Reaktionen der Umwelt

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  • Hallo,


    ich hab drei Jungs, 12 Jahre und 9jährige Zwillinge und bin seit Mai 2012 getrennt.
    Bei dem älteren der Zwillinge wurde im Juli ADHS diagnostiziert nachdem er - wohl auch noch durch die Trennungssituation getriggert - in der Schule zunehmend auffälliger wurde. Es verging kaum ein Tag, an dem ich nicht angerufen wurde und gebeten ihn abzuholen.


    Er bekommt seit der Diagnose Medikinet und ist in psychologischer Betreuung und wir arbeiten auch noch mit verhaltenstherapeutischen Instrumenten.
    Diese Maßnahmen haben bei dem Kind Wunder bewirkt, Lehrerin, Psychologe und ich sind begeistert über seine Fortschritte. Auch mein Sohn selber sagt dass er viel glücklicher ist in der Schule und wieder Spaß daran hat, was sich auch in den Noten wiederspiegelt (4. Klasse...).


    Ich muss dazu sagen, dass mir die Entscheidung pro Medikament nicht leicht gefallen ist. Letztendlich gab auch mit den Ausschlag dass ich durch die Trennungssituation kräftemäßig ziemlich am Ende war und es auch unmöglich war durch das ADHS-typische Verhalten meines Sohnes Ruhe in die Familie zu bringen, auch die Brüder litten unter der ganzen Situation.


    Jetzt wollte ich Euch mal fragen, wie bei Euch die Umwelt damit umgeht. Ich habe schon sehr viele negative Reaktionen erfahren, viele meinen sie kennen sich aus und können ohne Ahnung verurteilen wenn man seinem Kind Medikinet bzw. Ritalin gibt.
    Zeitweise kann ich ziemlich gelassen damit umgehen, zeitweise habe ich überhaupt keine Lust auf Diskussionen oder mich nervt es einfach mich automatisch dafür verteidigen zu müssen.


    Mein Weg ist nun der, dass ich jegliche Diskussion abblocke und nur noch sage, dass nur derjenige der sich in der gleichen Situation befindet wie ich sich ein Urteil erlauben kann.


    Nun interessiert mich wie es Euch mit solchen Reaktionen ergangen ist?


    Liebe Grüße
    Raya

  • Unterschiedlich. Ich differenziere aber auch, wem ich welche Informationen gebe.


    Die meisten Freunde meines Sohnes wissen nicht um die Diagnose und die Medikation, nur einige wenige gute Freunde, die ihn auch mit und ohne Medikament kennen. Ablehnende Kommentare habe ich von denen nicht erhalten, z.B. auch, weil eines der Freundeskinder ebenfalls wegen eines ADHS unter Medikation steht.


    Mit Lehrern spreche ich offen, muss ich auch, die Gespräche drehen sich ja oft um Details wie Aufmerksamkeit in den letzten Schulstunden und Dauer der Medikamentenwirkung. Die Grundschullehrerin hatte sich auch sehr vorbildlich an einer systematischen Bewertung beteiligt zur Kontrolle der Medikamenteneinstellung. Auch bei Lehrerinnen habe ich nie Ablehnung erlebt, obwohl die meisten lieber weniger als mehr Medikamente bei Kindern sehen wollen.


    Ablehnende Reaktionen der Umwelt habe häufiger erlebt, als unser Sohn noch erhebliche Probleme im Verhalten und in der Schule hatte, bevor er Medikinet Retard genommen hat und bevor Verhaltens- und schulische Probleme gezielt angegangen wurden.


    Grundsatzdiskussionen mit festgefahrenen Meinungen kann man in der relativ unpersönlichen Forenwelt erleben. Davon würde ich mich aber frei machen.

  • Also mein Bursche bekommt seit er 2 Jahre alt ist Epilepsie Medikamente nebst alle 3 Wochen für 3 Tage hochdosier Cortison, damit sind die Anfälle zurück gegangen und mein Sohn kann im Rahmen seiner Möglichkeiten ein "normales" Leben führen.


    Gut die Diagnose/n ist sind andere, aber ich bekam auch schon oft genug unfreiwillig missionierungs Versuche in Richtung gib doch Kügelchen, was tust du dem Kind an usw usw zu hören.Epilepsie musst du nur die Ernährung umstellen...


    Ich bin da inszwichen sehr pragmatisch geworden und stelle eine Kosten-Nutzenrechnung auf und im Fall meines Burschens ist der Nutzen eindeutig höher.


    Ich muss nicht jedem erklären warum und wieso ich Dinge so händel, nur weil mein Kind anders ist.


    Liebe Grüße


    Ute

  • Auch mein Sohn selber sagt dass er viel glücklicher ist in der Schule und wieder Spaß daran hat,

    Das ist das wichtigste


    Jeder Fall ist unterschiedlich und immer vom familiären Umfeld abhängig nicht um sonst verschlimmert sich bei vielen die Situation wenn sich das Umfeld ändert.


    ADS Kinder brauchen 100% und mehr Aufmerksamkeit mit dem richtigen Umfeld kann man das hin bekommen.


    Mit mehren Kindern ist das nahe zu unmöglich da auch die ihre Aufmerksamkeit brauchen

    Probiers mal mit Gemütlichkeit mit Ruhe und Gemütlichkeit

    jagst du den Alltag und die Sorgen weg

  • ich hab drei Jungs, 12 Jahre und 9jährige Zwillinge und bin seit Mai 2012 getrennt.
    Bei dem älteren der Zwillinge wurde im Juli ADHS diagnostiziert nachdem er - wohl auch noch durch die Trennungssituation getriggert - in der Schule zunehmend auffälliger wurde. Es verging kaum ein Tag, an dem ich nicht angerufen wurde und gebeten ihn abzuholen.

    Vielleicht solltest Du die anderen auch testen lassen. ADHS ist erblich - daher würde es mich sehr wundern, wenn die anderen nicht betroffen wären ;-)

  • Vielen Dank schon mal für Eure Antworten!


    Epilepsie mit Kügelchen und Ernährungsumstellung behandeln - Du liebe Güte! :wand Unvorstellbar, ich kann das auch aus beruflicher Sicht sagen dass das gar nicht möglich ist, das wäre sogar fahrlässig.


    Mit der Lehrerin kann ich offen reden über die Medikation, das ist ja auch wichtig um die richtige Einstellung zu finden. Mit ihr haben wir einen Glücksgriff getan. Zufällig sind die Kinder auch noch in der Klasse in der sowieso Kinder mit erhöhtem Förderbedarf dabei sind, dafür wird noch eine Lehrerin zusätzlich eingesetzt. Aber auch diese ist sehr zugänglich und offen.


    Meist überlege ich auch wem ich von der Diagnose erzähle um mir Diskussionen zu ersparen. Wobei niemand anzweifeln würde wenn mein Kind wegen einer Herzkrankheit medikamentös behandelt werden müsste...


    Ach ja und Jinx, danke für den Tipp - tatsächlich hat auch einer meiner Neffen ADHS. Die Kinderpsychiaterin hat das mit mir auch besprochen dass es einen familiäre Häufung gibt. Und so wurde der Zwillingsbruder auch getestet, obwohl sie zweieiig sind. Er fiel auch in der Schule auf, denn er hatte angefangen das Verhalten seines Bruders nachzuahmen da der halt so mehr Aufmerksamkeit bekam... Aber bei ihm liegt eindeutig kein ADHS vor.


    Und bei meinem ältesten Sohn (12 Jahre, 6.Klasse) sind gar keine Symptome zu beobachten, weder im familiären Umfeld noch in der Schule. Vom daher wurde in Rücksprache mit der Ärztin von einer Testung abgesehen, bei ihm liegen gar keine Anhaltspunkte vor. Zum Glück kann ich da nur sagen...

  • Du, ich finde, man muss sich nicht immer rechtfertigen oder sich solchen Diskussionen aussetzen. Wenn es bei Euch passt, dann ist das doch okay! Du als Mutter beobachtest ja den Zustand und das Wirken der Medikamente. Warum deshalb rechtfertigen???


    Ich kenne andere Fälle, wo leichtfertig Ritalin verordnet wurde, um ein geistig behindertes, aber sehr aktives Kind (mittlerweile erwachsen) 'ruhig zu stellen'. Hatte negative Auswirkungen; z.B. Appetittlosigkeit (Untergewicht) und andere Störungen zur weiteren Folge. Mutter hat abgesetzt und nach weiteren Indikatoren geforscht. Andere Geschichte...


    Nein, alles gut, warum suchst Du eine Rechtfertigung? Dafür gibt es keinen Anlass Dritten gegenüber.

  • Ach ja und Jinx, danke für den Tipp - tatsächlich hat auch einer meiner Neffen ADHS. Die Kinderpsychiaterin hat das mit mir auch besprochen dass es einen familiäre Häufung gibt. Und so wurde der Zwillingsbruder auch getestet, obwohl sie zweieiig sind. Er fiel auch in der Schule auf, denn er hatte angefangen das Verhalten seines Bruders nachzuahmen da der halt so mehr Aufmerksamkeit bekam... Aber bei ihm liegt eindeutig kein ADHS vor.


    Und bei meinem ältesten Sohn (12 Jahre, 6.Klasse) sind gar keine Symptome zu beobachten, weder im familiären Umfeld noch in der Schule. Vom daher wurde in Rücksprache mit der Ärztin von einer Testung abgesehen, bei ihm liegen gar keine Anhaltspunkte vor. Zum Glück kann ich da nur sagen...

    Mir wurde das so erklärt: ADHS ist erblich, 2v3 Kindern haben es von ihren Eltern. Und zwar von Geburt an. Wenn plötzlich einer von zwei Zwillingen ADHS hat und der andere nicht und es erst bei einem älteren Kind "auftritt", macht mich das stutzig. Für ADHS gibt es auch keinen "Auslöser." Du solltest unbedingt in Dich gehen und überlegen, ob er schon immer zappelig war. Konnte er früher stillsitzen? Sich konzentrieren?
    Falls nicht solltest Du den Rat eines zweiten Spezialisten einholen. Komisch ist auch, daß bei diversen U`s auf ADHS geschaut wird. Entweder haben alle Ärzte bisher versagt oder die Wahrscheinlichkeit von ADHS sinkt. Die Medikamente sind nicht ganz ohne, Du verstehst, worauf ich hinaus will?

  • Wenn plötzlich einer von zwei Zwillingen ADHS hat und der andere nicht und es erst bei einem älteren Kind "auftritt", macht mich das stutzig.


    Meist ist ADHS erst in der Schule auffällig, denn da wird die Konzentration erst so richtig eingefordert. Ich kenne kein Kind, das bereits im Kindergartenalter medikamentös behandelt wurde.


    Entweder haben alle Ärzte bisher versagt oder die Wahrscheinlichkeit von ADHS sinkt. Die Medikamente sind nicht ganz ohne, Du verstehst, worauf ich hinaus will?


    ICH bezweifle sowieso die Anzahl der angeblichen ADHS-Fälle.
    Und die Ärzte können das in so kurzer Zeit während einer U die Problematik doch gar nicht erkennen. Das sind Haus- bzw. Kinderärzte und darauf nur bedingt geschult. Da müsste schon früh ein Psychologe ran. Und das kann ja nicht Sinn und Zweck sein, das erstmal lebhafte Kind schon sehr früh so kirre zu machen....


    Ich bin absoluter Ritalin-Gegner. Jedoch weiss ich nicht, wäre mein Kind betroffen und ginge auf eine Regelschule, ob ich diesem Druck den man dort dann hat, standhalten könnte und nicht doch aus diesen Gründen raus der Medikamenten-Gabe zustimmen würde. Keine Ahnung.... Ausserdem kommts ja noch auf den Einzelfall an, das Sozialverhalten usw.


    Für mich ist das eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera.....und niemals sollte man jemanden verurteilen deswegen, wenn man selber nicht in dieser Problematik hängt.


    Leg Dir @TE ein dickes Fell zu und denk Dir einfach Deinen Teil bei blöden Kommentaren.

    Grüsse Tani :wink



    Du bist nicht das was Du sagst, sondern das was Du tust!

    2 Mal editiert, zuletzt von tanimami73 ()

  • tani,
    ich persönlich bin hin und hergerissen zwischen "ADHS existiert als ernsthafte Krankheit" und "ADHS ist das Ergebnis von (V)Erziehung" und unglücklicher Umstände. Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Manche Menschen kommen trotz ADHS gut im Leben zurecht, manche scheitern kläglich an den Schablonen, in die sie nicht passen.
    Bei vielen wird ADHS festgestellt und behandelt, obwohl sie "nur" Aufmerksamkeit und Auslauf benötigen würden.


    Leider fällt ein ADHS Kind schon früh aus dem Rahmen, stillsitzen ist nicht und oft merkt man das nur, wenn man drei Kinder nebeneinander beobachten könnte. Leider funktioniert auch kein "Ich war als Kind nicht so" oder "Ich war als Kind genauso" - zumindest nicht, wenn ADHS erblich ist. Und genau das macht mich bei TS stutzig. Ebenso, daß es einen Auslöser dafür gegeben haben soll. Daher meine Rat, sich einen zweiten Arzt, der vielleicht besser ist, zu suchen. Vielleicht eine Tagesklinik?


    Wenn also plötzlich jedes vierte Kind ADHS diagnostiziert bekommt (Grundschule Kanada) dann macht mich das stutzig. Es könnte auch nur Überforderung sein. Oder die Ärzte schaffen sich ihren Patientenkreis selbst. Die Gesprächstherapien, die es zu ADHS gibt, befürworte ich auch bei nicht ADHS Kindern oder Grenzfällen. Nur Medikamante verschreiben lassen wäre für mich daher ein absolutes No-Go.


    Aber das müssen die Eltern selbst entscheiden.

  • @ Jinx: ich glaube da gabe es ein Missverständnis: ich schrieb dass das ADHS im Juli diagnostiziert wurde. Die Auffälligkeiten bestehen schon viel länger, es ging so in der zweiten Hälfte der ersten Klasse los. Doch wir haben erstmal alle anderen Möglichkeiten probiert (auch in Richtung "Aufmerksamkeit und Auslauf"), ADHS wollten wir nicht wahrhaben.
    Im Nachhinein ein Fehler, ich hätte schon viel eher zum Facharzt gehen sollen mit meinem Sohn.


    Und einen Auslöser gab es auch nicht, ich meinte nur, dass das ganze durch die Trennungsproblematik so verstärkt wurde, dass ich einfach nicht mehr die Augen verschließen konnte.


    Und es gibt einen Unterschied zwischen "erblich" und familiärer Häufung, es muss also nicht zwangsläufig jedes Kind betreffen bzw. die Eltern betroffen haben.


    Die Diagnose zweifle ich nicht an, die Fachärztin bei der ich mit meinem Sohn war ist sehr gründlich und verordnet Ritalin auch nicht im Gießkannenprinzip.
    Zudem stützt die durchschlagende Wirkung des Ritalins die Diagnose.


    In der kurzen Zeit, die der Kinderarzt die Kinder sieht bei den Vorsorgeuntersuchungen (und in meinem Fall auch noch zwei Kinder gleichzeitig) müssten schon massive Hinweise da sein auf ein ADHS damit es auffällt.


    Ich freue mich ja über Eure ernstgemeinten und netten Ratschläge, aber die Diagnose steht fest, da besteht kein Zweifel (zumal ich auch noch beruflich damit zu tun habe).


    Mein Thema war eigentlich, ob Euch auch solche wenig verständnisvollen bzw. besserwisserischen Reaktionen schon begegnet sind und wie Ihr damit umgegangen seid.

  • Die Gesprächstherapien, die es zu ADHS gibt, befürworte ich auch bei nicht ADHS Kindern oder Grenzfällen. Nur Medikamante verschreiben lassen wäre für mich daher ein absolutes No-Go.


    - Es gibt keinen Nachweis, dass Gesprächstherapie positive Wirkungen bei ADHS hat, das gilt auch für psychoanalytische Verfahren. ADHS ist zu ca. 80% vererblich, es ist keine Frage der Erziehung oder von Konflikten, es gibt auch keine auslösenden Lebensereignisse.


    - Eine nachgewiesene Wirksamkeit haben Medikamente (stärkste Wirkung) und Verhaltenstherapie (geringere Wirkung). Bekommt ein Kind Medikamente, dann ist der zusätzliche Effekt von Verhaltenstherapie gering. In der Regel kombiniert man eine möglichst niederige Dosis mit Verhaltenstherapie, begleitet von Elterntraining, geregeltem Tagesrhythmus und spezifischer Förderung von Teilleistungsschwächen je nach Bedarf. Bei antisozialem Verhalten steht Verhaltenstraining im Vordergrund. Für Verfahren wie Biofeedback gibt es Hinweise auf eine geringe bis mäßige Wirkksamkeit, es ist aber aufwändig. Viel Sport ist ein Muss.


    - Gesprächstherapie kann hilfreich sein, wenn zusätzlich Probleme der Lebensbewältigung oder emotionale Probleme bestehen, das ändert aber nichts am ADHS.


    Medikamente gibt man, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen um ein Kind vor erheblichen negativen Folgen eines ADHS zu bewahren.

  • Ich lese immer wieder das ADHS erblich bedingt ist und muss dieser Theorie mal widersprechen. Es kann erblich bedingt sein, kann aber auch durch soziale Probleme in der Familie und Umfeld ausgelöst werden.

