physisch wie psychisch.

    Die Hoffnung, dass das ausstrahlt in die Zukunft.

  • Ich hoffe auch sehr, dass das Weggucken weniger wird und glaube dass für die Generation unserer Kinder sehr klar ist, dass häusliche Gewalt eben keine private Angelegenheit ist.


    Noch eine Stunde bis zur Demo, mal schauen, ob ich insbesondere den ein oder anderen Kollegen noch mobilisiert bekomme, ist ja quasi um die Ecke.


    Die DFB Damen haben ein ziemlich gutes Reel gemacht:).

    LG Campusmami



    Sonne muss von Innen scheinen :sonne


    Das Leben findet draußen statt :rainbow: .

    Einmal editiert, zuletzt von campusmami ()

  • Interessanter Essay zum Thema:

    https://taz.de/Pelicot-Prozess-und-Rape-Culture/!6054069/


    Zumindest hat er mein Denken angeregt.


    Puh, beim Lesen des Artikels kommt mir mein Frühstück hoch... Inwiefern hat er Dein Denken angeregt? Also was könnte sich an Deinem Denken durch diesen Artikel verändern?


    In großen Teilen gehe ich mit dem, was dort steht, konform. Aber das hier z.B.:


    Zitat

    Männlichkeit ist auch die angelernte Unfähigkeit, sich seiner tiefen Verletzungen gewahr zu werden – statt sie an anderen zu wiederholen

    Es scheint eine Frage der Sozialisierung zu sein, ob Gewalt tendenziell eher aufgearbeitet, geschluckt oder reproduziert wird. Männlichkeit kann man in diesem Sinne als eine angelernte Einschränkung begreifen: Die angelernte Unfähigkeit zu kommunizieren, sich selbst und seiner tiefen Verletzungen gewahr zu werden – statt sie an anderen zu wiederholen. Das sind Dinge, die für ein zivilisatorisches Miteinander ausschlaggebend sind. Wo Zivilisation sein soll, muss Männlichkeit weichen. Die gute Nachricht ist: So zäh der Prozess auch ist –was uns eingetrichtert wurde, lässt sich entlernen. Nicht Männer an sich, sondern ihre Sozialisierung ist das Problem.


    klingt mir zu verallgemeinernd. Man muss doch nicht Männern grundsätzlich ihre Männlichkeit wegsozialisieren. Wobei wir wieder bei einer Definition von Männlichkeit wären. Männlichkeit kann doch z.B. auch sein, zu beschützen. Ein großer Teil der Jungen heute wächst zum Glück damit auf, Gefühle zeigen zu dürfen. Klar, das dürfen gerne noch mehr werden; dazu braucht es vielleicht noch ein, zwei Generationen.


    Selbst wenn sich auf der Stelle alle Männer entschlössen, ihre Dinge; ihre eigenen Gewalterfahrungen aufzuarbeiten - wo sollen die Therapieplätze herkommen? Nicht falsch verstehen - natürlich dürfen die eigenen Erfahrungen niemals ein Freibrief für dieses widerliche Verhalten sein. Es halt nur leicht, in einem Artikel etwas zu fordern, was so gar nicht umsetzbar wäre.

    LG
    CoCo




    Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.
    ~ Elisabeth Beatrice Hall 1906 im Buch "The friends of Voltaire" ~

  • Ich gehe nicht mit allem konform, was die Autorin sagt, aber z.B. den von dir zitierten Absatz lese ich anders. "Männlichkeit" als soziales Konstrukt (genau wie "Weiblichkeit") aufzulösen, im Sinn einer Befreiung des Einzelnen von solchen geschlechtsspezifizierten Zuschreibungen von menschlichen Eigenschaften, Aufgaben, Werten.

    Nicht nur Männlichkeit kann heißen zu beschützen, Menschlichkeit könnte das sehr gut heißen.


    Ich finde es gut, dass sie auf das Kontinuum zu sprechen kommt, auf die Verbindung von Männlichkeitsbildern und Tätern, sie ent-deckt den einfachen Weg der Abgrenzung von Tätern, indem sie entweder entmenschlicht werden oder die Taten bestimmten Gruppen zugeschoben werden oder ihr Tathandeln von ihrer Person getrennt wird - auch durch die Beschuldigten selbst oder ihre Partnerinnen im Prozess.


