Fuß im Alltag fassen

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  • Hallo ihr,


    ich bin neu hier und auf der Suche nach Austausch, Erfahrungen, ehrlichen Worten, tröstenden Worten,...


    Kurz zu mir und meiner Geschichte. Ich versuche zumindest es kurz zu halten.


    Ich heiße Daniela bin 37 Jahre alt und war bis Ende März mit meinem Mann zusammen.

    Wir waren 18 Jahre zusammen, 9 davon verheiratet.

    Wir haben zwei wundervolle Kinder. Einen Sohn (8) und eine Tocher (4).


    Unsere Ehe war die letzten Monate sehr vom Alltag dominiert.

    Haushalt (Haus mit knapp 180 m²), Teilzeitarbeit, Kinderbetreuung und alle Aufgaben rund um das tägliche Leben, haben mir zunehmend die Kraft geraubt.

    Mein Mann ist selbstständig mit einem Elektrounternehmen und war von 06:30 - 17:30 außer Haus.

    Daher blieb tatsächlich alles an mir hängen.

    Zuletzt zur Zeit des Home-Schoolings ging ich tatsächlich auf dem Zahnfleisch, da ich oft um 04:00 Uhr aufgestanden bin um früh im Homeoffice zu arbeiten.

    Unterstützung bekam ich auch hier nicht.


    Ende Februar war mein Mann 4 Tage auf Fortbildung und die Misere begann.

    Als er wieder nach Hause kam, fiel die Begrüßung kalt aus. Bzw. es gab gar keine richtige. Er kam rein und hat erst mal die Post gelesen (die Kinder waren bereits im Bett).

    Am Tag darauf sprach ich ihn an und meinte, dass das ziemlich strange war und ob wir nicht reden sollten.

    Mein Mann ist kein Mensch großer Worte... Ich habe zuvor schon immer wieder gesagt, wir müssen schauen, dass wir uns nicht verlieren. Dass wir uns Zeit nehmen, dass wir uns wieder wahrnehmen und wertschätzen... NIE hat er irgendwie erwähnt, dass was im Argen ist.

    Bis zu diesem Abend. Plötzlich redete er. Er liebe mich nur noch wie eine gute Freundin. Er weiß auch nicht wie es weiter gehen soll, etc. Was für mich von diesem Gespräch hängen blieb, war die Aussage, dass er noch an uns glaubt.

    Die 4 darauffolgenden Wochen waren noch härter für mich.

    Zu aller Erschöpfung hab ich versucht meine letzten Energien in die Rettung unserer Ehe zu stecken. Sehr viel reflektiert, sehr geschaut, was im Alltag anders laufen könnte.

    Immer wenn ich ihn angesprochen habe, woran es liegt, was anders sein sollte, was ihn stört, wie er sich eine Ehe/Partnerschaft vorstellt kam nur: "ICH WEISS NICHT". Es hat mich zuletzt fast wahnsinnig gemacht!!!!


    Nach 4 Wochen, hatte ich das Gefühl, dass er mir gegenüber immer kälter wird und ich bat ihn auch, mir keine Küsse mehr aus Gewohnheit zu geben, wenn er es nicht ehrlich meint. Daraufhin haben wir uns auf mein Bitten nochmal zusammen gesetzt als die Kinder im Bett waren und er hat relativ schnell den Schlussstrich gezogen. Ohne große Erklärungen...

    Am Tag darauf ist er ausgezogen....


    Für mich begann eine schreckliche Zeit. Ich hab nur gespuckt, konnte nicht essen, nicht trinken, hab innerhalb kürzester Zeit 8 Kilo abgenommen, nur noch geweint, nicht geschlafen und war physisch wie psychisch völlig am Ende.

    Mein Hausarzt hat mich gleich zu einer Psychologin überwiesen, zu der ich noch gehe.

    Ich war 8 Wochen krank geschrieben und habe versucht, mich irgendwie wieder auf die Beine zu stellen und für die Kinder so gut es geht da zu sein.


    Er war der feine Papa, der immer wieder betonte, dass er sich nur getrennt hat und uns nicht verlassen hat. Dass er für mich und die Kinder weiterhin da sein wird! Dass ich ihm vertrauen muss....

    Ich hab den Kindern zu Liebe dann auch schnell klare Gedanken gefasst und wollte alles geregelt haben. Wir saßen zuvor schon zusammen und haben Eckpunkte besprochen. Das war sehr schwer, da ich ihm nicht in die Augen sehen konnte. Daran hab ich gearbeitet und wir konnten vernünftig miteinander umgehen.

    Ich hab alle Termine wie ein Roboter abgehakt. Die Bank - das Haus muss ich nun alleine abzahlen (Gott sei Dank steh ich alleine im Grundbuch!!!!!), um ein Auto hab ich mich bemüht, da ich das aktuelle (T6) nicht hätte halten können. Wir waren bei einer Mediatorin und insgesamt angesichts der unglaublich schweren Situation auf einem guten Weg.

    Mein Ziel war eine gute Elternebene aufzubauen und vielleicht sogar früher oder später gemeinsam an Schul- und Kindergartenveranstaltungen teilzunehmen.


    Vergangenen Sonntag beim Wäsche zusammen legen fuhr es plötzlich in mich wie ein Blitz! Ich spürte, dass er nicht zu Hause, sondern bei einer anderen Frau war!

    Ich war mir dessen so sicher, dass ich ihn anrief und ihn direkt fragte, ob er wirklich bei seinem Kumpel ist oder bei einer anderen. Nach einer viel zu langen Pause kam "Warum?". Ich war völlig außer mir, legt auf und stand glaub ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch.

    Für mich war klar, dass ich die Kinder so schnell wie möglich zu Tante/Oma/Onkel oder wem auch immer bringen muss. Wir wohnen Gott sei Dank alle fußläufig und meine Schwiegermutter nahm die Kinder.

    Als meine Freundin bei mir ankam bin ich sehr zusammen gebrochen....

    Momentan nehm ich wieder Magentabletten, da ich sonst nicht essen kann und Tropfen, damit ich emotional über den Tag komme.


    Die Basis ist plötzlich eine ganz andere!!! Ich würde ihn am liebsten zerquetschen. Ich bin soooooo unglaublich verletzt!! Wütend! Traurig!!! Es fühlt sich an, als würde er noch provokativ auf die letzten 18 Jahre spucken!

