Nähe- und Distanz

  • Sind Beziehungen immer ein strategisches Nähe- und Distanz-Spiel, das aus mindestens zwei Strategen/Partnern besteht?


    Ich beobachte in meinen Beziehungen und auch in denen, um mich herum (soweit das geht), dass dort regelrecht Strategien entwickelt und ausgelebt werden.
    Sprich, verhält sich mein Gegenüber so und so, mache ich das und das/ reagiere so und so. Nicht, weil mir danach ist, sondern weil ich auf beispielsweise meine Enttäuschung, die aus gewissen Handlungen meines Gegenübers resultiert, mit Ablehnung reagiere(n möchte).
    Im Endeffekt möchte ich es viel lieber meinem Partner mitteilen, weil ich mit ihm zusammen sein, von ihm ernst und dann auch in den Arm genommen werden möchte.


    Da es sich ja häufig Lappalien handelt, die einen im Alltag ins straucheln bringen, will man sein Gegenüber nicht andauernd mit Kleinigkeiten und Animositäten belästigen und konfrontieren; letzten Endes auch noch die Beziehung riskieren, weil man ja anstrengend und "schwer" ist. Also wird das Strategiespiel weitergeführt.


    Ich möchte gerne über den Tellerrand schauen und wissen, wie es bei euch ist?!
    Wie ihr solche Situationen empfindet, seht und damit umgeht?

  • Freigeschaltet ...


    Gruß
    babbedeckel

    Die Männer, die mit den Frauen am besten auskommen, sind dieselben,
    die wissen, wie man ohne sie auskommt. (Charles Baudelaire)


    Jedes Kind bringt die Botschaft,
    dass Gott die Lust am Menschen noch nicht verloren hat.

  • Hallo, :winken:


    also zur Zeit habe ich keine Beziehung, aber ich halte es für etwas Wichtiges, Nähe und Distanz auszubalancieren.


    Was mich betrifft, ich möchte attraktiv und ein auch gebender Part in meiner Beziehung sein. Das trifft aber auch auf andere Beziehungen (Freundschaften) zu, die ich habe.


    Distanz hat, so schön Nähe zu einem anderen Menschen auch ist, durchaus auch seinen Sinn und seine Berechtigung - nur, wenn man sich auseinander bewegt, kann man sich auch wieder aufeinander zu bewegen...


    Sie kann allerdings auch Angst machen, wenn man dem anderen Menschen nicht genug vertrauen kann, ob er nach der Distanz auch wieder Nähe zuläßt. Doch trotzdem, denke ich, da sollte man auch mal so mutig sein, und das auszuhalten. Denn wer zurück kommt, der war nie wirklich weg. ;)


    Ich arbeite noch daran, Distanz auszuhalten - z.B. wenn ich mal keinen so guten Tag habe und trotzdem niemanden anrufe, sondern mir selber helfe. Und wenn ich mich entscheide, mich jemandem (meinem Partner) anzuvertrauen (und ich heule mich nicht jeden Tag bei ihm aus), dann wird er mir auch gerne zuhören und mir helfen, denke ich. Ich würde es statt "Strategie", lieber ein Ausbalancieren nennen. ;)


    Lieben Gruß


    bzf

  • Ich glaube das ist in den meisten Beziehungen das größte "Problem"
    Der eine fordert zu viel, de andere fühlt sich eingeengt.
    Das in der waage zu halten ist gar nicht so leicht.


    Sich zu "verbiegen" oder (noch schlimer) Taktik anzuwenden, halte ich für nicht richtig.
    Klar anfänglich muß sich alles erstmal geben, wie man sich wann und wo sieht etc.
    Bis man jemanden nah an sich ran lässt.. das dauert alles ein wenig.


    Aber ich denke entweder passt das nähe distanz bedürfniss zueinander, oder einer von beiden, wenn nicht sogar beide, leidet definitiv.


    Ich hab es mehrmals gehabt.
    Ich hatte das Gefühl mein Partner möchte "in mich rein kriechen" , fühlte mich extrem eingeengt.
    Aber das zu äussern war auch nicht sehr leicht, da ich dann immer einen sehr geknickten Partnter vor ir hatte und ich dann wieder ein schlechtes Gefühl :(



    Ich handhabe es halt inzwischen so, das ich direkt von anfang an sage, das ich meinen Freiraum für mich benötige und das ich das dann sicher nicht als Ablehnung meine.
    Entweder kommt mein gegenüber damit zurecht, oder es passt einfach nicht.
    Dann kann man nichts machen.

    Der große 7/2003 und die kleine :motz: 4/2006



    Ich esse gern von einem schönen Teller!
    Aber lieber einige Kratzer, doch dafür zergeht das Menü auf der Zunge und beschert meinem Gaumen bleibenden Genuss.

  • Ich habe ein Problem mit zuviel Nähe. Ich brauche ganz viel Freiraum in meiner Ehe war es zu Anfang eine Arsch auf Eimer Beziehung
    und ich habe mich immer mehr versucht dort raus zudrehen, mein Ex Mann sagte dann oft zu mir ich sei mehr mit der Arbeit verheiratet als mit ihm.
    Aber die Arbeit war mein einziger Rückzugsraum und ich habe meine Arbeit geliebt.


    Er wurde immer Wahnsinniger, hatte mir elendige Beziehungen angedichtet, war tierisch eifersüchtig auf nix, und rückte mir immer mehr auf die Pelle, ich im Gegenzug noch weiter von ihm weg.


    Die 2,5 Jährige Beziehung die ich danach hatte, war auch zu eng. Wr sind auch zu schnell zusammengezogen. Nach einem Jahr zog er aus und wir haben uns einmal die Woche und an den Wochenenden gesehn, und auch da war es mir zuviel, ich habe das nicht ertragen.


    Und es ist keine Taktik, es ist bei mir ein regelrecher Fluchtreflex. Es hat nur abssolut nichts damit zu tun ob ich jemanden mehr oder weniger mag, oder lieb habe. Nur wird das oft falsch interpretiert und auch nicht so geglaubt auch wenn man es unter Eid schwören würde.


    Und dieses Nähe/Distanzverhätlnis das muss einfach passen, sond ist es ein ewiges Tauziehen und immer unzufriedenheit.

  • Und es ist keine Taktik, es ist bei mir ein regelrecher Fluchtreflex. Es hat nur abssolut nichts damit zu tun ob ich jemanden mehr oder weniger mag, oder lieb habe. Nur wird das oft falsch interpretiert und auch nicht so geglaubt auch wenn man es unter Eid schwören würde.


    Genau so kenne ich das auch.
    Und dieses.. Liebst du mich nicht mehr.. engt dann irgentwie NOCH mehr ein, finde ich. :(
    Dabei is das gar nicht das Problem.

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  • In einer richtigen, ehrlichen und vertauensvollen Beziehung sollten beide Partner das tun und lassen dürfen was sie wollen. Ohne durch die Vorstellungen und Wünsche des Anderen eingeschränkt zu werden.
    Allerdings befürchte ich, daß sich dieses Ideal wohl nur ganz selten verwirklichen lässt.


    Strategiespielchen sollten in einer Beziehung vermieden werden. Weil dann macht ja einer das was er nicht will, unterdrückt mehr oder minder stark sein Selbst, und verwandelt sich in eine Person die er/sie gar nicht ist. Und somit ist er/sie nicht mehr die Person die der/die Andere einst geliebt hat.


    Wo, wenn nicht in meiner Beziehung, darf ich denn ganz ich selbst sein?


    Gruß,
    PapaT

    .








    Wenn dich etwas nervt ändere es!

    Einmal editiert, zuletzt von PapaT ()

  • es gibt dazu ein sehr schönes Lied von Ich und Ich-


    ---Einer von zweien....


    das ist wahr-

    Lieber Gruss


    Luchsie


    Dein Denken kann aus der Hölle einen Himmel und aus dem Himmel eine Hölle machen.


    Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug. (Epikur)

  • ich hab in meiner langjährigen beziehung alle freiheiten gehabt(andersrum auch),bedingt dadurch,dass überhaupt keine gemeinsame interessen vorhanden waren.
    ich hab eigentlich alles alleine gemacht...
    dieses gefühl war zunehmend blöd,da wir im prinzip auch kein familienleben oder paarleben(mal weggehen etc) mehr hatten,jeder hat nur sein ding gemacht,nebeneinanderher.
    die beziehung danach war das absolute gegenteil,anfangs wars ne neue erfahrung und deshalb nett,aber nach kurzer zeit,konnte ich das nicht mehr aushalten.
    ich bin quasi von einem extrem ins nächste gerutscht .
    dieses ständige zusammen sein wollen ging von ihm aus.
    manchmal hab ich mich gefragt,was hat er denn vorher ,als er single war gemacht,so hat er sich auf mich gestürzt.
    wenn ich das bedürfnis hatte ,etwas alleine zu machen,war immer eine taktische meisterleistung nötig,um an mein ziel zu kommen und immer war ich unter strom.
    das war natürlich mist und zum scheitern verurteilt.
    nähe und distanz ,das ist wohl die kür in einer beziehung.
    immer gerade heraus wie einem gerade ist,geht auch nicht immer.
    aber verbiegen und nur mitziehen des lieben friedens wegen,geht auch nicht.
    wenn man eine gute basis hat,kann man darüber reden,bzw es zeigt sich dann schnell ,ob man eine gute basis hat,wenn man gewissen bedürfnisse anspricht.
    wenn 2 zusammen passen,findet man einen gemeinsamen weg ,ohne dass man taktik ,höchste diplomatische fähigkeiten etc besitzen muss.
    ich würde heute rechtzeitig abspringen,wenn die ansichten zu stark auseinander gehen und eine gemeinsame einigung nicht erreicht werden kann.
    das muss man sich nicht antun und auch keinem anderen.
    früher hätte ich vieles länger ausgesessen als heute,aber man lernt mit allen bezieheung dazu,vorallem über sich.

    ...Wer immer nur der Herde folgt,braucht sich nicht zu wundern,wenn er nur Ärsche vor sich hat...

  • Nee verbiegen geht ja man gar nicht...


    ich denke einfach, wie hier auch schon geschrieben,
    dass die Nähe- und Distanzbedürfnisse einigermaßen übereinstimmen müssen,
    sonst wirds ganz schwierig...

    Der erste Fauxpas des Tages ist das Aufstehen :rolleyes:


  • manchmal hab ich mich gefragt,was hat er denn vorher ,als er single war gemacht,so hat er sich auf mich gestürzt.


    Das kenne ich, furchtbar, und man hat das Gefühl für die Langeweile des anderen zuständig zu sein.
    Und ein ganz mieses Gefühl wenn man weiß, ich mache gerad was allein und der andere sitzt da und wartet nur drauf das man wieder "verfügbar" is.


    Ich glaube das ist nochmal besonders schwer wenn man AE ist.

    Der große 7/2003 und die kleine :motz: 4/2006



    Ich esse gern von einem schönen Teller!
    Aber lieber einige Kratzer, doch dafür zergeht das Menü auf der Zunge und beschert meinem Gaumen bleibenden Genuss.

  • Hallo,
    ich denke auch das es ein schwieriges und zentrales Thema innerhalb einer Liebe ist, wieviel Distanz und Nähe jeder braucht, da passt nicht jeder mit jedem zusammen.
    Für mich ist unter anderem wichtig das jeder für sich erkennt wofür man selber verantwortlich ist und dies nicht dem Partner anhängt. Ich brauche für mich eine tiefe seelische Nähe sie ist Grundvoraussetzung für den Rest der Beziehung.
    Es gibt einen "normalen gesunden" Rahmen von Nähe und Distanz und es gibt ein Maß von Nähe oder Distanz die meiner Meinung nach "pathologisch" sind. Dieses pathologische Maß von Nähe oder Distanz zeichnet sich dadurch aus , das den betreffenden Personen immer das gleiche passiert, sprich ihre Beziehungen sind immer zu anklammernd oder auf der anderen Seite, benötigen immer viel Distanz (vorausgesetzt die betreffenden Personen haben soviel Ehrlichkeit und Mut sich dies einzugestehen und lasten ihr eigenes Unvermögen nicht dauernd dem "bösen" Partner an ).
    Der eigentliche Grund aber warum ich hier schreibe und antworte ist , das ich auf einen bestimmten Punkt Mensch hinweisen möchte der ein gehöriges Maß an Leid verursachen kann und zwar den Nähe oder Beziehungsängstlichen.
    Dieser beziehungsängstliche Mensch empfindet menschliche Nähe, anders als jemand mit liebevollen gesunden Kindheitserfahrungen, als ernsthafte Bedrohung für sich und seine Autonomie und hat demtsprechende Abwehrmaßnahmen entwickelt,
    sei es "Mauern" sei es "Tot stellen" , sei es durch Verweigerung von Nähe, Sex oder romantischer Gesten, sei es durch Flucht in Arbeit , Hobbys etc. All diesen aktiven oder passiven Maßnahmen ist gemeinsam das sie für die "sichere, geliebte " Distanz sorgen sollen, damit der bindungsängstliche Mensch sich nicht mit seiner Angst vor Abhängigkeit und Nähe ,mit seiner Angst vor Ablehung, und seiner Angst vor Erwartungen auseinandersetzen muß. Diese Maßnahmen hinterlassen in der Regel einen vollkommen verunsicherten und verletzten Partner der in der Regel die Welt nicht mehr versteht und u.a. sich nicht sicher ist, ob er überhaupt geliebt wird.
    Ich halte es für sehr wichtig diese Art von Verhaltensweisen frühzeitig zu erkennen damit man frühzeitig begreift , vorauf man sich unter Umständen einläßt.
    Gute Bücher zu dem Thema :
    "Jein" von Stefanie Stahl (Beziehungsängste erkennen und bewältigen)
    oder "Nah und doch so fern" Beziehungsangst und ihre Folgen von Steven Carter und Julia Sokol
    greetings Streuner

  • Solche Strategiespielchen mit Nähe und Distanz entstehen meist, wenn die rosaroten Wolken verflogen sind. Wenn plötzlich die tägliche "Ich vermisse Dich", der tägliche Anruf, die Frage nach dem "Was machst Du gerade?" oder "Was machen wir am WE? plötzlich als Einengung und Kontrolle statt als Freude empfunden wird.


    Da ist die Frage warum jemand am Anfang sich so verstellt und eine derartige "schauspielerische Leistung" darbietet? Dass bestimmte Dinge beim "Umwerben" und "Verliebt sein" aufgrund von Gefühlen anderes sind, das ist klar. Dass diese sich ändern nach rosaroter Wolke auch. Der Punkt ist allerdings wie stark sich diese ändern und warum sich diese ändern.


    Sind es Mindewertigkeitskomplexe die dazu veranlassen anfangs anderes zu sein als man wirklich ist? Anders zu sein, damit man etwas bekommt? Dann ist unweigerlich ein möglicher "CUT" in der Beziehung von vornherein von diesen Menschen selbst geschaffen worden.


    Wenn man jetzt einen Partner hat der dies ähnlich sieht, dann geht dies nach rosaroter Wolke meist gut. Weil man selbst ja Anfangs der "Schauspieler" war, nimmt man den anderen "Schauspieler" auch eher so an wie er nun ist. Ich glaube aber dass gerade an dieser Stelle schon Weichen geschaffen wurden für ein Scheitern oder einen Bestand einer Beziehung.


    Hat man einen Partner der sich nach rosaroter Wolke so gut wie gar nicht verändert und auch anfangs schon er selbst war, ist dieser natürlich vor den Kopf gestossen wenn plötzlich aus der geliebten Nähe, Distanz wird. An dieser Stelle sollte man sich Fragen was man will und ob das, was es jetzt "nur" noch gibt, ausreicht umd trotzdem glücklich zu werden in der Beziehung. Gerade hier aber wird oft gehofft darauf dass der Partner wieder etwas "rosaroter" wird und man hält sich seinen Partner in "Träumen" so fest. Das geht solange gut bis dieser Traum die Enttäuschung nicht mehr kitten kann.


    Andererseits ist es auch eine Möglichkeit, Distanz zu lernen und die neue Erfahrung positiv zu nutzen. Das wäre letztendlich wohl ein Weg, der eine Beziehung auch mit diesen Dingen, halten kann. :frag