    Warum kommt dir dein Frühstück hoch? - Ernstgemeinte Frage.

  • Ein großer Teil der Jungen heute wächst zum Glück damit auf, Gefühle zeigen zu dürfen. Klar, das dürfen gerne noch mehr werden; dazu braucht es vielleicht noch ein, zwei Generationen.


    Selbst wenn sich auf der Stelle alle Männer entschlössen, ihre Dinge; ihre eigenen Gewalterfahrungen aufzuarbeiten - wo sollen die Therapieplätze herkommen? Nicht falsch verstehen - natürlich dürfen die eigenen Erfahrungen niemals ein Freibrief für dieses widerliche Verhalten sein. Es halt nur leicht, in einem Artikel etwas zu fordern, was so gar nicht umsetzbar wäre.

    Auch wenn es so sein mag, daß mehr Jungen Gefühle zeigen dürfen, bleiben die Anteile an Suiziden seit Jahren recht stabil. Wer genauer hinsieht, wird feststellen, daß die genderspezifischen Unterschiede in der Bewertung und Erwartung, die tatsächlichen individuellen Unterschiede immer noch bei weitem überwiegen.

    Da möchte wohl auch ein großer Teil der Menschen an den Stellen wo es Ihnen gefühlt zum Vorteil gereicht, auch noch nicht loslassen.


    Ich denke es geht nicht um Therapie. Es geht um Sozialisierung und ein Bild, was eine ganze Gesellschaft trägt. Also die Erkenntnis, daß Gewalt nicht eine Frage der Gene oder Biologie ist.


    Es fehlt an Täterarbeit, Opferhilfe und sicherlich auch dem Verständnis, daß wir durch die starre Aufrechterhaltung von zugewiesenen geschlechtlichen Rollenbildern, die Gesamtsituation nicht verbessern werden.

    Ich denke das geschieht oft ganz unbewusst:


    Man muss doch nicht Männern grundsätzlich ihre Männlichkeit wegsozialisieren. Wobei wir wieder bei einer Definition von Männlichkeit wären. Männlichkeit kann doch z.B. auch sein, zu beschützen.

    Wäre so ein Klassiker.

    Einen anderen Menschen vor etwas zu beschützen, impliziert eine Überlegenheit gegenüber dem zu Beschützendem.

    Im Kontext Männlichkeit wie selbstverständlich eine körperliche Überlegenheit.

    ....und manifestiert das Bild des körperlich stärkeren Geschlechts.

    Was vielleicht auch gar kein Bock hat in einer von Gewalt geprägten patriarchalischen Welt zu leben, in dem der Stärkere obsiegt und der Schwächere sich wegducken muss.


    vg von overtherainbow

  • Warum kommt dir dein Frühstück hoch? - Ernstgemeinte Frage.


    Bei der Beschreibung der Taten und des Gerichtsprozesses; z.B. bei den Worten der Anwältin der Vergewaltiger...


    Ansonsten weiß ich jetzt, wie Du es gemeint hast, danke.

    LG
    CoCo




    Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.
    ~ Elisabeth Beatrice Hall 1906 im Buch "The friends of Voltaire" ~

  • Einen anderen Menschen vor etwas zu beschützen, impliziert eine Überlegenheit gegenüber dem zu Beschützendem.

    Ja, hier habe ich mich auf die körperliche Überlegenheit bezogen. Diese offensichtlichen Unterschiede kann man ja nicht weg diskutieren. Die dürfen doch auch sein. So lange sie nicht für Gewalt genutzt werden.


    Männer und Frauen sind nun mal nicht in allem gleich. Ein Teil der Unterschiede lässt sich vielleicht weg sozialisieren. Ein anderer eher nicht. Muss man ja auch nicht auf Biegen und Brechen.

    Es gibt nun mal Biologie. Ein Beispiel - der Orientierungssinn. Es gab mal eine neurologische Untersuchung, dass bei Männern und Frauen jeweils unterschiedliche Hirnareale aktiviert werden, wenn es z.B. um Orientierung geht.

    Auch in anderen Zusammenhängen wurden unterschiedliche Areale aktiviert, bei bestimmten Reizen.