    Ich habe während unseren Gesprächen immer wieder erwähnt wie wichtig es ist, dass wir alles gut regeln, BEVOR jemand einen neuen Partner hat.

    Nun ist mir auch sein plötzlicher Enthusiasmus klar!!! Er wusste, dass das alles durch sein muss, bevor ich ihn enttarne!

    Morgen wollten wir uns final zusammen setzen!

    Ich kann und werde sicherlich die nächsten Tage oder Wochen nicht vernünftig mit ihm reden können! Ich würde zu viel sagen, was ich bereuen würde! Und was unter der Gürtellinie ist. Und das bin ich nicht!

    Ich will erhobenen Hauptes mit reiner Weste aus der Sache gehen und mich weiterhin im Spiegel anschauen können.

    Aber das alles wirft mich in der Verabeitung nun Wochen zurück! Ich fühl mich so schwach und kaputt wie am Anfang....


    Oh nein... nun ist das doch alles sehr lang geworden..... Ich hätte doch besser übers Handy geschrieben... ;-)


    Wie habt ihr diese mächtigen Emotionen während der Trennung erlebt?

    Wie habt ihr gelernt sie zu bändigen?

    Wie habt ihr es geschafft, vor euern Kindern nicht nur als traurige Mama aufzutreten?

    Konntet ihr eine vernünftige Elternebene finden?

    Wie habt ihr es geschafft, dass sich eure kleiner gewordene Familie wieder komplett anfühlt?


    Ich freue mich über jeden, der es geschafft hat diesen langen Text zu lesen und mir weiterhelfen kann.


    Ganz liebe Grüße,

    Dani

  • Oje, das ist ja alles ganz schön viel. Denkst Du, er hatte die andere Frau schon als er auf Fortbildung war? Wobei das letztlich auch egal ist, die Situation ändert sich auch dadurch nicht.


    Immerhin scheint Ihr Euch ja irgendwie einigen zu können und das solltest Du nach Möglichkeit auch weiter anstreben. Innerlich kannst Du ihn ja alles heißen, aber er ist halt der Vater Deiner Kinder und Du wirst noch ewig mit ihm zu tun haben.


    Es wird dauern, das alles zu verkraften. Ich wünsche Dir dafür viel Kraft und weiterhin ein Umfeld, was Dich so gut unterstützt.

  • Erstmal finde ich, dass du sehr reflektiert wirkst und dir klar ist, dass Paar-und Elternebene zwei Dinge sind.

    Und natürlich tut das weh, wenn man selbst versucht sein "Nest" zu retten und der Partner schon längst anderswo sein Herz und seinen Kopf geparkt hat. Während du versucht hast noch Möglichkeiten zu finden eure Ehe zu retten, fühlt es sich jetzt so an als wären alle Versuche dazu nur eine Art Pflichtveranstaltung für ihn gewesen. Das würde ich ihm auch sagen.

    Ich finde schon, vorausgesetzt du bist dir sicher, dass du das Gespräch nach hinten verschieben kannst, wenn dir das gerade so gar nicht guttut. Ich würde da auch bei der Wahrheit bleiben. In dieser Verfassung Entscheidungen zu treffen, tut sicherlich nicht gut.


    Auch wenn es sich abgedroschen anhört, aber es wird besser werden. Dauert halt nur und ich finde, um seine Emotionen bändigen zu können muss man sie auch rauslassen und nicht in sich hineinfressen (dein Magen sagt dir ja gerade ganz deutlich was dazu) An den richtigen Stellen versteht sich. Den Gang zur Therapeutin machst du ja schon. Sehr gut.

    Auch Kinder dürfen ihre Mama traurig erleben. Wäre es nicht komisch für eure Kinder, wenn du einfach in den Alltag übergehst? Für dich fühlt sich das halt gerade auch kacke an. Nur in einen (Loyalitäts-)Konflikt darf man die Kinder nicht bringen.

    Ein bisschen würde ich schauen, was da so auf der "Haben"-Seite ist. Was ich so rauslese bei dir ist: Du warst ja schon über viele Strecken in der Verantwortung und allein zuständig. Das kennst du doch schon, da ist der Berg schon ein wenig kleiner. Euer zu Hause bleibt erhalten, auch gut für die Kinder. Du hast ein soziales Netz und hoffentlich einen Ex-Partner, der sich um die Kinder (mit-)kümmern will.


    Ich wünsche dir ganz viel Kraft.

  • Mach dir für morgen einen Stichpunktzettel, "arbeite" den ab und versuch das relativ emotionslos.


    Je mehr du mit Vorwürfen, Tränen kommst um so ehr wird er dicht machen. Mach dich morgen ruhig ein bisschen schick, hebt ein wenig das Selbstbewusstsein.


    Im Moment kannst du bezüglich Neuer nix machen. Die ist NOCH übermächtig und supertoll. Aber so als kleines "böses" Mitbringsel von mir... immer wenn jemand was Neues küsst, feiert irgendwo ein Ex das er den los ist.8)


    Es wird besser werden und wenn du irgendwann Zeit hast, streich das Haus.... mach es zu deinem. All das hilft der Seele.

    Es ist besser,
    ein eckiges Etwas zu sein,
    als ein rundes Nichts.

  • Vielen lieben Dank für eure Antworten!!! 🥰

    Ja, ich bin tatsächlich sehr reflektiert und strukturiert.

    Ich gebe mir sehr große Mühe Elternebene und Paarebene zu trennen. Das kostet sehr viel Kraft im Moment!!!


    Auf Paarebene brauch ich eigentlich grad gar nicht kommunizieren.

    Wie du, Elin, sagst, ist die Neue einfach zu mächtig. Da mach ich mir nichts vor.

    Die Gefühle einer neuen Verliebtheit werden nach 18 Jahren der Burner schlechthin sein und da bin ich dann sonst nur die "zickige" Ex.

    Ich würde mich nicht verstanden fühlen und auf Angriff übergehen und das würde keinem helfen.


    Die finalen Punkte werde ich aktuell wirklich hinten anstellen.

    Da soll er sich jetzt noch gedulden...

