Gewalt unter Jugendlichen

  • Guten Morgen liebe Forengemeinde,


    habt Ihr die Sendungen "Anne Will" am 31.10. um 23:45 Uhr (ARD) und "Maybrit Illner" am 01.11. um 22:15 Uhr (ZDF) gesehen?


    Was sagt Ihr zu dem Thema? Wo liegen Eurer Meinung nach die Ursachen für die sich steigernde Brutalität? Was läuft schief in dieser Gesellschaft?


    In gespannter Erwartung Eurer Antworten

  • Es geht ja im eigentlichen Sinne um die gelungene Eingliederung in die Gesellschaft. Sozialisation sozusagen. Lernen was Recht und Unrecht ist in der jeweiligen Gesellschaft, in diesem Falle Deutschland.


    Die erste Instanz ist die Familie: In der Familie muss klar sein, auf unangebrachtes Verhalten folgt eine unangenehme Konsequenz. das schaffen viele Eltern nicht. Da hatte diese Jugendpsychologe schon Recht, als er meinte, ein Nein muss auch Nein bedeuten. Das schaffen viel Eltern nicht. Sieht man ja an jeder Supermarktkasse.


    Dann kommen KiGa und Schule: Auch hier müsste manchmal konsequenter durchgegriffen werde. Verweise zu erteilen, das Aussagekräftigste was eine Schule tun kann, vor dem Schulverweis, werden halt oft als Versagen des Lehrers angesehen. Ich kenn das aus dem Kollegium, da heißt es dann oft: "In einem Schuljahr schon 3 Verweise erteilt, da kann er/sie sich wohl nicht richtig durchsetzen..." Bei den Eltern führt ein Verweis oft dazu, dass sie angerannt kommen und verlangen, dass man den verweis wieder zurücknimmt, denn ihr Kind macht sowas schließlich nicht!!! Schrecklich. Für die Kinder heißt das doch, ach die Lehrerin, die kann mir nix. Meine Eltern finden ja auch, dass die kein Plan hat.... Viele Kinder wissen der wohl, was erlaubt ist und was nicht, also können sehr wohl zwischen Recht und Unrecht unterscheiden. Der kleine Unterschied ist nur, manche denken, die regeln gelten für alle und die sollen sie auch einhalten, aber nicht für sie selbst. Ich habe massenweise Schüler die so denken. Ich nehme anderen sie Sachen weg, klaue deren Handys, zerstöre fremdes Eigentum, bespucke andere Schüler, aber wehe, jemand tangiert meine Rechte. Das schlimmste daran ist, dass solches Verhalten von den Eltern auch noch unterstützt wird, weil sie Sanktionsmaßnahmen und Strafen für ihr Kind verhindert, weil sie ja nur "Das Beste" wollen. Die Kinder lernen also, Regeln gelten nur für andere, ich kann machen was ich will, vor Sanktionsmaßnahmen und Strafarbeiten kann ich mich dann schon irgendwie drücken....


    Ja und die dritte Sozialisationsinstanz sind Freunde, Peers, Medien etc... da wurde ja schon unendlich viel dazu gesagt. Sind die Freunde gewaltbereit, steigt auch die eigene Gewaltbereitschaft. Ab einem gewissen Alter zählt für Jugendliche nur noch, was die Freunde von einem halten, bzw, für welches Verhalten erhalte ich Anerkennung. Das kann theoretisch alles sein. Meistens ist es das: Ich muss das neueste Handy mit den neuesten Apps haben, oder gut im Sport sein, eine Freundin haben etc....
    Bei manchen ist es aber auch: Ich muss jemanden geschlagen haben, mobben, mir von niemandem etwas sagen lassen. Natürlich ist die Chance, wenn man in bestimmten Milieus aufwächst, größer, an solche "Freunde" zu geraten, als in anderen.


