Wenn die Kinder ausziehen

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  • Hallo liebe Mitforis,

    ich möchte mich gerne austauschen über die Zeit, wenn die Kinder in ihr eigenes Leben starten. Nun habe ich es irgendwie geschafft, meine Mädels alleine großzukriegen und mir immer und immer wieder mehr Zeit für mich allein gewünscht. Nun sind sie in der 12. und 13. Klasse und sind natürlich neugierig auf ihr zukünftiges Leben. Und ich kriege ab und zu die totale Krise beim Gedanken daran, wie es sein wird, wenn ich dann alleine im Haus lebe und all die Zeit habe, von der ich früher geträumt habe... Wem geht es ähnlich? Wer hat Tipps, wie man sich vorbereiten kann? Viele Grüße von Quirl

  • Hey, schön, dass du den Thread gestartet hast!


    Meine beiden sind etwas älter. Meine Tochter wohnt nicht mehr bei mir.


    "Vorbereiten" ist relativ. Mir war immer klar, dass sie irgendwann gehen und im Umkehrschluss, ich sie auch gehen lassen muss. Mein Wahlspruch war immer frei nach Goethe "Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel".


    Ich weiß, wie ich in dem Alter war. Ich wollte weg, unbedingt, raus aus meiner "Heimatstadt". Mich hat damals dort nichts mehr gehalten. Ich wollte auf eigenen Beinen stehen, meine eigenen Fehler machen und aus ihnen lernen. Auf Grund "besonderer Vorkommnisse" konnte ich allerdings nicht zu weit weg, musste im "fahrbaren" Radius bleiben und mich um diverse familiäre Belange kümmern. Sonst wäre ich erst mal ein Jahr in die USA als au pair gegangen. Dass das damals nicht ging - ich finde es noch heute schade.


    Infolgedessen habe ich meine Tochter nicht "gehalten", als sie meinte, sie wolle ausziehen. Wir haben es finanziell durchgerechnet und ich habe ihr auf ihren Wunsch bei der Wohnungssuche geholfen.


    Trotzdem: als sie dann "das letzte Mal" weggefahren ist und ich wusste, sie kommt abends nicht wieder, habe ich mich unter die Dusche verzogen und eine halbe Stunde lang Rotz und Wasser geweint. Sie fehlte... an vielen Ecken und Enden. Andererseits ist sie gegangen, als es "am schönsten" war, die Pubertät war Geschichte, aus ihr ist eine erwachsene Frau geworden, mit der man sich super unterhalten konnte.

    Vor 1 Jahr ist sie dann wieder eingezogen, weil ihre Wohnung gekündigt wurde und sie nur noch 1 Jahr bis zum Ausbildungsende hatte. Das war nicht gut... es wurde phasenweise schwierig, u.a. auch, weil ich andere Vorstellungen von Ordnung und Putzen habe als sie. Vor ein paar Monaten bin ich mit meinem Sohn dann umgezogen. Meine Tochter wird demnächst weiter wegziehen (Studium), ich hoffe, dass wir uns dann wieder besser verstehen.


    Mit meinem Sohn klappt es gut. Ich denke, er wird in 2 Jahren auch ausziehen und das ist okay so.


    Das Alleineleben macht mir weniger aus. Eigentlich finde ich es sogar wirklich entspannt und richtig klasse!!! Aber es ist ein massiver Umbruch im Leben...

    Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben aber muss man es vorwärts.:strahlen

    (frei nach Sören Kieerkegard)

  • In zwei Wochen geht auch Junior zum Studium. Dann sind wie hier ein reiner Weiberhaushalt. 🐶🐱🐔


    Ich werde es so genießen!

    Ich werde mir mein Häuschen schön machen, tapezieren, streichen, Möbel umstellen...und keiner patscht an die Wände, lässt überall seinen Kram liegen, wischt die Brotkrümel nicht weg und (fr)isst den Kühlschrank in zwei Tagen leer. 8o

    I am a bear of very little brain, and long words bother me. (Winnie-the-Pooh)


    Ein Leben ohne Bücher ist nicht lebenswert. (Erasmus von Rotterdam)

    Einmal editiert, zuletzt von Kaj ()

  • Ich will meine Kinder auch ziehen lassen, natürlich. Die Vorstellung, dass sie mit z.B. 24 noch hier leben würden, ist alles andere als schön.

    Aber wie gewöhnt man sich an die Stille? Im Moment genieße ich die "jugendliche Spritzigkeit" besonders dann, wenn ihre Freunde/Freundinnen zu Besuch sind und so richtig viel Leben in der Bude ist. Wobei es mir andererseits manchmal auch auf den Keks geht. Ich bin ein richtiges "Wechselweib" geworden, das sind wohl auch die Wechseljahre... Aber immer wieder frage ich mich: was macht man denn mit den leeren Zimmern? Wie schafft man es abends und morgens, mit dem Gefühl der Eisamkeit umzugehen?