    Und wie gesagt, ich wäre zu emotional, was der Sache nicht dienlich wäre...

    Das große Ganze steht und es geht nur noch um Kleinigkeiten.


    Mein Background ist mega!!!

    Gott sei Dank!!!!

    Ich hab so tolle Menschen um mich rum, die ich auch zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen kann. Die nur zuhören, Tipps geben oder auch einfach mal kurz den Kopf wieder grade rücken, wenn die Sicht versperrt ist.

    Finanziell hat mir mein Vater für den Fall der Fälle, der hoffentlich nicht eintritt, auch bereits Unterstützung zugesichert.

    Selbst meine Schwiegermutter meldet sich täglich mindestens 2x bei mir und sagt mir ständig, wie lieb sie mich hat und wie leid ihr das alles tut.

    Eigentlich bricht aus diesem mega Kreis nur EINE Person weg und man fühlt sich, als würde die Welt stillstehen...


    Diese Person hat allerdings zugesichert, für die Kinder da zu sein und sich zu kümmern.

    Mittwoch Mittag bis ca 19 Uhr und jedes 2. Wochenende Fr-So.

    Die Ferien müssen wir noch besprechen...

    Da er zuvor nie so wirklich aktiv war, was die Kinder betrifft, gehen sie aus dieser Sicht, so krass es sich anhört, vielleicht sogar als "Gewinner" aus dieser Situation raus.

    Ich muss mich allerdings sehr umstellen. V.a. die Wochenenden bedrücken mich ziemlich... 😢


    Wegen der Neuen:

    Ich habe meinen Kindern den Zusammenbruch am Sonntag damit erklärt, dass "ich glaube, dass Papa eine neue Freundin hat "... ich musste es ihnen erklären. Sie haben mich im absoluten Ausnahmezustand erlebt und ich war ihnen eine halbwegs ehrliche Antwort schuldig.


    Die Kleine hat meinem Ex beim Tür öffnen gestern direkt die Frage ins Gesicht geschmettert, ob er eine neue Frau hätte...

    Welch kurze Genugtuung, ihn so überrumpelt zu wissen... 😈

    Als sie abends von ihm zurück kamen hab ich bei meinem Großen gleich gemerkt, dass er irgendwas auf dem Herzen hat.

    Er hat dann irgendwann erzählt, dass sie drüber gesprochen hätten. Habe ihm Mut gemacht und gesagt, dass das doch toll ist, dass sie da drüber reden (gefühlt hab ich natürlich gaaaanz anders!!!!).

    Er hat mir ein paar Infos gegeben (ich habe NICHT gefragt) und war plötzlich sehr traurig und wütend.

    Auf Nachfragen was ihn so traurig/wütend macht, meinte er "Papa! Weil er schon eine neue Frau hat und dich allein gelassen hat und du niemand hast".

    Hab gesagt, dass ich nicht alleine bin und zudem noch 2 wundervolle Kinder habe. Er sagte, ich solle jetzt auch nach einem Mann schauen der mir gefällt und wenn er nicht verheiratet sei, dann könne ich mich mit ihm treffen und küssen... :D soooooo süß!!

    Hab erklärt, dass ich da erstmal keinen Bedarf habe und ich die Gefühle für Papa nicht einfach ausknipsen kann.

    Und, dass auch Papa nichts für seine Gefühle kann (hat das Überwindung gekostet!!! Aber leider ist es ja wahr...)


    Die Freundin hat er angeblich erst seit 3 Wochen (glaub ich aber nicht). Kennengelernt wohl bereits im Januar!!!!

    Also, waren die 4 Wochen Kampf um die Ehe von Anfang an zum scheitern verurteilt. Und wie friday schrieb für ihn eher Pflicht oder Anstand...

    Diese Kräfte hätte ich mir sparen können...


    Ich wünsche mir, dass ich bald wieder stabil werde und auch wieder ein wenig Leichtigkeit zurück gewinne. Vor allem auch im Umgang mit den Mäusen.


    Es ist nur gefühlt alles so viel! Viel zu viel!!

    Dabei haben wir realistisch gesehen wohl schon einen großen Berg abgearbeitet...


    Ganz liebe Grüße

  • Ich find dich absolut Klasse!!!


    Glaub mir, dein Ex wird eines Tages auch anfangen nachzudenken und manches mit anderen Augen sehen.


    Fahr deinen Kurs weiter. Setz aber freundlich bestimmt Grenzen.


    Das sag ich aus meiner Erfahrung heraus, zu lieb sein kann missverstanden werden, sprich es wird versucht einen unterzubuttern.


    Denke du bist auf einem guten Weg.

    (Und trauern darfst du!)

    Es ist besser,
    ein eckiges Etwas zu sein,
    als ein rundes Nichts.

  • Danke für eure lieben Worte! 💛


    Ich selbst kann mich gar nicht so "stark" wahrnehmen, auch wenn mir das von außen momentan ziemlich oft gesagt wird.


    Ich habe das Gefühl, dass das der einzige "richtige" Weg ist, wenn ich möchte, dass es meinen Mäusen gut geht.

    Das hat oberste Priorität!!


    Heute musste ich meinem Ex leider ein paar WhatsApp schicken, da ich seine Hilfe bei technischen Dingen bzgl. des Hauses brauchte.

    Das hat mich echt genervt!

    Er hilft natürlich gerne. Immerhin kann er mir so "was Gutes" tun.

    Verdammt!! Könnte ich es selbst, würde ich es machen.

    Ein paar Sachen hab ich mir online angelesen und war dann echt stolz, als ich es allein geschafft habe.


    Momentan sind die Kinder bei ihm - Papawochenende.

    Sie fehlen mir!

    Ich bin es nicht gewohnt allein zu sein. 😔

    Gestern war ich mit einer Freundin essen und hab mich seit langem mal wieder so richtig hübsch gemacht.

    So hat mich meine Freundin endlich mal wieder nicht weinend, ohne dicke Augen, ohne strohige Haare sehen dürfen.

    Kann mich nämlich an manchen Tagen mittlerweile selbst kaum noch sehen...

    Der Abend war echt schön!


    Jetzt sitz ich hier mit meiner Katze auf dem Sofa, schau TV und kann mich gar nicht wirklich auf den Film konzentrieren, da ich gedanklich immer abschweife und aufpassen muss, dass mich die Trauer heute nicht schon wieder übermannt.


