Tochter klagt gegen Mutter auf Schwangerschaftsunterbrechung

  • Eine 16-jaehrige ist ungewollt schwanger geworden. Sie entscheidet sich dafür, die Schwangerschaft zu unterbrechen. Ihre Mutter, bei der sie lebt, ist strikt dagegen. Ihr getrennt von Frau und Tochter lebender Vater stimmt dem jedoch zu.

    Ohne Zustimmung beider sorgeberechtigter Eltern kann jedoch die juristisch eigentlich als Straftat bewertete Schwangerschaftsbeendigung nicht durchgeführt werden.

    Die Tochter klagt gegen die Mutter. Das OLG Hamm hat nun in einer Eilentscheidung entschieden, dass die 16-jaehrige trotz ihrer Minderjährigkeit in der Lage ist, den Umfang der Entscheidung zu überblicken. Entsprechend muss das Mädchen keine Stellungnahme der Eltern einholen.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • OLG-Entscheidungen sind vom Denkansatz her immer grundlegend - und das ist hier mehrfach der Fall. Und mit ganz unterschiedlichen Komponenten versehen. Hier ist auf elterlicher Seite das Sorgerecht betroffen, aber letztlich die streitige Auseinandersetzung der Eltern nicht aufgelöst. Denn der Tochter wurde Entscheidungsreife zugebilligt mit ihren 16 Jahren. Damit ist der (mutmaßliche) elterliche Sorgerechtsstreit nicht ausgetragen worden.

    Was andererseits spannend ist: Hier spielt auch immer Strafrecht mit hinein, da Schwangerschaftsabbruch per Gesetz in der Regel eine Straftat ist, die aber unter bestimmten Voraussetzungen ( Beratung) nicht verfolgt wird. Nun wird Jugendlichen zwischen 18 und 21 oft noch zugebilligt, die Folgen ihres Tuns noch nicht ganz ueberblickt zu haben und damit noch nicht wie ein Erwachsener verantwortlich zu sein.

    Diese gängige Praxis wird hier umgekehrt. Das Urteil hat also irgendwie viele Aspekte und man wird sehen, ob und welche Auswirkungen es hat.

    Ich befürchte, dass der Gesetzgeber von sich aus bei diesem sensiblen Thema keine Altersregelung trifft (was er ja zB im Falle der Religionsmuendigkeit - Entscheidungskompetenz ab 14 - getan hat).

    Irgendwie ein ganz schwieriges Thema.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Find ich auch. Was ich bemerkenswert finde, dass der Wille der beiden beachtet worden ist, entgegen der Eltern. Und das in einer lebendentscheidenen/ -verändernden Situation.

    Nein, ich habe keine Spinnennetze in der Wohnung, das sind Ökotraumfänger :D

  • Ich bin der Meinung, dass sein eigenes Kind zu töten immer eine falsche Entscheidung ist. :hae:


    Es gab da mal eine schöne (wahre) Geschichte von einer alleinerziehenden Mutter. Sie war schwanger mit dem 2. Kind vom 2. Man und besuchte einen Arzt, um "das weg machen zu lassen".

    Der Arzt beriet sie und sie sagte, dass ihr erstes Kind schon fast 2 Jahre alt sei und das schon genügend Arbeit sei. Sie sei oft kaputt, müde und habe schon etliche Fehler beim ersten Kind gemacht.

    Der Arzt hörte lange zu und meinte dann zu ihr: "Wenn sie ihr eigenes Kind unbedingt töten wollen können wir es ja auch so machen, dass wir den 2-jährigen 'aus dem Leben entfernen'. Sie hätten dann die Chance auf einen Neuanfang mit dem entscheidenden Vorteil dass Sie die ersten beiden Jahre schon kennen und bereits aus den eben genannten Fehlern ja gelernt haben."

    Klar war die Mutter entsetzt und würde niemals den bereits lieb gewonnen Sohn töten. Aber als sie darüber nachdachte musste sie sich eingestehen, dass der Arzt damit recht hat.

    Das Ende war dass sie keines ihrer Kinder tötete und sie Hilfe und Unterstützungsmöglichkeiten genannt bekam. Und irgendwann schrieb sie dies auf um auch anderen Mut zu machen.


    Diese Geschichte fand ich stark und letztendlich hat der Arzt ja recht- ein ungeborenes Leben ist auch ein Leben. Und wer meint, dass die Frau darüber alleine entscheiden darf klammert immer ein Leben aus- oder: missachtet dieses Leben.