  • Bei uns ist es so, dass das Zimmer des Großen der Kleine die letzten Jahre hatte, Juniors Zimmer habe ich in ein Gästezimmer verwandelt (Doppelbett, Tischchen + zwei kleine Sessel, Vertiko für Wäsche). Das jetzige Juniorzimmer wird als Gästeaufenthaltszimmer eingeräumt.

    Morgens habe ich zu viel Zeitdruck, um mich einsam zu fühlen. Ich genieße da eher die Ruhe vor dem Sturm. Und abends bin ich eher froh, wenn ich nicht mehr reden muss.

    Und dann sind da ja noch diverse Sozialkontakte und Hobbys...

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    Ein Leben ohne Bücher ist nicht lebenswert. (Erasmus von Rotterdam)

  • Mein Sohn geht zum Bund und wird dann nach der verkürzten Grundausbildung (Corona), auf der franz. Seite der deutsch-französischen Grenze sein. 4h+ mit Auto. Da er weder Auto noch Führerschein hat, wird das mit Bahn nicht so dolle werden. Also werden wir ihn wohl nicht sooft einfach übers Wochenende sehen.

    Aber im Moment ist das noch eine theoretische Dramatik, weil min. 4-5 Monate ist er noch hier. Ich überlege mir wie ich sein Zimmer einrichte, dass dann endlich mal sauber sein wird. Dann habe ich keinen Kaklo-Putzer und Wäscheaufhänger mehr, aber auch keinen Brötchenkrumenfabrizierer usw. Mal gucken.

    Da ich mit meinen Eltern im Haus wohne hab ich auch auf Wunsch Gesprächspartner, alles halb so wild. Und anhängliche Katzen...

    Denke ich....

    Ich zwei Wochen geht auch Junior zum Studium. Dann sind wie hier ein reiner Weiberhaushalt. 🐶🐱🐔

    Gut, das ich weiß, das du Zierhühnchen hälst, hätte man mißverstehen können :)

    "Mein Trainer war die Bordsteinkante" (Skateboarder)

  • Gut, das ich weiß, das du Zierhühnchen hälst, hätte man mißverstehen können :)

    Jepp, ich bin das einzige menschliche Weibchen hier...der Rest trägt Pelz oder Federn. ^^

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    Ein Leben ohne Bücher ist nicht lebenswert. (Erasmus von Rotterdam)

  • Alles hat ja zwei Seiten. So merkwürdig es mal sein wird, wenn mein Sohn nicht mehr bei mir wohnt und so traurig ich einerseits sein werde - so sehr werde ich es auch andererseits genießen, komplett zu tun was und wie ich möchte. Keine tierischen Produkte mehr zuzubereiten; diese erst gar nicht im Kühlschrank zu haben; den Herd (und anderes) ebenso sauber wieder vorzufinden, wie ich ihn verlassen habe; nicht mehr halb so viel Wäsche zu haben; usw....


    Die Frage, was ich mit dem Zimmer mache, würde ich mir sehr gerne stellen. Sollte sich nicht ein wundersamer Geldsegen ergeben, werde ich aber die Wohnung hier nicht halten können, wenn mein Sohn mal auszieht. Und werde dann auch das Zimmer meiner Tochter räumen müssen. Das macht das Ganze sehr viel trauriger.

    LG
    CoCo




    Vegan bedeutet, dass man Tierquälerei, Welthunger, Umweltzerstörung und Pandemien nicht nur zwischen den Mahlzeiten sch.eiße findet.

  • Alles hat zwei Seiten, das hast Du schön geschrieben CoCo. Im Moment sehe ich nur die eine.... Ich weiß ja, dass ich mich auch an das Leben ohne Kinder im Haus gewöhnen werde. Warum ich momentan alles so negativ sehe, erschließt sich mir nicht. Es kommt ja eh immer anders, als man denkt. Außerdem ist ein Auszug ja noch nicht mal wirklich absehbar, nur mein Kopfkino spinnt so rum.

    Mein Problem (im Kopf) ist momentan die Vorstellung, wie ich die Zeit am Morgen verbringe. Ich bin absolute Frühaufsteherin, kann jedoch erst ab 9 Uhr bei der Arbeit sein. Manchmal mache ich morgens Sport / Yoga, aber das schaffe ich keine zwei Stunden am Stück. :/ Heute hilft es mir immerhin, hier schreiben zu können. ;):)

  • Ich musste immer früh (um 7) los, von daher war eh immer alles auf die Minute durchgetaktet. Etwas mehr Zeit hätte ich durchaus genossen!!! Noch nen Tee trinken, gemütlich Zeitung oder Nachrichten im Internet lesen, bissel Haushalt... solche Dinge halt. Als mein Hund noch lebte, bin ich vor dem Wecken der Kinder mit dem Hund raus gegangen, das war dann oft vor 6 Uhr morgens und wenn ich wirklich müde war, spätestens gegen 6.15 Uhr die kurze Runde.


