Anforderungen, Selbstansprüche, Ängste, ständig am Limit, zu oft drüber

Die Registrierung ist wieder eröffnet! Wir begrüßen euch recht herzlich bei uns im Forum!
  • @ Urtica: So ein Schritt ist mutig (im positiven Sinne und ganz sicher NICHT zynisch gemeint!). Man braucht eine Menge Mut, sich selbst einzugestehen, dass man nicht mehr kann. Insofern: Respekt. Und es ist auf jeden Fall auch besser, zeitig für eine gewisse Zeit lang auszusteigen - bevor der Kopf abschaltet oder der Körper komplett "zu macht". Auch wenn man ein sauschlechtes Gewissen hat und meint, dass es ja eigentlich noch "geht". Tut es aber manchmal nicht und dann unterlaufen einem die Fehler, die es deutlich schwieriger machen, aus dem Loch wieder herauszukommen.


    Insofern: Halt die Ohren steif! Und ich wünsche dir das Allerbeste.

    Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben aber muss man es vorwärts.:strahlen

    (frei nach Sören Kieerkegard)

  • Jetzt habe ich Kinder und jetzt muss und will ich für sie da sein.

    Das habe ich mir immer vor Augen gehalten...

    Ich denke, ich verstehe deinen Ansatz, der funktioniert bei mir selbst leider nicht.


    Das "Müssen" ist z.B. etwas, was bei mir ein Burn-out-Treiber ist. Und da ist es egal, auf was es sich bezieht. Und selbst das Wollen ist mir im Moment abhanden gekommen. Mit dem Müssen von diesem und jenem hab ich mich hierherbugsiert, wo es nicht mehr so weitergeht. Auch mit dem Dasein-müssen für meine Kinder, mit dem Starksein-müssen für meine Kinder, mit dem irgendwas sein und tun müssen für meine Kinder.

    Da stampft jetzt die antiautoritäre Rebellin in mir sofort in die entgegengesetzte Richtung, wenn ich ihr sag, dass sie was will und sogar muss.


    Was mir im Augenblick hilft ist: Nichts muss außer den Grundbedürfnissen und allem, was irgendwie guttut. Und es geht auch nichts Anderes mehr.


    Ich bin selbst am Wochenende nach den Aufwachen (viel zu früh Aufgeweckt-werden...) weinend zusammengeklappt und habe gezählt, wieviel Stunden ich jetzt mit meiner Verantwortung fürs Kleinkind durchhalten muss, bis ich wieder ins Bett kann und der Schlaf mich vom Durchhalten- und Dasein-müssen befreit. Und dann laufe ich wie neben mir durch den Tag und versuche all das zu tun, was ich sonst auch tue. Aber es geht nicht mehr. Und alle Freude ist weg.


    Ich schreie das K2 an, obwohl ich es nicht will und NIE so sein wollte, obwohl es mir leid tut, obwohl ich doch weiß, wie das wehtut und wie schlimm das ist. Und gleichzeitig habe ich keinerlei Energie mehr, irgendwie geduldig zu erziehen. Meine Nerven liegen blank und leider zu nah beieinander, so dass sie ständig kurzschließen.


    Und selbst eigentlich erholsame Wochenenden reichen nicht mehr. Seufz.


    Danke für eure hilfreichen Worte, Unterstützung und Gedanken!

  • Kannst du eine Haushaltshilfe beantragen?

    Das ist tatsächlich was, wo ich bissi eigen bin, das mag ich nicht, da bin ich aber auch weitgehend gelassen, die 80 qm sind schnell gemacht, K2 isst in der Krippe Mittag, K1 und ich kommen mit einfachen Gerichten und auch mal mit Käsebroten plus Salat gut zurande, Bügelverzicht übe ich seit Jahren 😅. Der Aufwand hält sich in Grenzen.


    Belastend ist für mich eher Arbeit und Erziehung plus die familiären Sonderextras Trauerarbeit, Hilfen für verbleibenden Elternteil und Haushaltsauflösung und Abschied vom Elternhaus, weil Verkauf.


