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  • Hallo ihr Lieben,


    kurz vor Weihnachten könnt ich schreiend davonlaufen.


    Mein Junior hat derzeit große Schwierigkeiten mit Aggressionen, Impulskontrolle. Er explodiert leider in immer kürzeren Abständen und immer heftiger. Termin in der KJP haben wir erst im Juni 2018. Nun wurde mir angeraten es mit einem Medikament zu versuchen. Ich muss dazu sagen, dass wir schonmal eins hatten, welches ihm auch gut geholfen hat. Leider hat er es dann nicht mehr vertragen und wir haben es, nach ärtzlicher Rücksprache, ausschleichen lassen.


    Nun soll er also ein anderes bekommen. Er selbst sieht keinerlei Notwendigkeit ein Medikament zu nehmen und auch meine Familie schießt nun gegen mich.


    Ich geh hier echt auf dem Zahnfleisch, weil ich alles andere nun echt schon probiert habe.


    Fühl mich nun als komplette Rabenmutter die ihrem Kind ein Medikament geben will...


    Welche Erfahrungen / Ratschläge habt ihr? Was hat bei euch und euren kleinen geholfen?


    LG

  • Ich vermute, es geht um Ritalin?


    Ich denke immer, wenn Ritalin so furchtbar wäre, wie es immer gesagt wird, dann wäre das Medikament längt vom Markt. Es gibt Ritalin aber bereits seit Jahrzehnten und langsam aber sicher tut sich endlich auch mal in der Erwachsenenforschung einiges. Aber du hast Recht: wenn man öffentlich sagst, dass das eigene Kind Ritalin nimmt, ist man oft geliefert.


    Ich kenne Kinder, die haben mit Hilfe vom Ritalin (und natürlich den begleitenden Therapien etc.) quasi überhaupt erst mal zu sich selbst gefunden. Ohne hatten sie keine Chance bzw. hätten sie keine Chance gehabt. Ich persönlich habe es auch nicht erlebt, dass Ritalin vorschnell oder bedenkenlos verschrieben wird - im Gegenteil.


    Edit: bei uns hat nichts wirklich außer der Medikation geholfen. Die Diagnose kam ca. 6 Jahre zu spät. 6 Jahre - in denen echt viel ganz mies und schief gelaufen ist. Leider! Da sind Dinge gelaufen, die man zwar aufarbeiten kann, die aber trotzdem Wunden und Spuren hinterlassen haben, die vermutlich bleiben werden.

    Einmal editiert, zuletzt von Maumau ()

  • in unserem Fall haben wir jetzt eine geringe Dosierung vom Pimpamperon.


    Mein Sohn ist ein sehr intelligentes Kerlchen, HB getestet. Er ist ein seeeehr talentierter Redner, kann einen wirklich in Grund und Boden Diskutieren.


    Seit einem halben Jahr ging es stetig bergab, die wirkliche Ursache kennen wir leider nicht. Regeln und Vorgaben jucken ihn leider nicht. Ein Nein gibt es nicht und er hat nicht nur Recht, sondern Recht Recht.


    Therapeutisch kommt man derzeit nicht an ihn ran - er mauert total. Hätte er nicht nötig. und außerdem müsse sich ja alles nach ihm richten. Ich hab echt keine Idee mehr.


    Medis sind grad der letzte Weg. Und ich habe mich ja nicht leichtfertig dazu entschieden.


    Ich wünschte so mancher würde mal meinen Alltag durchleben um zu verstehen was ich meine. Jeder ist ja schließlich Mensch und hat irgendwann seine Grenzen erreicht. Ich bin zweimal im Monat mit seiner heilpädagogischen Schule im Gespräch, dazwischen telefonieren wir. Jeder Ratschlag wird von mir angenommen und umgesetzt - derzeit hilft es nicht.


    :frag :frag

  • Dann probier es aus und schau, ob und wie es wirkt. Medis sind nie schön. Aber keine Freunde zu haben, von Klassenfahrten ausgeschlossen zu werden, überall anzuecken ist auch nicht toll.


    Wie geht der indianische Spruch noch mit den Schuhen? Urteile nie über einen anderen, bevor du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist. Leider wissen Viele vieles und meistens eh alles besser... :kotz;)

  • Danke für deine Worte.


    Leider ist es verdammt hart, wenn sich die eigene Familie in diesem Punkt gegen einen wendet. Zumindest ich kann damit nur schwer umgehen.