  • Eine Diskursion über das Thema, halte ich für generell schwierig.

    Für mich gab und gibt es ein-zwei Punkte, wo ich eine Abtreibung in Erwägung zog bzw ziehen würde.

    Zu Blau: mit der Meinung geh ich keinesfalls konform. Es gibt für Frauen viele, durchaus auch gut nachvollziehbare Gründe (ich habe ja selber welche), warum sie das Kind/ "ihr" Kind nicht bekommen wollen. Und sie dann so an den Pranger zu stellen, finde ich unempathisch und unfair.

    Nein, ich habe keine Spinnennetze in der Wohnung, das sind Ökotraumfänger :D

  • Ich bin der Meinung, dass sein eigenes Kind zu töten immer eine falsche Entscheidung ist. :hae:


    ...


    Und wer meint, dass die Frau darüber alleine entscheiden darf klammert immer ein Leben aus- oder: missachtet dieses Leben.

    Über ersteres kann man wahrscheinlich diskutieren ohne jemals zu einem Ergebnis zu kommen, aber ich verstehe den Zusammenhang zu dem "alleine entscheiden" nicht. Wenn man eine Abtreibung nicht grundsätzlich verbietet, wer außer der Frau sollte denn dann darüber entscheiden dürfen? Dass man den Vater des Kindes zumindest in Gesprächen in die Entscheidung mit einbezieht, finde ich zwar wichtig und richtig, aber darum ging es ja hier auch gar nicht, oder?


    Dass meine Eltern darüber entscheiden können sollen, ob ich ein Baby bekomme oder nicht, finde ich eine mehr als abwegige Vorstellung und das wäre mit 16 sicher auch nicht anders gewesen. Ich kann zwar verstehen, dass man sich vielleicht hilflos fühlt, wenn man seine Tochter gerne unterstützen würde und sie dafür überhaupt nicht zugänglich ist. Aber so viel Selbstbestimmtheit würde ich meinem Kind IMMER lassen und darauf vertrauen, dass ich ihr genügend meiner Werte mitgeben konnte, dass sie sich die Entscheidung zumindest nicht leicht gemacht hat.

  • @ volleybap weisst du wieviel Zeit verging zwischen der Klage der jungen Frau und der Entscheidung des Gerichts? Hat sie das Kind denn abgetrieben oder doch nicht?


    Ich kann die junge Frau verstehen. ich selbst könnte das nicht außer unter sehr schwerwiegenden Umständen.

    Glaube an Wunder, Liebe und Glück. Schau nach vorn und nicht zurück. Tu was du willst, und steh dazu, denn dein Leben lebst nur Du.
    (altes Sprichwort)


    Es ist viel dunkler, wenn ein Stern erlischt als es sein würde, wenn er nie erstrahlt hätte

  • Soweit zu erkennen ist, haben die Gerichte so kurzfristig entschieden, dass das Mädchen im Rahmen der gesetzlichen Fristen eine Entscheidung treffen konnte.

    Wie die Entscheidung ausgefallen ist, kann im Urteil natürlich nicht dokumentiert sein.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Soweit zu erkennen ist, haben die Gerichte so kurzfristig entschieden, dass das Mädchen im Rahmen der gesetzlichen Fristen eine Entscheidung treffen konnte.

    Wie die Entscheidung ausgefallen ist, kann im Urteil natürlich nicht dokumentiert sein.

    Was ja auch nicht selbstverständlich ist in unserem Land. ^^


    Malina1213 : das ungeborene Leben- das würde immer gegen eine Abtreibung sein.


    Aber das ist meine persönliche Meinung. Ich sage da oft: "hätten deine Eltern damals so fedacht dann würden wir jetzt gar nicht darüber reden".

    Nicht persönlich gegen dich. ;)



    In meinem näheren Umfeld war mal ein Päärchen. Sie wurde schwanger und sie erzählten es überall- der zukünftige Vater freute sich riesig und plante schon weiter. Plötzlich sagte sie- aus heiterem Himmel- dass sie es abgetrieben habe!

    Ihre Freund, ja alle die sie kannten, waren entsetzt. Niemand hat mehr Kontakt zu ihr und zusammen sind die beiden auch nicht mehr. Das war ein riesiger Schock und damals habe ich gedacht, wie gemein das ist. Dem Freund gegenüber- er durfte nicht mitentscheiden obwohl er ja ganz objektiv betrachtet mit beteiligt ist.