    Wie lange habt ihr gebraucht um wieder im richtigen Leben anzukommen?

    Ich weiß, dass das sehr unterschiedlich ist, aber ich würde mich freuen, von euren Erfahrungen und Wegen zu lesen.


    Wünsche euch einen schönen Abend!

  • Die Mediatorin zu der ich damals zur Beratung gegangen bin, hat mir gesagt, dass es in der Regel 1 Jahr braucht; dass man jedes Fest, jede Feier einmal Mal "alleine" durchmachen muss und dass das aber auch bei der Verarbeitung hilft.


    Die ersten WE ohne Kinder fand ich auch komisch. Zum einen brauchte ich diese Entlastung, zum anderen war es auch immer komisch, wenn die Kinder nicht hier waren (zumal der Vater sich auch nicht immer besonders gut um die Kinder kümmert).

    Auf der anderen Seite habe ich meine neue Freiheit genossen und habe die Wochenenden (so fern ich nicht was für die Arbeit machen musste), dafür genutzt, was zu unternehmen, mich mit Freundinnen oder meiner Familie zu treffen.


    Mir hat die Beratung bei der Meditatorin und die Besuche bei einer Psychologin auch sehr geholfen, alles zu verarbeiten.

  • Ok, dann verhält sich das ähnlich wie wenn jemand stirbt.

    Meine Mama ist vor 6 Jahren gestorben und da hieß es auch, dass das Schwerste überstanden ist, wenn man ein Jahr durchlebt hat.

    Die Trauer über ihren Verlust ist natürlich immer noch da. Aber sie schläft die meiste Zeit.


    Ich muss sagen, dass es mir seit ein paar Tagen besser geht. In Relation zu meinem Befinden davor kann man fast "gut" sagen!

    Was mir wahrscheinlich geholfen hat ist ein Brief, den ich beim umräumen gefunden habe.

    Den hatte ich vor 16 Jahren an meinen jetzigen (und auch damaligen) Ex geschrieben, nachdem er das 3. Mal (!!!!) mit mir Schluss gemacht hatte! Bewusst war mir nur eine Trennung während unserer 18 Jahre. Was man nicht alles verdrängt...

    Was das erstaunliche an dem Brief war: ich hätte ihn auch vergangene Woche schreiben können!!!

    Die gleichen unerfüllten Sehnsüchte, die gleichen Störfaktoren, der gleiche Egoismus seinerseits, dass ich mich immer angepasst und ein Stück weit aufgegeben habe - für ihn! Dass nichts zurück kam. Dass er auf diese Art und Weise keine Frau dauerhaft glücklich machen wird. Dass er so nicht fähig ist eine gute Beziehung zu führen,...

    Es fiel mir wie Schuppen von den Augen!

    Mein damals 21-jähriges Ich wusste alles schon!!! Und dennoch hab ich mich wieder, ein 4. Mal, auf ihn eingelassen.

    Ich denke, dass einfach meine wunderbaren Kinder, aus welchem Grund auch immer, in diese Beziehung/Ehe hineingeboren werden wollten.

    Nun haben wir unseren Soll diesbezüglich erfüllt.

    Wahrscheinlich muss ich ihm irgendwann sogar für seinen "mutigen Schritt" dankbar sein. Quasi, dass er mich von sich erlöst hat.

    Wie blind ich doch war. Was aber nicht heißt, dass wir nicht auch gute Zeiten hatten. Es wird mir aber bewusst, dass dies alles nur durch meine permanente Anpassung und mein Harmoniestreben möglich war.... vielleicht wollte und konnte ich auch einfach nicht alleine sein und habe daher alles akzeptiert!?


    Ich hoffe so sehr, dass dieses momentane Gefühl der Befreiung eine Weile anhält und die Trauer, der Schmerz und die Zukunftsängste sich etwas im Hintergrund halten...


    Habe übrigens immer noch nicht mit ihm geredet....

    Das sollte ich wahrscheinlich bald mal tun. Nicht, dass ihm in seiner neuen Verliebtheit noch Dinge einfallen, die er an unserer bisherigen Vereinbarung zu meinem Nachteil ändern möchte.

    Im Prinzip ist er momentan eine total fremde Person für micht, die ich erstaunlicherweise nicht mehr einzuschätzen weiß...

  • Ich hoffe so sehr, dass dieses momentane Gefühl der Befreiung eine Weile anhält und die Trauer, der Schmerz und die Zukunftsängste sich etwas im Hintergrund halten...

    das hoffe ich für dich/euch auch.

    Ich drück die Daumen wenn das Gefühl der Befreiung verschwindet sich das Gefühl von Stress und dennoch innerer Zufriedenheit breit macht der ein selbstbestimmtes Leben so mit bringt :)


    Ich fand auch das erste ja das schwerste da es dann doch eine Umstellung ist.

    Wird schon, du packst das auch da es sich so anliest als hätten deine Kinder eine Starke Mama.

    Mutig und Stark sind eh die Stichworte und Kinder geben einem erstaunlich viel Kraft.

  • Du hast mich sehr beeindruckt ... dein Leben bricht auseinander und du verhältst dich trotz aller bitterer Emotitionen rational und reflektiert ! Das machst dir so schnell niemand nach ! Mein Respekt !

    Ich denke eure Ehe war nie auf Augenhöhe. Ich glaube nicht, dass ihr beide das gleiche Konzept des Zusammenlebens hattet ... es hat lang gedauert, bis die Gräben aufgebrochen sind ... aber vermutlich war das unausweichlich. Und nun haben sich die aufgestauten Konflikte um so heftiger Bahn gebrochen und entladen !

    Die Aufarbeitung wird lange dauern ... und diesen Weg musst du alleine gehen. Den kann dir niemand abnehmen.

    Aber es ist auch wichtig nach vorn zu blicken. Und wie mir scheint hast du bereits damit begonnen deine Zukunft gedanklich zu formen. Dabei kann ich dir vielleicht ein paar nützliche Denkanstöße geben.

    Ob ein "klärendes Gespräch" mit deinem Mann zum jetzigen Zeitpunkt hilfreich sein kann, das vermag ich nicht zu sagen. Ich denke aber eher nicht ! Dazu sind die Verletzungen einfach noch zu frisch und zu schmerzhaft. Trotzdem gibt es "Regelungsbedarf" ... und den solltest du ansprechen.

    Was die Kinder betrifft, hast du ihnen ja schon vermittelt wie die Dinge liegen. Trotz der Trennung sollte aber der regelmäßige Kontakt zum Kindesvater aufrecht erhalten werden. Denn schließlich haben die Kinder nichts mit euren Eheproblemen zu tun. So wie ich das verstehe, machst du das auch SEHR gut ! Du versuchst die Kinder aus dem Konflikt heraus zu halten. Wenn dann regelmäßige Besuchskontakte stattfinden, ist diese Front schon mal "beruhigt".

    Ich weiß nun nicht wie eure Einkommensverhältnisse liegen. In jedem Fall solltest du eure Konten sauber trennen und Kindesunterhalt fordern. Und gegebenenfalls kannst du Trennungsunterhalt für dich verlangen.

    Das Haus gehört dir, weil du allein im Grundbuch stehst. Aber nach 18 Ehejahren dürfte ein erheblicher Wertzuwachs entstanden sein. Ich nehme mal an, dass ihr keinen Ehevertrag habt .... und in diesem Fall können große Ansprüche im Rahmen des Zugewinnausgleichs anfallen ! Da könnte es um sehr viel Geld gehen.

    Dein Mann ist ausgezogen. Wenn das so ist, dann solltest du darauf dringen, dass er umgehend seine persönlichen Sachen abholt, weil er nicht mehr bei dir wohnt. Damit sind Wohnverhältnisse erst mal geregelt.

    Bereite dich auf die bevorstehende Scheidung vor. Versuch die vorhandenen Unterlagen zu sammeln und zu ordnen und an einem sicheren Ort zu verwahren. Sicher, heißt geschützt vor dem Zugriff deines Ehemannes. Man weiß nie, wie sich so eine Trennung entwickelt.

    Du solltest dich schon jetzt in Ruhe nach einem fähigen Fachanwalt für Familienrecht umsehen, damit du im Fall der Fälle kurzfristig anwaltlichen Beistand hast !

    Ich weiß ... diese Gedanken sind fern, wenn der Trennungsschmerz noch nicht verarbeitet ist ... Und ich will auch keinen Konflikt schüren ... aber es ist wichtig trotz aller Trauer einen kühlen Kopf zu bewahren und sich in rechtlicher Hinsicht frühzeitig und richtig zu positionieren. Denn die Regelung der Scheidungsfolgen sind nach so langer Ehedauer vermutlich nicht gerade einfach. Und wenn man sich auf so eine Auseinandersetzung vorbereitet, dann hilft das auch dabei, den Trennungsschmerz zu verarbeiten.

  • Bennie


    Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar und die vielen Tipps, positiven Worte und Gedanken.


    Ja, im Nachhinein betrachtet waren wir tatsächlich bestimmt schon lange nicht mehr auf Augenhöhe. Die Frage ist, ob wir es jemals waren...!?

    Das soll sich jetzt wirklich nicht böse anhören, aber schon rein intellektuell waren wir nicht ganz beieinander. Er ist doch eher einfach gestrickt. Wirklich ohne das böse zu meinen...!!! Allerdings habe ich das immer akzeptiert. Und am Anfang unserer Beziehung hab ich das mit Sicherheit auch nicht ganz so wahrnehmen wollen. Aber das soll ja kein Grund für das Scheitern einer Ehe sein!! Da gibt es mit Sicherheit auch sehr viele andere Beispiele, bei denen es hervorragend klappt!

    Was die Zeit unserer Ehe angeht, hast du das falsch raus gelesen. Wir sind 18 Jahre zusammen gewesen. Davon 8 1/2 (bis zur Scheidung dann 9 1/2) Jahre verheiratet.


    So blöd es sich anhört, aber an einen eigenen Anwalt möchte ich irgendwie nicht denken. Zumindest noch nicht.

    Wir sind bei einer Mediatorin, die Fachanwältin für Familienrecht ist. Und wir sind uns auch in allen Punkten Gott sei Dank einig. Vor allem in dem Punkt, dass wir fair bleiben wollen und dass alles zum Wohle der Kinder sein soll.

    Ein Teil seiner Sachen und seine Unterlagen hat er bereits mitgenommen. Da er nicht viel hatte, gäbe es auch nichts was ich "in Sicherheit" hätte bringen müssen. Das meiste war rund um das Thema Haus und das ist ja nun nach wie vor bei mir und bleibt auch bei mir. Die Verträge sind bereits alle umgeschrieben, aus den Kreditverträgen ist er nun auch offiziell draußen.


    Wir haben uns so geeinigt, dass er mir das Haus und alles, was damit zusammen hängt lässt (wobei er natürlich das ein oder andere auf jeden Fall mitnehmen kann! Ich will gar nicht alles behalten!!).

    Im Gegenzug verzichte ich quasi auf Trennungsunterhalt, nachehelichen Unterhalt und Betreuungsunterhalt.

    Angesichts der Tatsache, dass ich durch die Wertsteigerung des Hauses in den letzten 8 Jahren sicherlich einiges an ihn zahlen müsste und am Ende des Tages wahrscheinlich als Verlierer aus der Geschichte gehen würde (zumal ich auch noch Ersparnisse habe...), denke ich, dass diese Lösung die beste und sauberste für alle Beteiligten ist.

    Ich möchte keinen Krieg. Ich möchte meine Kräfte, die langsam zurück kehren in die Zukunftsgestaltung, Persönlichkeitsentwicklung und -entfaltung und vor allem in die Kinder stecken!!

    Ich will so schnell wie möglich einen sauberen Cut. Auf Paarebene versteht sich.

    Getrennte Konten haben wir seit ca. 6 Wochen. Unterhalt bezahlt er per Dauerauftrag (werden wir noch beim JA betiteln lassen) und auch die Hälfte der Musikschulkosten überweist er.

    Momentan sind die Kinder noch beim ihm privat versichert, sollen aber zu mir in die gesetzliche KK wechseln. Schon allein, damit ich weiter meinen Lohn bekomme, wenn die Kinder mal krank sind. Bisher musste ich das immer anders lösen und mich wieder fünfteilen...