    Wobei... wenn ich irgendwann wieder einen Hund habe (und das werde ich, so es so sein soll), werde ich ihm angewöhnen, sich morgens mit dem Garten (den ich auch wieder haben werde, so es sein soll :D) abzufinden.

    Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben aber muss man es vorwärts.:strahlen

    (frei nach Sören Kieerkegard)

  • Ich habe 3 Katzen, die gehen alleine Gassi. ;)

    Vielleicht ist es ja so, dass ich so viel Angst vorm Alleinsein habe, weil ich eben alleinerziehend bin. Da hat man jahrelang alles alleine gestemmt, und dann plötzlich nichts mehr bzw. viel weniger zu tun? Wobei ich mir auch sehr gut vorstellen kann, dass viele (noch...) verheiratete Frauen den Auszug der Kinder ebenso fürchten, weil sie dann mit dem Gatten zurückbleiben und keinerlei "Ablenkung" durch die Kinder mehr haben.

  • Ich glaube, das geht sehr, sehr vielen Menschen so. Irgendwie ist es ja auch völlig "normal"?! - immerhin haben die Kinder einen über mehrere Jahrzehnte tatsächlich gut beschäftigt ;-) und man war ja auch so gesehen nie "alleine".


    Die Kinder brauchten einen - man selbst "brauchte" sie aber auch irgendwie...

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    (frei nach Sören Kieerkegard)

  • Ich hab eben einen Brüller wegen der verkrümelten Heizluftfriteuse losgelassen und 3x 6Pack-Wasserfolien am Gelben Sack vorbei mit gestreckten Arm ins "Kinderzimmer" geschossen. Themen, die hier schon mehrfach angesprochen wurden.

    Das sind so Momente, wo das Vermissen ganz klein wird :).

    "Mein Trainer war die Bordsteinkante" (Skateboarder)

  • Ohhhhhhhh das kenne ich sooooooo gut.... nicht die Heißluft- aber die richtige Fritteuse! Himmel, hat mich meine Tochter damit irre gemacht! =O


    Unsere Mutter-Sohn-WG genieße ich total. Der Kerl hat mich zwar im Lauf seines Lebens ECHT Nerven gekostet, aber heute ist er einfach klasse. Da macht es wirklich Spaß, abends zu kochen ("WG-Futter") und dann gemeinsam am Tisch zu sitzen, ne Runde zu schwätzen und zu essen!


    Neulich hatte sich spontan Besuch angekündigt, es war nicht gesaugt - hat er dann mal eben gemacht, ohne großen Kommentar. Wow, im alten Haus hat er sich zuletzt nur noch zurückgezogen, das ist hier anders. Er ist erwachsen geworden, wir lassen uns gegenseitig unsere Freiräume, so lange Grundregeln eingehalten werden.

    Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben aber muss man es vorwärts.:strahlen

    (frei nach Sören Kieerkegard)

  • Ja, ich glaube die werden in dem Alter so, dass man sich denkt: "Hab dich lieb, werde dich vermissen - aber geh mit Gott!" ^^

    Ich gehe auch davon aus, dass es anders wird, wenn der letzte Flaum hinter seinen Ohren weg ist, aber Himmel! Das bringt mich echt in Rage, zumal man immer wieder DASSELBE sagt und da nun wirklich nicht viel Aufwand hinter steckt.


    Edit: Aber ja, so eine Heissluftfriteuse hat was für sich. 1+ Woche altes Öl, da würde ich die Krätze bekommen, ich schau ja auch nicht jeden Tag da rein.

    ...ich schenk ihm eine zum Auszug :)

    "Mein Trainer war die Bordsteinkante" (Skateboarder)

  • Das kann mein Sohn heute noch... oder wenn ich gerade mal whatsappe und mich darauf konzentriere...


    Unser "Wortwechsel" neulich:

    - Mama?

    - Jaaaaaaa.....???!!!

    - Du bist ein Engel!

    - hm...

    - Du bist die allerbeste Mama der Welt!!!

    - hmmmm

    - MAMA, mit WEM schreibst du da gerade?!

    - Moment!!! ;)Was hast du gefragt, Herr Sohn? :?::saint::D


    Aber wehe, er hängt mit seiner Freundin an der Strippe!

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