    Ich denke ehrlich, dass es die Summe aus allem ist. Immer nur die Schule verantwortlich zu machen ist ungerecht und einseitig betrachtet, Ebenso wie die Eltern bzw. ungerechte Aufwachsbedingungen, wie Vernachlässigung, Gewalt im Elternhaus als Ursache zu nennen.
    Irgendwann setzt der Verstand ein, und die Kinder sind für sich selbst verantwortlich.
    Es gibt viel Menschen die unter schlimmen Bedingungen aufgewachsen sind und trotzdem keine Mörder sind. Eine schlechte Kindheit ist doch kein Freifahrtschein!!!


    Aber es ist nun mal schon so, dass es, wenn ein Kind zu hause nicht lernt, dass es verbindliche Regeln gibt, schwer ist dies in der Schule auszubügeln.... Schon gar nicht wenn die Eltern ständig die Autorität des Lehrers untergraben.
    Puh da kommt jetzt ganz schön der Lehre in mir durch.... aber manchmal bin ich auch gefrustet.
    Ich habe auch ein paar Schüler an meiner Schule, bei denen der Jugenknast nicht weit ist.... Aber man kann nichts machen, die Eltern sind für Gespräche nicht offen, Jugendamt einschalten geht nicht, liegt ja keine Kindesgefährdung vor und der Schulpsychologe hat soviel Einfluss wie meine Oma.

  • die steigende brutalität gibt es imho nicht. man vergleiche dafür mal die pks-zahlen der jahre 1993 (ab da wegen west und ost zusammen) bis 2010 und führe sich "jugendkriminalität in deutschland - zwischen fakten und dramatisierung" von gerhard spieß (als pdf zu finden) zu gemüte. der leichte anstieg an den gewaltdelikten ist, wenn man auch dunkelfeldstudien betrachtet, alleine durch ein geändertes anzeigeverhalten zu erklären.
    dass es so wirkt, als würden immer mehr jugendliche brutale schläger sein, ist den medien zu verdanken. deswegen läuft auch nicht mehr schief als früher.

    wer einem alles geben kann, kann einem auch alles nehmen.
    kettcar, "in deinen armen"

  • Abseits von Lippenbekentnissen lernt unsere Geselschaft vorallen das Recht des Stärkeren. Das aller wichtigste scheint zu sein in irgendeiner form besser als andere zu sein.
    nur wer erfolg hat ist was wert . der Erfolg kann auf verschiedne art ereicht werden , man kann besser ausehen bei den mädels sehr beliebt , beruflich erfolgverbsprechend durch gute noten
    gutes Elternhaus , Computerspiele Sport ...oder eben in dem ich besser andere Verprügeln kann ,
    gepaart wird das alles mit einen Menschen bild das aussagt wer verliert ist Selber schuld hat sich nicht genug angestrengt soll sich halt selber bemühen , hat man in den geselschaftlich anerkanten
    bereichen von gewalt keine Perspektive , schlägt man halt zu.
    DAs ist aber schon länger so und kein neues Phänomen.

  • ich denke auch nicht, dass sich die gewaltzahlen an sich geändert haben. als ich in die schule ging gab es nahezu täglich auseinandersetzungen zwischen linken und rechten jugendlichen und aus den generationen vor mir ist mir niemand bekannt der auch nur annähernd in einem gewaltfreien umfeld aufgewachsen ist. damals haben es aber die vollidioten die streits anfangen nicht ins fernsehen geschafft, das ist der unterschied zu heute. aber einer sache ist neu, die aggressivität von so manchen mädchen in der pubertät. gerade die waren in der vergangenheit besonders oft in sportvereinen, ags etc organisiert und heute gibt es das kaum noch. ich habe mal ein paar jahre in nordessen gewohnt, sehr vergleichbar mit neukölln. da hat man in diesen paar jahren zig sportplätze und badeanstalten geschlossen, spielplätze nicht mehr gepflegt und förderungen für viele vereine auslaufen lassen und wunderte sich dann, dass die jugendlichen den ganzen tag auf der straße sitzen. (vom gesparten geld hat der rwe dann ein neues stadion bekommen) daran ist schlichtweg die politik schuld.