    Die Arztkosten trägt er aktuell auch. Wobei ja der Großteil von der PKV erstattet wird.


    Eine Aussprache auf Paarebene halte ich aktuell auch für völlig ausgeschlossen und auch sinnlos.


    Wir werden nächste Woche nochmal zusammen sitzen und unseren letzten offenen Punkt "Ferienbetreuung" besprechen. Dann gehen die Infos an die Mediatorin, die alles in einem Protokoll zusammen schreibt.

    Dieses lassen wir dann von einem Notar in einen Vertrag umwandeln und beglaubigen.

    Damit haben diese Vereinbarungen auch im Fall der Fälle Gewicht vor Gericht. Aber ich denke, dass wir dort hoffentlich nicht landen werden. Außer zur Scheidung.


    Wie du eingangs schon erwähnt hast, bin ich sehr reflektiert und rational. Ich habe einfach einen Fokus! Der sind meine Kinder! Und zudem habe ich auch einen wahnsinns Background!! Viele Gespräche haben auch hier immer wieder die Sicht frei gemacht und die Handlungen auch auf's Wesentliche gelenkt.


    Ich habe immer an die große, ewige Liebe geglaubt. Bin eigentlich sehr emotional, treu, brauche Liebe und Geborgenheit und glaube an die "alten" Werte!

    Dennoch sehe ich täglich, dass diese Werte in der heutigen Gesellschaft leider oft nicht mehr den Stellenwert haben, den sie früher hatten. Dass ich eine der 3. Ehen bin, die im Schnitt geschieden werden, scheint mir da mittlerweile gar nicht mehr so außergewöhnlich.

    Ändern kann ich es nicht! Ich habe auch eingesehen, dass auch ich nicht in der Art glücklich war, wie ich es immer gerne gewesen wäre. Ein Zurück gibt es nicht. Es gibt nur noch ein nach vorne! Jeden Tag ein kleines bisschen!

    Und hoffentlich so, dass sich die Elternebene zu einem guten und stabilen Fundament entwickelt auf dem die Kinder langsam zu tollen Erwachsenen heranwachsen dürfen.


    Auch wenn ich aktuell eine große Wut im Bauch habe, darf ich nicht vergessen, dass ich mit diesem Mann mein halbes Leben verbracht habe und wir zwei bezaubernde Kinder in die Welt setzen durften. Da ist ein Band, das immer da sein wird. Wenn auch grad etwas vernebelt...

    Und dann ist die Wut ja nichts, was er aktiv verursacht... Das ist ja was, was in mir passiert. Er tut ja nichts böses und verhält sich objektiv gesehen korrekt und fair.

    Aber nichts desto trotz ist da natürlich mittlerweile ein großes Misstrauen gegenüber allem was er sagt und verspricht und zusagt.

    Ich denke auch, dass sich hier so bald nichts ändern wird.

    Aber die Elternebene muss funktionieren. Da muss ich dann wohl oder übel temporär über meinen Schatten springen und versuchen in der Mutterrolle zu bleiben!


    Er kümmert sich. Und ich hoffe, dass das auch so bleibt! Die Kinder haben im Moment deutlich mehr von ihm, als im bisherigen Alltag.

    Er hat die Kinder Mittwochs ab 12 Uhr bis nach dem Abendessen und jedes 2. Wochenende von Freitag 15 Uhr bis Sonntag 17 Uhr. Das wird auch so im Vertrag (wie sich das anhört!!!) festgehalten. Natürlich muss das dann auch immer auf die Bedürfnisse der Kinder mit steigendem Alter angepasst werden.


    Seit ein paar Tagen geht es mir auch emotional ein kleines bisschen besser. Ich bin gerade dabei das Schlafzimmer umzugestalten. Das ist denke ich ein wichtiger Schritt.

    Vereinzelt habe ich auch schon Wände im Haus gestrichen. Das fühlt sich gut an!

    Und dann bin ich ja aktuell immer noch in psychologischer Betreuung, die mir mein Hausarzt direkt verordnet hat, da er meinte, dass ich durch diese Zeit nicht allein gehen soll.

    Hier kommen momentan auch noch Mitbringsel aus der Kindheit zum Vorschein, die auch noch aufgearbeitet werden wollen.

    Ich beschäftige mich viel mit dem Thema Achtsamkeit, Aufbau der Selbstliebe und des Selbstwertes. Ich meditiere ab und an und mach abends entspannte Yogaübungen. Ich gehe gerne ausgiebig spazieren, wenn es mir möglich ist und höre tolle Podcasts.

    Dadurch lerne ich gerade, dass meine Bedürfnisse auch wichtig sind und auch erfüllt werden dürfen.

    Mit den Kindern verbringe entspannte Abende mit Gesellschaftsspielen, kuscheln und vorlesen. Es wirkt hier im Haus alles langsam harmonisch!

    Daher versuche ich trotz aller Enttäuschung und trotz des großen Schmerzes auch die positiven Seiten zu sehen. Denn alles ist für irgendwas gut! Davon bin ich überzeugt!!

    Und das Leben hat nun dieses Kapitel für mich geschrieben. Und dieses nicht so schöne Kapitel werde ich jetzt in aller Ruhe und möglichst in meiner Kraft zu Ende lesen und dann das nächste beginnen!

    Und das kann doch nur ein Gutes werden!! Ich welcher Form auch immer!! Daran glaube ich fest!


    P.S. es rührt mich so sehr, dass hier so viele so bewundernde und schöne Worte haben. Das zeigt mir, dass es offensichtlich doch nicht der ganz "normale" Weg ist. Auch wenn der für mich nur so aussehen kann. Ich sehe das alles als selbstverständlich. Ist das nicht komisch? Aber es kostet sehr, sehr viel Kraft und ich werde mit Sicherheit noch das ein oder andere Mal schauen müssen, dass ich meine Energie nicht verliere.

  • Hi Tani,

    na, das freut mich, dass dir meine Ratschläge gefallen haben. Natürlich trifft nicht alles auf deinen Fall zu ... denn jede Scheidung hat ihre eigenen Besonderheiten und ihre eigene Dynamik. Nimm es also als Checkliste. Was passt, das übernimmst du für dich und was nicht passt, das lässt du eben weg ! :)

    >>>Davon 8 1/2 (bis zur Scheidung dann 9 1/2) Jahre verheiratet.<<<

    Jau, das fällt mir jetzt auch auf. Na, dann sind das rund 9 Jahre Ehezeit und nicht 18 Jahre ... das könnte für dich SEHR vorteilhaft sein.

    >>>Wir sind bei einer Mediatorin, die Fachanwältin für Familienrecht ist. Und wir sind uns auch in allen Punkten Gott sei Dank einig. Vor allem in dem Punkt, dass wir fair bleiben wollen und dass alles zum Wohle der Kinder sein soll.<<<

    Uff ... das ist wie ein sonniger Sonntag. Wenn jetzt Weihnachten wäre, würde ich an den Weihnachtsmann glauben! Also, um es klar zu sagen: so viel Vernunft und Einvernehmen kann man in den meisten Fällen nicht erwarten. Eine Scheidung im EINVERNEHMEN ist natürlich besser als alles andere ! Gratuliere. Na, du hast mir damit ein ums andere Mal gezeigt, dass du intellektuell recht gut dabei bist ... hehehe ...

    >>>Wir haben uns so geeinigt, dass er mir das Haus und alles, was damit zusammen hängt lässt (wobei er natürlich das ein oder andere auf jeden Fall mitnehmen kann! Ich will gar nicht alles behalten!!).

    Im Gegenzug verzichte ich quasi auf Trennungsunterhalt, nachehelichen Unterhalt und Betreuungsunterhalt.<<<

    Wenn eine solche einvernehmliche Einigung möglich ist, dann klingt das für mich erst mal fair ... Das kann ich jetzt natürlich nur aus dem Bauch heraus schätzen ... ohne belastbare Zahlen ist das erst mal reine Spekulation ! Aber wenn sich ein diesbezüglicher Rechtsstreit vermeiden lässt, dann könnte das auch hinsichtlich der Scheidungskosten sehr günstig sein !

    Du solltest dir aber überlegen wie ihr die Scheidungsfolgen verbindlich regelt. Ihr könnt das im Rahmen der Scheidung vereinbaren. Das wäre die einfachste Möglichkeit. Aber dann kann sich dein künftiger Ex das bis zur letzten Sekunde noch anders überlegen.

    >>>Dieses lassen wir dann von einem Notar in einen Vertrag umwandeln und beglaubigen.<<<

    Wenn ihr ohnehin das Ergebnis der Mediation in einem notariellen Vertrag festhalten wollt, dann wäre zu überlegen, ob ihr nicht gleich eine notarielle Scheidungsfolgenvereinbarung abschließen wollt. Dann wäre die Sache festgezurrt ... natürlich kostet so ein Vertrag ordentlich Geld. Aber damit würden die Risiken der Scheidung deutlich vermindert !

    Der Zugewinnausgleich wird übrigens nur auf Antrag im Rahmen der Scheidung behandelt. Wenn dies nicht erfolgt, dann kann die andere Seite noch rund drei Jahre nach der rechtskräftigen Scheidung den Zugewinnausgleich verlangen. Das wäre dann in deinem Fall möglicherweise eine tickende Zeitbombe.

    >>>Aber die Elternebene muss funktionieren. Da muss ich dann wohl oder übel temporär über meinen Schatten springen und versuchen in der Mutterrolle zu bleiben!<<<

    Das ist die zweite Baustelle. Die Regelung des Umgangsrechts. Hier scheinst du noch nicht ganz so gelassen wie in den anderen Belangen ... aber du klingst erfrischend rational. Und deshalb habe ich großen Vertrauen, dass du auch diese Sache vernünftig regeln wirst, um den Kindern ihren Vater zu erhalten.

    >>>Und dann bin ich ja aktuell immer noch in psychologischer Betreuung, die mir mein Hausarzt direkt verordnet hat, da er meinte, dass ich durch diese Zeit nicht allein gehen soll.<<<

    Ja, auch das ist gut. Denn es geht schließlich auch um dich. Und so hoffe ich sehr, dass dir der emotionale Neuanfang gelingt. Auch wenn du diesen Weg letztendlich selbst finden musst ...

    LG
    Bennie



  • So! Wir haben gestern alles weitere besprochen! Wir haben gute Lösungen und Einigungen gefunden und die Ergebnisse sind nun auf dem Weg zur Mediatorin und danach dann zum Notar.

    Ich hab das Gespräch auf gestern vorverlegt, da ich gestern Morgen das Gefühl hatte, dass es ein guter Tag dafür wäre.

    Am Mittwoch wäre es für die Kinder dann auch einfach zu spät geworden und der Arbeitstag hätte energietechnisch sicher auch seine Spuren hinterlassen. Davor habe ich noch etwas am See gechillt und zu Hause noch eine kleine Runde meditiert. Ich war die ganze Zeit völlig bei mir! Ich bin stolz auf mich!!! :-)


    Obwohl wir eigentlich ausgemacht hatten, dass wir uns ausschließlich über die zu klärenden Dinge auf Elternebene unterhalten, blieb der Rest nicht aus.

    Es war aber ok und ich war danach auch erleichtert, dass ich loswerden konnte, was mich schon lange umgetrieben hat.

    Ich habe nun erfahren , dass er seine Neue im Januar in München kennen gelernt hat, als er mit seinem Schwager dort ein WE verbracht hat, das dieser von seiner Familie geschenkt bekommen hat.

    So, nun der Punkt, der mich dann doch sehr überraschte. Sie ist 55!!!! Mein Mann wird 42... Krass!!! Am liebsten hätte ich laut los gelacht und gesagt, dass er ja jetzt jemanden gefunden hat, der ihn bemuttert.

    Ja, mir ist klar, dass auch 55 Jährige durchaus flott und junggeblieben sein können! Vielleicht ist sie das auch. Aber erstmal ein ziemlich komischer Gedanke, dass seine Neue theoretisch meine Mutter sein könnte...

    Er sieht sie quasi nur jedes 2. Wochenende. Er fährt zu ihr.


    Irgendwie macht es mir das Abschied nehmen leichter... Die Neue ist absolut außer Konkurrenz. Damit kann ich mich gar nicht messen. Will ich auch nicht. Das sind ja schon fast 2 Generationen...

