Ich will mein Kind zurück

  • Hallo zusammen.


    Ich bin neu hier und bin auf der Suche nach Rat und Austausch.


    Wo fange ich an?
    Ich habe 2 Kinder, bald 3.
    Ich bin noch verheiratet mit dem Vater meines 2. Kindes, um das es in meinem Problem auch geht.


    Seit November lebe ich getrennt, anfangs in der Wohnung meiner Eltern, seit April in meiner eigenen in dem selben Haus.
    Die Kinder waren immer bei mir.
    Trotz Ehe war ich aber immer mit den Kindern allein.
    Trennungsgründe gab es viele, aber ausschlaggebend waren die Spielsucht (PC), das unkontrollierte Anhäufen von Schulden und das Desinteresse an der Familie.


    Kontakt bestand bis Ende Januar nur sporadisch.
    Die gemeinsame Wohnung war gekündigt, und um meine Angelegenheiten zu dem Umzug zu regeln, bin ich mit den Kindern für eine Woche in die gemeinsame Wohnung. Es ging nicht anders, weil die Wohnung etwa eine Autostunde von mir entfernt ist und ich leider auch kein eigenes Fahrzeug habe. Mein Auto habe ich während der Ehe verkaufen müssen.


    Nun hatte ich am letzten Abend dieser besagten Woche einen schweren Unfall. Ich war ganze 10 Wochen weg. In dieser Zeit konnte ich meinen Sohn nur 2 Mal sehen. Ganze 4 Wochen wusste ich seinen Aufenthaltsort nicht, er war telefonisch nicht erreichbar.
    Seit Mitte April bin ich aus der Reha entlassen, aber mein Sohn ist noch immer nicht bei mir und ich werde noch krank vor Sorge.
    Mein Noch-Mann hat während ich in der Klinik war, das Aufenthaltsbestimmungsrecht beantragt.
    Vor Gericht waren wir inzwischen schon einmal, aber er hat mich dort als Verrückte dargestellt, die eine Gefahr für das Kind wäre.
    Um das zu prüfen, muss ein Gutachten erstellt werden. Aber bis zur endgültigen Entscheidung soll der Kleine bei ihm bleiben!
    Ich darf ihn nur alle 14 Tage sehen. Er ist jedesmal schmutzig, die Ohren gelb.
    Und von seiner doofen Freundin bekomme ich ständig E-Mails, dass meinem Sohn der Umgang mit mir nicht gut täte. Er wäre jedesmal verstört.
    Wenn mein Sohn bei mir ist, ist er sehr anhänglich, auch an meiner Tochter (seine Schwester).
    Für sie ist die Situation ebenso unerträglich.
    Sie ist erst 6 Jahre jung, sie kann nicht begreifen, wieso er ihr ihren Bruder weggenommen hat.


    Das Gutachten soll bis Juli etwa fertig sein, bei der Ärztin war ich schon.


    Ich habe Angst um mein Kind.
    ICh kann mir nicht vorstellen, dass er sich plötzlich so sehr verändert hat, dass er ein guter Vater ist.
    Bisher war immer ich alleine für die Kinder zuständig. Er hat ihn in den 2 Jahren niemals ins Bett gebracht, ihm nie die Zähne geputzt, war nie mit ihm draußen. Für ihn war immer nur der PC wichtig.
    Und jetzt nimmt er mir aus Rache meinen Sohn weg.
    Aber ich musste ihn verlassen, es ging einfach nicht mehr!


    Ich bin verzweifelt und weiß mir keinen Rat mehr.
    Mein Anwalt meint zwar, dass ich meinen Sohn zu 99 % wiederhaben kann, aber was ist, wenn das Gutachten doch negativ für mich ausfällt?
    Die Gutachterin hat sich leider nur für meine Vergangenheit interessiert, die aber seit 8 Jahren abgeschlossen ist.
    Ich war damals in psychiatrischer Behandlung, wegen eines schlimmen Traumas. Aber das ist wie gesagt längst vorbei und sagt rein gar nichts über mich und mein Leben als Mutter aus.


    Tut mir leid, dass es so lang geworden ist, aber es tut auch gut, mal darüber zu schreiben.


    Liebe Grüße,
    Herz

  • Rat habe ich leider keinen für dich. Aber ich drück die Daumen, dass alles bald wieder gut ist. Verlier nur nicht den Mut!

    Ganz gleich, wie beschwerlich das Gestern war,
    stets kannst du im Heute
    von Neuem beginnen.


    Buddhistische Weisheit

  • Ich war damals in psychiatrischer Behandlung, wegen eines schlimmen Traumas. Aber das ist wie gesagt längst vorbei und sagt rein gar nichts über mich und mein Leben als Mutter aus.


    Wende Dich doch mal an den Psychiater, der Dich damals behandelt hat: An dem kommt die Gutachterin nicht vorbei. Die Behandlung war ja irgendwann abgeschlossen, weil sie nicht mehr notwendig war. Das haben die auch alles noch schriftlich. Ein traumatisches Erlebnis in der Vergangenheit allein reicht nicht aus, um jemanden als erziehungsunfähig einzustufen.


    Ansonsten wünsche ich Dir viel Kraft, und auch Glück, das ist wirklich eine sehr traurige Geschichte. :(:troest


    Borgia

  • Eine Freundin von mir hat ihre Kinder nach der Trennung vorübergehend beim Vater gelassen, um sie später nachzuholen, sobald sie ein geeignetes Umfeld geschaffen hat. Tja... sie bekam sie nicht. Die Ex-Schwiegermutter hörte glaub ich sogar etwas vorzeitig auf zu arbeiten, um die Kinder zu versorgen und die ganze Sache ging vor Gericht. Ähnliches Szenario... Gutachten etc..


    Es dauerte ca. ein Jahr und der Richter entschied für sie, denn sie war all die Jahre die wichtigste Bezugsperson für die Kinder. Sie meinte, dass es das wäre, was zählt, nix anderes und so denke ich wird es in Deinem Fall gut aussehen, dass Euer Sohn seinen Lebensmittelpunkt wieder bei Dir und seiner Schwester bekommt.


    Betreut der Vater denn selbst?


    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und drücke alle Daumen!


    Edit: Meine Freundin hatte übrigens auch vor Jahren massive psychische Probleme, die sie behandeln ließ. Das hat die Entscheidung aber nicht beeinflusst, denn sie hat sich behandeln lassen, erfolgreich, wie Du auch, also mach Dir nicht zuviele Sorgen. M.E. kann das nur positiv gewertet werden :troest

  • Der Ex war nur nie da, hat sich um nichts gekümmert. Dieses "mein" drückt für mich nur eine Verzweiflung aus, mehr nicht. Und es ist wohl mehr als link nach einem schweren Unfall ihr auch noch das Anzutun. Aber die gute Mutter hat ja nur zu funktionieren.


    Wie alt ist Euer Kind? Wichtig ist wirklich, dass Du nicht in irgendwelchen Heulkrämpfen ausbrichst vor der Gutachterin. Die alles entscheidenden Gründe wären, wer war bis lang für Euer Kind da? Wer hat Elternzeit genommen? Wer ist mit dem Kind zum Arzt gegangen? Wer hat es zur Kita gebracht? Wer war bei Elternabende? Arbeitet der Vater? Auch das Geschwisterkind wird im Normalfall berücksichtigt, denn man reißt ja keine Geschwister, auch wenn Halbgeschwister auseinander. Schlimm genug, dass das Ganze noch bis Juli dauert. Kannst Du nicht mehr an Umgang erwirken, als die 14 tägige Regelung? Und mit der Psychogeschichte würde ich mir ein Attest des damals behandelnden Arztes ausstellen lassen.


    Alles Liebe und bleib ganz stark

  • Nicht hauen, aber ich muss jetzt doch mal nachfragen, o.k.? :-)


    Mir ist schon oft aufgefallen, dass im Forum sehr schnell die Aussage "mein Kind" resolut korrigiert wird. Es ist absolut korrekt, dass jedes Kind zwei Elternteile hat und ich denke das ist auch jedem Vater/jeder Mutter klar, dass niemand ein Ausschließlichkeitsrecht für ein Kind gepachtet hat. (Edit: sollte zumindest so sein und ist es meistens auch)


    Nun ist es im normalen Sprachgebrauch auch bei mir üblich, dass ich von meinem Sohn und meinen Töchtern spreche, ohne dabei ihre Väter verleugnen zu wollen. Ich fände es eher anstrengend immer von "unser" reden zu müssen und überhaupt muß man das? Warum?


    Spreche ich mit dem KV "meiner Töchter" und erzähle ihm was alles war, dann sage ich öfter mal "Deine Töchter haben....", dann auch wieder "unsere Töchter..."... mensch redet halt, aber muss ich das ständig an anderen Stellen (wie hier im Forum z.B.) betonen und hervorheben (?), denn.... wir wissen doch alle, dass es "meine, Deine, unsere" sind und sich letztendlich dann doch nur selbst gehören :frag

  • Wende Dich doch mal an den Psychiater, der Dich damals behandelt hat: An dem kommt die Gutachterin nicht vorbei. Die Behandlung war ja irgendwann abgeschlossen, weil sie nicht mehr notwendig war. Das haben die auch alles noch schriftlich. Ein traumatisches Erlebnis in der Vergangenheit allein reicht nicht aus, um jemanden als erziehungsunfähig einzustufen.


    Ansonsten wünsche ich Dir viel Kraft, und auch Glück, das ist wirklich eine sehr traurige Geschichte. :( :troest


    Borgia

    Danke für die Antwort.
    Ich habe eine Schweigepflichtsentbindung unterschrieben. Die Gutachterin kann nun meine komplette Lebensgeschichte einsehen.
    LG

  • Oh Gott, ein Jahr hat das gedauert??


    Ja, der Vater betreut ihn selbst. Er hat seinen Job hingeschmissen, er will jetzt "Vollzeitpapa" sein.
    Im Anträge stellen war er flink. Ich denke, für ihn ist es so am bequemsten.
    Der Kleine wird vor dem Fernseher geparkt, damit Herr Papa weiterhin seiner Computersucht nachgehen kann.


    Das sollte nicht gehässig klingen, aber es ist leider wahr. Für ihn zählte immer nur der PC.


    Danke für deine guten Wünsche!
    LG

  • Tschuldigung genau das könnte dein EX auch sagen.

    Entschuldige, ich wollte damit niemandem auf die Füße treten.
    Aber ich schreibe in einem fremden Forum von meinem Kind, nicht von deinem oder das anderer User.


    Narürlich hat das Kind einen Papa, der aber leider nunmal 2 Jahre lang kein Interesse gezeigt hat.
    Ich bins gewöhnt, von "meinem" Kind zu sprechen und es auch alleine zu versorgen.


    LG

  • Ich habe ein paar Fragen...


    Warum meinst du, dass das Gutachten negativ ausfallen koennte? Hatte der Unfall irgendwas mit seiner Aussage, dich als verrueckt zu erklaeren zu tun? Ich kann mir vorstellen, dass du besorgt bist, da er sich ja vorher schon nicht gekuemmert hat. Vielleicht tut es ja wenigstens seine Freundin (auch wenn sie dich beschimpft). Dass euer Kind schmutzig ist (die Ohren gelb? Was meinst du damit: ich hab bei meinem Kind noch nie in den Ohren rumgepuhlt, denn was kleineres als den Ellbogen soll man da ja nicht reinstecken ;) wuerde ich nicht allzu sehr ueber bewerten. Wichtiger faende ich seine sonstige Verfassung. Will er nicht zum Vater? Ist er danach durcheinander? etc.


    Ich glaube nicht, dass deine Vergangenheit so bedeutsam sein wird. Schliesslich hattest du dir ja Hilfe gesucht und es war abgeschlossen.

  • Der Ex war nur nie da, hat sich um nichts gekümmert. Dieses "mein" drückt für mich nur eine Verzweiflung aus, mehr nicht. Und es ist wohl mehr als link nach einem schweren Unfall ihr auch noch das Anzutun. Aber die gute Mutter hat ja nur zu funktionieren.


    Wie alt ist Euer Kind? Wichtig ist wirklich, dass Du nicht in irgendwelchen Heulkrämpfen ausbrichst vor der Gutachterin. Die alles entscheidenden Gründe wären, wer war bis lang für Euer Kind da? Wer hat Elternzeit genommen? Wer ist mit dem Kind zum Arzt gegangen? Wer hat es zur Kita gebracht? Wer war bei Elternabende? Arbeitet der Vater? Auch das Geschwisterkind wird im Normalfall berücksichtigt, denn man reißt ja keine Geschwister, auch wenn Halbgeschwister auseinander. Schlimm genug, dass das Ganze noch bis Juli dauert. Kannst Du nicht mehr an Umgang erwirken, als die 14 tägige Regelung? Und mit der Psychogeschichte würde ich mir ein Attest des damals behandelnden Arztes ausstellen lassen.


    Alles Liebe und bleib ganz stark

    Danke für deinen Beitrag!


    Ja, es ist schon so, dass ich die Hauptbezugsperson war.
    Teilweise sogar alleine mit den Kindern gewohnt habe, weil er unbedingt 550 km weiter weg arbeiten wollte.