    Weihnachten mag ich jetzt grad am liebsten alleine verbringen...Junior zuliebe werde ich aber trotzdem zur family gehen.


    Ja, ich werd mal sehen, ob er es verträgt und sich das "Feuerwerk in seinem Kopf", wie wir es nennen, im Zaum hält.

  • Zitat

    Fühl mich nun als komplette Rabenmutter die ihrem Kind ein Medikament geben will...


    So hab ich mich seinerzeit auch gefühlt bei Sohn groß. Erst das Ritalin, später dann Risperdal und Dipiperon ( das ist fast 10 Jahre her alles und ich hab damals ein Riesentheater mitgemacht mit Menschen, die dachten, ich würde meinen Sohn ruhig stellen wollen, dabei war er selbst mit seinem Leben so unzufrieden und ich wollte zumindest den Versuch, dass er wieder ausgeglichener ist, notfalls per Medikamente ) . Momentan bekommt er Sertralin, ich habe lange mit mir gerungen ob ich es ihm wirklich geben soll, es gab 2 Vorfälle, die dann eindeutig für mich ein Zeichen waren, dass es nun an der Zeit ist für das Medikament und es war und ist auch genau richtig. Er nimmt es immer noch und zumindest momentan geht es ihm damit besser, er ist auch wieder glücklicher. Ziel ist es, nach einiger Zeit das Sertralin ganz langsam auszuschleichen, dabei aber den jetzigen Zustand zu erhalten. Für einige Menschen in meiner Umgebung bin ich die Mutter, die ihrem Sohn Psychopillen gibt. Das lasse ich aber an mir abprallen, weil ich den Leidensdruck meines Sohnes miterlebt habe und ich möchte, dass es ihm besser geht ( Therapie bekommt er zusätzlich auch, aber durch das Medikament kann er diese Therapie besser annehmen ) .


    Zitat

    Und ich habe mich ja nicht leichtfertig dazu entschieden.


    Das sollten Menschen, die einem kennen, eigentlich auch wissen. Aber Vorurteile gibt es sehr schnell, leider.


    Viel Glück und vertrau auf dein Gefühl.

  • Medis sind grad der letzte Weg. Und ich habe mich ja nicht leichtfertig dazu entschieden.


    Dann steh hinter deiner Entscheidung und versuch es. Leichtfertig entscheidet sich da glaube ich niemand für. Kopf hoch, ich kann ein bisschen nachvollziehen, wie es dir geht :troest Ich bin nun wirklich kein Fan von "In jedes auffällige Kind muss ein Medikament." aber es gibt nunmal Kinder, die können ohne nicht sie selbst sein und profitieren unwahrscheinlich davon. Ich glaube nur, dass Medikation nicht die einzige Hilfe sein darf, sondern lediglich ein Baustein sein sollte.

  • Leider ist es verdammt hart, wenn sich die eigene Familie in diesem Punkt gegen einen wendet. Zumindest ich kann damit nur schwer umgehen.


    Weihnachten mag ich jetzt grad am liebsten alleine verbringen...Junior zuliebe werde ich aber trotzdem zur family gehen.


    Ja, ich werd mal sehen, ob er es verträgt und sich das "Feuerwerk in seinem Kopf", wie wir es nennen, im Zaum hält.


    Versuche deine Familie in diesem Punkt zu ignorieren. Lasse dir kein schlechtes Gewissen machen!
    Du weißt besser, was dein Kind braucht.


    Habe ich seinerzeit auch durchgemacht: laut Schwiegervater fehlte es dem Großen nur an Disziplin!
    Er kam mit Vorschlägen wie Militärschule \o/ (haben Migrationshintergrund, wie es jetzt heißt).
    Meine Antwort war nur, dass es diese Art der Schule hierzulande zum Glück nicht gibt!


    Mir würde eher die ablehnende Haltung deines Sohne Bauchschmerzen bereiten.
    Das hat bei uns in der 9. Klasse zum absetzen geführt.
    Aber trotz meiner Bedenken hat mein Sohn die Realschule gut abgeschlossen.


    Drücke dir die Daumen, dass ihr schnell das passende Medikament mit der richtigen Dosierung findet und sich die Lage dann entspannt.
    Bis dahin hat es wohl keinen Zweck mit ihm darüber zu reden, wenn er andere Therapien eh schon verweigert :(

  • Vielen Dank für eure Antworten.


    Es kam wie es kommen musste, das Medikament wird total verweigert. Er brauche das nicht. Nun ja, zwingen kann ich ihn auch nicht.


