Politische Entscheidung im Punkt Organspende

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  • Wie seht ihr die aktuelle politische Entscheidung im Bezug auf die Organspende?

    Mich interessieren nicht nur das "Dafür"/"Dagegen", sondern auch das "Warum" und Erfahrungen von beiden Seiten => Empfänger/Spender, wenn vorhanden (und man darüber schreiben mag)

    Nein, ich habe keine Spinnennetze in der Wohnung, das sind Ökotraumfänger :D

  • Claudi123 prinzipiell bin ich für Organspende auf freiwilligenbasis. Ich spreche keinem die Angst und Hoffnung ab, der auf ein Spenderorgan warten muss. Was mich massiv stört ist die Meinung der Wartenden, dass sie ein RECHT auf ein FREMDES MENSCHLICHES ORGAN haben. Bis auf wenige Außnahmen beutet es ja, dass ersteinmal ein anderer Mensch (aus welchen Gründen auch immer) sterben muss. Zumindest einen medizinischen Tod (denn der biologische Tod macht die Organe/das Gewebe unbrauchbar). Und der Entscheidungszwang verstößt m.M.n. gegen das Grundgesetz "...die Würde des Menschen ist unantastbar...", denn bin ich kein Mensch mehr, wenn ich tot bin? Hab ich kein Recht über meinen Körper auch über den Tod hinaus zu bestimmen?


    Es werden in der Debatte auch nur Menschen gezeigt, die warten, aber die Kehrseite nicht, auch ist die Aufklärung sehr mangelhaft (wie wird der medizin. Tod festgestellt, welche Folgen kann eine Lebendspende für den Spender haben, welche Kosten entstehen). Statistiken besagen wie viele Spender pro Tag sterben, weil kein Organ zur Verfügung steht, aber sie sagt nicht, wie viele Menschen sterben müssen, damit entspr. Organ zur Verfügung steht (z.B. Herzen). UND KEINER DENKT DARAN/ERWÄHNT, DASS ES AUCH UNSERE KINDER BETRIFFT. Auch sie würden davon betroffen werden. Von den finanziellen Kosten mal ganz zu schweigen.

    Nein, ich habe keine Spinnennetze in der Wohnung, das sind Ökotraumfänger :D

    Einmal editiert, zuletzt von Antharia ()

  • Wir müssen alle mal sterben, ob wir Organspender sind oder nicht.


    Ich mag die Vorstellung ,das meine Söhne und ich vielleicht, nach unserem Tod noch Gutes tun können.

    So wir überhaupt als Spender geeignet sind.da wird ja auch nicht jeder genommen, weil sich nicht jeder eignet.



    Meine Würde ist mir nach meinem Tod ziemlich wurscht, mein Körper wird eh verbrannt, oder zerbröselt zu Staub.

    Ich bedauere die Ablehnung der Widerspruchsregelung.die ja nicht bedeutet hätte jeder muss Spenden, alle Toden würden wahllos ausgeschlachtet werden.


    Von Spenden profitieren oder besser überleben übrigens auch Kinder





    Ich kenne Lebendspender und keiner fühlte sich schlecht aufgeklärt.


    Liebe Grüße


    Ute

  • Also findet ihr es gut, schon seid Geburt automatisch als Spender registriert zu sein?



    Die Ablehnung der Widerspruchslösung find ich persönlich gut. Die Allternative, dass man spätestens alle 10 Jahre erinnert wird bzw bei sämtl. behördlichen Gängen gut.

    Nein, ich habe keine Spinnennetze in der Wohnung, das sind Ökotraumfänger :D

  • Also findet ihr es gut, schon seid Geburt automatisch als Spender registriert zu sein?



    Die Ablehnung der Widerspruchslösung find ich persönlich gut. Die Allternative, dass man spätestens alle 10 Jahre erinnert wird bzw bei sämtl. behördlichen Gängen gut.

    Als wenn die Eltern des Kinďes nicht entscheiden dürften.



