Wie erkläre ich das meinem 3,5jährigen?

Die Registrierung ist wieder eröffnet! Wir begrüßen euch recht herzlich bei uns im Forum!
  • Ich bitte euch um euren Input - jeder Kommentar hilft mir weiter und sei es nur als Denkanstoß, denn ich empfinde die Situation gerade als sehr schwierig.


    Kurz nochmal die Zusammenfassung: KV ist depressiv und nicht in Behandlung. Teil seiner Erkrankung ist, dass er kaum Verantwortung für sich oder sein Tun übernimmt und versucht Problemen durch Lügen und Vortäuschen falscher Tatsachen (im großen Stil) aus dem Weg zu gehen. Die daraus entstehenden Probleme (vor allem das mangelnde Vertrauen), waren dann schlussendlich auch der Trennungsgrund. Er ist grundsätzlich ein liebevoller und toller Papa für die beiden Kids, kommt regelmäßig alle 14 Tage zum Umgang, die Kids freuen sich auf ihn und sind gerne bei ihm - alles prima.
    Jetzt ist es etwa ein Jahr her, dass er ausgezogen ist und ein halbes, seit die Kinder und ich in eine neue Wohnung gezogen sind. Ich würde mittlerweile unser Zusammenleben als "gefestigter, ganz normaler, alltäglicher Wahnsinn" beschreiben. ;-) Sprich: So normal, wie es eben allein mit einem 3,5jährigen Sensibelchen und einer 15 Monate alten Dickköpfin sein kann. Es ist anstrengend, aber ich bin überglücklich meine beiden Kids zu haben und ich sehe erstmal keine größeren Probleme (mehr).


    So sieht das wohl auch das Söhnchen, denn der befasst sich jetzt nochmal ganz anders mit der "Papa wohnt nicht mehr bei uns" Thematik und zwar auf eine Weise, bei der ich mir nicht sicher bin, in wie weit das altersentsprechend ist. Bei der Trennung hatte KV ihm gesagt, dass er ausziehen muss, weil er krank ist und deswegen so viel lügt. Er müsse sich erst Hilfe suchen und zum Arzt gehen, damit er wieder gesund wird. Damals kam öfter mal die Frage, wieso der Papa nicht zum Arzt geht. Das hab ich immer mit "Das kann ich dir leider nicht sagen, ich weiß es auch nicht." beantwortet. Aber jetzt ist es irgendwie anders geworden.


    Die erste Situation war bei einem der allabendlichen Telefonate mit dem Papa. Kurz vorher hatte er mich gefragt, ob wir dem Papa auch einen Geburtstagskuchen backen, wenn der wieder Geburtstag hat (er war davor dabei gewesen, seinen eigenen Geburtstag inkl. Kuchen und Gästeliste schon mal zu planen) und ich hab abgelehnt, mit der Begründung, dass der ja nicht mehr hier wohnt und bestimmt in seiner Wohnung einen Geburtstagskuchen hat. Beim Telefonat kam dann plötzlich "Papa, ich möchte mich mal mit dir unterhalten. Darüber, wieso du immer lügst. Das ist nicht in Ordnung, wenn man lügt, weil andere wollen nicht angelügt werden." - der KV war zuerst sprachlos, ich ebenfalls. Er hat dann versucht Söhnchen abzulenken und hat nach dem Kindergarten gefragt, aber Söhnchen blieb hartnäckig. "Magst du vielleicht was dazu sagen, Papa? Wie können wir das machen, dass du nicht immer lügen musst?" Da hat KV dann drum gebeten, dass er mal mit mir sprechen kann und Söhnchen hat mir das Telefon gegeben. KV ging (verständlicherweise) davon aus, dass ich da irgendwas zum Söhnchen gesagt habe. Hatte ich aber nicht.
    Die Wortwahl hat Söhnchen übrigens definitiv von mir geklaut - man ersetze "lügen" durch "schubsen" und man hätte ziemlich genau, was ich ihm sagen würde, wenn er seine Schwester schubst.


    Seither kommen immer wieder solche Sätze von ihm, in denen er das Lügen thematisiert. Auch "Der Papa ist ja selbst schuld, dass er immer so viel lügt." kam vorgestern mal oder "Wenn ich mal ein Erwachsener bin, dann lüg ich nicht.". Es beschäftigt ihn sehr, das merke ich daran, dass er eben immer wieder, auch ohne Zusammenhang oder konkreten Anlass, damit anfängt. Er ist zur Zeit auch wieder seeeehr anhänglich und kuschelbedürftig, was bei ihm immer ein Zeichen ist, dass er an etwas zu knabbern hat.
    Ich habe versucht, mit ihm darüber zu reden und da meinte er nur, dass es ihn traurig macht, dass der Papa nicht hier ist und er sich wünscht, dass der Papa nicht mehr lügt, danach hat er das Gespräch abgebrochen und möchte auch nicht mehr drüber reden.


    Außerdem habe ich ein Gespräch mit dem KV geführt, weil ich es extrem scheiße fand, dass er den Kleinen so hat auflaufen lassen mit seinen Fragen. Kind hat offensichtlichen Redebedarf und es ist Aufgabe des Elternteils, sich dann eben auch mit unbequemen Fragen auseinander zu setzen. Zumal Söhnchen auch ein Kind ist, dem man sagen kann, dass man einen Moment darüber nachdenken muss. Oder wenigstens mal anerkennen, dass Kind diese Fragen gestellt hat und anbieten, dass man da später drüber redet. KV tat sich mit sowas schon immer schwer, hat aber versprochen, dass er versuchen wird mit dem Söhnchen nochmal ein Gespräch zu führen.


    Hier gibt es doch bestimmt noch mehr Menschen, deren Ex-Partner ungelöste psychische Päckchen mit sich herumtragen und die diese Situation ihren Kindern erklären mussten/wollten. Wie habt ihr das gemacht, kindgerecht natürlich. Ich schaffe es ja noch nicht mal, dem erwachsenen Teil meiner Familie zu vermitteln, wie das ist und das in dem Fall die Lügerei nicht nur Ausdruck unserer misslungenen Partnerschaft, sondern ein grundsätzliches Problem ist. :rolleyes3:

    Ich bin eine Mutter - und was ist deine Superkraft?

  • Ist die Erkrankung des Vaters (wenn auch nicht behandelt) wenigstens gesichert und umfangreich diagnostiziert?


    Da liegt auf den erste Blick aus meiner Sicht das Hauptproblem-
    Euer Sohn sieht nicht die Erkrankung, sondern "experimentiert" mit den "Lügen"-
    er kann Lügen und nicht Lügen nachvollziehbar trennen, und kann eben nicht verstehen, warum der Vater das nicht kann-
    selbst ich kenne kaum eine Erkrankung, deren Hauptsymptom "Lügen" ist-
    viel mehr vermute ich, dass ihr mit dem Wort "Lügen" mehr die Gesamtlage meint, und nicht das, was normalerweise darunter verstanden wird-


    Hier könnte verständlicherweise der Wunsch dahinter stecken, wenn "der Vater einfach aufhört, zu lügen- dann wäre alles wie früher, und ihr wieder eine Familie"
    Somit versucht er hier im Rahmen seiner Möglichkeiten "zu helfen"-


    Ist es denn bei Dir innerlich so, dass Du wieder mit dem Vater zusammenkommen würdest, wenn er seine Erkrankung (mit Erfolg) behandeln lassen würde?


    oder ist es eine Trennung, die eine Trennung ist.... bei der die Gründe zwar (für Dich) klar sind, aber unumkehrbar-


    Ich lese, dass der Sohn dies eben nicht so sieht, sondern (innerlich) glaubt, es läge nur am Willen des Vaters, dies zu ändern-
    und jetzt versucht er (natürlich) das, was er selber lernt, auf ihn zu übertragen


    Ich denke, es könnte Sohni weiterhelfen, wenn er nicht in die Gründe der Trennung mit einbezogen wird, sondern
    Du ihm klar machst, dass ihr Euch getrennt habt, weil ihr Euch nicht mehr liebt-
    völlig unabhängig davon, ob der Vater nun lügt, weil er krank ist, oder halt auch nicht-
    also, dass das Verhalten des Vaters nichts mit der Trennung zu tun hat-

    Lieber Gruss


    Luchsie


    Dein Denken kann aus der Hölle einen Himmel und aus dem Himmel eine Hölle machen.


    Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug. (Epikur)

  • Ich bin erstaunt. Das der KV ihm bei der Trennung diese Gründe genannt hat. Da muss dein Sohn ja erst 2,5 gewesen sein.
    Hast du oder der Vater oder irgend jemand das Thema Pap ist krank und lügt deswegen so viel jemals nochmal thematisiert?


    Ich finde es erstunlich, wenn er sich das gemerkt hat.


    Von der Entwicklung des Kindes her kommt das Verständnis für lügen eigentlich erst später. Auch wenn wir Erwachsenen das schonmal sagen, wirklich verstehen was lügen ist fängt zwischen 4-5 Jahren an.