    (gerade disziplin und respekt lernt man besonders gut in (sport)vereinen ..)

    Einmal editiert, zuletzt von aMrio ()

  • Der wergfall , von Sportvereinen und überhaupt jugendeinrichtungen ist sicherlich ein Problem , da wird auch am falschen ende gespart weil dadruch letzendlich höre kosten entstehen.
    Obwohl wenn man den berichten von Schiris in den niederen klassen zuhört bzw liest merkt man auch das sportverein da nicht alles ist.

  • Der wergfall , von Sportvereinen und überhaupt jugendeinrichtungen ist sicherlich ein Problem , da wird auch am falschen ende gespart weil dadruch letzendlich höre kosten entstehen.
    Obwohl wenn man den berichten von Schiris in den niederen klassen zuhört bzw liest merkt man auch das sportverein da nicht alles ist.


    das stimmt, da ist aber dann wieder das problem, dass es eben keine normalen sportvereine sind sondern es sich um in sich geschlossene vereine handelt mit trainern die auch nicht unbedingt nach unseren standards ausgebildet wurden - was in diesen fällen legitim ist da sie sich privat engagieren und oft auch finanzieren. die probleme die du ansprichst treten ja vor allem bei vereinen auf die homogen je einer bestimmten migrantengruppe angehören, ob libanesen, türken oder russlanddeutsche ist da bereits völlig egal, es geht um die geschlossenheit in sich. diese kinder und jugendlichen dort lernen da gerade nicht das was sie anderswo lernen, dass es auf den menschen und nicht auf die zugehörigkeit ankommt. die typischen schulhofkonflikte türken gegen libanesen gegen deutsche werden da im training gar nicht ausgetragen (mithin auch nicht geschlichtet) sondern es kommt erst an wettkampftagen zu diesen konfliktsituationen, tage die sowieso von testosteron dominiert werden. da knallt es dann fast schon zwangsläufig und mitunter auch sehr heftig.


    das liegt aber auch wieder daran, dass die einrichtungen bei denen eine normale verteilung der jugendlichen herkunfsunabhängig vorliegt geschlossen werden. und da muss man dann sagen sind wiederum oft die eltern, onkels und freunde von migrantenkindern sogar motivierter in problemvierteln als die von den anderen (gerade beim thema fußball), die schließen sich dann zusammen und gründen / betreiben vereine für "ihre" kinder - oft nunmal weil es keine alternativen gibt.


    der (polnische) sohn einer guten freundin von mir ging jahrelang in essen nord in einen der übrig gebliebenen öffentlichen fußballvereine, die waren total gut durchmischt und alle wurden gleichbehandelt. die gegner auf der dortigen untersten liga waren aber auch mal vereine mit ausschließlich mitgliedern nur einer gruppe - ständig reibereien bei spielen. während die türken etc die in seinem verein waren sich sozusagen normalisierten haben die anderen sich im laufe der zeit radikalisiert (im sinne der gewaltanwendung bei begegnungen).


    nochwas zum geld: jetzt ist er wohnortbedingt einem anderen verein und die haben schon probleme überhaupt mal zu spielen zu fahren - weil die vereine nichtmal die paar euro spritgeld zahlen können / erstattet bekommen (ca. 100-200 pro monat). dafür hat die stadt aber eine schöne treppe bauen lassen vorm rathaus für ein paar hunderttausend euro, man muss ja prioritäten setzen! wenn der verein bald (vermutlich, die mittel werden wieder gekürzt nächstes jahr) weg ist sitzen wieder knapp 50 jugendliche mehr auf der straße nach der schule anstatt 2-3 mal pro woche sich zu verausgaben und vor allem einen auf den deckel zu bekommen wenn sie scheiße bauen vom trainer (der oft mehr respektsperson ist als die eigenen eltern - was ich ok finde).

    Einmal editiert, zuletzt von aMrio ()

  • Worum geht es denn diesen Jugendlichen ? Ums Dazugehören,Anerkennung in der Gruppe,im weitesten Sinne um " Kameradschaft ". Da spielt es auch keine Rolle wie und wo man aufwächst.Da will eben als Beispiel auch Pfarrers Sohn nicht der gehänselte Liebe sein.Und im Grunde ist es wirklich so das alles was die suchen es auch so gäbe,im Verein,in der Schule und zu hause.Nur das es eben genau an diesen drei Stellen schon gesellschaftlich Probleme gibt.Statt Gutscheine anzubieten sollten Vereine viel mehr gefördert werden .Ich war früher mal bei der Jugendfeuerwehr aktiv,die besten Jungs waren tatsächlich die,die in der Schule am auffälligsten waren.Einfach weil wir ihnen Verantwortung und Anerkennung gegeben haben.Ich finde es auch falsch,wird ja langsam geändert,schon in der 4.Klasse Kinder zu selektieren.Später bei Bewerbungen nur auf die Schulbildung und weniger auf den Jugendlichen selbst zu schauen.Da geht dermaßen viel Potential dem Bach,wird abgeschrieben.

  • Weshalb fehlt es den Kindern und Jugendlichen heute zunehmend an Empathie? Weshalb wird noch auf am Boden liegende eingetreten?
    Und - weshalb fehlt auch zunehmend das Unrechtsbewusstsein?


    Schon Grundschullehrer(innen) stöhnen über die Haltlosigkeit der Kinder. Über fehlenden Respekt und nicht vorhandene Selbstdisziplin.

  • Zitat

    Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.


    sagte sokratis irgendwann zwischen 469 und 399 v. christus ;)

    wer einem alles geben kann, kann einem auch alles nehmen.
    kettcar, "in deinen armen"

  • Weshalb fehlt es den Kindern und Jugendlichen heute zunehmend an Empathie? Weshalb wird noch auf am Boden liegende eingetreten?
    Und - weshalb fehlt auch zunehmend das Unrechtsbewusstsein?


    Schon Grundschullehrer(innen) stöhnen über die Haltlosigkeit der Kinder. Über fehlenden Respekt und nicht vorhandene Selbstdisziplin.


    Es ist nicht wirklich zunehmend und es ist auch nichts neues.Ein Stückweit gehört es gerade bei Jungen auch dazu sich mal zu raufen ,sich zu messen und mit seinen Kräften umgehen zu lernen.Wie gesagt bei Jungen im Grundschulalter,um nicht gleich eine neue Diskussion zu haben.Deshalb gilt es ja das in sinnvolle Bahnen zu lenken.Zum Beispiel durch Sport.


    Bei Jugendlichen geht es weniger darum den Anderen zu erniedrigen,als vielmehr darum selbst der Stärkere zu sein.Wo wir wieder bei Anerkennung sind.Weshalb so etwas so gut wie nie einer alleine macht.Der eine haut um ,der andere tritt nach.Es ist ein sich gegenseitig übertreffen wollen.Das gleiche gilt bei Unrechtbewußtsein,Diebstählen usw.Klar wissen die was man darf und was nicht.Nur ist es eben ziemlich uncool zu machen was man darf.

  • Zitat

    Das aller wichtigste scheint zu sein in irgendeiner form besser als andere zu sein.


    Das ist wohl wahr, wäre aber weniger problematisch, wenn dem Gemeinwohl dienendes Verhalten mehr Anerkennung bekäme als die allerorten propagierte Individualisierung und Selbstverwirklichung. Du sollst nur an Dich denken, so lautet die Parole.