    Ich war alleine für alles zuständig.
    Kinder, Haushalt, Arztbesuche usw.
    Für ihn war der "Job" mit seiner Berufstätigkeit erledigt. Seine Freizeit war ihm heilig, ich hatte keine.
    Mein Sohn ist erst 2.
    Und leider kann ich nicht mehr Umgang erwirken, ich habe schon alles versucht.


    Ich höre nur immer wieder das Gleiche: Sie müssen Geduld haben und abwarten.


    LG

  • Was ist mit einem Gegengutachten für den Vater?
    Hinsichtlich Spielsucht. Du schreibst, dass Eure Gelder flöten gegangen sind, da er Schulden angehäuft hat.
    Das lässt sich doch sicher belegen, oder?
    Wenn Du das nachweisen kannst, dürfte er schlechte Karten haben.
    Wenn er jetzt seinen Job "geschmissen" hat, um Sohni zu versorgen - wovon lebt er jetzt?
    Frag doch mal Deinen Anwalt, wie die Chancen stehen, hier anzusetzen.


    Drücke Dir die Daumen!

    Einmal editiert, zuletzt von burgfrl. Bö ()

  • liebes herz!!!


    du wirst dein kind zurückbekommen, aber vielleicht nicht ganz komplett, doch auf jedenfall lohnt es sich zu kämpfen!!! habe ich auch durch, habe sogar mein gutachten für unrealistisch erklären können, die richter vom OLG taten es dann nur noch mit einem abwinken ab, als der KV immer wieder versuchte, darauf rumzureiten :D
    bleibe aber stark, denn ich habe am anfang beim gutachter geheult, weil noch alles so frisch war. doch mein 2-jähriger fight hat sich allemal gelohnt!!!! :brille

  • Ich habe ein paar Fragen...


    Warum meinst du, dass das Gutachten negativ ausfallen koennte? Hatte der Unfall irgendwas mit seiner Aussage, dich als verrueckt zu erklaeren zu tun? Ich kann mir vorstellen, dass du besorgt bist, da er sich ja vorher schon nicht gekuemmert hat. Vielleicht tut es ja wenigstens seine Freundin (auch wenn sie dich beschimpft). Dass euer Kind schmutzig ist (die Ohren gelb? Was meinst du damit: ich hab bei meinem Kind noch nie in den Ohren rumgepuhlt, denn was kleineres als den Ellbogen soll man da ja nicht reinstecken ;) wuerde ich nicht allzu sehr ueber bewerten. Wichtiger faende ich seine sonstige Verfassung. Will er nicht zum Vater? Ist er danach durcheinander? etc.


    Ich glaube nicht, dass deine Vergangenheit so bedeutsam sein wird. Schliesslich hattest du dir ja Hilfe gesucht und es war abgeschlossen.

    Klar, frag gerne.
    Ich war damals schwer depressiv und habe versucht, mir das Leben zu nehmen. Da war ich 16 Jahre alt und Jahre in Therapie.
    Vor etwa 8 Jahren war ich das letzte Mal, ich sehe mich als geheilt. Mir ging es gut und mit den Erlebnissen habe ich abgeschlossen.


    Mein Ex, der schnell am Unfallort war, hat der Polizei gesagt, dass ich absichtlich gegen den Baum gefahren wäre.
    Ich muss dazu sagen, dass er betrunken war und wir kurz vorher eine heftige Auseinandersetzung hatten.


    Mit gelben Ohren meine ich, dass ihm das Ohrenschmalz herausquillt. Sogar hinter den Ohren sind Krusten.
    Wenn ich den Kleinen bade, wasche ich ihn ganz normal auch an den Ohren. Ich benutze keine Wattestäbchen, trotzdem sind die Ohren sauber.
    Und diese Freundin. oh je, ich kenne sie ja. Sie ist, wie soll ich es ausdrücken, asozial.
    Ich habe sie vor der Trennung schon gekannt, sie war ja meine Nachbarin. Also es sind keine Vorurteile.


    Hmm, es ist schwierig zu beurteilen, ob der Kleine zum Vater will oder nicht.
    Er ist erst 2, und er liebt Autofahren.
    Wenn ich ihn abhole, ist er allerdings so anhänglich, dass er mich nicht loslässt. Er klammert sehr an mir und auch an seiner Schwester. Am Ende holt ihn dann der Papa wieder von mir ab.


    Weißt du, ich denke auch, dass meine Vergangenheit völlig unwichtig ist.
    Aber ich verstehe nicht, warum die Gutachterin alle Einzelheiten wissen wollte. Nach meinem Leben als Mutter oder allgemein den letzten Jahren hat sie kaum gefragt.


    LG und danke