Verpflichtende Vorschule?

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  • Angeregt durch die Diskussion um den Vorstoß von Linnemann, Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse verpflichtend die Vorschule besuchen zu lassen, würde ich mal gern eure Meinung erfragen.

    Abgesehen von der inhaltlichenForderung halte ich ein eine Debatte für richtig und wichtig.

    Insgesamt bin ich der Meinung, dass Kinder nirgends so schnell Sprache erlernen wie bei der Interaktion untereinander. Und ich bin oft erstaunt, wie zügig manche Kinder lernen.

    Allerdings finden wir es auch völlig okay, wenn Kinder ihre Muttersprache nutzen bei uns untereinander. Gerade in der Anfangszeit schafft das Sicherheit für die Kinder. Und auch zu Hause (gerade bei wenig Deutschkenntnissen der Eltern) ihre Heimatsprache sprechen. Andere bleiben aber abgehängt, egal wie man sich bemüht.

    Es ist etwas erstaunlich für mich, dass dieser Vorstoß so harsch vom Tisch gefegt wird. Heute Morgen las ich einen Artikel in der Welt nach dem Motto: Ist doch alles tutti. Das finde ich nicht. Auch habe ich das Gefühl, dass es einfach weiterdirigiert wird an Lehrer und Pädagogen ohne ausreichende Unterstützung.

    Von unseren letzten Vorschulkindern haben rund ein Drittel erhöhten Sprachförderbedarf bei uns. Dabei sind noch Kinder, die sich noch mit Händen und Füßen verständigen oder sich von anderen Kindern übersetzen lassen müssen. Ich arbeite nicht einmal in einer Schwerpunkteinrichtung. In denen sieht es nochmal anders aus. ?-(

    Problem dabei ist: Dass diese Kinder oft erst Einrichtungen zu spät (manche erst zwei- bis drei Monate vor Einschulung) besuchen und unregelmäßig. Eltern schlagen sich meist noch mit ganz anderen Problemen, wenn sie hier ankommen. Durch die Sprachstandsfestellung mit vier sind diese eh schon vorbeigerauscht. Und die Zeit ist knapp. Durch die Aufnahmekriterien verfügen sie dann meist nur über einen Vormittagsplatz, auch da gehen wertvolle Interaktionsmöglichkeiten verloren.

    Ich bin nicht für ein "Sammelbecken" von Kindern, die noch nicht ausreichend deutsch sprechen. Gut würde ich es finden, wenn der Besuch einer Einrichtung ein Jahr vor der Grundschule verpflichtend für alle Kinder wäre. Dazu fände ich es gut, wenn es fundiertere Sprachstandserhebungen geben würde. Von Menschen, die das auch erlernt haben, die zudem wissen, wie gezielt Sprachförderung geht und diese in den Einrichtungen umsetzen. Ich empfinde das gerade nur als herumdoktern.

    Im Moment wird es uns auferlegt mit einem benannten Sprachförderbeauftragten pro Kita. Nur um es festzuhalten: Auch diese sind einfach nur Erzieher/innen die, die ein oder andere Fortbildung genossen haben. Ich finde das einfach zu schmal. Ich mache Kollegen keinen Vorwurf, wenn sie ins Schleudern kommen Bögen auszufüllen, bei denen es darum geht den Syntax, Phonologie usw. einzuordnen. Ist das richtig, dass man durch eine Fortbildung über Einschulung oder nicht urteilen könnte? Und oft bleiben diese Bögen einfach nur das was sie sind: Papier(tiger).

    Mir fehlt da etwas die Gelassenheit, auch weil die Rückmeldungen aus den Schulen nicht immer so rosig sind, wie manchmal dargestellt.. Oft werden auch dort oft Vermeidungsstrategien gefahren, wie z.B. unregelmäßiger Schulbesuch.

    Da frage ich mich schon, ob die vielgepriesene Inklusion nicht in Teilen ein Schuß in den Ofen ist und da nicht jede Menge schöngeredet wird.


    Was ist eure Meinug dazu? Ich würde mich über einen offenen Meinungsaustausch freuen.

  • Zuallererst:ich bin nicht vom Fach, also habe ich keine Ahnung, wie eine Lösung in der Praxis aussehen könnte.


    Meine Meinung ist, dass Kinder erst im normalen Regelunterricht sitzen sollten, wenn sie diesem auch sprachlich folgen können. Wie sollen sie denn sonst etwas lernen, wie der Lehrer ihnen etwas beibringen? Und wie soll dann auch noch der Stoff des eh schon straffen Lehrplan an alle Kinder vermittelt werden? Da muss eine Lösung her, finde ich, sonst kann das nicht klappen. Ob das eine verpflichtende Vorschule sein kann, weiß ich nicht - immerhin greift die ja wohl nur bei Kindern, die kurz vor der Einschulung stehen. Was ist mit den älteren Kindern, die ohne jegliche Deutschkenntnisse in die höheren Klassen gesetzt werden? Ich finde, auch da müssen erst einmal genügend Deutschkenntnisse vorhanden sein, um dem normalen Unterricht zu folgen.

    Man sitzt insgesamt viel zu wenig am Meer...