    Von dem Baby ganz zu schweigen. :/

  • Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man die möglichen Folgen auch tragen sollte, wenn man aktiv ist. Für mich persönlich ist ungeborenes Leben auch Leben. Vom ersten Tag an und gehört geschützt. Meiner Meinung nach sollte der Weg mehr dahin gehen so junge Frauen, wenn sie es schon nicht behalten wollen, es auszutragen und zur Adoption freizugeben. Das das eben keine Schande ist, sondern eine Bejahung zum Leben.

    Hier geht es aber eher darum, dass sich die minderjährige Tochter über den "Wunsch" ihrer Mutter stellen darf. Das Gericht hat ihr die Reife zugestanden und somit finde ich es legitim. Auch wenn ich die Entscheidung der Tochter auch nicht befürworte.

    Wäre es anderherum, die Tochter möchte das Kind behalten und die Eltern nicht, dann wäre das Mädchen sicher auch rechtlich geschützt worden und dürfte nicht zur Abtreibung gezwungen werden. Ist für mich somit eine logische Entscheidung.

  • Ihr geht grundsätzlich davon aus, dass beide "zukünftigen" Eltern das Kind in beiderseitigem Einverständnis gezeugt haben, aber beachtet auch euere eigenen Aussagen bezüglich "...Konsequenzen tragen..." nicht. BITTE JETZT DIE MÄNNER HIER NICHT PERSÖNLICH NEHMEN.

    Aber wessen Leben wird sich denn unwiederruflich zu 100% ändern, egal welche Entscheidung getroffen wird? Richtig, das Leben der Mutter. Sie muss (im Idealfall) mit Kind und Mann leben, aber auch mit dem Verlust klarkommen, wenn sie das Kind abtreiben lässt.

    Nicht jede Frau ist bereit für ein Kind, möchte/kann z.B. ein Kind ein lebenlang versorgen, dass ein Dauerpflegefall ist und ohne fremde Gerätschaften nicht überlebensfähig ist. Oder kommt mit der Gewissheit klar, dass das Kind - welches in ihr heranwächst - aus einer Vergewaltigung abstammt.

    Nein, ich habe keine Spinnennetze in der Wohnung, das sind Ökotraumfänger :D

  • Und eine Adoption ist auch nicht das Heiligtum schlechthin. Ich kenne genügend kaputte Adoptivkinder.


    Ich selbst bin auch eins und hatte verdammtes Glück in meiner Familie zu landen. Meine Eltern sind so dermaßen meine Eltern, dass ich damit meiner biologischen Mutter jede Chance genommen habe mich kennenzulernen.


    Heute weiß ich, sie hat bis zu ihrem Tod gehofft, mich zu sehen. Ich wollte es nicht und inzwischen tut es mir leid.


    Es muss grausam sein ein Kind zu haben und es nie wieder im Leben sehen zu können. Nur wissend das es lebt.


    Ansonsten darf jede Frau selber entscheiden was sie will. Und manche 16jährigen verfügen über eine erstaunliche Reife.

    Es ist besser,
    ein eckiges Etwas zu sein,
    als ein rundes Nichts.

  • Die gerichtliche Entscheidung finde ich gut. Unabhängig davon, dass ich mir einen Schwangerschaftsabbruch für mich nur sehr schwer vorstellen kann.

    Jemanden zur Adoptionsfreigabe "zu überreden" fände ich auch grausam.

    LG
    CoCo



    Halt mich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht, und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.


    ~ Khalil Gibran ~





  • Ich finde, dass jeder für sich selbst entscheiden sollte.


    Allerdings: Ob man mit 16 Jahren schon reif genug ist, eine solche Entscheidung alleine zu treffen...!? Da hilft nur psychologische Unterstützung/Aufklärung - meine Meinung.


    Wenn die Entscheidung einmal getroffen ist, muss "frau" mit den Konsequenzen leben. Auch späte Auswirkungen sind dabei nicht zu unterschätzen...

  • Hallo,


    Ich dachte bisher auch immer, dass Eltern auch noch für ihre 16-jährigen letztlich verantwortlich sind...Sorgerecht und so.


    Aber gut, wenn alle Kids mit 16 schon so reif sind, die Konsequenzen ihres Tuns zu überblicken.

    Grüsse Tani :wink



    Du bist nicht das was Du sagst, sondern das was Du tust!