Da waren sie wieder, meine drei Probleme

  • Der Kleine macht mich echt fertig. Ich bin sowas von urlaubsreif.

    Das ist schon nicht mehr vergesslich, das ist dement.

    Ich muss dauernd zweimal fahren, extra Dinge erledigen, weil er wirklich alles vergisst. Alles. Ich muss dauernd kontrollieren, weil sonst nichts funktionieren würde. Er lässt auf dem Rückweg von der Schule auch das Fahrrad an der Bushaltestelle stehen, von wo er morgens zur Schule gefahren ist. Oder er kommt noch mal zurück, weil er den Hausschlüssel vergessen hat. Ich muss ihn ständig an seine Termine, seine Verpflichtungen erinnern und trotzdem vergisst er sie. Wir beide sind so genervt.

    Gestern aus dem Nichts eine Whatsapp-Nachricht. Ich bin da und da. Keine weitere Erklärung. Stunden später postuliert er, dass er abgeholt werden möchte. Das kommuniziert er nicht vorher. Und ich bin 10.000 km weg von da.

    Und wir bekommen keine einzige Woche Schule mehr ohne Fehlen hin. Er verschläft, er kommt zu spät oder ist krank. Krank heißt, dass er keinen Antrieb hat. Jetzt habe ich einen Dauerbetrieb zwischen Therapie, Psychiatrie und Jugendamt. Und Formulare, Formulare, Formulare und Formulare.

    Das Jugendamt hat sich den Fall angehört und wollte schon in den Deckel drauf machen. Sinngemäß nicht dringlich, unsere Baustellen. Erst als ich gesagt habe, dass ich sehr bald selber eine Drehtür in der Klapsmühle brauche, hat die Dame dann mal brauchbare Vorschläge gemacht.

  • Dir und euch ganz ganz viel Kraft!

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Und welche Vorschläge hat sie gemacht ?

    Wenn ich fragen darf......


    Komisch, dass es nie reicht, wenn man etwas sagt bzgl. Kind - erst wenn man sagt, dass es sein kann, dass man selber bald nicht mehr funktioniert.

    So als ob, man mit dem Problem "Kind" nicht wahrgenommen wird.


    Das erinnert mich irgendwie an meinen damaligen SB vom JA, der da meinte, weil bei mir keine Scheiße an der Wand hängt, könnte es mir doch nicht schlecht gehen. AE mit drei kleinen Kindern, 2 davon Zwillinge......wtf.

    Bevor du mit dem Kopf durch die Wand gehst, überlege zuerst.........

    Was mache ich im Nebenzimmer ? (unbekannt)

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    G e l a s s e n h e i t .....................#atmen....

  • Otterson


    Sie will erstmal vorbeikommen und sich ein Bild von mir machen. Schließlich bin ich ja jahrelang nur der Umgangsonkel gewesen.


    Der Kleine hat die Vorwahl in der neuen Schule verpasst, weil er seine E-Mails nicht liest. Jetzt darf ich das wieder regeln. Es kommt immer mehr auf den Zettel, ich komme einfach gar nicht mehr hinterher.

  • Ach Mensch, Father... ich les interessiert mit, weiß aber auch nicht so genau, was ich schreiben soll... ?(


    Ich wünsch dir ganz doll ganz viel Kraft und dass es schnellstmöglich besser wird oder dass ihr Hilfe bekommt oder etwas findet, was wirklich hilft!

  • Otterson


    Sie will erstmal vorbeikommen und sich ein Bild von mir machen. Schließlich bin ich ja jahrelang nur der Umgangsonkel gewesen.


    Der Kleine hat die Vorwahl in der neuen Schule verpasst, weil er seine E-Mails nicht liest. Jetzt darf ich das wieder regeln. Es kommt immer mehr auf den Zettel, ich komme einfach gar nicht mehr hinterher.

    Vielleicht gibt es ja so etwas wie eine Assistenz oder Begleiter für den Kleinen, damit der mal sein Leben auf die Reihe kriegt und du wieder ewas Luft zum Atmen ?

    Bevor du mit dem Kopf durch die Wand gehst, überlege zuerst.........

    Was mache ich im Nebenzimmer ? (unbekannt)

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    G e l a s s e n h e i t .....................#atmen....

  • Vielleicht gibt es ja so etwas wie eine Assistenz oder Begleiter für den Kleinen, damit der mal sein Leben auf die Reihe kriegt und du wieder ewas Luft zum Atmen ?