  • Eine relativ neue Wissenschaftliche Bewertung aller bis dahin verfügbaren Untersuchungen zu Ursachen von ADHS findet man z.B. bei Thapar et al., (What causes attention deficit hyperactivity disorder? Arch Dis Child 2012; 97: 260 - 265). Die Analyse der verfügbaren Daten ergibt ergibt: "mean heritability estimates are around 79%" (Übersetzt: Die mittleren Schätzwerte für die Vererblichkeit liegen bei 79%).


    Zu den Faktoren, die möglicherweise zu den fehlenden ca. 20 % beitragen können, werden gezählt:
    - Mütterliche Faktoren während der Schwangerschaft (Alkohol, Rauchen, Medikamente, Stress und Übergewicht während der Schwangerschaft)
    - Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen, insbesondere Frühgeburtlichkeit
    - äußere Faktoren wie Infektionen, Blei und andere Toxine, Ernährungsfaktoren und psychosoziale ungünstige Bedingungen.


    Betrachtet man psychosoziale Bedingungen (auf die du dich beziehst), dann ist durch Studien ziemlich klar belegt, dass Impulsivität und motorische Hyperaktivität völlig unabhängig von solchen Faktoren sind. Soziale probleme und Umfeld spielen hier keine rolle. Aber auch für den vorwiegend unaufmerksamen Typ (ADS) findet man in Studien, dass psychosoziale Faktoren wie Elternkonflikte nur von minimaler Bedeutung sind im Vergleich zur dominanten vererblichen Komponente.


    Gerade das Wissen, dass ADHS der individuellen biologischen Entwicklung folgt, die man als Elternteil gar nicht beeinflussen kann, hilft vielen Eltern sich (unter erschwerten Bedingungen) auf das Wesentliche zu konzentrieren, das andere Eltern auch leisten: Ein Kind dabei zu begleiten, wie es sich seinem Wesen entsprechend entwickelt ohne dass es auf der Strecke bleibt.


    Das Wissen (um auf die Eingangsfrage des TS zurückzukommen) hilft einem auch unsachliche Bemerkungen Aupenstehender abperlen zu lassen.

  • Es
    handelt sich also um ein
    komplexes Wechselspiel zwischen
    körpereigenen und
    Umweltfaktoren (wie z.B. frühe
    Kindheitsentwicklung,
    Vernachlässigung durch
    Bezugspersonen, traumatische
    Lebensereignisse oder aber
    Förderung und emotionale
    Unterstützung durch Eltern etc.),
    die die Entstehung und den
    Verlauf der Erkrankung
    maßgeblich beeinflussen.

    Einmal editiert, zuletzt von Patricia221278 ()

  • Hallo Raya,


    ich bin in der gleichen Situation wie du....naja nicht ganz... :rotwerd ich habe nur ein Kind..aber er hat auch ADHS und nimmt seit knapp einem Jahr Medikinet.....Allerdings geht er erst in die erste Klasse und kommt danke Medikament gut mit und hat auch Spass dabei.....ohne würde er nicht ruhig sitzen können und sich auch nicht konzentrieren können.
    Was die Medikation angeht, ging es mir wie dir...ich habe lange lange etwas gegen Ritalin o.ä. gehabt. Bei meinem SOhn wurde schon früh ADHS diagnostiziert. Zum Schulstart wurde es mir empfohlen, da er jetzt noch den Willen besitzt zu lernen..und wenn er den bei einem schlechten Start verloiert kommt man schwieriger an ihn ran..so war der Gedankengang. Mittlerweile bin ich froh mich so entschieden zu haben, auch wenn mein Umfeld damit nicht umgehen kann. Mein Umfeld erlebt ihn unter Medikation uns sagt: Was ist denn mit deinem Kind...so kenne ich ihn garnicht...das ist er doch garnicht...ganz anders als sonst...echt komisch.....
    Wenn sie ihn dann aber ohne Medikation sehen, sagen sie: Oje Oe ich würde das nicht lange aushalten...das ist a anstrengend....
    So und ich steh da und weiss nicht was ich sagen soll.

    Jetzt wollte ich Euch mal fragen, wie bei Euch die Umwelt damit umgeht. Ich habe schon sehr viele negative Reaktionen erfahren, viele meinen sie kennen sich aus und können ohne Ahnung verurteilen wenn man seinem Kind Medikinet bzw. Ritalin gibt.
    Zeitweise kann ich ziemlich gelassen damit umgehen, zeitweise habe ich überhaupt keine Lust auf Diskussionen oder mich nervt es einfach mich automatisch dafür verteidigen zu müssen.