    Er teilte mir mit, wenn er das Medikament nehmen müsse, würde er hier alles kurz und klein schlagen.


    Was habe ich also getan? Nichts... :ohnmacht:
    Freitag flog hier wieder einiges durch die Wohnung, bin froh dass die Scheiben in den Türen noch drin sind.


    Die Weihnachtstage sind zumindest ohne größere Zwischenfälle vergangen.


    Gestern flog dann wieder Zeug durchs Wohnzimmer und hat auch mich getroffen... :( . Ich bin echt ratlos! Wie kann ich an ihn rankommen? Mit gut zureden is derzeit nich. Auch sein Vater beißt da auf Granit.


    :hilfe




  • Wie alt ist denn der Knabe?!?! Wenn er schon Teenager ist, hätte ich die Polizei gerufen. Da hört der Spaß ja wohl auf. Schämt der sich nicht? Ich meine nach so einer Aktion? Impulskontrolle hin oder her, wenn der Dich bedroht und die Wohnung demoliert, ist er eine Gefahr für sich und andere, damit kann man ihn einweisen. Vielleicht bringt so eine Nacht in der Arrestzelle (ein gemütliches Plätzchen...) oder ein paar Tage in der Geschlossenen ihn nochmal zum Nachdenken über die Medikamenteneinnahme. Für sein Problem kann er nichts, aber etwas dagegen tun kann er schon.


    Wenn er noch jünger ist, würd ich ihm einfach keine Wahl lassen. Medikament wird genommen und Ende. Auch da würde ich alle Sanktionen auffahren, die zur Verfügung stehen. Also abgesehen von körperlichen Strafen etc. natürlich.


    Könnte es sein, dass Du ein bisschen an Deinem Selbstbewusstsein feilen musst? :knuddel

  • Wie alt ist denn der Knabe?!?!


    Das war auch gerade meine erste Frage im Kopf.


    Mein Sohn erhält auch seit der 1. Schulklasse ein Medikament. Wir hatten zuerst Medikinet, das klappte auch nicht gut, er war danach immer extrem aufgekratzt.
    Wir haben zu Equasym Retard gewechselt, das wirkt gleichmäßiger.


    Mein Sohn, 11, will es auch nicht nehmen. Wir hatten mal im Sommer ca. 3 Monate ohne versucht, aber haben uns dann doch dazu entschieden, daß er es wieder nimmt. Er hat geschimpft und geweint, aber es klappt wieder besser damit. :frag Auch ich hab schon Gegenwind erfahren müssen, aber ich sag auch immer "Leb mal eine Woche mein Leben mit ihm, dann verstehst Du es."


    Ich weiß nicht, wie alt Dein Sohn ist. Aber solang er noch keine 18 ist und ihm Haushalt lebt, und ich der Meinung bin es geht nicht ohne, gäbe es bei mir keine Diskussion!!

    Wer sich den Gesetzen nicht fügen lernt,

    muß die Gegend verlassen, wo sie gelten.

    (Johann Wolfgang von Goethe)

  • um die Fragen zu beantworten:


    Mein Sohn ist 9 Jahre alt. Die Thematik besteht schon länger und ich habe (zusammen mit dem Papa des Kurzen) auch schon sehr viel versucht.


    Eine Diagnose was vorliegt konnte bisher noch nicht gemacht werden, weil Junior sich stets verweigert hat. Die Sitzungen und Gespräche hat er erfolgreich ausgesessen. Mal dachte ich, er kann vielleicht nicht mit dem Therapeuten und habe diesen daher gewechselt. Eine Besserung hatten wir aber auch nach keinem anderen Therapeuten, Psychologen, etc. Ich habe also keine wirkliche Ahnung.


    Im Raum steht Autismus.


    Tja...mein Selbstwertgefühl ist...nicht mehr vorhanden. Die letzten Jahre habe ich, wie gesagt, alles versucht und meinem Sohn immer mein Vertrauen geschenkt. Mein Mutterherz ist sooooo groß.


    Aber was tun, wenn er die Medis quer durch die Wohnung schleudert, statt sie zu nehmen? Einflößen geht ja nicht.


    Oh mann, ich zittere, weil ich mich selbst Ohrfeigen könnte. Ich habe gerade keine Ahnung was richtig oder falsch ist. :S


    Heute ist Junior bei seinem Papa. Leider lief es dort bisher auch nicht besser, ebenso bei Oma und Opa. Bin gespannt was ich heute Abend zu hören bekomme...