    Das Gespräch war soweit i. O.. Sie wollte nur abchecken, das die Kinder jetzt nicht zu einem völlig Fremden kommen.
    Jetzt ist sie aber erstmal im Urlaub und Ende Juni geht es weiter. Dann gibt es ein Gespräch mit dem Jüngsten und seinen
    Geschwistern hier. Erstmal abklopfen, was die sich so wünschen und wollen und danach reden wir mal über mögliche
    Hilfen.

  • Das heißt, du musst jetzt noch 1,5 Monate warten.


    Ich glaube, bei der Dame ist nicht angekommen, dass du kurz davor stehst am Rad zu drehen.

    Was schlägt sie zur Überbrückung vor?

    Geht sie jetzt allen Ernstes für 1,5 Monate in Urlaub ?


    Ich sehe das wie Lena - jetzt brauchst du Hilfe.

    Bevor du mit dem Kopf durch die Wand gehst, überlege zuerst.........

    Was mache ich im Nebenzimmer ? (unbekannt)

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    G e l a s s e n h e i t .....................#atmen....

  • Was schlägt sie zur Überbrückung vor?

    Sie hat vorgeschlagen, das wir zur Überbrückung eine Beratungsstelle in WeitWeitWeg aufsuchen können.
    Mit der Aussicht, das wir uns darauf einstellen können, da auch lange auf einen Termin warten zu müssen.
    Sie hat bestimmt fünf mal gesagt, das es ihr leid tut. Glaube ich ihr auch.
    Dann isses aber auch egal, ob ich auf sie oder die Beratungsstelle warte...Ich muss das halt noch so lange durchstehen.
    Alternativen habe ich ja nicht.

  • Die Klassenlehrerin ist informiert. Ich bin sehr verwundert, dass nicht schon längst eine Attestpflicht besteht.

    Gestern habe ich ihn von der Schule abgeholt. Wir haben dort über Plan B gesprochen, falls er die Quali nicht schafft.

    Was stand jetzt nicht der Fall ist. Was er aber immer noch könnte, wenn er nur regelmäßiger im Unterricht teilnehmen würde.

    Ich habe ihn von der Schule mit nach Hause genommen. Ich bin gerade auf der Autobahn unterwegs, als er mich anruft dass er seine Schultasche in meinem Auto vergessen hat. Die kann ich ihm aber jetzt nicht bringen, weil ich jetzt nicht schon wieder umkehren kann und dann selber zu spät komme. Sein Bus wäre auch weg bis dahin.

    Jetzt will er zu Hause bleiben. Ich habe ihm gesagt, er soll sich was zu schreiben schnappen und trotzdem hingehen. Es geht um die Präsenz. Wird er aber nicht machen. Was ich darüber denke, nimmt er zur Kenntnis, ändert aber nichts an seinen Entscheidungen und Handlungen.


    Update: Untis hat mir gerade mitgeteilt, dass er nicht in der Schule ist.

  • Ich finde, es hört sich nicht an.....,wie ---er hat keinen Bock,

    sondern es ist ihm alles zu viel geworden, all die Dramen,..Mutter "verschwunden", Umzüge...

    der Kopf ist voll,...er schafft nichts mehr...und das sammelt sich an......

    (Erschöpfungs-) Depression?

    oder hab ich total falschen Eindruck?

  • Gibt es die Möglichkeit, dass er zur Kur fährt? Ich weiß leider nicht, ob es reine Kinderkuren noch gibt, früher gab es sowas.

    Dort würde er auch psychologisch betreut und käme mal zur Ruhe und ihr zu Hause auch. Alternativ eine Vater-Kind-Kur?

    „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe." (1. Korinther 16,14) - Jahreslosung 2024


    „Mach‘s wie Gott - werde Mensch.“ (Franz Kamphaus)

  • Franziska
    Er hat mit großer Wahrscheinlichkeit ADHS und eine schwere Depression.
    Mittlerweile habe ich kapiert, dass es nicht nur Faulheit ist. Es fehlt auch Antrieb.
    Das merkt man ja daran, das er regelmäßig verschläft oder sich eine Ausrede einfallen
    lässt, warum er nicht zur Schule kann.

    Es ist aber nicht einfach, zwischen Faulheit und Antriebslosigkeit zu unterscheiden.
    Und die körperliche Erschöpfung hat auch mit der Ernährung zu tun. Er isst zusätzlich
    zu dem, was ich auf den Tisch bringe, weiter Fastfood, Snacks und konsumiert Softdrinks.
    Gerichte mit Gemüse oder Obst lässt er stehen.
    Tagsüber isst er oft gar nichts isst und dann stopft dann abends mit Heißhunger Kohlenhydrate

    in sich rein.