    Ich hab aber angenehme Rückendeckung von meinem Vorgesetzten, der sich sehr nett gemeldet hat, ich solle mir keine Sorgen machen, ruhig Stunden reduzieren und Arbeitsfelder einschränken und mir erstmal die Zeit nehmen, die es braucht.


    Und nun schau ich mal und fahre runter.

  • oh das ist lieb von Arbeitgeber.

    Kannst du es dir finanziell leisten?


    Manchmal ist einfach alles zuviel. Grad Tod, das reist einen voll raus.

    Ich versuch, mittelfristig wieder auf 30 Wochenstunden runter zu gehen, das geht dann, das finanzielle Polster bleibt kleiner, aber das mentale vermutlich größer.


    Ja, Trauer dauert und kommt vielleicht nicht mehr so oft zu Besuch wie in den ersten Wochen und Monaten, aber sie kommt immer wieder.

  • Ich muss hier mal motzen und 'ranten', irgendwie werde ich das Problem auch lösen:

    Ich bin gut 2 Wochen 'arbeitsunfähig' mit der üblichen Anpassungsstörung, soweit so gut und hilfreich und nötig. Meine Schilderung meiner Lage, meiner Symptome und Schwierigkeiten hat meine Ärztin aufgenommen. Meine Bitte/Idee, dass mir eine (MuKi)Kur als Auszeit plus Therapie guttun und helfen könne, hat sie, so hab ich das wahrgenommen, ignoriert. Hat mir aber ein Beruhigungsmittel vorgeschlagen, das homöopathisch ist (wusste ich nicht, hab ich jetzt mal gegoogelt). Ich bin sarkastisch begeistert und fassungslos! Ich hab n Burnout und meine Ärztin empfiehlt mir frei verkäufliche Unwirksamkeit (Das diskutier ich hier nicht, das ist ne wissenschaftliche Tatsache, dass Homöopathie nicht über Placeboeffekt hinaus wirkt, ich glaube weder an Gebete noch an Neur*xan).


    Sarkasmus an: Da war ich wieder zu gefasst und zu rational und zu lösungsorientiert als Patientin, hab ich wieder nicht geheult und geschrien, sondern nur gesagt, dass ich das zu Hause täte und wieso ich es täte. (Sarkasmus ist meine Schwimmhilfe.)


    Sehr geil, ich hab keine Kraft mehr, kann aber jetzt noch mit meiner Hausärztin kämpfen, dass ich zumindest nach P. 24 i.V.m. P. 23 Abs. 1 SGB V mal ne Verordnung bekomme? Was soll das? Um mich rum kriegen ständig Leute MuKiKuren oder Reha mit Begleitkind etc. und ja, die können auch noch aufrecht stehen. Da werd ich echt neidisch bis unfair sauer und frag mich, was ich im Guten oder Bösen anstellen muss, dass mir mal jemand sagt: Hier, bitte sehr, Hilfe für dich! Brauchste, gell!


    Das ist wahrscheinlich der Preis dafür, immer noch irgendwie aufstehen zu können - weil das so tief verankert ist, dieses "Durchhalten", hat ja auch sein Gutes, aber macht halt keinen so hilfsbedürftigen Eindruck vermutlich...


    Seufz, musste das nur mal aufschreiben. Und vielleicht schreib ich das meiner Hausärztin auch mal auf.
    Morgen telefoniere ich hier mal Psychotherapeuten ab, will ich eh und womöglich kann da mal einer meine Ärztin aufs Pferd setzen.

  • Wechseln.


    Beispiel: ich habe eine massive Schulddrüsenunterfunktion, nehme seit Jahren hochdosiertes L-Thyroxin. Ohne oder wenn der TSH zu hoch ist, komme ich zwar morgens aus den Federn, hänge aber ab mittags so sehr in den Seilen, dass ich mich kaum noch rühre. Da kommt man nicht mit TCM, chinesischen Heilkräutern, Psychotherapie und was weiß ich gegen an. Es gibt aber Ärzte, die das nicht auf dem Schirm haben.


