Chef zahlt kein Gehalt mehr

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  • Hallo,


    ich bin neu hier (ok eigentlich schon seit drei Jahren angemeldet, aber noch nie was geschrieben) und habe ein großes Problem:
    Vorgestern hat mein Chef uns allen mitgeteilt, das wir vorerst kein Gehalt bekommen werden, der Laden lief in den letzten Monaten nicht mehr so toll und es war immer sehr knapp auf dem Konto, aber die Gehälter gingen immer raus und ich musste nur selten den Dispo kurzfristig in Anspruch nehmen. Jetzt ist es aber so, das sehr wahrscheinlich diesen Monat überhaupt kein Gehalt kommen wird, mein Dispo ist natürlich nicht unbegrenzt und so gut wie ausgereizt wg Miete und was man nunmal im täglichen Leben so zahlen muss, der Unterhalt und das Kindergeld gleichen den Dispo zur Hälfte ca wieder aus, somit komm ich mit der Kleinen (3 Jahre) zwar diesen Monat über die Runden, aber die nächsten Monate auf keinen Fall.
    Habt ihr eine Ahnung, was ich jetzt sofort tun muss, ich habe schon ein bisschen im Internet gesurft und wenn ich es richtig gelesen habe, muss ich nun eine Frist setzen und das Gehalt einfordern, der nächste Schritt wäre ja dann Anwalt etc, könnte ich mir auch kurzfristig Hilfe vom Arbeitsamt holen? Das Gespräch mit dem Chef brauch ich nicht suchen, alle Versuche wimmelt er mit dummen Sprüchen ab, so kam von ihm auf meine Reaktion, das kein Gehalt nun mal heisst, mein Kind nicht ernähren zu können (ja etwas übertrieben), ich könnte ja einfach mein Auto verkaufen, dann wäre Geld zum einkaufen da und was es ihn juckt, andere hätten auch das Problem.
    Schon mal danke im voraus

  • Hi,deine situation ist wirklich schlimm.
    Lass dir das schriftlich von deinem Chef geben,damit du was in der Hand hast.So weit ich weiß kannst du dann "Ersatz" vom Arbeitsamt bekommen und dein chef muss es denen dann zurück bezahlen.Hab ich mal gehört,bin mir aber nicht 100% sicher.


    Viel Glück dir :troest

  • Da Du davon ausgehen kannst das es nicht das letzte Mal sein wird musst Du jetzt handeln.
    Wenn es dem Laden so schlecht geht, wird es nächsten Monat auch nicht besser werden.
    Geh zum Anwalt und lasse Dich beraten welche Schritte Du einleiten musst und kannst. Zum Beispiel kannst Du die Kosten die Dir entstehen (Überziehungszinsen etc.) Deinem Chef in Rechnung stellen.
    Zum Arbeitsamt gehen ist bestimmt gut. Nur die haben auch Wartezeiten und wenn Du Geld von denen bekommst dann auch nicht sofort. Bzw. wirst Du denen derbe auf die Füße treten müssen und Dich gut durchsetzen müssen.

  • Ich habe ja schon ein bisschen Bammel davor, wieder zum Chef zu müssen, ich denke nicht, das er mir irgendwas bestätigen wird oder dem Arbeitsamt gegenüber. Mir kam schon der Gedanke, das ich, so lange er nicht zahlt, eben auch nicht arbeiten werde, aber ich habe auch Panik, damit meine Stelle zu riskieren (gut, wenn der Laden tatsächlich insolvent geht, dann ist das auch nicht mehr so wichtig, aber es weiß keiner ,wie es weitergehen wird).
    Ich werde aber sicher zum Arbeitsamt gehen, und wenn die vorerst nur ein paar Euro zahlen, das ist besser, als gar nichts und würde uns hier weiterhelfen.
    Danke

  • Hi.


    Du kannst zur Agentur für Arbeit gehen und Insolvenzgeld beantragen. Der Topf ist auch für solche Fälle da.


    LG Stefan

  • Wenn ich beim Arbeitsamt das Insolvenzgeld beantrage, erfährt davon nicht auch automatisch der Arbeitgeber? Die werden sicher nachhaken was in dem Laden los ist und ich muss ja noch eine Weile dort sitzen, ich weiß, das ich in der Situation nach dem Motto "jeder ist sich selbst der Nächste" handeln muss, aber ich habe echt angst, das mir das wiederum irgendwie ausgelegt wird., aber in dem Fall ist mir mein Kind und das wir genug haben zum leben doch wichtiger als der Chef und sein "guter Ruf"
    Danke für eure Antworten

  • Hi Nuki!


