Da waren sie wieder, meine drei Probleme

  • F4tH3R F16URE


    "Ich habe ihm die E-Mail gezeigt und dann wurde es für ihn peinlich."


    Genau so. 🤟😉


    Es kommt sowieso fast immer raus und die Kids dürfen gerne lernen dass die Eltern nur älter sind aber deswegen noch lange nicht unfähig oder "dämlich".


    Sehr schön,


    LG

    ... unn denn bin ick in mir jejangen, war aber ooch nüschd los! :drink ...

  • Mein jüngerer Sohn hatte die Quali für das Gym auch geschafft und ist dann auch dort hin. ER hat sich echt schwer getan. Nicht, weil er nichts auf dem Kasten hätte, sondern weil er nicht der Typ fürs Gymnasium war. Schlussendlich hat sich alles so hochgeschaukelt, dass er kurz vor dem Abi tatsächlich abgebrochen hat 😳. Es ging ihm mit allem nicht mehr gut und er hatte Probleme mit Überforderung.

    Meine Erfahrung war, dass er mit dem System Gymnasium überfordert war. Das heißt vor allem sich selbst organisieren können, motiviert sein, selbständig zu lernen, auch wenn‘s anstrengend wird. Zocken am PC darf nicht übermäßig verlockend sein und vernünftige Schlafgewohnheiten.
    Gilt allerdings für Bayern, aber ich denke, dass das in den andern BL auch so ist.
    Meine beiden haben inzwischen über andere Wege super Jobs und sind zufrieden mit ihrem Leben. Und fühlen sich entspannt.


    Was ich damit erzählen will.
    Vielleicht ist Gymnasium nicht die richtige Wahl?

  • @Father, glaub mir, die Kids werden irgendwann auch wieder "normal";)... und dann: wollen sie ausziehen. Eine sehr gute Freundin meinte mal, sie "müssen" so sein, damit wir Eltern sie "gehen" lassen.

    Das mag sein, ist aber in der Gegenwart wenig tröstlich. Ich mag mittlerweile gar nicht mehr abends weg gehen, weil ich sonst Angst haben
    muss, das die Auseinandersetzungen der Kinder miteinander in eine Schlägerei ausarten. Ich bin schon mehrmals angerufen worden, als ich weg war, weil es wieder eskaliert ist. In dem dysfunktionalen Haushalt der Mutter hat man scheinbar gelernt, das man sich nur durchsetzen kann, wenn man laut, beharrlich und latent gewaltbereit ist.

  • Es ist ganz häufig Wut und Frust über das (eigene) Unvermögen, eine Situation aufzulösen. Die Teens müssen ganz neu lernen und die Erfahrung machen, dass es die anderen, "sozialverträglichen" Lösungsmöglichkeiten gibt. Immer und immer wieder. Tag um Tag. Woche um Woche. Monat um Monat. Und manchmal sogar Jahr um Jahr. Manche Eskalationen sind auch, wie schrecklich, bewusst selbstverletzend von den Kids. Einfach weil sie keinen Ausweg sehen oder weil der berg vor ihnen so furchtbar hoch ist. - Als Elternteil, dem der emotionale Abstand fehlt, um über den Dingen stehen zu können und "professionell" zu reagieren, ist das ein Leben in der Hölle. Weil man nicht rauskommt. (Wie du schreibst: Ist man mal weg, holt Luft, klingelt das Smartphone ...


    Pass also bitte auf Dich auf. Kämpfe um Phasen, in denen du Luft holen kannst. Hol dir professionelle Hilfe. (Ich habe das Glück des einen, guten Freundes gehabt, mit dem ich reden konnte. Der auch mal "überraschend und unangemeldet" vorbei kam. Der auch Beziehung zu den Teens aufgebaut hat. der einfach "das Goldstück" war. - Hat man den nicht, muss der Profi ran. Bevor man so tief drinsteckt, dass man selbst nicht mehr rauskommt.

    Darum nochmals: Pass auf dich auf! (An wem sollen die Kids sich festhalten, wenn selbst Du anfängst zu wackeln?)

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Puhhhhh... tut mir leid, dass ich das so hingeflappst habe.


    Wenn ich das so lese... du hast nicht nur eine Menge hinter dir, sondern auch aktuell ein ganz "amtliches" (im Sinne von heftig) Paket. Ich kann da nicht viel zu sagen, außer: Halt die Ohren steif und dass ich dir wünsche, dass du etwas hast, aus dem du Kraft und Energie generieren kannst.

  • Habe bei der Hotline angerufen. Den Part 1-4 darf ich ausfüllen, den Part 5 dann die Mutter.

    Oh wie geil. Heute kriege ich den gleichen Fragebogen. Den ich im Dezember abgeschickt habe. Da ich glücklicherweise einen Sendungsnachweis habe, habe ich am Montag ein Gespräch mit dem Datenschutzbeauftragten bei der Familienkasse.

  • Das mit dem Fragebogen hat sich geklärt. Das machen die einfach turnusmässig, aber nach einem Anruf haben sie für den Rest des Jahres davon
    abgesehen, mich mit Papier zugeworfen haben.

    Was meinen 15jährigen angeht, da habe ich im Moment einfach keinen Zugang mehr. Nach einem Gespräch vor ein paar Wochen haben wir noch mal einen Reset versucht, aber nach anfänglichen Erfolgen sind wir wieder auf dem Stand von vor ein paar Wochen. Keine Hilfe im Haushalt, Keine Körperhygiene, kein Wäschewaschen, kein Zimmeraufräumen mit einer Ansammlung von Geschirr, Essensresten, Leergut und Gläsern. Läuft nur im T-Shirt rum und Saunatemperaturen im Zimmer, 24 Stunden, jeden Tag. Heizöl kostet ja nichts. Morgens regelmässig verschlafen und Schule versäumen. Wenn er es auf den allerletzten Drücker doch schafft, lässt er jedesmal, nachdem er sein Fahrrad geholt hat, das Garagentor auf und ich darf dann später das Laub rausfegen. Er macht das ja nicht. Ich bin an einem Punkt, wo mir das jetzt auch mal echt egal ist. Habe alles mögliche vorgeschlagen, angeleiert. Ihm goldene Brücken ohne Ende gebaut. War mit ihm im Gym, da wollte er mal hin. Wir haben einen Termin gemacht, den hat er 2x verschoben und dann ganz abgesagt. Passt gerade nicht in sein Online-Lebenskonzept. Sein Biorhythmus ist völlig im Eimer, die Krankenakte wird auch immer länger. Also, wenn er seinen "8-Stunden Virus" hat. Nachmittags geht es ihm wieder super bis in die Nacht. Ansonsten hat er Reizdarm. Kann ich schon nachvollziehen, weil er fast nur Junk Food isst und Gemüse regelmäßig aussortiert. Interessant ist halt, das er die Magen-Darm Probleme nur morgens hat, wenn er zur Schule muss und dann bis in den späten Nachmittag schläft. Was erstaunlich gut funktioniert, ist Discord und die Gaming Plattformen.

    Heute Abend habe ich ihn beim Abendessen, wir waren zu zweit, auf sein Heizverhalten angesprochen. Er war direkt angepisst, meint, gut, das es nichts wichtigeres gäbe und meinte, ich könne alleine essen, so bringe das nichts.

    Ich bin jetzt an dem Punkt, wo ich ihm völlig recht gebe. Jetzt räume ich sein Zimmer auf, entsorge seinen Müll, wasche seine Sachen, weil er es einfach nicht macht. Das mache ich, um die Bausubstanz der Wohnung zu schonen und mein Nervenkostüm. Aus welchen Gründen er Dinge nicht erledigt, interessiert mich nicht mehr. Ich lege seit einiger Zeit Geld für seinen Führerschein zurück. Das werde ich jetzt wohl verwenden, um das Zimmer nach seinem Auszug renovieren zu lassen. Der Geruch sitzt mittlerweile schon im Putz. Nächste Woche wird ein elektrischer Heizregler mit Kindersicherung installiert. Die nächsten Maßnahmen sind komplette Internetsperre für den Gaming Rechner, danach Abbau und Veräußerung des Gaming PC's.

  • Hm, der Machtkampf steht bevor.

    Mir kommt das alles so bekannt vor.

    Das war ein "Erlebnis" , das mir mein Sohn bis heute nicht verziehen hat, dass ich mal seinen PC eine Woche lang in einen Koffer gepackt habe - damals gab es kein family link.

    Selbst Family link hätte er geknackt, bin ich mir sicher.


    Ich weiß gar nicht mehr wie das weiter ging.


    Als mein Sohn aufgehört hat zu essen und ich zu sehen musste wie er immer dünner wurde - das war ein bleibendes "Erlebnis" für mich. Und ich ihm nicht helfen konnte, weil er mich nicht ließ.

    !,85 m und ca. 47 kg.

    Er ging nicht mehr in die Schule bzw. er war sehr oft krank. Hatte dann auch Therapie.

    Kurz vor Corona hat er sich dann geöffnet - er wurde massivst rassistisch in der Schule gemobbt.

    Es gab rassistische Bilder im Klassenchat.


    Kein Wunder, das er da nicht mehr hin wollte.

    Ich konnte dann endlich den Schulleiter anrufen, es wurde dann ein goßes Meeting einberufen mit Klassenleitung, Schulpsychologin, Schulsozialarbeiterin etc...

    Was wurde alles gesagt, von wegen, die Schule will diejenigen anzeigen.....

    2 Tage später waren die Schulen wegen Corona geschlossen.


    Für meinen Sohn war diese Schulsperrzeit eine Erholung. Er war dann auch in einer Klinik und danach ging es eigentlich aufwärts. Die Mitschüler waren dann in verschiedenen anderen Klassen.


    Was ich sagen möchte, es kann sein das er in der tiefesten Pubertät steckt und deshalb nicht zur Schule geht, er könnte aber dort auch gemobbt werde und DAS ist der Grund, warum ihm immer schlecht wird kurz bevor er los müsste.


    Für mich als seine Mutter war das alles traumatisch - ich sehe meinen Sohn, der immer dünner wird und weiß nicht was los ist und dann weiß ich es, aber er lässt mich nicht ihm helfen, weil er es mir verboten hat. Er wollte das selber regeln, konnte er aber nicht.


    Was ich sagen will, du sollst natürlich nicht alles hinnehmen, aber die Geschütze, die du auffährst, wirst du vielleicht nicht durchhalten. Und selbst, wenn es ums Durchhalten geht, ist das eigentlich schon wieder ein Machtkampf und seien wir mal ehrlich - rein gefühlstechnisch wirst du ihn verlieren.

    Und dein Sohn wird immer weiter in die sich wehren Ecke gedrängt.


    Mir wurde mal gesagt, ich solle gelassener reagieren.

    Vielleicht liegts an der Klasse, an der Schule - vielleicht steckt er aber auch in der tiefsten Revoluzzer - Pubertät - das gilt es herauszufinden - anstatt in den Kampf zu ziehen.


    PS. Die Schule hat nach Corona nichts mehr gegen diese Mitschüler getan, eigentlich hat sie gar nichts getan. Wenn meine zwei anderen ihr Abi haben, dann werde ich mal was sagen. Oder ich lasse es, ich weiß noch nicht.

    Eigentlich empfinde ich das als Armutszeugnis für eine Schule ohne Rassismus .


    Nachtrag: Ganz schrecklich finde ich, dass du dich eigentlich an seinem Eigentum vergreifst, dass du seinen PC abbauen und verkaufen willst. Mach das nicht - es sollte eine andere Lösung geben !


    Damit treibst du deinen Sohn sehr weit von dir weg. DAS wird dann nichts mehr.

    Deine Reaktion ist Trotz und du willst ihm eins reinwürgen, oder ?

    Die Zeit ist schwer, aber auch die wird irgendwann vorbei gehen - Gelassenheit.

    Aber, dass du ihm sein Liebstes nimmst, seinen PC - mach das nicht.

    Bevor du mit dem Kopf durch die Wand gehst, überlege zuerst.........

    Was mache ich im Nebenzimmer ? (unbekannt)

    ------------------------------------------------------------------------

    G e l a s s e n h e i t .....................#atmen....

    2 Mal editiert, zuletzt von Otterson ()

  • Jugendliche können ihre PC-Zeit nicht kontrollieren, das ist wissenschaftlich bereits nachgewiesen. Daher auch die aktuellen Diskussionen um Smartphones in den Schulen.

    Und genau da ist der Erwachsene gefragt einzugreifen. Man kann nicht immer die sozialpädagogische Heititei-Schiene fahren, das hilft Kindern und Jugendlichen nichts, sondern überfordert sie.


    Kinder müssen auch lernen, dass ihr Verhalten bei anderen Menschen Reaktionen hervorruft und Konsequenzen hat. Dass andere Menschen auch Gefühle haben. Dass sie nicht neben jemandem sitzen wollen, der stinkt. Wo, wenn nicht bei den Eltern, sollen sie das lernen?

    „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe." (1. Korinther 16,14) - Jahreslosung 2024


    „Mach‘s wie Gott - werde Mensch.“ (Franz Kamphaus)

  • Discord und gaming ist eine ganz schwierige Geschichte, weil sie schlimmstenfalls das komplette Leben in die digitale Welt verschiebt. Die Kids haben, wenn sie zu tief hineingeraten, dort ihre Freunde und nicht mehr in der realen Welt. Der Weg da raus ist nicht einfach.


    @father: Ich kann gut nachvollziehen, dass du ein Stück weit "kapitulierst" (das ist nicht bös' gemeint!!!) und sein Zimmer in Ordnung hältst. Die einzelnen Schritte, die du gehst, finde ich okay und würde es vermutlich ähnlich machen, nicht alles auf einmal, aber so verstehe ich dein Post auch nicht. Die Frage ist, was passiert, wenn du den Rechner komplett abbaust? Gibt es vorher doch noch eine Möglichkeit, den Gaming-Konsum zu regulieren und einzugrenzen? Ich könnte mir vorstellen, dass Reden aktuell nicht klappt. Er geht ja von sich aus aus dem Gespräch raus (und isst dann "alleine" vermutlich vorm Rechner - wobei alleine relativ ist).


    Ihn da raus zu ziehen wäre evtl. eine Möglichkeit. Mit 15 kann man ein Kind aber auch nicht mehr so einfach stationär "einweisen", wenn es nicht will. Und warum sollte er wollen? Er hat doch (aus seiner Sicht) "alles": ein warmes Zimmer, essen, seinen Rechner und seine Ruhe.


    Apropos: Was macht die (ADHS) Diagnostik?


    Otterson: ich glaube dir sofort, dass das für dich sehr traumatisch war. Aber ich denke auch, dass die Situation hier anders gelagert ist, Stichwort "dysfunktionaler Haushalt bei der leiblichen Mutter". Er hat da ja einiges hinter sich, leider. Die Frage ist, wie kommt man da dran?

  • F4tH3R F16URE: Es ist heftig, was Du alles leistet und Du hast meinen größten Respekt dafür.


    Meine Meinung zu Deinen Maßnahmen ist, dass es vollkommen ok ist, die Heizung zu drosseln. Auch das Zimmer kannst Du in Schuss bringen, wenn Du das nicht aushält.


    Für den Führerschein sollte er schon etwas tun, bin ich bei Dir.


    Den PC final abbauen und veräußern finde ich nicht gut. Vielleicht kannst Du den zeitweise entfernen (abgeschlossener Raum, bei Freunden lagern, ...).


    Er hat seine inneren Kämpfe. Keine liebende Mutter. Er braucht eine verlässliche Person, einen Vater. Du kannst ihn deutlich in die Schranken weisen. Nimm ihm bitte nichts endgültig weg.

  • Father, da ich jetzt zur Arbeit muss, kann ich nicht so viel schreiben. Gerade nur so viel, dass ich eher bei Bomi und Otterson bin. Ich verstehe Deine gefühlte Verzweiflung und Machtlosigkeit. Überleg Dir trotzdem gut, was Du eventuell für Eure Beziehung kaputt machst. Da hat die Mutter schon ganze Arbeit geleistet.

    LG
    CoCo




    Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.
    ~ Elisabeth Beatrice Hall 1906 im Buch "The friends of Voltaire" ~

  • F4tH3R F16URE


    Ich habe hier gerade mit meinem Pubi im Ansatz ähnliche Probleme, wenn auch (noch) lange nicht in dem von dir geschilderten Ausmaß.


    Bezüglich einer Lösung bin ich absolut bei Kaj.

    Es ist die Verantwortung der Eltern, Kinder vor schädlichen Einflüssen zu bewahren.

    Wohin ein außer Kontrolle geratener Medien Konsum führt, siehst du an deinem Sohn....und ich bei Karl.


    Es wird immer schlimmer, je länger du untätig zuschaust.


    Nach vielen fruchtlosen Gesprächen habe ich hier den Stecker gezogen.

    3 Monate kein WLAN und der Herr lief wieder in der Spur.

  • Du bist als Elternteil "mit Leib und Seele", also höchstemotional in die Sache involviert. Und hast keine bzw. wenig Chancen, an die problematische Situation mit Abstand und der entsprechenden "Professionalität" heranzugehen, wie es eigentlich nötig wäre. Weil du in Doppel- und Dreifachfunktion unterwegs sein musst (Vater und Mutter auf der Beziehungsebene und anleitender "Therapeut" auf der psychischen Ebene.).

    Ich glaube, an den Gründen für mein Posting von vor gut einem Monat hat sich noch nichts geändert: Dein Sohn kann derzeit nicht an sich arbeiten. Und Du hast keine Chance auf den notwendigen Abstand.


    Es ist ganz häufig Wut und Frust über das (eigene) Unvermögen, eine Situation aufzulösen. Die Teens müssen ganz neu lernen und die Erfahrung machen, dass es die anderen, "sozialverträglichen" Lösungsmöglichkeiten gibt. Immer und immer wieder. Tag um Tag. Woche um Woche. Monat um Monat. Und manchmal sogar Jahr um Jahr. Manche Eskalationen sind auch, wie schrecklich, bewusst selbstverletzend von den Kids. Einfach weil sie keinen Ausweg sehen oder weil der berg vor ihnen so furchtbar hoch ist. - Als Elternteil, dem der emotionale Abstand fehlt, um über den Dingen stehen zu können und "professionell" zu reagieren, ist das ein Leben in der Hölle. Weil man nicht rauskommt. (Wie du schreibst: Ist man mal weg, holt Luft, klingelt das Smartphone ...


    Pass also bitte auf Dich auf. Kämpfe um Phasen, in denen du Luft holen kannst. Hol dir professionelle Hilfe. (Ich habe das Glück des einen, guten Freundes gehabt, mit dem ich reden konnte. Der auch mal "überraschend und unangemeldet" vorbei kam. Der auch Beziehung zu den Teens aufgebaut hat. der einfach "das Goldstück" war. - Hat man den nicht, muss der Profi ran. Bevor man so tief drinsteckt, dass man selbst nicht mehr rauskommt.

    Darum nochmals: Pass auf dich auf! (An wem sollen die Kids sich festhalten, wenn selbst Du anfängst zu wackeln?)

    In der Situation ist es eigentlich fast egal, was du als "erzieherische Maßnahme" machst. Sie wird nicht wirken. Sie kann nicht wirken. Weil Grundsätzliches infragegestellt ist. (Es geht nicht um das Heizen, sondern darum, warum er diese Wärme braucht. Es geht nicht ums Computerspiel, sondern warum er in diese Welt meint abtauchen zu müssen. Es geht nicht um das verdreckte Zimmer und fehlende Körperpflege, sondern warum er sich nicht um sich selbst kümmern will und kann. ) Wenn Du das "überleben" willst, wenn Dein Sohn das "überleben" soll, musst Du, müsst Ihr Hilfe von außen holen, Dritte mit einbeziehen.


    (Zu Deinem eigenen Schutz und auch zum Schutz der Restfamilie würde ich mich zumindest von den älteren deiner anderen Kids "erden" lassen und mit denen sprechen. Nicht, um ihnen Verantwortung aufzuerlegen, sondern um ihre Meinung zu hören, deren Ideen, was man jetzt wie tun könnte. )


    Einen Jugendtherapeuten aufzutun, wäre toll. Vielleicht geht das über die Vermittlung des Jugendamtes, mit denen du dich beraten solltest. Auch, wenn das nicht alles Gold ist, was dort gemacht wird. Aber als Einzelkämpfer kommst Du da nicht raus. Und bist im direkten Gespräch und der Konfrontation wahrscheinlich der Letzte, der von Deinem Sohn akzeptiert wird und den er als Gegenüber sieht.


    Ich wünsch Dir viel Kraft und die jetzt notwendige Besonnenheit und die benötigte Menge Glück, die richtige Hilfe von außen zu finden.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

    Einmal editiert, zuletzt von Volleybap ()

  • Volleybap


    Wir sind seit Januar in einer therapeutischen Praxis und selbst das ist ein Kraftakt, weil er sich keine Termine merken kann oder die für ihn nicht wichtig sind. Er muss das wollen. Du kannst niemanden therapieren (lassen) der das nicht selbst für sich möchte.


    Selbstschutz (für mich und die anderen Kunder) findet die Therapeutin auch sehr wichtig.


    Parallel bemühe ich mich um einen Termin bei einem Psychiater bzgl. Abklärung ADHS Diagnostik und Medikation.


    Jugendamt hat mir Folgendes mitgeteilt, ich gebe das in Kurzform wieder. Laufen lassen, ggf. vor die Wand und immer wieder auffangen. Erziehungszeitfenster ist zu.

    Wie auch immer, gegenwärtig bringt das keine Entlastung. Daher beschränke ich mich jetzt auf das rein Funktionale. Zivilisierte Koexistenz. Also Versorgung sicherstellen (Essen, Dach über dem Kopf, Schule im Blick). Eigene Energie schützen. Keine endlosen Diskussionen mehr.

    Konflikte möglichst vermeiden, statt sie lösen zu wollen. Eigentum der Geschwister schützen, soweit es geht.

  • Dann bist Du jetzt auf dem langen, langen und schweren Weg unterwegs. Und hast gemacht und vorbereitet, was eigentlich zutun ist. Und wirst vielleicht erst in vielen Jahren sehen können, dass du bestmöglich versucht hast zu handeln und zu tun und es wenigstens ein bisschen "zum Guten" geholfen hat (das ist die tiefe Hoffnung, die man ja hat ...) .


    Bis dahin ist es wohl ein guter Weg, die Konfrontation, die Eskalation zu vermeiden. Wenn du ihn nicht mehr erziehen kannst und musst, muss der PC nicht verkauft werden. Diese Belastung für Dich braucht es nicht. Und wenn der Heizungsumbau ein im wahrsten Sinne des Wortes "Ventil" ist für Dich, dann okay. Aber es ist auch kein "Muss". Mache das, was für Deine Seele das Beste ist. Dein "Überleben" wird mittelfristig das absolut Beste für Deinen Jüngsten sein.


    (Es wird schrecklich sein, was gerade in seinem Kopf los ist. Seine Ausweglosigkeit. Sein - ja fälschlicherweise - nicht geliebt Fühlen. Die Unfähigkeit zu spüren, das Leben nicht auf die Reihe zu bekommen. Das ist krank. Das ist eine Krankheit. Und nur so ist das zu sehen. Er kann nichts dafür. Du kannst nichts dafür. Aber beide müsst ihr überleben. )


    Es ist vielleicht nur eine winzig kleine Hilfe. Aber wenn das "Aussprechen/Schreiben" hier im Forum hilft, mach das weiter. Und du musst nicht auf alle Antworten reagieren, weitere Infos geben. Mach das, was Dir guttut. Druck und Zwang hast Du genug im Moment. - Pass weiter auf Dich auf!

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Puuhhhhh, ich kann dich verstehen und ich glaube es ist so, wie es ist und weil die Vergangenheit so kompliziert war.

    Vielleicht ist es nochmal ein Ansatz das Jugendamt um Hilfe zu bitten - eine SPFH/EB könnte als externe Person ein Ansprechpartner für deinen Sohn sein und mit ihm langsam wieder Ansätze für ein sozial verträgliches Miteinander mit deinem Sohn erarbeiten.

    Nach dem Move den ihr in den letzten Monaten gemacht habt, müsste das eigentlich drin sein.

  • Jepp, mich hat das heute tagsüber auch nicht losgelassen und ich hab hin und her überlegt (zumindest in meinen kleinen 5 Minuten Pausen ;)).


    Das Jugendamt sagt "laufen lassen" - ich weiß, dass die Jugendämter vielerorts überlastet sind, trotzdem finde ich so eine Aussage nicht wirklich hilfreich und es ärgert mich sehr, dass engagierte Eltern, die versuchen, möglich zu machen, was möglich ist, sich dann sowas anhören müssen. Weil Stellen fehlen, nicht besetzt werden können oder die Finanzmittel erst gar nicht vorhanden sind. Es sind ja "nur" Kinder und Jugendliche.


    Diese Auffassung kommt übrigens aus meinem Privatbereich ;), LG hat zwar nicht 1:1 dasselbe oder ähnliches erlebt, aber die Probleme mit seiner Mittleren waren definitiv auch nicht "ohne". Ihn hat das sehr mitgenommen, ich kann nicht sagen, wie viele Stunden, Tage, Wochen er alleine bzw. wir gemeinsam überlegt haben, welche Möglichkeiten es gibt.


    Insofern stimme ich Volleybap zu: pass auch dich auf @father! Vielleicht entlastet es, wenn du dir vor Augen hältst, was du alles in den vergangenen Monaten geschafft hast. Da ist von dem her, was du schreibst, sehr viel so Gutes! Und: eigene Energie schützen und zivilisierte Ko-Existenz erscheint mir vom Lesen her nicht nur sinnvoll, sondern notwendig. Das ist positiv, wertschätzend gemeint. Ein Kind alleine kann einen "schaffen", du hast fünf und gibst nicht auf, überlegst, tust, machst. Der Begriff "kapitulieren" war doof, ich hoffe, das ist nicht abwertend rübergekommen.


    Trotzdem überlege ich aus der Ferne, was evtl. möglich ist... ich lese zum Beispiel, dass er sich - von außen betrachtet - wenig respektvoll aus der Kommunikation beim Abendessen verabschiedet (so kommt es bei mir an). Heizkosten sind durchaus ein Thema, ganz nebenbei. Er wird sauer, erklärt, es sei gut, dass es nichts Wichtigeres gibt und geht. Das ist nicht gut.


    Ich überlege, ob "vertrauensbildende Maßnahmen" Sinn machen. Friedliche Koexistenz, zuhören, da sein, wenn er einigermaßen "offen" ist, so wenig Stress und Auseinandersetzungen wie möglich. Ganz ohne wird es nicht gehen, wenn man zusammenlebt. Es ist auch den anderen Kindern und dir gegenüber nicht fair, wenn er durchweg macht, was er will. Hat dein Sohn auch "Momente" in denen er noch von sich aus mit dir redet oder sind die ganz weg? Ich schätze (vom Lesen her), dass dein Sohn durchaus "weiß", dass du verlässlich und "da" bist, wenn er dich braucht (so kommt es bei mir an), nur dass dieses "Wissen" momentan warum auch immer nicht wirklich "präsent" ist.


    Geht er regelmäßig zur Schule? Ich weiß nicht, wie es in Niedersachsen läuft, in NRW gibt es Verfahrensabläufe bei Absentismus. Da ist dann das Jugendamt wieder mit im Boot - sofern die Schul- oder Abteilungsleitungen in den weiterführenden Schulen in Kooperation mit der Schulsozialarbeit da ein Auge drauf haben. Sie müssen und hier ist das auch so.


    Therapie - wichtig! Ich vermute, sein "Rucksack" ist gut gefüllt und schwer. Aber eine Therapie ist nur dann hilfreich und wirkungsvoll, wenn er will und mitzieht. ADHS/ADS könnte auch ein Schlüssel sein. Du hast geschrieben, ihr habt "Fälle" in der Familie. Nein, ADHS/ADS hat nichts mit "schlechter Erziehung" oder zu wenig Bewegung zu tun und es ist auch keine "konstruierte Erkrankung" :rolleyes:. Die Forschung ist mittlerweile soweit, dass es sich um eine "Normvariante" des Frontalhirns handelt, das grob vereinfacht die Informationsverarbeitung der Reize steuert. Noradrenalin, Serotonin, Dopaminstoffwechsel sind Stichworte in Kombi mit Impulskontrolle, Aufmerksamkeit und Aktivität (Quelle: https://adhs-muenchen.net/adhs…senen/stand-der-forschung ). Es sollte und darf meiner Meinung nach kein "Stigma" (mehr) sein, allerdings muss auch hier sauber diagnostiziert werden. Viel zu oft waren viele "ADHS'ler", die gar keine sind. Und auch da "muss" er mitziehen oder zumindest die Einsicht haben, dass es bei ihm gerade nicht so ganz rund läuft. Es kann sein, muss aber nicht, es kann auch was ganz anderes sein.


    Lieber Father, ich hoffe sehr, dass ich mit dem, was ich geschrieben habe, nicht übergriffig bin. Falls ja, entschuldige bitte, es ist nicht meine Absicht. Ich hoffe, es ist für dich okay und würde mich freuen, wenn du uns weiter auf dem Laufenden hältst. Bis dahin: Halt die Ohren steif, pass gut auf dich auf!


    Liebe Grüße!


    PS. Sorry für den langen Text!