    LG
    CoCo




    Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.
    ~ Elisabeth Beatrice Hall 1906 im Buch "The friends of Voltaire" ~

  • Ja, hier habe ich mich auf die körperliche Überlegenheit bezogen. Diese offensichtlichen Unterschiede kann man ja nicht weg diskutieren. Die dürfen doch auch sein. So lange sie nicht für Gewalt genutzt werden.

    Dann haste das nicht so richtig verstanden, oder eben nicht zu Ende gedacht.


    Zum beschützen ist Gewalt dann aber legitim?

    In der Konsequenz muss ich als Mann dann also für körperliche Überlegenheit gegenüber meiner Partnerin sorgen, wird von mir erwartet, daß ich Gewalt mit körperlicher Gewalt begegne, daß körperliche Gewalt legitimiert ist, wenn sie denn dem Schutz meiner Familie dient, ich Gewalt gegenüber Schwächeren weder nutze noch androhe.

    Genau da liegt schon ein großer Teil des Problems.


    Cool. Ich stelle also in einem Konflikt fest, daß der Mensch der Dich bedroht Dir aus meiner Sicht körperlich nicht überlegen ist. Dann kannste Dich ja selber aufblähen und prügeln, oder?


    Zumal es mitnichten so ist, daß da immer nur der 1,84 große Neandertaler Mann das 49 kg Mäuschen mit häuslicher Gewalt bedroht.


    Dein Weltbild ist Teil des Problems, auch wenn ich Dir wirklich keine Absicht unterstelle.


    vg von overtherainbow

  • Ich glaube, dass es um mehr Aufmerksamkeit, Angebote, Sensibilisierung zum Thema eigene Gewalterfahrungen geht. Damit sich Gewalt nicht reproduziert. Das soll jetzt sicher keine Entschuldigung sein für Täter*innen. Aber ich glaube, dass gerade bei Männern und Jungen nochmal andere Hindernisse da sind, um eigene Traumata aufzuarbeiten als bei Mädchen. Ich glaube auch, dass Frauen und Mädchen sich eher Hilfe suchen und bekommen.

    Um Gewalt zu verhindern wäre es doch gut, da hinzusehen und aktiv zu werden.


    Ok, das Wort Gelegenheitsvergewaltiger finde ich ja völlig absurd.

    Auch so eine kleine Stellschraube, an der man arbeiten könnte. Wording.

    Wir haben vor ein paar Wochen sehr lange über das Wort "Missbrauch" gesprochen bei einer Kinderschutz-Veranstaltung. Was so kleine Schräubchen sind, das kann im Ganzen dann vielleicht schon was bewegen.

    Liebe Grüße


    Friday

    Einmal editiert, zuletzt von friday ()


  • Mein Weltbild ist Teil des Problems? Wow - das nenne ich mal die Worte im Mund herumgedreht. Kannst Du mir mal die Stelle zeigen, an der ich das, was Du da alles schreibst, so gesagt habe? Das ist ausschließlich Deine Interpretation. Du hast nicht im Mindesten verstanden, was ich meine...

    LG
    CoCo




    Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.
    ~ Elisabeth Beatrice Hall 1906 im Buch "The friends of Voltaire" ~

  • Mein Weltbild ist Teil des Problems? Wow - das nenne ich mal die Worte im Mund herumgedreht. Kannst Du mir mal die Stelle zeigen, an der ich das, was Du da alles schreibst, so gesagt habe? Das ist ausschließlich Deine Interpretation. Du hast nicht im Mindesten verstanden, was ich meine...

    Da ist nix im Mund rumgedreht.

    Es ist nicht meine Interpretation sondern eine Konsequenz aus dem von Dir geschriebenem.

    Also was meinst Du denn dann?

    Und was denkst Du denn verstanden zu haben?


    Dein, und Du bist ja weiß Gott nicht alleine damit, Weltbild, ist Teil des Problems.


    vg von overtherainbow

  • Jetzt habe ich echt Mühe, nicht richtig sauer zu werden... Du glaubst, aus meinem Geschriebenen das herauszulesen, was Du weiter oben von Dir gibst? Dann hast ganz eindeutig DU ein Problem - nicht ich mit meinem Weltbild.

    LG
    CoCo




    Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.
    ~ Elisabeth Beatrice Hall 1906 im Buch "The friends of Voltaire" ~