    Ja ich fände es gut ,da es das Thema deutlich mehr ins Bewusstsein rücken würde, als eine lächerliche Erinnerung alle 10 Jahre man könne doch wenn man wolle.

    Wie gesagt , auch bei der Widerspruchsregelung wäre keiner gezwungen Spender zu sein.

    Man müsste sich eben nur klar positionieren, bei einem Thema was viele gar nicht im Kopf haben.


    Liebe Grüße


    Ute

  • Klein, grün, aus Pappe war er, mein erster Organspenderausweis. Ein bisschen, aber nicht lange überlegt hatte ich. Denn es war mir klar. Wenn ich tot bin, helfe ich anderen.

    Ich erinnere mich gut daran, dass meine Mutter etwas sparsam geguckt hat, als ich es ihr irgendwann gesagt habe. Kommentiert wurde es nicht. Heute erahne ich ein bisschen, was für Kopfkino bei ihr wohl losgegangen ist.

    Als ich überlegt habe, vielleicht Mediziner zu werden, bin ich eine Zeit lang auf dem K-Wagen der Johanniter mitgefahren. Hauptsächlich Kölner Autobahnring. Zweimal habe ich erlebt, dass jemand in den Ausweispapieren einen Organspendeausweis hatte. Notarzt hat sich dann anders gekümmert bzw. da kam dann ein weiteres Team raus und eine andere Klinik wurde angefahren.


    Einige Jahre später hat ein guter Freund eine Hirnblutung erlitten. Mit seiner Frau, den Eltern, weiteren Freunden haben wir zusammen gesessen und standen vor der Entscheidung, ob die Geräte abgeschaltet werden sollten oder nicht. Und ob Organe gespendet werden sollten oder nicht. Da stellte sich mir zum ersten Mal die Frage, wann denn eigentlich ein Mensch tot ist.


    Mit dieser Frage: Wann beginnt eigentlich das Leben? Wann ist das Leben eigentlich zuende?, bin ich bis heute noch nicht fertig. Zu unterschiedlich sind die Definitionen der Fachleute ... das ist "schwere Kost".


    Und ich habe im Laufe der Jahre mich von vielen Menschen verabschieden dürfen am Krankenbett. Von Organspendern und von Nichtorganspendern. Ich habe erlebt, was es für den Todgeweihten und auch für die Familie bedeutet, Abschied nehmen zu können oder für die Organspende bereit zu stehen. Letzteres habe ich als ganz schwierig empfunden im persönlichen Erleben und auch in der Erinnerung im Nachhinein.


    Mein grüner Organspendeausweis ist im Laufe der Jahre den Weg alles vergänglichen gegangen und hat sich zerlegt. Ich bin irgendwie froh, derzeit keine neue Grundsatzentscheidung fällen zu müssen, da ich als Spender nicht mehr infrage komme. Eine Entscheidung wäre sicher nicht einfacher geworden.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • zu blau: Bist du dir da sicher? Solang die Person nicht widerspricht gilt die als potenzieller Spender. Du schreibst selber, dass auch Kinder von einer Spende profitieren, aber ein Baby/Kleinkind kann nichts mit einem Organ eines Erwachsenen anfangen...

    Und dein klar positionieren bedeutet Zwang => gezwungen zu handeln/entscheiden ist.

    Woher weisst du, ob viele das Thema nicht im Kopf haben???

    Nein, ich habe keine Spinnennetze in der Wohnung, das sind Ökotraumfänger :D

  • Wenn ich tot bin kann von mir aus alles weiterverwendet werden, das interessiert mich dann nicht weiter. Für mich ist der Körper nicht das, was einen Menschen ausmacht. Schade finde ich, dass um Tod und Beerdigung so ein Gewese gemacht wird, dass kaum jemand darüber spricht. Die Hinterbliebenen sind es dann, die im geistigen Ausnahmezustand auch noch hilflos dastehen und keinen Plan haben, was die/der Verstorbene gewollt hätte. Meine Angehörigen wissen bereits seit mehr als 30 Jahren, was ich mir so vorstelle und was nicht in Frage käme.