  • Unterjubeln in fruchtzwerg oder sowas, also Tablette mörsern und einrühren? Gibt es das vielleicht in Tropfenform etc? Ansonsten würde ich mal nen Arzt fragen, wie man Medikamente in ein Kind in diesem Alter rein bekommt.


    Ich weiß,ich bin ja ne rabenmutter, aber ich hätte da nicht so die Skrupel die Tabletten mit zwang ins Kind zu bekommen, wenn es da ne Technik gibt. Ich würde sie anwenden. Das ist ja auf Dauer kein Zustand mit Bedrohungen und „Sachbeschädigung „. Ich glaube, man tut sich und seinem Kind auf Dauer da auch keinen Gefallen mit, wenn man so eine totalverweigerung aussitzt. Es wird ja nicht besser.


    Vielleicht käme ja auch eine stationäre Aufnahme zwecks Diagnostik in frage. Was würde er denn sagen, wenn du die 2 Alternativen zur Auswahl stellst? Also entweder zuhause und anstandslos die Tabletten nehmen oder stationärer Aufenthalt...


    Was deine Umwelt betrifft, brauchst du ein dickes Fell. Die laufen nicht in deinen Schuhen, also ist deren Urteil auch nix wert. Du musst jeden Tag mit deinem Kind klar kommen und das aushalten, also entscheidest du auch!


    :knuddel

  • Also mal ganz ehrlich: wenn mir mein 9jähriges Kind erzählen würde, dass es alles kurz und klein schlagen würde - "nur" wegen eines Medikamentes... das ist schon sehr krass! Bitte nicht als arrogant verstehen, denn so ist es nicht gemeint! Aber solche Aussagen oder Sachen durch die Gegend schmeißen gibt es hier nicht. Gegen einen 9jährigen kommt ein Erwachsener immer noch an und meiner Meinung nach hat die persönliche Freiheit und der Individualismus eines Kindes (!!!) seine Grenzen. Kinder sind keine Erwachsenen.


    Doch was tun, wenn bereits solche Grenzen überschritten sind? Ich gehe davon aus, dass ihr in psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung seid?! Mein erster Schritt wäre vermutlich ein Kriseninterventionsgespräch, sprich: ein zeitnaher Termin, eben weil es dringend ist. Dort würde ich mir Hilfe holen - und sei es "nur", dass man MIR zuhört und mir ggf. Tipps für den Umgang mit meinem Kind gibt. Als nächstes muss die Diagnostik zügig laufen. Autismus ist eine völlig andere Geschichte als z.B. AD(H)S. Und als dritten Schritt würde ich mir überlegen, ob ich die Verantwortung nicht für einen begrenzten Zeitraum abgebe. Es gibt - und das weiß ich aus eigener Erfahrung (!) - sehr gute Reha-Kliniken incl. Schulen für Kinder und Jugendliche, in die die Kinder / Jugendliche für einen zeitlich begrenzten Zeitraum (z.B. 4-6 Wochen) aufgenommen werden. Für einen selbst als Elternteil IST das hart! Aber es entlastet auch für einen gewissen Zeitraum. Manche dieser Kliniken übernehmen auch Teilbereiche der Diagnostik.


    Wenn ich lese, was du schreibst - so kann es eigentlich nicht weitergehen, oder? Ich wünsche dir viel Kraft!

  • Ich gehe davon aus, dass ihr in psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung seid?!


    Wenn ich das richtig gelesen habe, verweigert er diese Sitzungen auch? Wenigstens interpretiere ich "ausgesessen" so.


    Edit: Sofern man selbst nicht an Grenzen gehen will, wie man ein Kind "überreden" kann (und wer will das schon?), hat man erstaunlich wenig Möglichkeiten es zu einen bestimmten Verhalten zu nötigen. Normalerweise sollte die Verständigung anders funktionieren, aber bei einigen Kindern fehlt dieses grundlegende Konzept. Sonst würde es keine Sachen um sich schmeißen. Ich gebe zu, das auch mir die Idee mit einfach-unterjubeln gekommen ist, aber ich würde mich moralisch schlecht fühlen, so als ob ich in seinen Sachen schnüffel o.ä. Und wer weiß ob die Medikamente überhaupt nutzen?
    Ansonsten pflichte ich maumau bei. Hilfe holen und Diagnostik vorantreiben, notfalls stationär.

    Einmal editiert, zuletzt von butterblum ()

  • Ob die Medis nützen oder nicht, stellt man ja beim Unterjubeln am Besten fest, da er nicht weiß, ob er welche bekommt. Da wäre ich skrupellos.


    Egal, ob der Sohn‘s Verhalten jetzt „nur“ rotzlöffelig oder krankhaft ist: ich denke, es ist extrem wichtig, dass die TS wieder die Handlungshoheit bekommt. Ein 9jähriges Kind bestimmt einfach nicht, ob er Medikamente bekommt. Ich will Dein Problem überhaupt nicht klein reden, aber DU bist der Bestimmer. Du schreibst, dass er auch schon einige Therapeuten „verschlissen“ hat. Das bedeutet, dass er ja mit seinem Verhalten auch durchkommt. Ich denke, da musst Du was ändern.


    Meine Tochter hat in dem Alter furchtbare Tobsuchtsanfälle gehabt. Die hat geschrien, dass es mich nicht gewundert hätte, wenn irgendwann Polizei und Jugendamt vor der Tür gestanden wären. Es ist mehr als einmal vorgekommen, dass ich Sie mir unter den Arm geklemmt habe und in ihr Zimmer geschleppt. Da hat sie dann weiter toben können....


    So, und jetzt kommt mal wieder mein Lieblingsthema :D : keine Angst vor stationärer Aufnahme!!!! Mein Sohn war - aus anderen Gründen - drei Monate in der Kinderpsychiatrie. Das war damals das Beste, was ihm passieren konnte. Dort waren Kinder mit allen möglichen Schwierigkeiten und einige „hatten Aggression“. Keine Ahnung, was dort mit diesen Kindern gemacht wurde, aber auch denen konnte wirklich gut geholfen werden.


    Das ist auch überhaupt keine Schande, wenn Dein Blinddarm kaputt ist, gehst Du ja auch ind Krankenhaus.... allein schon die Tatsache, dass ihr zwei mal getrennt werdet und aus Euren eingefahrenen Verhaltensmustern raus kommt, kann Wunder wirken. Was die liebe Verwandtschaft angeht, kann ich nur die Ärzte zitieren: lasse reden.... Dein Kind, Deine Entscheidung (abgesehen vom KV natürlich, aber der scheint ja mit im Boot zu sitzen)


  • Wenn ich das richtig gelesen habe, verweigert er diese Sitzungen auch? Wenigstens interpretiere ich "ausgesessen" so.


    Ich würde das auch so interpretieren. Nichtsdestotrotz sehe ich eine Familie (auch wenn sie aus 2 Personen besteht - Mutter und Kind) immer als Ganzes, als ein System. Bingo spielen immer zwei (oder mehr Personen). Ich meinte eigentlich, dass ICH mir als Mutter Hilfe hole, d.h. einen Elterntermin vereinbare und wahrnehme. Dort würde ich dann versuchen, herauszufinden, wann und wo genau die Situationen eskalieren, was vorher gelaufen ist und wie ich in der Situation sinnvoll und zielorientiert (= einerseits deeskalierend, andererseits aber auch ohne mich zum Affen zu machen) agieren kann.


    Es ist ein Unterschied, ob ich einen 9- oder einen 14jährigen vor mir habe. Den 14-jährigen frage ich und übertrage damit einen Teil der Verantwortung. Aber auch beim 14-jährigen hat das Maß an Verantwortung Grenzen. Wir alle - die pubertierende Kinder haben oder hatten - können je nachdem mehr oder weniger ein Liedchen davon singen.


    Ich meine damit nicht, dass ich das Kind rücksichtslos überfahre. Natürlich muss ich das Kind und seine Bedenken und Ängste ernst nehmen! Wenn ich jetzt schreibe: "Manche Dinge MÜSSEN sein!" hat das wieder diesen negativen Beigeschmack - gerade bei Medikamenten, die aktuell ziemlich verpönt sind. Dabei geht es doch einzig und allein darum: "Was kann helfen?". Manchmal sind Medikamente durchaus eine Hilfe, damit das Kind überhaupt erst mal wieder auf den Teppich kommt - bildlich gesprochen. Konkret: damit das Kind überhaupt erst mal wieder soweit runter kommt, dass man mit ihm reden kann.