    Was mich wundert ist, das er alles managen kann, wenn es um seine Interessen geht.
    Da kann er sich sogar Termine merken, da ist kein Weg zu weit, kein Effort zu gering, da hat er Ausdauer.
    Für alles andere hat er keinen Sinn. Für Tätigkeiten, die kein Dopamin abwerfen, interessiert
    er sich nicht. Bei Familienfeiern hört er kurz zu (15-20 Minuten), sagt, das er Kopfschmerzen hat,
    geht dann in sein Zimmer und ist wieder im Gaming Mode.

    Die derzeit angedachte Lösung mit JA, Therapeutin u. a. ist keine Kur, sondern eine stationäre Therapie.

  • Viel von dem, was du schreibst, scheint so typisch für ADHS zu sein. Aber - das ist jetzt nur eine Fern- bzw- Laienvermutung. Beides ist nicht nur schwierig, sondern richtig doof.

    Ich kann nur sagen: Ich habe mich bei meinem Sohn lange gegen eine solche Diagnose innerlich gewehrt - Modediagnose und so... Mich hat eine Freundin, die selber "ADHS'lerin" ist, immer und immer wieder angesprochen. Sie hatte Recht. Im Endeffekt wurde mein Sohn Minimum 5 Jahre zu spät diagnostiziert und er hätte es wesentlich leichter haben können in seiner Schulzeit. Dein Sohn ist jetzt noch mal 2 oder 3 Jahre älter als meiner damals. Gut ist, dass die Forschung mittlerweile auch bei den Erwachsenen angekommen ist.


    Das ihm Familienfeiern "zu viel" sind, kann ich nachvollziehen, sofern es ADHS ist. Es IST zu viel, all die Stimmen, vor allem aber die Stimmungen, die man dann mitkriegt und kaum oder gar nicht "filtern" kann - das IST viel. Es kann einen durchaus "erschlagen". Auch das abendliche Futtern von Kohlenhydraten kann etwas mit dem Noradrenalin- und Dopamin-Stoffwechsel zu tun haben. Aber wie gesagt: ich bin nur Laie.


    "Steht" die Diagnose Depression? Ich weiß nicht, ich mag nicht übergriffig sein oder erzählen, was wer wann wie tun soll. Das wäre angesichts der Tatsache. dass man sich nicht kennt, auch völlig fehl am Platz. Aber bei dem, was ich lese, würde mir die Diagnose Depression nicht "reichen". Was war zuerst da - die Henne oder das Ei? Wenn er "nur" eine Depression hat - okay. Ist es aber tatsächlich ADHS, gibt es zumindest meines Wissens nach andere Therapieansätze als bei einer Depression. Es gibt - für Kinder, Jugendliche und mittlerweile auch für Erwachsene - Kliniken, die sich u.a. auf ADHS spezialisiert haben. Stationär finde ich gut.


    Halt die Ohren steif!

  • Nicht behandeltes ADHS ist mitunter einer der gängigsten Wege in eine Depression hinein. Die ständige Überforderung, das Wissen, das man nur partiell was leisten kann. All das ist den Leuten und vermutlich deinem Sohn innerlich auch bewusst. Und gerade das ist, was dich aushölt und schließlich in eine Depression treibt.


    Spaß macht das keinen. Bei mir wurde es mit 40 diagnostiziert. Viel zu spät. Mein Vater hat damals wutentbrannt gesagt, ich bringe keine Leistung weil ich krank im Kopf sei und aus mir nie was werden würde. Deswegen habe ich mich auch geweigert, mich untersuchen zu lassen bzw. an die Möglichkeit zu glauben, ich wäre krank. Ich hatte das nämlich dank dieser Art mit etwas übersetzt, das meine Schuld sei. Mein Vater, das muss man objektiv sagen, hat das damals voll in den Sand gesetzt und ich wünsche mir heute manchmal, es wäre anders gekommen.


    Dir wünsche ich weiterhin viel Kraft, denn man liest in jedem Satz, wie sehr dich das belastet. Ich kann dir nur sagen: er macht es nicht, um dich zu ärgern. Sondern weil es das einzige ist, was funktioniert. Und das es bei Games hinhaut ist auch klar. Lernen, Schule: Alles zu abstrakt. Da ist kein sichtbarer Impact erkennbar für ihn. Und wenn man das nicht erkennt, kann man es nicht umsetzen. Das ist das perfide an diesem Mist. Wirkt wie Faulheit. Aber stellenweise kann mans kaum noch unterscheiden.