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  • Danke ihr Lieben,


    Das Ganze ist nun schon 11 Tage her.

    Mein Leben hat sich komplett geändert.


    Ich fange so langsam zu realisieren was überhaupt passiert ist.

    Mein Freund sagte, wenn ich schlafe, dann sehr sehr unruhig und ich spreche im schlaf.


    Ich erzähle weiter :


    Nachdem ich meinen Bruder das erste Mal im Krankenhaus gesehen habe, hatte ich Bilder seiner Beerdigung im Kopf.

    Traurige 2 Menschen bei der Andacht. Es muss doch noch jemand wichtigen in seinem Leben sein.

    Ich hab etwas geforscht und in einer Facebookgruppe unseres Heimatortes nach Freunden von ihm gefragt.


    Tatsächlich meldete sich M. sein bester Freund.


    Ich überbrachte ihm die schrecklichen Neuigkeiten. Er war und ist tief betroffen.

    Einige Tage später trafen wir uns zu dritt. Meine Mom, M. und ich. Wir tauschten uns aus, erzählten was passiert war, hörten Geschichten aus der Jugend der beiden..teilweise lachten wir sogar.

    Trotz allem bin ich eifersüchtig auf M. all meine Wut, Angst und verzweiflung suchte einen Schuldigen.


    Ich fing an schärfer nachzufragen.

    Warum hast du als bester freund nicht geholfen?

    Warum hast du die Lage nicht erkannt ?

    Wie gehst du mit seiner Erkrankung ( paranoide Schitzophrenie ) um ?


    Das Gespräch kippte etwas, meine Mom erzählte aus unseren Kindertagen. Das diese nicht rosig waren.

    Missbrauch, körperlich wie seelisch stand bei uns ganz oben.

    M. wusste diese Dinge scheinbar nicht.


    Ich lenkte das Gespräch auf die Vorbereitung für das Krankenhaus.

    Ich habe M. genau erklärt was ihn erwartet, wie mein Bruder aussieht, Hygieneregeln ect.


    M. war Freitag im Krankenhaus.

    Es war eigendlich mein Besuchstermin. Wir haben nur 2 pro Woche.

    Es fühlte sich wie geklaute Zeit mit meinem Bruder an. Ich war sauer auf M.


    Mittlerweile wird mein Bruder jeden Tag operiert.

    Die verbrannte Haut wird abgetragen und mit Spenderhaut bedeckt.

    Tlw. wurden kleinere Stellen auch schon transplantiert.


    Er ist unter dem künstlichem Koma sehr unruhig. Schießt immer wieder nach oben mit dem Herzschlag. So schlimm das die Ärtzte ihn schon total überdosiert haben. Mehr können sie ihm nicht geben, sonst klappt er ab.

    Er hat immer wieder Krisen die lebensgefährlich sind.


    Bei meinem zweitem Besuch war ich sehr geschockt.

    Ich fragte den Pfleger, warum seine Nase so schwarz ist. Ob die nicht durchblutet sein oder der Verband zu stramm ist.

    Er guckte und sagte ziemlich unsensiebel : Die ist eben verbrannt, totes Gewebe. Die wird nix mehr .

    Drehte sich um und ging.

    Ich laufe seit Tagen mit diesem Bild im Kopf rum.


    Soviel erstmal zu heute.


    Es ist wahnsinnig anstrengend für mich meine Gedanken zu sortieren und auch sortiert aufzuschreiben.

  • Ach mensch, auch hier nochmal alle guten Gedanken für Euch. Es ist sicher anstrengend, das aufzuschreiben, aber tut Dir vielleicht auch gut. Und wenn es etwas durcheinander ist, macht das ja nichts.

    LG
    CoCo



    Halt mich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht, und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.


    ~ Khalil Gibran ~





  • Such dir bitte Hilfe! Du brauchst jemanden das durchzustehen. Es geht um dich, dein Kurzer braucht dich auch noch.


    Im Notfall die Telefonseelsorge kontaktieren. Da sitzen tolle Menschen am Telefon.


    Scheu dich nicht das zu nutzen.

    Es ist besser,
    ein eckiges Etwas zu sein,
    als ein rundes Nichts.

  • Ach Lady, das sind jetzt ganz schwere Zeiten und du darfst durch den Wind sein. Es ist nicht schlimm, wenn Du auf M. sauer bist. Irgendwo muss man hin mit seinen Fragen und Sorgen. Man kann nicht alles runterschlucken.

    Aber M. steigt auch ein, auch wenn sich dein Bruder und er vielleicht zwischenzeitlich etwas aus den Augen verloren haben. Wenn dein Bruder die Fortschritte macht, die du jetzt andeutest mit den OPs, dann wird die Zeit sich anders aufteilen lassen. Mehr werden. Und du wirst viel Zeit mit deinem Bruder haben. Er wird dich brauchen.


    Dafür brauchst du wiederum viel Kraft. (der komisch wirkende, empathielos empfundene Pfleger muss auch kämpfen auf so einer Station und ist sicherlich auch an seinen Grenzen. Das atmet keiner weg). Darum ist der hier schon gegebene Rat nicht schlecht, dir Stärke und Beistand zu holen. Wenn du dich jetzt stark machst, dann wird das direkt deinem Bruder helfen. Dich zu erden, dich sicherer zu machen, wird direkt deinem Bruder gut tun. Es wäre das, was du jetzt, gerade jetzt vorbereitend tun kannst.