    Für mich verstärkt sich nun eher das Gefühl, dass er in der absoluten Midlife-Crisis hängt. Vielleicht einen kleinen Mutterkomplex hat!? Wie auch immer....


    Ich habe ihm auch noch viele andere Dinge gesagt. U. a. dass ich ihm die 4 Wochen, die ich gekämpft habe ohne je eine Chance gehabt zu haben, nicht verzeihen werde.

    Dass ich ihm momentan absolut nicht vertrauen kann und will, da er mich so angelogen hat.

    Dass er, wie ich auch, mal versuchen soll, die Perspektive zu ändern. Versuchen soll die Situation mal mit meinen Augen zu sehen. Dass er dann vielleicht versteht, warum ich manchmal etwas "zickig" bin...

    Dass er die Chance, seine Vaterrolle nun endlich wahrzunehmen, ergreifen soll! Dass mir das das Wichtigste ist!


    Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Es wird sicher auch wieder das ein oder andere Tief bei mir geben...

    Das hatte ich z.B. letzte Woche als er noch Möbel mitnahm... Das war wieder sowas endgültiges... Mir ging es dann einen Tag lang richtig sch... und dann hab ich mich wieder gesammelt... An solche Tag werde ich mich wahrscheinlich auch erstmal gewöhnen müssen.

  • :D Eyyyyy ich bin 45, mein Mann 37. Das geht schon.


    Du machst deinen Weg, der Kurs ist super. Und auch beim Nochmann wird die rosa Brille verschwinden und der Alltag wird ihm zeigen, ob er richtige Entscheidungen getroffen hat.

    Es ist besser,
    ein eckiges Etwas zu sein,
    als ein rundes Nichts.

  • Elin :D das sind bei euch aber nur 8 Jahre. ;) bei ihnen 13! Und von ner 37-Jährigen zu ner 55-Jährigen ist echt n krasser Sprung!!! Für mich zumindest. Aber so spielt das Leben eben...

    Sie hat 2 Kinder. Allerdings sind die mit 23 natürlich schon etwas älter.

    Für mich war die Frage wichtig um zu wissen, ob sie weiß, wie die Gefühle einer Mutter so funktionieren... ihr wisst was ich mein...


    Ja, vielleicht war es seine richtige Entscheidung. Vielleicht musste das alles so kommen.

    Für mich scheint das Leben noch etwas anderes geplant zu haben.

    Und ich bleibe zuversichtlich und zukunftsorientiert.

    Wie gesagt, mit kleinen Tiefs... Aber die gehören ja prinzipiell zum Leben dazu.

  • Wow mir fehlen die Worte... ich bin geschockt... ich lese hier zu 100% meine Geschichte. mein Mann ist nur nicht selbstständig. ich bin erst seit 3 Wochen alleine und seit 1 Woche weiß ich von der Neuen. Bin erschüttert... weiß genau was in dir vorgeht... bin noch in dem Stadium das ich mit nix klar komme. stehe neben mir. Hier ist noch nichts geregelt und der Herr macht auch nicht hin. unwichtig grad für ihn. Die Neue und die Kids... was ja gut ist, aber was ist mit mir? wie soll man abschließen wenn noch alles wie vorher ist? immerhin hat er letzte Woche mal seine Kleider in den Keller gebracht...

  • Jule83 Dann ist das bei dir noch sehr, sehr frisch! Ich kann mir vorstellen, wie schrecklich du dich gerade fühlst!!! Nach 3 Wochen war ich mehr Geist als Mensch...

    Aber nach 3 Wochen hatten wir auch noch gar nichts geregelt. Das lassen die Emotionen ja gar nicht zu.

    Versuche für dich kleine Veränderungen zu schaffen. Meistens ergeben die sich fast ein bisschen von selbst. Unsere Routine ist mittlerweile eine ganz andere. Für alle angenehmer.

    Wir haben direkt auch die Sitzordnung am Tisch geändert. Der leere Platz mir ggüber hat mir jedes Mal beim essen die Schleusen wieder geöffnet. Andere Sitzordnung und es ging viel besser.

    Aber ich kann dir da gar nicht arg viele Tipps geben, da jeder doch ganz individuell mit so einer Lebenskrise umgeht.

    Wenn du meine Beiträge gelesen hast, siehst du, dass ich mich nun viel mit Achtsamkeit, Meditation, innere Ruhe etc beschäftige. Das scheint der Weg zu sein, der für mich ganz gut ist.

    Und ich bin sehr reflektiert und rational handelnd obwohl ich eigentlich ein zutiefst emotionaler Mensch bin.

    Hol dir Hilfe wo auch immer du sie bekommen kannst! Evtl auch beim Psychologen. Ich hatte diesen Weg für mich immer absolut ausgeschlossen, da ich eher alles mit mir selber ausmache. Aber die Gespräche mit ihr helfen!!

    Hast du jemanden, der dir die Kinder auch mal abnimmt? Damit du in Ruhe trauern kannst oder einfach mal durchatmen kannst.


    Wenn er schon ausgezogen ist, soll er doch einen Teil seiner Sachen mitnehmen!! Aber Achtung! Alles was er mit nimmt, tut weh! Es ist jedes mal eine weitere kleine Trennung. :-(


    Ich hab die Sachen von meinem Ex nach und nach in den Keller geräumt! Hab sämtliche Schränke und Schubladen in dem Zug grad auch ausgemistet.

    Hab ihn letzte Woche gebeten, sein Zeug bald mal mitzunehmen und hab dazu gesagt, dass ich nicht seine Lagerhalle bin und es einfach auch weh tut die Dinge um sich zu haben.


    Ich hab in den 3 1/2 Monaten Bäche an Tränen geweint, war zutiefst verzweifelt, verletzt, traurig, wütend und vieles mehr.

    Aber wenn ich jetzt zurück schaue hab ich auch ziemlich viel erreicht. Bzw. wir. Hört sich doof an, da es ein "wir" ja eigentlich nicht mehr gibt.

    Dennoch hätte ich die Ziele ohne die aktive und trotz allem faire Mithilfe meines Ex nicht erreicht.


    Alles ist für irgendwas gut! Für uns hat das Leben einen anderen Plan!!!!