    Als zweites großes Problem sehe ich den Umstand, daß den Jugendlichen von allen Seiten eingeredet wird, sie hätten ohnehin keine Chance, sich ein gutes Leben zu erarbeiten, denn es gibt ja keine Arbeitsplätze mehr und wer doch Arbeit findet, kann von dem Hungerlohn nicht leben und wird nur ausgebeutet, außerdem gibt es bald nur noch Rentner, die Wirtschaft und die Finanzmärkte gehen den Bach runter usw. Bei so einer miesen Zukunftsperspektive verstehen viele Jugendliche nicht, warum sie sich zehn Jahre oder länger in der Schule und dann noch weitere Jahre in der Ausbildung von irgendeinem Hanswurst Vorschriften machen lassen sollen, anstatt sich gleich treiben zu lassen (es bekommen doch eh alle Harz 4) oder als Kleinkrimineller die schnelle Mark zu machen, um dann mit dem neuestan Smartphone die Anerkennung der Peergroup zu bekommen, die gute Schulnoten sicherlich nicht belohnt.

  • Kindern und Jugendlichen wird immer mehr die Möglichkeit genommen, die Freizeit aktiv zu gestalten. Jugendfreizeiteinrichtungen werden immer mehr geschlossen. Kindern und Jugendlichen ist es aufgrund der teils zu langen Ganztagsbetreuung, nicht mehr möglich aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Viele Kinder kommen erst zwischen 17 und 18 Uhr nach Hause und haben einfach keine Lust mehr, irgendetwas noch zu unternehmen. Das ist die Kehrseite des Ganztages! Auch in den Vereinen bleiben teils die Kinder aus, da Trainingszeiten zu dieser späten Uhrzeit oft nicht angeboten werden können.



    Der "Feierabend" eines Kindes oder Jugendlichen findet meist nur noch vor dem heimischen Fernseher oder PC statt. Die Kinder sind einfach platt vom Ganztag und zu fast nichts mehr zu bewegen. Auch auf der erzieherischen Seite bleibt vieles auf der Strecke. Die gestreßten Eltern kommen nach Hause und haben meist kein Ohr mehr frei für ihr Kind. Wir leben in einer gestreßten Gesellschaft in der nur noch das Arbeitsleben zählt, der Freizeitausgleich wird immer mehr vernachlässigt. Kinder und Jugendlichen haben so gut wie keine Möglichkeiten Konfliktsituationen in einer Clique oder in einem Verein zu erlernen. Wenn sie im Jugendalter angekommen sind, ist es hierzu zu spät. Bei dem kleinsten Konflikt wird heutzutage draufgehauen oder man zieht sich zurück ins private Kämmerlein, wenn man dem nicht gewachsen ist.

    ***************************************
    Die Vergangenheit fallen lassen. Die Gegenwart leben und die Zukunft auf sich kommen lassen...
    ***************************************

  • Hallo,


    Aggression, Streit, "Schlägerei" ok, ist nicht schön, aber gibt es eben auch!


    Ich behaupte, das gehört zum Leben dazu!


    Diese "Allehabensichlieb" Mentalität ist unrealistisch!


    Aggression etc. eindämmen ok, bin ich auch dafür, aber ganz aus dem Leben verschwinden lassen, ist unrealistisch!


    Gruss M.

  • Danke RobertK, genauso sehe ich das auch. Insbesondere dein zweiter Absatz. Und genau darum achte ich darauf, dass meine Jungs wenigstens einmal in der Woche zum Sport gehen und der Kleine geht zusätzlich noch zur Jugendfeuerwehr.


    Ich bin der Meinung, die Kinder sind heutzutage überwiegend sich selbst überlassen. Die Eltern arbeiten beide und Kind kann dann eben zusehen, wie es sich nachmittags beschäftigt, sollte es nicht in einer Ganztagsschule sein.


    Zur Arbeitssituation muss ich sagen, dass ich den Eindruck der lust- und mutlosen Jugendlichen nicht teilen kann. Bei meinem Großen in der Oberstufe hatten sie jetzt einen Motivationstrainer, weil Jugendliche nach 10 Jahren Schule auch teilweise der Schule überdrüssig sind. Ich kann sagen, ich bzw. meine Kinder haben sehr viel Glück mit der Schule. Im Jahrgang meines Großen ist es eher so, dass die jetzt schon wissen, was sie studieren möchten und wo. Sie beschäftigen sich jetzt schon damit, wo welche Uni für welchen Studiengang den besten Ruf hat.


    Mein großer Sohn ist jetzt 16 und hat sich noch nie geprügelt. Wobei ich dachte, dass er irgendwann mal eine drauf kriegt, weil er eine große Klappe hat. Aber er kann sich eben verbal immer sehr gut mit seinem Gegenüber auseinander setzen. Ich denke, das ist auch etwas, was Jugendliche am besten schon Kinder lernen müssen, sich richtig ausdrücken zu können, die verschiedenen Formen der Kommunikation und nicht immer nur alles per SMS zu erledigen

  • Zitat

    Zur Arbeitssituation muss ich sagen, dass ich den Eindruck der lust- und mutlosen Jugendlichen nicht teilen kann.


    Meine Ausführungen beziehen sich nicht auf Gymnasiasten, sondern auf die übrigen Jugendlichen.

  • Also, ich für meine Wenigkeit sehe die Ursachen vor allem in der heute angesagten Erziehung.


    D. h. der Nachwuchs wird allzu oft "in Watte gepackt", man mutet den Kindern keine unangenehmen Situationen mehr zu, dämpft alles ab. Eltern arbeiten nicht mit den Lehrern zusammen, sondern meinen, wenn es z. B. eine Strafarbeit o. ä. gab, ihr Kind vor den "unfähigen Beamten" in Schutz nehmen zu müssen.


    Es wird ständig nach den (angeblichen) Bedürfnissen der Kinder geschaut - sie stehen oft im Mittelpunkt. Wie sollen sie da Rücksichtnahme und Empathie lernen? Wie soll so die Frustrationstoleranz trainiert werden?


    Wir Eltern sind heute total verunsichert - wollen alles richtig machen. Fragen, ob wir denn überhaupt schimpfen, laut werden dürfen. Ob wir weinen dürfen. Ob wir überhaupt noch was dürfen...


    Heute fällt es dem Nachwuchs schwer, sich sinnvoll allein zu beschäftigen. Früher gab es doch auch nicht an jeder Ecke Jugendclubs oder Sportvereine. Trotzdem kam keine Langeweile auf. Sie sind in Banden umher gezogen und haben sich halt Spiele ausgedacht.


    Was heißt denn "Erziehung"? Doch nichts anderes als einen jungen Menschen fit für das Leben zu machen, ihn zu trainieren. Und Training ist halt auch anstrengend.
    Ihn zu einem verantwortungsvollen, rücksichtsvollen aber auch charakterstarken und selbstbewussten Menschen zu erziehen.



    Das Leben ist eben keine Ponyhof...

  • Also, ich für meine Wenigkeit sehe die Ursachen vor allem in der heute angesagten Erziehung.
    D. h. der Nachwuchs wird allzu oft "in Watte gepackt", man mutet den Kindern keine unangenehmen Situationen mehr zu, dämpft alles ab. Eltern arbeiten nicht mit den Lehrern zusammen, sondern meinen, wenn es z. B. eine Strafarbeit o. ä. gab, ihr Kind vor den "unfähigen Beamten" in Schutz nehmen zu müssen.
    Es wird ständig nach den (angeblichen) Bedürfnissen der Kinder geschaut - sie stehen oft im Mittelpunkt. Wie sollen sie da Rücksichtnahme und Empathie lernen? Wie soll so die Frustrationstoleranz trainiert werden?
    Wir Eltern sind heute total verunsichert - wollen alles richtig machen. Fragen, ob wir denn überhaupt schimpfen, laut werden dürfen. Ob wir weinen dürfen. Ob wir überhaupt noch was dürfen...