    Diagnosen wie z.B. AD(H)S oder auch Autismus sind meiner Meinung nach kein Persilschein. Sie erklären krasses Fehlverhalten, aber es ist keine Entschuldigung für alles. Mit der Diagnose ist es nicht getan - die eigentliche Arbeit geht dann erst richtig los - an Ritualen, Verlässlichkeit, auch Rücksicht auf die ganz eigenen Bedürfnisse des Kindes. Wie erarbeite ich Verhaltensalternativen? Wie agiere ich, wie agiert das Kind, welche Möglichkeiten gibt es zum Beispiel, wenn die Wut übermächtig wird? Was steht hinter der Wut? Dies alles mit den Bedürfnissen der anderen Familienmitglieder auf die Reihe zu bekommen, ist nicht einfach! Aber es ist meiner Meinung nach ein Geben und Nehmen.


    Ich hoffe, es ist halbwegs verständlich, was und wie ich das meine...

  • Hui, vielen Dank für eure zahlreichen Antworten.


    Aaalso: in deiner psychiatrischen Behandlung sind wir derzeit nicht - der nächste Termin ist erst in 06/18. Wenn es so lange noch gutgeht werde ich ihn wohl dahin zerren müssen. Weil freiwillig geht er da nicht hin.


    Was ihr schreibt ist schlüssig und auch logisch für mich. Die ganzen Schritte bin ich auch schon gegangen. Ich habe eine Familienhelferin, die auch gleichzeitig die Betreuerin aus der Schule meines Sohnes ist. Seit ein paar Monaten haben wir dazu noch einen männlichen Part. Beide sind wirklich kompetent in dieser Thematik.
    Zusammen haben wir schon sooo viele Lösungsmöglichkeiten ausgearbeitet, zusammen mit meinem Sohn. Also: Was könnte dir helfen, wenn du so wütend wirst? -> Rückzug, Auszeit, in ein Kissen schlagen etc.
    Wir haben mit visuellen Hilfsmitteln gearbeitet, da er im Moment der Wut nicht mehr zuhören kann -> Ergebnis war noch mehr Wut.


    Wann können wir über die Wut sprechen und herausfinden was dich wütend gemacht hat. An welcher Stelle kann man sir entgegenkommen und wo musst du einfach durch, weil es Dinge gibt die einfach so sind wie sie sind.


    Das letzte Gespräch zur Lösungsfindung mussten wir abbrechen, weil Sohnemann in keinster Weise bereits dazu war irgendetwas zu ändern.


    Ich werde also den weg der stationären Aufnahme gehen müssen, wenn der junge Herr hier nochmals ausrastet...

  • Ich hätte zwar auch keine Skrupel meinem Kind die Medis unterzuschummeln, aber fraglich wäre ob das regelmäßig täglich möglich ist.


    Gerade wenn Autismus im Raum steht wurde ich ihn nicht körperlich festhalten und zwingen das Medikament zu nehmen.


    Bei euch ist es so weit eskaliert und die Fachleute wissen auch keinen Rat, daher würde ich ihn auch schnellstmöglich stationär unterbringen.


  • Ich werde also den weg der stationären Aufnahme gehen müssen, wenn der junge Herr hier nochmals ausrastet...


    Die Frage ist: Wohin? Ehrlich gesagt, würde ich mich bereits JETZT informieren, welche Möglichkeiten und Kliniken es gibt. Ich habe den Eindruck (das ist aber nur mein ganz persönlicher Eindruck!), dass es durchaus Unterschiede gibt. Man kann solche Aufenthalte auch planen. Wenn ich mein Kind "von jetzt auf gleich" stationär unterbringe, kann es auch als Abschieben und Loswerden wollen rüberkommen - was es für alle nicht unbedingt einfacher macht, vor allem mit Blick auf die Zeit nach dem stationären Aufenthalt.


    Wenn du Kinder und Jugendreha googelst, findest du die verschiedensten Kliniken, die sich im Netz vorstellen. Ich mag keine Links einstellen, aber es geht dabei nicht nur um chronische Krankheiten, sondern auch um psychische Auffälligkeiten und Probleme. An den Kliniken wird, je nach Schwerpunkt der Klinik, das medizinisch-therapeutische Angebot individuell auf das jeweilige Kind abgestimmt. Vielleicht hilft es dir, dich auch mal in diese Richtung zu informieren. Viele der Kliniken haben jedoch Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr. Von daher: vielleicht ist es eine Alternative, so einen Reha-Aufenthalt bewusst zu planen, damit sich das Kind auch drauf einstellen und vorbereiten kann?! Ich kenne Jugendliche bzw. heute junge Erwachsene, die den Aufenthalt in einer solchen Reha-Klinik durchaus als positiv empfunden haben und sich sogar gerne an die Zeit in der Reha-Klinik zurückerinnern!


    Es ist halt immer die Frage, was hilft?!