  • Zuallererst:ich bin nicht vom Fach, also habe ich keine Ahnung, wie eine Lösung in der Praxis aussehen könnte.

    Ich bin ein wenig vom Fach und habe keine Lösung.:lach

    Ist doch gerade interessant, wie Eltern das betrachten und wie unterschiedlich das empfunden wird. Besuche ich eine Grundschule im Einzugsgebiet unserer KiTa, dann denke ich:=O:nixwiewegWie hält man das -gerade als Kind- aus? Ich als Erwachsene habe das schon nicht durchblickt mit Lernbüros, Schulbegleiter, verschiedene Aufgabenstellungen. In der kurzen Zeit beim letzten Besuch habe ich sechs verschiedene Sprachen gehört. Uff. Und ständig sind Tränen geflossen. Aus Frust, wegen Gewalt, aus Wut. Das empfinde ich schon als heftig.

    Bei Tochters Grundschule ergibt sich wieder ein ganz anderes Bild.

    Das Ungleichgewicht ist wirklich frappierend. Und ich finde, es sollte der Weg sein, darüber zu sprechen und dabei nicht nur die geglückten Inkusionen zu sehen. Gerade die, die auf der Strecke bleiben sollten diskutiert werden, um vielleicht noch mehr Erfolge zu treffen.

    Liebe Grüße


    Friday

    Einmal editiert, zuletzt von friday ()

  • Soweit ich weiß, gibt es völlig unterschiedliche Systeme in den einzelnen Bundesländern.


    In NRW war es bei uns so, dass im letzten Kindergartenjahr nichts passierte. Das hieß, die Lehrerinnen besuchten kurz vor Ferienbeginn im Sommer einmal den Kindergarten, um sich vorzustellen. Umgekehrt durften die neuen Schulkinder einmal in die Schule kommen und am Unterricht einer Regelklasse teilnehmen. Das wars. Eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit oder Absprachen zwischen Kita und GS gab es nicht.


    In BW ist die Kooperation zwischen Kita und Grundschule deutlich ausgeweitet. An den Grundschulen wie auch an den Kitas gibt es Kooperationsbeauftragte, die sich gleich zu Beginn eines Schuljahres (1 Jahr vor der Einschulung) treffen. Die Lehrerinnen sind über ein knappes halbes Jahr regelmäßig / wöchentlich in der Kita und übernehmen die Schulkinder-Gruppen, machen also quasi mit den "Großen" Unterricht. Auch die Beratung der Eltern findet - wenn ich richtig informiert bin (das ist aber nicht mein Bereich) - gemeinsam statt.


    Wie ist das in anderen Bundesländern?


    Ich habe vor einigen Jahren mal in der Schweiz hospitiert und "feuchte Augen" bekommen angesichts dessen, was dort für die Kinder getan und gemacht wird. Konkret sah es so aus, dass die (Vorschul-Kita-)Kinder zweimal in der Woche eine "Mittagsschule" hatten, die quasi eine Vorschule war. Dort lernten die Kinder Sitzkreise, abwarten, Gesprächsregeln, gemeinsame Aktionen, aber auch ruhiges Arbeiten z.B. im Kunstbereich kennen. Die Ausstattung der Räume war angesichts dessen, was ich bis dato kannte, sensationell (ganz normale kleine Kita ohne irgendwelche besonderen Hintergründe oder Merkmale). Sehr fasziniert hat mich auch die Tatsache, dass die 5- oder 6-jährigen bewusst nicht von den Eltern gebracht werden sollten, also ALLEINE auch über große, viel befahrere Hauptstraßen laufen mussten. Warum klappt das in der Schweiz? Weil die Verkehrsregeln (und die Strafen) viel rigider sind als hier? Weil alle an einem Strang ziehen? Weil man den Kindern was zutraut? Weil Werte wie Disziplin, gegenseitige Unterstützung, Miteinander, Anstrengungsbereitschaft usw. dort noch eine ganz andere Bedeutung haben? Gleichzeitig wurde dort sehr viel individueller gefördert, es wurde genauer hingeschaut, es wurde mehr für die Kinder getan, aber auch mehr gefordert.


    Ich kann auch nicht wirklich nachvollziehen, warum Linnemann derartig platt gewalzt wird. Man kann doch diskutieren? Aber mein Eindruck ist, dass die Deutschen wirklich zunehmend ein ernsthaftes Problem haben - und das auf mehreren Ebenen.


    Apropos: hier gibt es sogenannte Vorbereitungsklassen, die Kinder ohne Sprachkenntnisse so lange besuchen, bis sie auf einem Stand sind, in dem sie im Unterricht einigermaßen mitarbeiten können.

  • Was ist mit den älteren Kindern, die ohne jegliche Deutschkenntnisse in die höheren Klassen gesetzt werden? Ich finde, auch da müssen erst einmal genügend Deutschkenntnisse vorhanden sein, um dem normalen Unterricht zu folgen.

    Jein. Die meisten schaffen es sehr schnell, diversem Fachunterricht zu folgen. Fachbegriffe müssen alle Kinder lernen, daher ist hier die Diskrepanz recht gering.

    Schwierig sind Fächer wie Deutsch und Geschichte, wo Textzusammenhänge erfasst werden müssen.

    Bei uns erhalten diese Schüler vom ersten Tag an Unterricht in Deutsch als Zielsprache (DaZ). Leider findet der fast immer am Nachmittag statt, sodass diese Kinder bis zu 10 Ustd. am Tag haben. Warum? Es fehlen Lehrer und Stunden dafür. Die Länder machen keine Mittel frei. Multiprofessionelle Teams und passende Räumlichkeiten wären die Lösung. Aber dafür ist kein Geld da. Viele Lehrer buttern zusätzliche Arbeitszeit rein, um allen Schülern wirklich gerecht zu werden, z.B. über verschiedene Aufgabenstellungen.


    Ich bin grundsätzlich für ein verpflichtendes Vorschuljahr für alle Kinder, in dem die Kinder sowohl von Grundschullehrern als auch von Erzieher/innen betreut werden. Zusätzliche Fachkräfte sollten ggf. dazugeholt werden. Ich präferiere hier zuerst die Hospitation vor Ort, dann erst die Einzeluntersuchung in der Praxis inkl. Tests. Denn Kinder verhalten sich in Gruppen oft anders als allein.


    Fakt ist für mich jedenfalls, dass die Probleme u.a. in der sprachlichen Entwicklung nur über zeitige und umfangreiche Förderung behoben werden können. Je eher, desto besser. Was wir bei den Kindern nicht leisten, können Erwachsene nur schwer aufholen. Das muss unsere Regierung aber erstmal kapieren. Für die Verteidigung (gegen wen eigentlich?) wird der Haushalt mal eben aufgestockt. Und für Berater wurden wohl 155 Millionen ausgegeben. Da kriegt man einen sehr dicken Hals.

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    Ein Leben ohne Bücher ist nicht lebenswert. (Erasmus von Rotterdam)

  • Die fehlende Sprachfähigkeit ist ein offensichtliches Problem. (Aber auch nur eines von vielen.) Da müssen Lösungsmöglichkeiten her.


    Ob die aber möglich sind in einem "Tretminengebiet", in dem seit Jahrzehnten die ideologischen Grabenkämpfe ausgefochten werden und jeder landespolitische Wahlsieger meint, das Rad neu erfinden zu müssen?


    Ich glaube nicht, dass eine Grundschullehrkraft es leisten kann, neben dem im Lehrplan vorgegebenen Lehrstoff 10 Klassenkinder von unterschiedlichem Sprachniveau auf ein allgemeines Sprachniveau zu bringen (ohne dabei die anderen eklatant vernachlässigen zu müssen.) Spricht also viel für eigene Sprachkurse für entsprechende kinder. - Wenn das nicht wieder zu neuen Problemen führt: Eine Erstklässlerklasse mit fünf- und sechsjährigen Kids, denen dann siebenjährige, vielleicht achtjährige Kids als Erstklässler zugeteilt werden nach dem Sprachkurs, sind auch nicht so prickelnd.


    Also wahrhaft kein Gebiet für schnelle Lösungen, die mal eben im Sommerloch durch die Medien gejagt werden. Aber gut, wenn substantiell von den Fachleuiten gesprochen wird. Aussitzen ist ja auch keine Lösung. Und eigentlich ist dieses Problem ja schon lange gärend und nicht richtig angepackt.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Ich denke das alle Kinder so 1-2 Jahre vor Einschulung einen Test machen sollten um dann gezielt verpflichtend gefördert zu werden. Auch vorher schon z.B. bei den U Untersuchungen sollten auch solche Dinge überprüft werden um gezielt gegen zu steuern.

    Damit meine ich nicht nur Sprache, auch ein deutsches Kind sollte z.B. zu Sport verpflichtet werden wenn der Test ergibt das Playstation mit Chips zu massivem Übergewicht geführt haben. Bei meinem in der zukünftigen Klasse sind 3 Kandidaten dabei die nicht mal in der Lage sind 100m zu sprinten oder einen Ball zu fangen... von Schwimmen etc braucht man da gar nicht erst reden.

    Sport, Ergo, Logo usw da gäbe es einiges was auch viele Kinder betrifft die sprachlich gut entwickelt sind.



    Das wäre halt politischer Selbstmord für jeden der das ernsthaft vorschlägt und von daher nur so ein Traum ;)

    Linnemann hat es ja nur mit der Sprache, lustig wäre es schon wenn er alle Kinder mit defiziten meinen würde, da wären seine Tage gezählt.

  • Also ich finde, mein Kind wurde sehr engmaschig kontrolliert. Und sie ist eher vorne dabei. Also nur die üblichen Test und keine zusätzlichen.


    Jedes Jahr bis zur Schule gibt es die U Untersuchung. Wenn die nicht wahrgenommen werden, flattern Briefe ins Haus und wenn das nichts hilft gibt es Besuch vom Jugendamt. Dann gab es eine zusätzliche Kontrolle im der Kita. (mit4,5) in der die U Hefe abgegeben werden mussten und die Kinder springen und erzählen mussten. