Wie genau nehmt ihr es mit der FSK?

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  • Netflix lässt da nicht nur Autoren ran, sondern bei fremdsprachigen Serien sogar meistens Literaturübersetzer oder Übersetzer, die sich speziell für Untertitelungen weitergebildet haben ;)


    TiMiDa ich nehm das mit der FSK in "Grenzbereichen" nicht so eng. Junior durfte mit 10 manchmal Filme ab 12 gucken, aber nur, wenn ich die vorher gesehen hatte und einschätzen konnte, wie er reagiert. Meist haben wir die Filme dann noch einmal zusammen geguckt und erst dann hat er sich alleine rangewagt. Bei so einer Spanne bis zur FSK16 weigere ich mich aber auch. Über Squid Game spricht angeblich auch die halbe Klasse, alle gucken das, nur meiner will so gar nicht, weil er da so schnell Angst bekommt. Dafür nervt er mich seit Jahren damit, dass er gern Deadpool gucken würde, da bin ich aber noch wirklich strikt dagegen.

  • Noch einmal ein bisschen zur FSK, mit denen ich beruflich lange Jahre sehr viel zu tun gehabt habe. Die FSK - freiwillige Selbstkontrolle - ist für den öffentlichen Bereich gedacht. Minderjährigen wird so der, wie es heißt unkontrollierte! Zugang zu Schriften, Musiken, Filmen und Spielen verwehrt, die bei alleinigem Nutzen der Medien eventuell Verstörungen hervorrufen könnten. Kontrolliert - also Eltern mit im Kino oder Lehrer zeigt Schulklasse einen Film über die NS-Morde - sieht das anders aus.


    Wenn jetzt hinter der FSK alleinig das Wohlergehen der Kinder stecken würde, wäre das prima. Dann hätte man zwar das Problem nicht beseitigt, dass es ganz unterschiedliche Sozialisation und Reifegrade bei Kindern gleichen Alters gibt. Aber eine Gemeinsamkeit wäre bei gutem Willen sicherlich zu finden.


    Nun ist die FSK, der Name sagt es, eine freiwillige Selbstkontrolle von Wirtschaftsunternehmen. Die Firmen beantragen eine Freigabe von Medien für ein gewisses Alter und füttern den Firmenvorschlag mit hauseigenen, ausgewählten Daten, die sie der Kommission vorlegen. Dahinter stecken neben der hehren Absicht allerdings oft auch ganz eindeutige marketingstrategische Überlegungen. Wie das funktioniert?


    Nehmen wir den Film „Der König von Narnia“ von C.S. Lewis. Er war als Weihnachtsfilm für die ganze Familie konzipiert. FSK ab 0 oder 6 Jahre braucht es, um die Familien in die Kinos zu ziehen.Entsprechend wurde der Film geschnitten und die Daten bei der Anmeldung geliefert.


    Aber die Zweitverwertung - DVDs – sind „ab 6“ schwierig zu verkaufen. Ältere Kids mögen solche "Kinderfilme" gar nicht. Also hat der Rechteinhaber eine (Kampf)Szene von 1.30 min Länge zugefügt und die DVD-Altersfreigabe „12 Jahre“ beantragt und bekommen. Man schätzt, dass sich dadurch die DVD-Verkäufe verdoppelt haben. Es war aber immer noch zu wenig. Die letzten Bücher aus der Reihe wurden gar nicht mehr verfilmt.


    Netflix hat das analysiert und zwischenzeitlich die Rechte neu erworben. Derzeit wird „Der König von Narnia“ neu verfilmt. Die Zielgruppe ist deutlich älter. Ziel sind die Altersstufen, die den „Herr der Ringe“ gucken. Und wie ein Marketingstratege sagte, „Games of Thrones“ oder „Das Lied von Feuer und Eis“, wie das Originalbuch heißt, von dem sich bei der Verfilmung von Serie zu Serie mehr abgesetzt wurde. Mancher Zuschauer der Erstverfilmung oder Leser der Narnia-Bücher, sozialisiert mit den deutschen Jugendbuchübersetzungen von Uebrreuter oder den BBC-Verfilmungen neben der Walden/Disney-Verfilmung wird wahrscheinlich Schnappatmung bekommen, wenn der Netflix-Film läuft.


    Ähnlich ist es auch bei den Computerspielen. Eine FSK-Freigabe „18 Jahre“ ist mittlerweile ein deutlicher Verkaufsimpuls. Der Unterschied zwischen 16 und 18 sind eine Käuferschicht von gerade zwei Jahrgängen. Doch über 18-Jährige werden ungern die niedrigere Stufe kaufen. Bedeutet: Man kann nicht sicher sein, wie sehr die Spiele tatsächlich Altersgrenzen überschreiten und in welche Richtung. Aber bei ab „18 Jahre“ ist nach oben keine Grenze gesetzt.Während "über 18" vor 30 Jahren bei Filmen und Spielen eher ein Schmuddeleckenimage hatte, ist das für die Käufer heute oft ein Qualitätszeichen. Früher versuchten die Medienhersteller oft, die als Warnung empfunde Kennzeichnung Ü18 zu vermeiden. Heute ist es stärker Qualitätsmerkmal, das man mit bestimmten Produkten unbedingt erreichen will.

    Damit bin ich als Elternteil ziemlich aufgeschmissen - gerade bei Spielen -, wenn ich die FSK-Angabe als Bewertungsmaßstab ansetzen will.


    Fakt ist: Filme und Spiele werden den Kontrollorganen nur in Auszügen vorgelegt. Das sollen beispielhafte und ggfls. extreme Szenen sein. Die Auswahl ist aber logischerwqeise Subjektiv. Gerade bei Spielen kann niemand alles durchspielen. (Darum reicht auch die halbe Stunde neben dem Kind auf Level 1 oder 3 nicht, um die etwaige versteckten üblen Situationen erkennen zu können ...). Und es ist nicht zwingend so, dass der Einreicher eines FSK-Antrags Spiel oder Film ein Dutzend Mal durchgeguckt hat, bis er dann im stillen Kämmerlein eine Einordnung getroffen hat, um anschließend das Antragsformular auszufüllen und mit beispielhaften Auszügen zu unterfüttern.


    Doch auch andersherum: Zeiten und Empfindungen ändern sich. 1954 erhielt der 1944 mit Heinz Rühmann gedrehte Film „ Die Feuerzangenbowle“ die FSK-Freigabe „ab 12 Jahre“. Hinzu kam ein Aufführungsverbot an sog. „stillen Feiertagen“ wegen des „frivolen Charakters“ mancher Szenen.


    1980 beantragte der Verleih eine kostenpflichtige Neueinstufung. Und tatsächlich wurde der Film jetzt ab 6 Jahre freigegeben und er war nun auch nicht mehr zu frivol für die Ausstrahlung an „stillen Feiertagen".


    Im neuen Jahrtausend griff dann der Verleih (eine nette kleine Rechtslücke) wieder auf die alte FSK-Freigabe „ab 12 Jahre“ zurück, weil dies das Kaufzielpublikum besser ansprechen würde (auf das Recht an Aufführungen und Ausstrahlungen an „stillen Feiertagen“ wurde jedoch nicht verzichtet). Für die Masse von Filmen und Spielen wird jedoch aus Kostengründen keine neue FSK-Einordnung beantragt.


    Guckt man sich die FSK-Einordnungen der letzten nunmehr 72 Jahre an, kann man feststellen: Unsere Welt ist enthemmter geworden. Ob sie dadurch besser geworden ist, sei dahin gestellt.


    Bei all dem darf man jedoch nicht vergessen, was schon ganz am Anfang steht: Im heimischen Umfeld haben die Eltern das Sagen und können eigenständig entscheiden, was gelesen, gehört, gesehen wird. Sind gar die Eltern anwesend und begleiten die Mediennutzung, wäre nur sehr schwierig dagegen anzugehen. Film oder Spiel, die nur eine Altersgrenze über dem Kindesalter liegen, sind sicherlich sehr schwierig als "kindeswohlgefährdend" anzusetzen.

    Das Thema kommt (hier) ja regelmäßig auf, wenn ein Umgangselternteil sein Wochenendkind zur Begeisterung des Betreuungselternteils „vor den Kasten setzt“ oder zocken lässt. Ist der Umgangselternteil „dabei“, ist da höchstens inhaltlich gegen zu argumentieren oder an Vernunft zu appellieren. Man kann jedoch kaum etwas dagegen durchsetzen, wenn keine Schädigung nachgewiesen werden kann wie anschließende Auffälligkeiten oder Angstträume etc. Umgekehrt der andere Elternteil dem Betreuungselternteil gegenüber auch nicht.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Nochmal zu dem Thema Squid Game ein Artikel aus dem Stern: https://www.stern.de/kultur/tv…schule-nach-30818262.html

    Ach du liebe Güte! 😳 Was ist das denn für eine brutale Serie und dann spielen Schüler dies auf dem Schulhof nach. Ich fass mir an den Kopf, echt jetzt... 🙈

    "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar" (Antoine de Saint-Exupéry)