Depressionen / Es wird wieder schlechter

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  • Zurzeit ist sie tatsächlich zu ihrer Mutter übergesiedelt. Langsam komme ich zur Ruhe.

    Mittlerweile steht auch der Weg so halbwegs fest. Es wird eine eigene Wohnung werden mit einer mobilen Betreuung. Die entsprechenden Schritte werden diese Woche von ihrem Vater und ihrer Mutter und hoffentlich von ihr selber auf den Weg gebracht.

    Einsicht ist immer noch nicht vorhanden bei ihr, aber vielleicht kommt das noch.



    smilesnz Kaffee klingt gut... grundsätzlichm, nicht zum Auskollern :-)

  • und ein junger Mensch, der den Alltag, Aufstehen, Schulbesuch, Organisation des Alltags, Kühlschrank, Ausgaben

    , übermässige Wünsche nicht unter Kontrolle hat, schafft das? mit einer mobilen Hilfe? alleine in der eigenen Wohnung?

    Könnte sie die mobile Hilfe/Betreuung auch beim Wohnen bei ihrer Mutter in Anspruch nehmen?

  • Sie könnte diese Hilfe auch bei ihrer Mutter in Anspruch nehmen. Die Tochter hat sich aber auf einen eigene Wohnung versteift. Bei uns kann sie nicht mehr wohnen, in eine betreute Wohngruppe WILL sie nicht und bei ihrer Mutter auf Dauer auch nicht. Was will man machen. Sie ist 19 und kann allein entscheiden...

    Das klingt aus meiner Laienhaften Sicht nicht sehr positiv, in der eigenen Wohnung allein hocken bei dem Sack von Problemen.....aber wie du schon sagst sie ist 19....

  • Ich will nicht unken, aber die Problematik wird nicht einfacher werden.


    Ich wünsche euch, dass ihr das als Paar schafft. Denn zwischen verstehen, dass das Kind weg muss und das dann auch realisieren und verdauen, liegen Welten und erst Recht wenn das Kind vom Partner immer da ist und das eigene gehen musste.


    Denke da hättest du auch Probleme, wenn der Muckel ausziehen dürfte.

    Es ist besser,
    ein eckiges Etwas zu sein,
    als ein rundes Nichts.

  • Ich habe dir mal eine PN geschrieben.


    (Hintergrund: ich arbeite im ambulant betreuten Wohnen in Hannover)

    Am Ende stellt sich die Frage: Was hast du aus deinem Leben gemacht? Was du dann wünscht getan zu haben, das tue jetzt. - Erascus von Rotterdam

  • Für mich würde sich die Frage, ob der Muckel in der gleichen Situation alleine ausziehen müsste, nicht stellen. Ich wäre mit ihm zusammen ausgezogen. Mein Freund hat sich dagegen entschieden, weil er weiß, dass er das alleine noch weniger schafft, als mit mir zusammen. Im Moment ist es so, dass wir ja viele Gespräche führen (müssen), auch um der Familie die veränderte Situation mitzuteilen. Und nahezu jeder findet, dass es die richtige Entscheidung ist, weil sie das alle schon viel eher haben kommen sehen. Die haben die Tochter ja nun auch erlebt. Sogar ihre Großmutter, bei der ich das niemals gedacht hätte, kann uns und vor allem mich, voll und ganz verstehen.

    Wenn sie jetzt nicht gezwungen wird, erwachsen zu werden, dann wird sie es nie. Mein Freund wird sich selber therapeutische Hilfe holen, alleine, weil es aus der Vergangenheit auch viel aufzuarbeiten gibt.

  • Mit 19 ist sie volljährig. Was ist wenn sie gar keine Betreuung will, dann sitzt sie in der eigenen Wohnung und vegetiert vor sich hin?

    Ich kann nur aus eigener leidvoller Erfahrung sagen, der angedachte Tritt in den Hintern kann auch einfach die Situation für die Tochter verschlimmern.



    Bei der Tochter hilft Ausziehen, ist das der Weg, den Muckel würdest Du auch unter solchen Voraussetzungen nie alleine lassen.

    Passt alles für mich nicht.

    Ach und dieses, das schaffe ich alleine ja nicht Gerede, vom Vater

    Die Tochter soll erwachsen werden, vielleicht sollte der Vater auch mal damit anfangen.


    Warum ich das Schreibe, mir klingt hier alles zu sehr danach, als würde die Tochter mit Absicht so sein.

    Wertschätzung ihrer Person finde ich null.

    Die hat sich ihre Depressionen nicht ausgesucht.


    Ich hoffe, das sie ihren Weg findet.

    Was Euch betrifft schließe ich mich Elin an.


    Liebe Grüße


    Ute

  • Ratte: ich hätte auch ausziehen können... ICH kann mit der Situation so nicht mehr Leben. Nein. Sie hat sich ihre Depressionen nicht ausgesucht. Aber sie hatte ein Stück weit in der Hand, wie sich unser Zusammenleben gestaltet.

    Ihre Depressionen haben einen Raum in unserem Leben eingenommen, der einfach zu groß ist. Wie ein Leichentuch hat sich ihre Stimmung über die Familie gelegt.

    Sie wird nicht allein in ihrer Wohnung vegetieren. Ihre Mutter und ihr Vater sind ja da... Die Entscheidung, dass er nicht mit seiner Tochter geht, hat er alleine getroffen und ja, auch das ist momentan ein Diskussionspunkt bei uns, weil ich das ein Stück weit nicht verstehen kann, gerade weil ich den Muckel nie alleine gehen lassen würde.

    ICH bin aber nicht verpflichtet, unter Aufgabe meiner selbst und meiner psychischen Gesundheit das weiter so zu dulden und sie in meinem Haushalt wohnen zu lassen. Ich bin nicht ihre leibliche Mutter, sämtliche Versuche etwas für sie und uns zu ändern, sind von ihr boykottiert worden... liebe Ute... was wäre denn für mich die Alternative gewesen?

  • Ich kenne das auch (Co Abhängigkeit) irgendwann ist halt bei jedem der Punkt erreicht wo es beim besten willen nicht mehr geht.

    Man kann sich nicht selbst kaputt machen da ist auch keinem geholfen.

    Gut als außenstehender ist es schon so eine Sache wenn der Papa sein Kind allein lässt aber auch das wird eine Vorgeschichte haben

  • Agrippa: ich lebe mit dem Muckel seit seiner Geburt zusammen, das Verhältnis zwischen mir und ihm ist ein ganz anderes, als zwischen meinem Freund und seiner Tochter.

    Er ca. 14 Jahre nicht mit ihr zusammengelebt und war teilweise in einem anderen Bundesland wohnhaft. Seine Entscheidung kann nur er verstehen. Er muss sich da auch vor mir nicht rechtfertigen. Ich hätte anders gehandelt, aber ich kann halt immer nur von meiner Sicht aus sprechen. Und ja, irgendwann geht es nicht mehr.

  • Ich würde nicht mit meinem 19 Jahre alten Kind ausziehen. Dies bedeutet doch nicht das man sein Kind im Stich lässt!

    Dadurch das die Beziehung nicht mehr durch andere Konflikte belastet ist (Familiensituation), kann man seinem Kind viel mehr helfen und die Hilfe wird vielleicht leichter angenommen. Es nutzt keinem wenn alle auf dem Zahnfleisch laufen, nur weil sie sich an Sachen aufreiben welche Tochters Depression verursacht. Da bleibt doch keine Kraft mehr um am eigentlichen Problem zu arbeiten.

    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Andererseits... vielleicht ist genau das ihr Weg, den sie für sich jetzt gehen muss und der ihr hilft, weiterzukommen. Das hängt von vielen "Stellschrauben" ab. Ohne eine umfassende Diagnose ist alles, was man dazu vermutet, reine Spekulation und Kaffeesatzlesen. Sorry, wenn ich das jetzt so deutlich sage.


    Soweit ich weiß, wird grundsätzlich erst mal zwischen endogener und exogener Depression unterschieden. Endogen heißt, die Ursachen liegen im wesentlichen in einer Veränderung der Stoffwechselvorgänge im Gehirn, es kommt zu einem Mangel an wichtigen "Botenstoffen" (bspw. Serotonin, Noradrenalin, Dopamin). Außere Einflüsse spielen weniger bzw. kaum eine Rolle. Eine endogene Depression kann auch vererbbar sein.


    Die exogene Depression hat "äußere" Auslöser. Dies können bspw. ganz konkrete Trauerfälle oder auch andere Ereignisse sein. Auch bei der exogenen Depression kommt es zu biochemischen Veränderungen, die eigentliche Ursache liegt allerdings ganz woanders.


    Flappsig formuliert: bei der endogenen Depression helfen meist Medikamente, bei der exogenen Depression muss die Ursache psychotherapeutisch behandelt werden.


    Ein stationärer Krankenhausaufenthalt kann mehrere Dinge bewirken. Da ist zunächst einmal die Stabilisierung des Patienten und die Diagnostik. Je nachdem kann eine "Einstellung" auf entsprechende Medikamente vorgenommen werden. Handelt es sich um eine primär endogen verursachte Depression, ist es wichtig, dass die Medikamente nicht nach "Lust und Laune" abgesetzt" werden. Beispiel: bei einer Schilddrüsenunterfunktion (die ja gar nicht soooo selten ist!) müssen die entsprechenden Hormone kontinuierlich von außen "zugeführt" werden.


    Es ist durchaus möglich, die Ursachen auch einer exogenen Depression in einem stationären Klinikaufenthalt vollständig so zu bearbeiten, dass es sich um eine einmalige depressive Episode handelt. Liegen die letztendlich auslösenden Ursachen aber tiefer (auch das kann durchaus vorkommen), reicht ein Klinikaufenthalt alleine möglicherweise nicht aus.

    Zu lange "stationär" ist aber auch nicht gut. Zwischendurch muss man "zurück ins Leben", damit man den "Anschluss" nicht verliert. In diesen Fällen gibt es die Möglichkeit sogenannter stationärer "Intervalltherapien", in der die ganz tiefen, alten "Muster" aufgearbeitet werden.


    Zu der Tochter: vielleicht kommt sie klar. Vielleicht schafft sie es auch, sich ein eigenes Leben aufzubauen und dieses auch zu leben. Ich würde es ihr und euch absolut wünschen! Vielleicht geht es aber auch "nur" eine Zeit lang gut und es geht irgendwann wieder abwärts. Wichtig ist meines Erachtens, dass sie ihren eigenen Weg geht, der für sie passt.


    Je nachdem, um welche Art der Depression es sich handelt, wird sich nur dann etwas ändern, wenn sie selbst auch bereit ist, an ihren "Themen" zu arbeiten. Das kann bei einer endogenen Depression die Erkenntnis sein "ich brauche jetzt die Medikamente und nehme sie auch", bei einer exogenen Depression die Bereitschaft, die Ursachen auflösen. Möglich ist das. Und sie ist noch jung, es kann sich also noch gar nicht so viel "angesammelt" haben, wie bei älteren Menschen.


    Der vermeintlich einfachere / leichtere Weg ist bei einer exogenen Depression, die eigentlichen Auslöser/Ursachen zu verdrängen und wie gehabt weiterzumachen. Diese Ursachen können manchmal ganz weit zurück liegen und ganz tief "versteckt" sein - so, dass man sich selbst auch gar nicht mehr daran erinnert. Dummerweise wirken sie jedoch im Unterbewusstsein weiter und dann staunt man, warum man immer wieder im vom Grundsatz her in ähnliche Situationen gerät, die einfach bescheiden sind. Oder warum bestimmte Erlebnisse, Sätze, Aussagen einen so "antriggern", dass man sich schlussendlich im weitesten Sinne "komisch" verhält.

    Genau dorthin zu "gehen", wo es "weh tut", um dort etwas zu verändern, zu einer anderen Einstellung bzw. Sichtweise zu kommen, ist eine ganz harte Nummer, das geht durchaus an die Substanz und es dauert auch seine Zeit. Vor allem aber muss dazu von sich aus bereit sein.


    Wie auch immer: bei der Tochter scheint das aktuell nicht der Fall zu sein. Leider. Aber dann ist das halt so, zwingen kann man sie in dem Alter nicht (mehr).


    Die Frage ist: wie geht ihr damit um, einerseits jeder für sich, andererseits aber auch ihr gemeinsam als Paar. Betroffen seid ihre beide und ihr habt auch beide eure Erfahrungen mit der Depression der Tochter gemacht.
    Wie ihr diese Erfahrungen jeweils für euch verarbeitet, hängt viel auch davon ab, was ihr in eurem bisherigen Leben erlebt habt. Gut finde ich, dass dein Partner sich therapeutische Hilfe holt. Du war bist bist ebenfalls "angedockt"? Und dann geht es darum, wie ihr gemeinsam als Paar damit umgeht.


    Es ist eine Gratwanderung zwischen Loslassen, sich einerseits abgrenzen und andererseits unterstützen. Das belastet und macht es so schwierig. An eurer Stelle wäre mir wichtig, dass ich mit meinem Partner im Gespräch bleibe, dass die Kommunikation nicht abbricht, ggf. auch mit Unterstützung. Natürlich ist das anstrengend! Im Idealfall aber ist es auch eine Chance, schwierige Dinge gemeinsam zu lösen. Und das kann auch verbinden. So oder so: ich wünsche euch und der Tochter das Allerbeste und viel Kraft!

    Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben aber muss man es vorwärts.:strahlen

    (frei nach Sören Kieerkegard)