    Na, das sind ja mal Totschlagargumente feinster Klasse von deinem Chef...


    Bei allem Verständnis für die drohende Insolvenz...die Bitte Ansage auf's Gehalt zu verzichten, ist eine Nummer, das Argument, du könntest dein Auto verkaufen, eine andere.
    Dein Chef ist natürlich daran interessiert, das Unternehmen zu retten. Das ist seine Aufgabe.
    Du bist daran interessiert, dein Unternehmen Familie zu retten. Das ist deine erste (!) Aufgabe. Daraus folgt Arbeitsamt und Anwalt, klare Verhältnisse schaffen, zur Not neuer Job.


    Dein Chef hat weder ein offenes Ohr für deine/eure Sorgen noch Verständnis dafür, trotzdem er eine Menge verlangt...
    lg,
    cola

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  • Wenn ich beim Arbeitsamt das Insolvenzgeld beantrage, erfährt davon nicht auch automatisch der Arbeitgeber? Die werden sicher nachhaken was in dem Laden los ist und ich muss ja noch eine Weile dort sitzen, ich weiß, das ich in der Situation nach dem Motto "jeder ist sich selbst der Nächste" handeln muss, aber ich habe echt angst, das mir das wiederum irgendwie ausgelegt wird., aber in dem Fall ist mir mein Kind und das wir genug haben zum leben doch wichtiger als der Chef und sein "guter Ruf"
    Danke für eure Antworten


    Richtig so. Deine Familie ist wichtiger. Und auch wenn du einen Dispo hast. Dein Chef zahlt dir die Dispo-Zinsen wahrscheinlich nicht zurück.


    Und die Agentur wird nicht sagen WER Insolvenzgeld beantragt hat.

    Einmal editiert, zuletzt von StefanRM ()

  • Mit dem Mann ist auch einfach nicht vernünftig zu reden, wenn ihm etwas nicht passt oder man eben sagt, was einem selbst nicht in den Kram passt, dann kommen eigentlich so gut wie nur solche dummen Anmerkungen oder eben, das wir kündigen sollen. Ich verlange einfach nur, was mir zusteht (in dem Fall mein Gehalt), schliesslich habe ich dafür den ganzen Monat gearbeitet, sitze jeden Morgen pünktlich am Schreibtisch, aber trotz allem ist mir mein Kind das Wichtigste und ich habe die Pflicht, für sie zu sorgen und wenn es anders nicht geht, dann muss ich tatsächlich den Rechtsweg gehen und den Weg über das AA. Schade eigentlich, denn ich arbeite an sich sehr gerne dort, aber mit der ständigen angst im Nacken ist das auch nicht entspanntes arbeiten

  • Ich würde auch die Krankenkasse informieren.


    Meine Mutter hatte das auch mal... und der Chef hat dann nicht nur das Gehalt nicht gezahlt, sondern auch die Sozialversicherungsbeiträge nicht bezahlt - und dann wäre sie fast nicht mehr versichert gewesen.


    Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, dich an die entsprechenden Stellen zu wenden.

  • @ StefanRM: ok das ist beruhigend, dann wäre ich zumindest nicht direkt ein Verräter und abgesichert, ich werde jetzt einfach am Freitag (durch Zufall und zum Glück habe ich da frei) zum Amt gehen und schauen, was ich brauche und wie ich was beantragen soll/kann

  • Wenn Dein Chef Eure Gehälter nicht mehr bezahlen kann, kann er auch die Beiträge zur Sozialversicherung etc. nicht mehr bezahlen. Spätestens dann werden diese Stellen ihn auffordern ein Insolvenzverfahren zu eröffnen, wenn keine anderweitigen Gelder zur Verfügung stehen.


    Dein Antrag auf Insolvenzgeld wird also nicht den Ausschlag geben... da steckt mehr dahinter...


    Und es ist für Arbeitnehmer in der Regel nicht tragbar auf ihre Gehälter zu verzichten. Also mach Dich schlau... vor dem Weg zum Anwalt würde ich Dir raten, Dich beim Arbeitsamt schlau zu machen.. auch bei Deiner KK gibt es Sachbearbeiter, die sich damit auskennen und Dir Ratschläge geben können...