    Zweites Beispiel: Jahrelange heftigste Migräneattacken. Mein Highlight waren 5 Attacken mit vollem Programm (und das geht bei mir bis hin zum Krampfen während der Aura) in 7 Tagen. Da sind die Schmerzen, die man hat, eher nebensächlich. Ein Schmerztherapeut, den ich im späten Frühjahr 2019 aufsuchte, versorgte mich mit Akkupunktur (die bei mir durchaus hilft, aber in keinster Weise ausreicht!) und empfahl mir progressive Muskelentspannung:rolleyes:. Im Herbst 2020 bekam ich den Tipp, mich an eine Neurologin zu wenden. Sie verschrieb mir eine Migräneprophylaxe, die tatsächlich die Attacken fast auf Null herunterfährt. Es ist ein völlig neues Leben - ohne Kopfschmerzen!


    Drittes Beispiel: wenn ich heute wegen einer Mittelohrentzündung zum HNO gehe - WENN - dann brauche ich auch SOFORT ein Antibiotikum! Sonst ist das Trommelfell innerhalb von Stunden durch.


    Es ist nicht alles mit "alternativen Heilmethoden" heilbar, es gibt jedoch Ärzte, die da ZU zögernd sind.


    So, wie es dir offensichtlich aktuell geht, ist meines Erachtens jede Diskussion überflüssig. Wobei Ferndiagnosen immer schwierig sind. Aber ich würde wechseln, egal wie gut die Hausärztin bisher war.

    Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben aber muss man es vorwärts.:strahlen

    (frei nach Sören Kieerkegard)

  • Apropos: bist du Beamtin? Dann gibt es keine Mutter-Kind-Kuren... soweit ich weiß. War zumindest bei mir so.

    Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben aber muss man es vorwärts.:strahlen

    (frei nach Sören Kieerkegard)

  • Ah, ja, Hypothyreose hab ich auch, da fahr ich auch gerade unter "Vollmast-Takelung" auf 150 mygramm, so hoch war das noch nie.

    Bin Angestellte, hab sogar schon bei meiner KV nachgeguckt, die brauchen nur ne Verordnung ohne Antrag.


    Ich ärger mich, weil ich wegen Wohnortwechsel vor nem Jahr die Ärztin gewechselt habe, dass es jetzt fußläufig ist. Ich mach mir n 2. Termin und red nochmal ausführlich, ich merke, dass mit der Krankschreibung die Belastungserschöpfung gerade voll durchbricht, da geht nur das, was halt unbedingt muss: Einkauf, Kind zur Kita und zurück, Minimalreinigung Haushalt und Mensch ;-), Nahrungsaufnahme. Schon ein Telefonat und die Orga für die Klinik von K1 stressen mich.

    Zz. kann sich auch tatsächlich keiner ums K2 kümmern außer der Kita und mir, weil der KV in Quarantäne ist für 2 Wochen. Hätte in n Partner, würde ich wahrscheinlich nix mehr gebacken kriegen, weil ich nicht unbedingt müsste.


    So! Auf in den Abendwahnsinn!

  • Oh je, Urtica, ich weiß nicht, ob es dir "hilft" - aber das ist nicht ungewöhnlich :(.


    Wenn man powert bis zum buchstäblichen "Geht-nicht-mehr" und dann von heute auf morgen "runterfährt"... Es ist aber definitiv gut (!) dass du die Alltagssachen (Kind zur Kita, Anrufe etc.) geregelt bekommst! Bleib dabei!

    Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben aber muss man es vorwärts.:strahlen

    (frei nach Sören Kieerkegard)

  • Bei der Beantragung einer Kur ist das Müttergenesungswerk sehr hilfreich.

    Da wäre dann auch der ein oder andere Hinweis für deine Ärztin. Ganz klar formuliert wird auch, dass bei Mutter-Kind-Kuren ambulant nicht vor stationär gilt.

    Vielleicht magst du dich dort mal durchklicken, tut auch der Seele gut zu erkennen, dass "Durchhalten" keine Option ist und auch nicht nötig ist.

  • Bei der Beantragung einer Kur ist das Müttergenesungswerk sehr hilfreich.

    Da wäre dann auch der ein oder andere Hinweis für deine Ärztin. Ganz klar formuliert wird auch, dass bei Mutter-Kind-Kuren ambulant nicht vor stationär gilt.

    Vielleicht magst du dich dort mal durchklicken, tut auch der Seele gut zu erkennen, dass "Durchhalten" keine Option ist und auch nicht nötig ist.

    Da hab ich schon geschaut, ja. Deshalb hab ich mich auch so geärgert über das wenig aktive Helfen der Ärztin. Aber gut, meine Grundfunktionen sind ja noch da, weshalb sollte sie also mir zugestehen, was sie selbst nicht kriegt? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt:saint:

    Ja, gemein.


    Nächste Woche kann K1 in die weit entfernte Klinik, da muss (böses Wort...) ich dann fahren wg. der Papiere und weil der KV1 sich darauf zurückzieht, dass er keinen Urlaubstag beantragen könne.

    Gut, ich stell mich dann mal drauf ein, dass ich K2 greinend auf dem Rücksitz mitschleppe, weil KV2 in Quarantäne ist, und übe mich im gewohnten Zweckoptimismus.


    Jaja, Frau Urtica, denken Sie an Ihre Großmütter im Krieg und danach und wie gut Sie es heute haben, gell? Und dann halten Sie gefälligst aufopferungsvoll durch für Ihre Kinder


    Die deutsche Mutter soll übrigens nur wegen der Kinder gesund sein, nicht um ihrer selbst Willen - dass das Bild ziemlich tief sitzt in unserer Gesellschaft, leider immer noch, merk ich immer an diesen beiläufigen Sätzen relativ Unbeteiligter : "Ja, wichtig, dass du wieder zurechtkommst, wegen der Kinder." "Ist ja auch alles viel, v.a. für die Kinder."

    Ich glaube tatsächlich, dass das auch ein Anerkennungsproblem ist, aber das ist wieder n anderes Thema...

  • Das ist ein ganz großes Thema!:D Aber du hast Recht, es gehört hier nicht rein.


    Klar war die Zeit damals außerordentlich hart, es ging oft ums nackte Sattwerden und Überleben. Unsere Zeit ist aber eine andere und auch sie hat auch ihre Tücken.


    Den Satz "für die Kinder zurecht kommen" finde ich nicht schlimm, der passt schon. Dahinter steckt aber das "Stell dich nicht so an!" und das ist meines Erachtens das Problem. Man soll ganz selbstverständlich die eiermilchlegende Wollmilchsau sein - meiner Meinung bzw. Erfahrung nach. Die eigenen Ressourcen sind aber dummerweise endlich. Womit wir wieder beim Thema sind.

    Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben aber muss man es vorwärts.:strahlen

    (frei nach Sören Kieerkegard)

  • Noch was zum Thema Schilddrüse - sie "reagiert" auf die gestellten Anforderungen, so zumindest mein Eindruck. In der Zeit, als ich unter Volllast stand (Mitte 2019 bis Anfang 2020) lag ich bei 200. Und trotzdem waren meine Werte nicht in Ordnung.


    Mittlerweile bin ich wieder bei den 150ern - und komme gut klar. Wenn ich jedoch niedriger gehe, geht mein TSH durch die Decke, mit den bekannten Folgesymptomen.

    Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben aber muss man es vorwärts.:strahlen

    (frei nach Sören Kieerkegard)

  • Urtica: Heute ist Donnerstag und es ist schon so viel geschehen. Deine Hausärztin hat dich für 2 Wochen erstmal vom Hamsterrad Arbeit befreit. Sie hat sich bei dir für ein Pflanzliches Mittel statt chemische Keule entschieden.

    Du hast dein eigenes Konzept wie deine Behandlung auszusehen hat ?

    Warum ist das so ?

    K2 ist für Stunden außerhalb des Hauses versorgt.

    Versuche die Zeit für dich zu nutzen. Deine Selbstfürsorge zu aktiven.


    Kleine Schritte gehen.