    Ich fühle mich da genau wie du und will mich immer verteidigen......bzw. wollte...mittlerweile habe ich Kontakte mit denen, die meinen SOhn so akzrptieren wie er ist ob mit oder ohne Medis!


    Ich wünsche dir für dich alles Gute und viele starke Nerven und auch viel Kraft und Durchhaltevermögen..denk daran: Du bist nicht alleine ;)


    Grüße
    Talina

  • Es geht nicht so sehr darum, dass jeder Mensch sich im Wechselspiel mit der Umwelt entwickelt, sondern um die Bedeutung der Umwelt für die Entwicklung eines ADHS. Hier sind die Umweltfaktoren von sehr viel geringerer Bedeutung als vielfach angenommen wird.


    Man muss auch unterscheiden zwischen ADHS und anderen Störungen wie z.B. reaktiven Bindungsstörungen, emotionalen Störungen, posttraumatischen Belastungsstörungen etc..


    Vernachlässigung spielt nur unter Extremsituationen eine Rolle für die Entwicklung eines ADHS, z.B. Bedingungen, wie man sie in rumänischen Waisenhäusern gefunden hat, in denen Babys und kleinkinder über Monate und Jahre quasi allein vor sich hinvegitiert haben. Das lässt sich aber kaum auf Situationen in Deutschland übertragen.


    Traumatische Lebensereignisse sind schädlich für die Entwicklung, zählen aber nicht zu den Ursachen eines ADHS.


    Die wesentlichen Komponenten Impulsivität und Hyperaktivität haben nichts mit den von dir genannten psychosozialen Faktoren zu tun, das ist ziemlich klar. Intelligenz eines Kindes beispielsweise spielt dafür eine viel größere Rolle, ein intelligenteres Kind zeigt weniger motorische Unruhe, Intelligenz lässt sich aber leider nicht anerziehen. Durch Förderung lassen sich die Folgen eines ADHS für ein Kind beeinflussen, nicht aber das ADHS selbst. Unter strukturierten Rahmenbedingungen kommt ein Kind mit ADHS besser zurecht.


    Die biologische Gehirnreifung bei einem ehemaligen Frühchen mit ADHS lässt sich nicht entscheidend beeinflussen. Das gilt genau so für genetische Besonderheiten, die von Bedeutung für die Gehirnreifung sind und mit ADHS assoziiert sind.


    ... Ich wollte aber nicht den Thread kapern, der sich mit der Reaktion der Umwelt befasst....

  • ein intelligenteres Kind zeigt weniger motorische Unruhe,

    da muss ich dir grad mal widersprechen...mein Kind ist beispielsweise ziemlich schlau und ist trotzdem total unruhig, impulsiv und lässt sich wahnsinnig leicht ablenken....Noch zum Anmerken:
    Es liegt nicht an Vernachlässigung oder ähnlichem....er hat immer meine vollste Aufmerksamkeit bekommen, er konnte sich aussprobieren und daher ziemlich gut entwickeln.....er wurde durch einen total superklasse Kindergarten in seiner Unruhe, usw gefördert mit einer Ergotherapeutin, ie in die Kita gekommen ist..viel Bewegung, musikalische Früherziehung usw....alles was ihm gut getan hat und was er auch gerne machen wollte..trotzdem wurde die Unruhe schlimmer, die Impusivität bleib und die Konzentration sank auf 0 Minuten!!!!!
    Ich denke es ist immer eine Frage der Familiengeschichte: wie wächst das Kind auf, bekommt es genug Bewegung, hat es Freunde, ist es sozial stabilisiert usw.
    Aber weniger intelligent als "normale"Kinder sind sie nicht!

  • ein intelligenteres Kind zeigt weniger motorische Unruhe,


    da muss ich dir grad mal widersprechen...mein Kind ist beispielsweise ziemlich schlau und ist trotzdem total unruhig, impulsiv und lässt sich wahnsinnig leicht ablenken...


    Das gilt im Durchschnitt für motorische Hyperaktivität, wenn man sich eine größere Gruppe ansieht, meines Wissens aber nicht für Impulsivität und Ablenkbarkeit, zumindest kenne ich dazu keine Daten. Im Enzelfall kann es immer anders sein als im Gruppendurchschnitt.

  • Ich möchte niemanden persönlich angreifen aber woher haben einige ihre Informationen? Durch google oder persönliche Erfahrungen durch Gespräche mit Fachleuten?