    Ich würde auch eher dem Kind sagen, ihr habt euch getrennt, weil ihr euch nicht mehr lieb habt. Das der Papa krank ist kann man ihm auch sagen (ist ja toll das der KV sich das selbst eingesteht, auch wenn er sich vielleicht noch keine Hilfe geholt hat, die Erkenntnis ist ein Schritt) ABER ich würde die Inhalte der Krankheit nicht benennen. Das ist zuviel. Zu einer Depression finde ich könnte eine Erklärung passen: Papa ist krank, die Krankheit macht ihn sehr müde und er kann nicht richtig denken.


    Ich habe es erst letztens selbst gesagt bekommen: bei Kindern bleibt oft die Hoffnung irgendwann wieder die Ursprungsfamilie zu haben.
    Nimm ihm die Hoffnung.


    Bei psychischen Erkrankungen oder auch Suchterkrankungen die ja in der Regel mit psychischen Problemen einhergehen, gibt es meistens ein "vertuschen wollen" bzw. "lügen".
    Die betroffene Person, ist in erster Linie sich selbst gegenüber nicht ehrlich.


    Man sagt ja auch häufig: diese Personen müssen erstmal ganz tief fallen, um an sich zu arbeiten. Oder sie hätten sich schon Hilfe geholt.


    Ich kenne jemanden der hatte einen Burn Out -vom Arzt diagnostiziert (vor 6 Jahren) und hat sich NIE professionelle Hilfe gesucht. Dieser Mensch behauptet steif und fest das alles ohne Hilfe wieder in den Griff bekommen zu haben.
    Er ist hoch verschuldet und baut immer Schulden auf. Kriegt Dinge wie eine Arbeit zu finden, mit der er finanziell gut zurecht kommen würde (und was er auch könnte, dumm ist der nicht) nicht hin, verspricht allen möglichen Leuten alles Mögliche und kriegt es nicht auf die Reihe. Hält Verabredungen nicht ein etcpp.
    Der lügt eigentlich in einem fort.
    ABER ich glaube der kriegt es selbst nicht überblickt. Lebt eigentlich weiter in der Depression des Burn outs aber merkt es nicht.
    Wenn man ihn darauf anspricht ist er agressiv und sauer.

    Träume nicht dein Leben - lebe deinen Traum! :)

  • KVs Erkrankung ist diagnostiziert und die Diagnose von verschiedenen Stellen bestätigt. Er war schon mehrmals in Behandlung, aber nie aus eigenem Antrieb etwas zu ändern, sondern immer nur, weil andere (hauptsächlich ich, aber auch seine Familie) darauf gedrängt haben. Die hat er dann jedes Mal abgebrochen, sobald es ihm besser ging, aber es nie geschafft, den guten Zustand zu erhalten und ist jedes Mal wieder abgerutscht.
    Das Lügen fängt bei ganz "normalen" Lügen an und geht bis zu richtig großen Täuschungs- und Vertuschungsaktionen. Er ist z.B. mehrere Wochen lang jeden Morgen aus dem Haus und kam erst nachmittags wieder, um zu verbergen, dass er exmatrikuliert wurde. Schulden gibt es leider bei uns auch dadurch. Er sagte selbst, dass er sich immer einredet, dass er doch noch alles wieder hinbekommt, bevor irgendjemand das merkt. :kopf Hat er wohl schon in der Kindheit so gemacht und ist nie davon losgekommen.


    Söhnchen hat kurz vor der Trennung mal ein Streitgespräch mitgehört, als wir dachten, dass er schon schläft. Die alte Wohnung war da sehr hellhörig bzw. da es keinen Flur gab, hat man eben im Kinderzimmer immer gehört, was im Wohnzimmer gesprochen wurde. Da haben wir die ganze Sache mit Arzt, Krankheit, Lügerei etc. thematisiert.
    Außerdem redet meine Schwiegermutter immer, als wären keine Kinder dabei. Und sie ist nicht unbedingt KVs größter Fan (um es mal vorsichtig auszudrücken).


    Zu Beginn war es wirklich "nur" eine räumliche Trennung, immer in der Hoffnung, dass es ihm vielleicht den nötigen Motivationsschub bringt, den er bräuchte um was ändern zu wollen. Ob ich ihm noch eine Chance geben würde, wenn er sich wirklich mal verantwortungsbewusst und angemessen um sich selbst kümmern würde, ist eine schwere Frage. Vor allem, weil ich mir diese Situation nicht vorstellen kann.


    Ich hab Söhnchen schon mehrmals gesagt, dass der Papa und ich nicht mehr zusammen wohnen können, weil wir uns immer ganz viel gestritten haben und wir das so nicht mehr wollen. Aber ihr habt Recht, vielleicht muss ich wirklich nochmal klarer die Endgültigkeit kommunizieren.


    Danke euch!

    Ich bin eine Mutter - und was ist deine Superkraft?