    Im Forum gängige Abkürzungen:
    ABR: Aufenthaltsbestimmungsrecht (kann sich auf das alleinige ABR beziehen) / ASR: Alleiniges Sorgerecht / GSR: Gemeinsames Sorgerecht / SR: Sorgerecht
    BU: Begleiteter Umgang oder Betreuungsunterhalt / KU: Kindesunterhalt / UHV: Unterhaltsvorschuss / WM: Wechselmodell / BET: Betreuungselternteil / UET: Umgangselternteil
    TE bzw. TS: Threadersteller bzw. Themenstarter / JA: Jugendamt
    KV: Kindsvater / KM: Kindsmutter / ET: Elternteil / GE: Großeltern

  • Über die Ablehnung dieses Gesetzes bin ich auch froh. Hatten wir dieses Thema hier nicht vor einiger Zeit schonmal? Dann könnte ich meine ausführlichere Begründung, warum ich meinen Ausweis von Spender zu Nicht-Spender geändert habe, da kopieren. Ich kann grad meine Gedanken nicht so ordnen und müsste auch ein oder zwei Links suchen...

    Oder verwechsle ich das jetzt mit einer anderen Plattforms? :hae:


    Volleybap hat einen Teil schon recht gut beschrieben.

    LG
    CoCo



    Halt mich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht, und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.


    ~ Khalil Gibran ~





  • zu blau: Bist du dir da sicher? Solang die Person nicht widerspricht gilt die als potenzieller Spender. Du schreibst selber, dass auch Kinder von einer Spende profitieren, aber ein Baby/Kleinkind kann nichts mit einem Organ eines Erwachsenen anfangen...

    Und dein klar positionieren bedeutet Zwang => gezwungen zu handeln/entscheiden ist.

    Woher weisst du, ob viele das Thema nicht im Kopf haben???

    Natürlich dürften/ müssten die Eltern entscheiden, genau wie jetzt auch.


    Was für ein Zwang,selbst wenn ,was ist daran schlimm? Sich mal mit dem Thema zu befassen und dann eine Entscheidng treffen zu müssen, die man auch jederzeit hätte widerrufen können.

    Daran kann ich keine Einschränkung irgendwelcher Rechte erkennen.



    Meine Kinder müssen sich im Falle des Falles nicht damit befassen .Sie kennen mein Ja zur Spende.Ich bin froh das ich beim Grossen keine Entscheidung treffen muss da er einen Spenderausweis hat.

    Beim Burschen Nr 2 habe ich jetzt schon die Gesundheitsvorsorge, ich müsste Entscheiden und ich wäre dankbar, wenn ich es nicht müsste.

    Das wäre auch bei der Widerspruchsregelung nicht anders gewesen.


    Meinetwegen haben viele Menschen das Thema im Kopf aber sie entscheiden sich nie.

    Müssen sie nun ja auch weiterhin nicht,schade


    Liebe Grüße


    Ute

  • Also findet ihr es gut, schon seid Geburt automatisch als Spender registriert zu sein?



    Die Ablehnung der Widerspruchslösung find ich persönlich gut. Die Allternative, dass man spätestens alle 10 Jahre erinnert wird bzw bei sämtl. behördlichen Gängen gut.

    Hier ist das so, dass man automatisch Organspender ist. Ja, ich finde das gut. Ich kann ja aktiv werden, wenn ich das nicht möchte.

  • In Deutschland haben wir mehrfach sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht, bestimmte Vorgaben zu haben, die man ggfls. dann eigenständig ablehnen muss. Da kann ich gut verstehen, dass der entsprechende Antrag vom Gesundheitsminister breite Ablehnung erfahren hat.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Zuletzt in der NS-Zeit zB bei der Euthanasie-Gesetzgebung und ebenfalls bei den Rassegesetzen musste jeder selbst aktiv werden. Sonst wurde automatisch über einen entschieden.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Ich kann gut damit leben und finde es völlig ok, wenn jemand sagt er spendet nicht oder im Falle eines Kindes eine Organspende ablehnt.


    Eine Freundin von mir überzeugte Katholikin möchte aus religiösen Gründen keine Organe spenden.

    Ich würde mir nie erlauben jemand wegen einer Entscheidung dagegen zu be- oder gar zu verurteilen.


    Vergleiche mit der NS Zeit zu ziehen ,da fehlen mir wirklich die Worte.


    Hier geht es nicht um die Ermordung angeblich unwerten Lebens.

    Wo hatten die Menschen die der Rassenhygiene zum Opfer fielen eine Entscheidungsfreiheit?

    Mein Bursche wäre ermordet und vorher noch zu medizinischen Experimenten missbraucht worden.Der hätte keine Chance gehabt ausser wir wären geflüchtet.

    Was hat das mit Organspenden zu tun?



    Mein Bursche wäre im Gesetzesentwurf übrigens allein auf Grund seiner Unfähigkeit Entscheidungen zu treffen von der Organspende ausgeschlossen gewesen.



    Liebe Grüße


    Ute

  • Ich finde die Widerspruchslösung gut. Viele Menschen (so auch ich) schieben das Thema vor sich her obwohl sie grundsätzlich bereit dazu wären. Keiner wird zu schnell für tot erklärt nur damit sie Organe entnehmen können. Auch stelle ich mir schön vor sollte es dazu kommen wenn ein Teil von mir noch immer da ist und einem Menschen hilft.

    http://www.youtube.com/watch?v=wes6rmQHaUk


    Da ich aber nun darüber nachgedacht habe, denke ich das ich mir leider hierüber keine weiteren Gedanken machen muss. Es wird nie dazu kommen, denn ich darf nicht einmal mehr Blut- oder Knochenmarkspenden (beides habe ich gemacht oder war typisiert) durch meine chronische Darmentzündung.

  • Ute, es geht darum, dass man sich zu sich selbst erklären müsste, wenn man nicht Organspender sein will.

    Genau diesen juristischen Ansatz hat es 1933 und 1935 in der deutschen Gesetzgebung gegeben: Einschränkung des Menschenrechts, wenn nicht widersprochen wird.

    Das hat damals zur Euthanasie und zu Auschwitz geführt. Deshalb reagieren viele geschichtsbewusste Menschen sehr sensibel, wenn es um die sog. Widerspruchsregelung geht.

    Belgien hat da eine andere Historie und andere Erfahrungen. Deshalb konnten sich die Belgier eher mit der Widerspruchsregelung arrangieren.

    Sehr aehnlich sieht das mit den Überlegungen zur Sterbehilfe in beiden Ländern aus. Wir haben in Deutschland schlimme Erfahrungen gemacht. Darum wird sich der aktiven Sterbehilfe wesentlich weniger geöffnet als in Belgien.


    All das sind Nebenthemen zur Organspende. Zur Organisation. Zur Entscheidung, wer empfängt, wer verdient, wer kontrolliert usw.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Ich kann an einem Nein als ausreichende Erklärung nix schlimmes finden.


    Bin ich weniger geschichtsbewusst, weil ich trotz des Wissens um die NS Zeit eine andete Sicht als Du habe ?

    Mich beunruhigen bezogen auf Achtsamkeit auf Grund unsere Geschichte ganz andere Entwicklungen in diesem Land., das nur am Rande.


    Ich lehne mich dann auch mal aus dem Fenster und behaupte das viele Menschen sich gar nicht mit dem Thema beschäftugen wollen weil Tod Sterben immer mehr ein Tabuthema ist.







    Wie viele Menschen dafür oder dagegen gewesen wären und aus welchen Gründen, weiß keiner

    .Ich hätte einen Volksentdcheid begrüsst.



    Liebe Grüße


    Ute