    Alles Gute - ich drücke Dir und Deinen Kollegen die Daumen! :daumen

    Liebe Grüße
    Dani




    Gefühle brauchen keine Rechtfertigung - sondern Verständnis


  • oh je,


    auf jeden Fall, würde ich es beim Arbeitsamt melden, ich denke, man muss auch bereits eine drohende Arbeitslosigkeit melden, was ja in so einem Fall passieren kann.


    Ich hatte auch mal so einen Fall; Insolvenzgeld wird max. 3 Monate gezahlt, vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens, also das Arbeitsamt zahlt Insovenzgeld erst bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Also muss erst ein Insolvenzantrag von irgend jemand gestellt werden. Da die Abwicklung dauert, kann beim Arbeitsamt ein Vorschuss auf das Insolvenzgeld gestellt werden, dazu gelten dann wieder gewisse Vorschriften.


    Manche Arbeitsgeber können die Krankenkassenbeiträge und Finanzamt noch zahlen, und zahlen nur die Nettolöhne an die Mitarbeiter nicht aus, dann stellt hier auch keine andere Stelle einen Insolvenzantrag.


    Habt ihr einen Betriebsrat, oder eine Gewerkschaft?

  • Du kannst zur Agentur für Arbeit gehen und Insolvenzgeld beantragen. Der Topf ist auch für solche Fälle da.


    Meines Wissens aber erst nach Insolvenzantrag/Eröffnung.


    Ich würde als erstes zum Arbeitsgericht gehen. Beratung dort ist kostenlos. Die Arbeitsgerichte haben Sprechstunden, also erst im Internet nachsehen wann Du dort hingehen kannst.


    Ob das Arbeitsamt zahlt.... ich glaube nicht. Ich würde aber nachfragen, auch beim Sozialamt , die sind normaler Weise sehr viel "netter" als die ARGE.


    L.G. Tani


    Nachsatz: schau mal hier: http://www.frag-einen-anwalt.d…-Insolvenz-__f129851.html

  • 1.Schritt: den Arbeitgeber schriftlich in Verzug setzen. Frist setzen, das Gehalt zu bezahlen.
    2. Schritt: Ist Frist abgelaufen, nochmals eine Nachfrist setzen.


    Solltest du die Arbeit einstellen wollen, ist dies nach der Rechtssprechung Arbeitsverweigerung, die zur fristlosen Kündigung durch den AG berechtigt und eine Sperrzeit durch das Jobcenter nach sich ziehen wird.


    Der Gesetzgeber unterstellt dem AG, dass er Geld zu haben hat, um seinen Verpflichtungen wie Steuern, Abgaben und Löhne zu bezahlen. Hat er das nicht, ist er verpflichtet, Insolvenz anzumelden. Tut er das nicht, macht er sich der Insolvenzverschleppung schuldig, ein Vergehen nach dem Strafgesetzbuch. Dies kann eine Verurteilung sowie eine Gewerbeuntersagung nach Gewerbeordnung nach sich ziehen.


    Du kannst beim Arbeitsamt Insolvenzgeld beantragen. Die beraten in der Regel auch ganz kompetent. Hier würde ich als erstes vorstellig werden...

  • Du kannst zur Agentur für Arbeit gehen und Insolvenzgeld beantragen.


    Das Geld gibt es nur wenn das Gericht die Insolvenz und den Insolvenzverwalter bestimmt. Als AG (du bist ja Gläubiger) kannst Du einen Insolvenzantrag stellen.
    Aber Geld gibt es bis zur Insolvenz nicht und das auch erst nach Beendigung.


    Verzug stellen ist immer gut aber wenn nix da ist nutzlos.


    Sofort zum Arbeitsamt. Situation erklären. Arbeitssuchend melden. Andere Stelle anfangen. Wenn kein Gehalt dann gelten die Kündigungsfristen nicht.


    Du kannst Chef drohen mit dem Insolvenzantrag. Wenn er weitermachen will und eine Chance sieht wird er wohl seinen Mercedes verkaufen.
    Ansonsten ist das Geld erst mal weg.


    Sperrzeit gibt es in der Regel nicht wenn Du die Arbeit, nach 2x kein Gehalt einstellst. Aber das sagt Dir dein Berater.

  • Sorry für das OT, aber wie frech von diesem Arbeitgeber. Rät seiner nicht bezahlten Mitarbeiterin ihr Auto zu verkaufen. Was erhofft er sich? Das sie dann ein neues beim ihm erwirbt und somit Geld in die Kasse gespült wird! :motz: