Lehrermangel wird jetzt beendet ...

  • Denkst du, dass sie angesichts der Tatsachen schnell genug handeln werden?


    Ich kann nur für den Pflegebereich sprechen. Da sind die Tatsachen auch schon lange klar (Baby Boomer gehen in Rente und die Anzahl der Pflegebedürftigen steigt bei schlechter Finanzierung rasant), trotzdem ändert sich nichts. Im Gegenteil die versprochene Erhöhung der Pflegegelder und Sachleistungen wurde bei weiterem Preisanstieg durch erzwungene tarifgerechte Bezahlung für dieses Jahr schon mal gleich gestrichen ! Das kann nur nach hinten losgehen und trotzdem wird’s gemacht.
    Da kann man nur noch hoffen , dass die Bildung der Kinder wichtiger ist , als die Loby der Pflegebedürftigen und deren Angehörige 😏 (Ironie)

  • Ich habe es ja schon an anderer Stelle mehrfach geschrieben: Weder der Lehrermangel noch der ja überall vorhandene Fachkräftemangel kann mittelfristig durch Personalakquise behoben werden. Lösungen gibt es nur, wenn Ideen entwickelt werden, die Arbeit weniger personalintensiv zu machen.

    In der freien Wirtschaft ist das längst ein Muss. Im OeD, auch im Gesundheitswesen war das lange Jahre nicht nötig, weil man sich nicht selbst finanzieren muss.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Wenn ich schon Kinder in die Welt setze, will ich auch Zeit mit den Kindern haben!?

    Was ist wenn genau diese Frage schon typisch deutsch ist und sich woanders möglicherweise nicht gestellt wird? Und ist man in den Moment, wo diese Frage überhaupt gestellt wird (unabhängig davon ob man sie sich selbst stellt oder diese Haltung durch andere transportiert wird) nicht schon "Opfer" der eigenen Sozialisation?

    Bei Lehrkräften ist die Teilzeit durch die finanzielle Situation augenscheinlich einfacher möglich als bei der Durchschnittsbevölkerung. Hinzu kommt, dass es weniger zu Karriereeinschnitten kommt im ÖD als in der Wirtschaft.

    Konsequent zu Ende gedacht, hieße das, man müsse die Gehälter von Lehrkräften und Erzieher*innen so reduzieren, dass sie es nicht mehr leisten können Teilzeit zu arbeiten? Oder wie meinst du das?

    Ich kenne tatsächlich auch niemanden im ÖD, die oder der in Teilzeit Karriere gemacht hätte (okay Ausnahme ist der Mittelbau, der zwar auf dem Papier Teilzeit aber Faktisch 50+ Stunden arbeitet)

    Ansonsten scheint es erstaunlich wenige Studien dazu zu geben, die umfänglich die Situation und die Bedarfe analysieren. Dafür gibt es aber ganz unterschiedliche Meinungen von Fachleuten.

    Welche Fachleute meinst du? Ich sehe da tatsächlich eher einen ziemlich eindeutigen wissenschaftlichen Konsens.

    LG Campusmami



    Sonne muss von Innen scheinen :sonne


    Das Leben findet draußen statt :rainbow: .

  • Was ist wenn genau diese Frage schon typisch deutsch ist und sich woanders möglicherweise nicht gestellt wird? Und ist man in den Moment, wo diese Frage überhaupt gestellt wird (unabhängig davon ob man sie sich selbst stellt oder diese Haltung durch andere transportiert wird) nicht schon "Opfer" der eigenen Sozialisation?


    Das ist doch unerheblich, ob das "typisch deutsch" ist. Ich finde es "typisch" Mensch, wenn man nicht Kinder bekommen möchte, um sie möglichst bald, möglichst lange fremdbetreuen zu lassen.

    LG
    CoCo




    Halte mich fern von der Weisheit, die nicht weint; von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.
    ~ Kalil Gibran ~

  • Gerade im Radio gehört: eine Grundschule in Wiefelstede muss auf 4tage Woche umstellen. Wir haben selbst lange auf dem Land gelebt. Da gibt es Klassen mit 12-15 Kindern. Toll für die Kinder aber vermutlich schon lange nicht mehr wirtschaftlich. Man müsste die ganzen kleinen Standorte schließen und dann aber die Busverbindungen verbessern.

  • Ich finde es "typisch" Mensch, wenn man nicht Kinder bekommen möchte, um sie möglichst bald, möglichst lange fremdbetreuen zu lassen.

    Wissenschaftlich ist das widerlegbar. Wenn es typisch Mensch wäre, würden alle Kulturkreise und alle Geschlechter gleichermaßen bestrebt sein ihre Kinder selbst zu betreuen. Das tun sie offenbar nicht.

    LG Campusmami



    Sonne muss von Innen scheinen :sonne


    Das Leben findet draußen statt :rainbow: .

  • Wenn es typisch Mensch wäre, würden alle Kulturkreise und alle Geschlechter gleichermaßen bestrebt sein ihre Kinder selbst zu betreuen. Das tun sie offenbar nicht.

    Vielleicht würden sie, wenn es eine echte Option wäre, ohne kein Brot mehr kaufen zu können.

    LG
    CoCo




    Halte mich fern von der Weisheit, die nicht weint; von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.
    ~ Kalil Gibran ~

  • Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Ich hatte die Bildungsforschung und die Soziologie im Allgemeinen im Blick und da wird tatsächlich nicht kontrovers diskutiert. Deswegen fragte ich dich, von welchen Expert*innen du sprichst.

    Was vielleicht kontrovers diskutiert wird, ist die Strategie... Sprich: wo will man hin und was darf es kosten.

    Aber das ist keine Aufgabe der Wissenschaft, sondern der Politik.

    LG Campusmami



    Sonne muss von Innen scheinen :sonne


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  • Gerade im Radio gehört: eine Grundschule in Wiefelstede muss auf 4tage Woche umstellen. Wir haben selbst lange auf dem Land gelebt. Da gibt es Klassen mit 12-15 Kindern. Toll für die Kinder aber vermutlich schon lange nicht mehr wirtschaftlich. Man müsste die ganzen kleinen Standorte schließen und dann aber die Busverbindungen verbessern.

    Ich denke, daß wir Wirtschaftlichkeit in vielen Bereichen auch einfach mal neu rechnen müssen als Gesellschaft.


    vg von overtherainbow

  • Gerade im Radio gehört: eine Grundschule in Wiefelstede muss auf 4tage Woche umstellen. Wir haben selbst lange auf dem Land gelebt. Da gibt es Klassen mit 12-15 Kindern. Toll für die Kinder aber vermutlich schon lange nicht mehr wirtschaftlich. Man müsste die ganzen kleinen Standorte schließen und dann aber die Busverbindungen verbessern.

    Das sehe ich hier auch. Da wird eine Schule mit knapp 50 Kindern "am Leben erhalten". Mit Klassen von z.T. 7 Kindern. Insgesamt arbeiten 12 Lehrer, eine Förderschullehrerin, vier pädagogische Kräfte und drei Mitarbeiter für die Nachmittagsbetreuung. Würde man die Kinder auf zwei umliegende Schulen aufteilen, hätten diese Schulen bei 25 zusätzlichen Kindern viele Kollegen gewonnen.

  • Ich hatte die Bildungsforschung und die Soziologie im Allgemeinen im Blick und da wird tatsächlich nicht kontrovers diskutiert. Deswegen fragte ich dich, von welchen Expert*innen du sprichst.

    Was vielleicht kontrovers diskutiert wird, ist die Strategie... Sprich: wo will man hin und was darf es kosten.

    Aber das ist keine Aufgabe der Wissenschaft, sondern der Politik.

    Jetzt wird es kleinteilig und es ist nicht mein ganz großes Fachgebiet. Aber ich verweise mal auf die grundlegende Nichd-Studie aus den USA und deren Diskussion und die regelmäßig fortgeschriebene Nubbek-Studie der FU Berlin ("Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit" für die nichtspezialisierten Mitlesenden).

    In Letzterer wird recht eindeutig zuerst 2012 gesagt, dass der Bildungs- und Entwicklungsstand der (2-4jährigen) Kinder deutlich stärker mit den Lebensbedingungen in ihren Familien in Zusammenhang steht als mit der pädagogischen Qualität in den außerfamiliären Betreuungseinrichtungen.

    Familie ist also der "Bildungsmotor" in der Früherziehung. Läuft der Motor, ist es gut. Läuft er nicht, hilft KiTa anscheinend wenig.

    Aus der Nichd-Studie lese ich Ähnliches heraus.


    Im Zusammenhang mit diesen immerhin für KiTa-Kinder vorhandenen (mir bekannten) Studien erlebe ich eine Reihe unterschiedlicher Interpretationen, die empfehlen, Kids in die Bildungseinrichtungen zu geben (Uni Gießen, Uni Köln) oder bei Bedarf mehr in der Familie zu halten (Uni Köln - kontrovers im eigenen Haus, aber unterschiedliche Fachbereiche, Uni Wien - um drei kontroverse wissenschaftliche Beispiele zu nennen). Was mir fehlt, sind eindeutige Studien im Schulbereich. Klar, weil in Deutschland zu 99,9% Schulpflicht besteht.


    Doch Bildung nicht zwingend zu verstaatlichen halte ich zumindest für einen diskutablen Weg. Entsprechend wird ja Homeschooling in (13) EU-Ländern, in GB, den USA, Kanada, Australien (um große Länder mit möglich gemacht, in zwei EU-Ländern gar nicht und in den restlichen Ländern wie Deutschland nur unter besonderen Bedingungen. Und siehe da: Homeschooling-Kinder schließen nicht schlechter ab als die beschulten Kids.

    (Ich hätte meine Kids, um es deutlich zu sagen, nie beschulen wollen. Aber die freie Entscheidung der Eltern halte ich für in Ordnung.)


    Aber um wieder die Kurve zum eigentlichen Thema zu bekommen: Homeschooling dürfte nicht das Problem des Lehrermangels lösen. Aber Kinder nicht (alle) Bildungseinrichtung durchlaufen zu lassen, hält sie wohl nur "bildungsfern", wenn die Familie "bildungsfern" ist. Ob die Bildungseinrichtungen es schaffen, die Kids bildungsnah zu machen - das gelingt anscheinend nicht im gewünschten und erhofften Maße.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Bildungseinrichtungen arbeiten familienergänzend, nicht ersetzend. Wenn daheim nicht bestimmte Dinge geübt, weiter entwickelt, gefördert und gefordert wird, dann fängst du als Pädagoge immer wieder von vorn an.

    Wenn nicht alle Beteiligten an einem Strang ziehen, hat das Kind verloren.

    Ich finde man kann nicht nur von den Bildungseinrichtungen, den Lehrer*innen fordern, Erwartungen stellen, auch Eltern und co. können helfen Dinge zu erleichtern, um Platz und Zeit fürs Lernen, spielen, Gemeinschaft erleben zu schaffen.

    Selbsttätigkeit, lebenspraktische Dinge bewältigen, Selbsständigkeit und co. sind Dinge die in den Bildungseinrichtungen unheimlich viel Zeit rauben, wenn die zu Hause nicht erlernt werden.

    Klar, kann man - wenn es gerade in den Kram passt- auf andere Länder schielen.

    Aber: z.B. in Frankreich sind Kitas Vorschulen, wo Kinder sich absolut einfügen müssen ab drei Jahre.

    Kann man gut finden oder auch nicht. Ich finde es halt immer schwierig, sich die 🍒 rauszupicken und die machen das ja viel besser und toll für die Berufstätigigen und so on ohne das Ganze zu betrachten.

    Was hier wohl los wäre, wenn Kitas und Schulen auch mittwochs schließen würden:P

  • Bildungseinrichtungen arbeiten familienergänzend, nicht ersetzend. Wenn daheim nicht bestimmte Dinge geübt, weiter entwickelt, gefördert und gefordert wird, dann fängst du als Pädagoge immer wieder von vorn an.

    Das wird wohl die Mehrzahl der Pädagogen unterschreiben, ist ja aber seit vielen Jahren in der politischen Auseinandersetzung. Die stärker verpflichtende Inanspruchnahme der Bildungseinrichtungen (KiTa ab 1, in manchen Bundesländern verpflichtend ab 5, Ganztagsschulen manchmal als einzig erreichbare (Regel)Schule) hat natürlich zur Folge, dass Familie weniger prägend und oft genug nicht mehr "federführend" ist bei der Förderung der Kinder. (Das genau war ja die ideologische Auseinandersetzung bei der "Herdprämie" und Co., auch wenn dann an den Beispielen "bildungsfern", und "Chance auf Bildung für alle" diskutiert wurde.)


    Ich fände es halt gut, wenn (die Politik) nicht immer einen Absolutheitsanspruch setzen würde, sondern wenn es gleichberechtigt und anerkannt alternative, unterschiedliche Formen der Bildungsvermittlung geben würde. Die Menschen sollen wählen dürfen.

    Liebe Grüße



    Bap



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  • Meinst du, dass man bspw. in Frankreich oder Skandinavien hungert, wenn man seine Kinder selbst betreut?

    Das weiß ich nicht. Aber hier hat das ja schon Folgen, wie ich selbst weiß, da ich längere Zeit bei den Kindern war. Ich möchte diese Zeit auch nicht missen, obwohl sich das finanziell jetzt rächt. Sollte es diese Folgen in den von Dir genannten Ländern nicht geben, sind sie ja vielleicht typisch deutsch.

    LG
    CoCo




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    ~ Kalil Gibran ~

  • Volleybap wollen wir das per PN diskutieren, oder will jemand anderes lesen, was diese Studien zeigen können und was eben nicht?


    Diese Diskussion ist sowieso auf so vielen Ebenen, das es für mich schwer ist das zu ordnen.

    Wahlfreiheit beispielweise betrifft einen individuelle, eine strukturelle und wie du ganz richtig geschrieben hast auch eine moralische.

    Zu Moral mag ich gar nicht diskutieren, weil ich da keine Entscheidung treffen mag.

    Die individuellen Ebene finde ich bei einem strukturellen Problem nicht zielführend. Wohlwissend, dass das für einzelne Doof ist.

    Deshalb würde ich vorschlagen strukturell zu diskutieren.

    Wenn ich dich richtig verstanden habe, lösen wir den Mangel an Lehrkräften und Erzieher*innen, in dem wir Eltern für Betreuung und Beschulung bezahlen und ihnen auf diesem Weg mehr Einfluss und Entscheidungsfreiheit lassen und damit gleichzeitig den Bedarf an Erzieher*innen und Lehrkräften reduzieren. Das wäre visionär...


    CoCo ich glaube das ist ein Missverständnis. In diesen Ländern ist es eher untypisch, dass Eltern länger mit ihren Kindern zu Hause bleiben. Da ist es quasi normal, dass der Staat mehr Bildung übernimmt.

    LG Campusmami



    Sonne muss von Innen scheinen :sonne


    Das Leben findet draußen statt :rainbow: .

  • Der kleinste Teiler sind bei uns 7 Stunden/Woche.

    Jeder Arbeitnehmer muss aber in der Personalabteilung verwaltet werden.

    Hat Urlaubswünsche die mit dem Team abgesprochen werden müssen.

    Muss bei Dienstbesprechungen, Veranstaltungen und Schulungen berücksichtigt werden - wenn überhaupt zeitlich machbar.

    Wenn ich es mir aussuchen könnte, hätte ich nur Personal mit mindestens 25/30 Wochenstunden.

  • ich glaube das ist ein Missverständnis. In diesen Ländern ist es eher untypisch, dass Eltern länger mit ihren Kindern zu Hause bleiben. Da ist es quasi normal, dass der Staat mehr Bildung übernimmt.


    Ich hatte es so verstanden, dass Du meinst, die Eltern dort würden auch nicht länger bei ihren Kindern zu Hause bleiben, wenn sie die Möglichkeit hätten, ohne finanzielle Einbußen. Das kann ich nicht beurteilen. Ich weiß hier von vielen Menschen, die das lieber tun würden oder getan hätten, wäre das nicht ein finanzielles Problem...

    LG
    CoCo




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  • Wenn ich es mir aussuchen könnte, hätte ich nur Personal mit mindestens 25/30 Wochenstunden.

    Zum Glück ist mein Chef da anders, sonst würde ich blöd aus der Wäsche gucken. Und andere Kollegen auch. Soviel darf man neben der EU-Rente gar nicht arbeiten. Mal davon abgesehen, dass ich es schlicht nicht mehr schaffe.

    LG
    CoCo




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    ~ Kalil Gibran ~