    Anders ausgedrückt:
    Die modernen Eltern lesen zuviel "Eltern" & Co und versuchen jedes mal wenn darin eine neue Sau durchs Dorf gertrieben wird die dann beschriebene Erziehungsmethode als das absolute Non-Plus-Ultra umzusetzen. Heute so, morgen so und übermorgen nochmal anders ohne erkennbare Linie.
    Da muss ein Kind doch durcheinander geraten. 100te, 1000de und Millionen von Jahren haben sich Eltern in der Erziehung auf ihr Gefühl verlassen. Heute funktioniert das anscheinend aber nicht mehr.


    Heute fällt es dem Nachwuchs schwer, sich sinnvoll allein zu beschäftigen. Früher gab es doch auch nicht an jeder Ecke Jugendclubs oder Sportvereine. Trotzdem kam keine Langeweile auf. Sie sind in Banden umher gezogen und haben sich halt Spiele ausgedacht.


    Hier liegt die Betonung auf "sinnvoll". Facebook & Co sind nicht sinnvoll. Alles was man dort kann konnte man früher von Angesicht zu Angesicht.
    Vergleichbares gilt für Spielkonsolen. Muss man sich ernsthaft wundern, dass massig lebensuntaugliche Einzelgänger "produziert" werden, wenn Kinder vielfach so gut wie nichts anderes machen als zu Hause im stillen Kämmerlein zu sitzen und dort zu daddeln? Mich wundert es überhaupt nicht, dass ein großer Teil unserer Kinder und Jugendlichen nicht in der Lage ist Konfiklte angemessen auszutragen, mit anderen auch mal Kompromisse zu schließen oder sich einfach nur zu unterhalten. Also ich meine so richtig mit Mund auf und zu und Klangerzeugung - und nicht via Tastatur.


    Was heißt denn "Erziehung"? Doch nichts anderes als einen jungen Menschen fit für das Leben zu machen, ihn zu trainieren. Und Training ist halt auch anstrengend. Ihn zu einem verantwortungsvollen, rücksichtsvollen aber auch charakterstarken und selbstbewussten Menschen zu erziehen.


    :daumen


    Das Leben ist eben kein Ponyhof...


    Und Erziehung auch nicht. Scheinbar haben manche/viele darüber aber nicht nachgedacht bzw. sich das anders vorgestellt...

  • warum schlagen jugendliche zu?
    wenn man sich mit diesen jugendlichen unterhält,merkt man schnell,dass es nicht die hellsten sind..
    irgendwie fehlt da was und meist nicht nur im sozialen ,emotionalen bereich,sondern auch im kognitiven.
    irgendwann kommen sie an einen punkt ,an dem merken sie ,dass sie anders sind,es nicht geregelt bekommen und zeitgleich haben sie natürlich kumpels um sich ,die ähnlich gestrickt sind.
    sie bekommen die schule oft nicht auf die kette,auch in der niedrigesten schulform nicht ...haben nichts auf was sie stolz sein können,auf was sie zurückgreifen können ,bleibt also angst und schrecken zu verbreiten,weil dafür muss man nur ein grosses maul haben und bereit sein zuzulangen...dann ist man bei seinen jungs in der clique ein king.
    sonst ist man ein niemand mit aussicht auf nix.
    dann erst anzusetzen und was von jugendclubs ,vereinen zu reden,ist zu spät.
    diese kinder müssen ab kigaalter schon gefördert werden...und ja,die fallen meist schon früh auf.ich weiss das aus meiner arbeit.
    erzieher versuchen aufzufangen,die grundschule über werden sie noch begleitet,aber das alleine reicht nicht und was ist danach?
    in großstädten wie zb hier in frankfurt sind hauptschulen voll von wirklich sehr schwachen kindern und das kann schnell ein explosives gemisch werden...
    man muss vorher schon was tun,eltern unterstützen,stärken,kinder fördern und hauptschulen abschaffen...
    die mischung machts und wenn man starke mitschüler hat,wird man mitgezogen.
    wer jetzt schreit und sagt,das sind ja nicht nur hauptschüler ,die auffallen,dem sage ich,meistens leider doch,vorallem in großstädten.
    wie es ländlicher ist,weiss ich nicht.
    ich habe mit freunden gesprochen,die bei der polizei arbeiten und die haben das bestätigt.
    wenig geförderte kinder ,vielleicht auch nicht die schlausten von haus aus,sind einfach mehr gefährdet...


    die modernen eltern wie sie hier genannt werden,machen eher oft zuviel,fordern ihr kind doof...1000 ags,vereine usw...
    machen gemeinsam die hausis,rennen zum lehrer,wenn der mal böse war und haben evtl ein problem ,nein ,stop zu sagen...
    alles richtig,aber davon wird keiner ein schläger..
    das reguliert sich wieder,wenn sie älter werden.
    diese kinder sind oft schlau,weil gut gefördert und landen meist nicht in einer hauptschule und sind demnach auch nicht mit schwachen jugendlichen umgeben.
    die haben genug auf das sie zurückgreifen können,weil sie gestopft sind..die müssen nicht schlagen..
    grenzen hin oder her,das lernen sie im kiga,im hort ,in der schule..
    die tanzen den eltern auf der nase rum,aber bekommen wo anders grenzen und wissen auch genau,wo bei wem schluß ist.


    wer aber wenig gefördert wird,warum auch immer,der hat schwierigkeiten schon in der grundschule und wird auf die enstprechende weiterführende schule kommen und dann kanns rundgehen.
    von klein auf muss man da ein auge drauf haben,wer braucht noch was..
    nach dem motto wählen wir bei uns im kiga und hort die kinder aus,die bei bestimmten aktionen mitmachen..
    die vollgestopften sinds sicher nicht...wir suchen dann bewußt kinder aus,von denen wir wissen,die wissen und kennen wenig.
    bleiben an den eltern dran,schlagen vereine vor usw..
    das potential auszuschöpfen so gut es geht,ist das ziel.
    zudem wird auf konfliktbewältigung sehr grossen wert gelegt.
    wege aufzeigen wie man im streit miteinander umgeht usw.


    wir brauchen schlichtweg mehr erzieher und sozialpädagogen,vorallem in gewissen bezirken.
    da kanns nicht sein,dass man zu 2.mit 26 kindern ist..und ab 12 gibts dann nix mehr für die kinder...ganz schlecht.
    jugendhäuser sind wichtig,begegnungsstätten unter aufsicht und anleitung mit programm/angeboten und hilfestellung...feste bezugspersonen,denen man vertraut,die an einen glauben.
    das haut niemals hin,um das blatt zu wenden,so armselig wie das jetzt läuft.
    eltern vertrauen erziehern oft sehr,wir können da glaube ich durchaus was bewegen,aber dazu brauchts genug leute.

    ...Wer immer nur der Herde folgt,braucht sich nicht zu wundern,wenn er nur Ärsche vor sich hat...

  • Leider wird unter Förderung heutzutage in erster Linie die Förderung der kognitiven Entwicklung verstanden, was geradezu in einen Wahn ausgeartet ist. Da schleppen Eltern ihre Kinder lieber zu "Early English" & Co, als sie bei Schlechtwetter mit anderen im Matsch spielen zu lassen.


    Ein ganzes Dorf erzieht ein Kind, heißt es. Wenn wir das umsetzen würden, wäre es weniger schlimm, daß einige der Eltern wenig auf die Reihe bekommen, denn dann würde im Zweifelsfall ein zufällig vorbeikommender Passant dem Kind eine Grenze setzen, anstatt sich bloß darüber aufzuregen, daß "der Rotzbengel die Regale im Supermarkt durchpflügt", oder was auch immer. Sozialkompetenzen lernt man im Alltag, nicht im Förderunterricht, und jeder kann dazu beitragen.