    Du wirst ganz vorne "in der ersten Linie" stehen. Du kennst das von früher aus dem Job: Da braucht es eine Art Supervision. Die kannst du dir holen.

    Da vom Hausarzt die Supervision (die Termine zB mit einer Gesprächstherapeutin, die als deine Super einsteigt, zu holen) verschreiben zu lassen, wäre absolut Investition in die Zukunft mit deinem Bruder. Wenn er aus dem künstlichen Koma geholt wird, wenn es zu ersten Besuchen von dir kommt, - eine Schwester, die ihn aufbaut und Mut macht und stark ist: Das wird er dann brauchen.

    Vielleicht siehst du das als Möglichkeit für dich.


    Dir und euch alle alle guten Wünsche

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Hallo ihr Lieben,


    der Wahnsinn geht weiter.


    Vorgestern war ich wieder bei ihm.

    Die Schwester hat mich darauf vorbereitet, dass mein Bruder jetzt aufgedeckt ist und ein Großteil seiner Verbrennungen offen liegen.

    Auch liegt er in einem Spezialbett, welches mit Sand gefüllt ist und vibrationen überträgt.

    Die Schwester empfahl mir Minzöl auf meine Maske und mein Kittel zu träufeln, da er gerade das Darmrohr liegen hatte.

    Vorgestern hieß es noch das er eine beginnende Lungenentzündung und eine beginnende Sepsis entwickelt hätte.


    Ich stand also in Op - Kleidung vor der Glastür seines Zimmers. Ich war geschockt ihn so offen zu sehen.

    Sein Augenschluss funktioniert nicht mehr, die Schwester legte schnell ein leichtes Mulltuch über seine Augen.

    Ich war bewegungsunfähig.

    Irgendwann stand ich dann doch an seinem Bett. Den Stuhlganggeruch ausgeblendet..

    Ich brachte ihm einen Handschmeichler mit und fuhr damit über unverletzte Hautpartien. Dabei hab ich ihm erzählt was ich gerade tue, wo am Körper ich gerade bin..was es neues gibt, wie das Wetter ist usw.

    Nach einigen Minuten musste ich das Zimmer verlassen.

    Sein Zimmer ist stark aufgeheizt, die Op Kleidung ist nicht gerad luftig. Ich kämpfe dort immer sehr mit dem Schock, meinem Kreislauf und meinen Gefühlen.


    Gestern kam dann die schlimme Nachricht.

    Seine Entzündungswerte sind maximal erhöht, die Sepsis weit fortgeschritten, die Lungenentündung heftig.

    Dazu kurzzeitiges Nierenversagen, Gallenblasenentzündung.

    Er wurde den ganzen Tag einer Blutwäsche ( die Schweser nannte es Maximalbehandlung ) unterzogen.


    Heute Früh sind seine Werte fast unverändert, trotz starken Medikamenten ( 2 verschiedene Antibiotika, kreislaufunterstützende Medikamente und was da sonst noch so hängt ).


    Die Schwester sagte mir..wir hoffen jetzt von Stunde zu Stunde.





    Zu euren Beiträgen :


    Hilfsangebote und Unterstützung habe ich.

    Natürlich gehts mir unter diesen Umständen mehr als Bescheiden.

    Ich brauche einfach einen Platz wo ich diese Dinge niederschreiben und teilen kann..


    Ich danke euch dafür !

  • Ich brauche einfach einen Platz wo ich diese Dinge niederschreiben und teilen kann..

    Lady, jederzeit und in jeder Form.


    Dir und Euch ganz viel Kraft. Es wird weiter wie ein Marathonlauf, wie ein Triathlon sein: Man ist schon eine lange Zeit unterwegs, aber das Ziel ist noch weit. Aber wenn Dein Bruder eine Chance hat, dann auch, weil Ihr als Familie, weil Du da bist. So hart das auch manchmal, nein immer ist. Jedesmal. Es ist halt so. Man darf das spüren. Man darf das sagen!

    Er spürt Dich, wenn Du ihn streichelst. Er hört Dich. Irgendwie.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Also ich mag mich jetzt hier total unbeliebt machen aber darf ich fragen ob es Vollmachten oder Verfügungen gibt? Ich möchte Niemanden angreifen aber Maximaltherapie ist nicht immer das was sich vielleicht der Patient wünschen würde.


    Bitte steinigt mich nicht.

  • Also ich mag mich jetzt hier total unbeliebt machen aber darf ich fragen ob es Vollmachten oder Verfügungen gibt? Ich möchte Niemanden angreifen aber Maximaltherapie ist nicht immer das was sich vielleicht der Patient wünschen würde.


    Bitte steinigt mich nicht.

    Das ist ein durchaus valider Gedanke. In der Tat: nur eine Verfügung des Patienten, so diese tatsächlich von ihm unterschrieben wurde, kann Klarheit dafür geben, was sein Wille zum Zeitpunkt war, da er diese Verfügung verfasst hat. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es gibt zwar - nach dem, was ich hier gelesen habe - einige Indizien dafür, dass der Patient seinen Unfall willentlich herbeigeführt haben könnte, aber es sind eben Mutmaßungen.


    Ich frage mich eher, ob die behandelnden Ärzte denn mit den Angehörigen (also auch der TS) gesprochen haben, um sie aufzuklären, welche Chancen und Risiken mit dieser Therapie verbunden sind.

    A smile a day sweeps the sorrows away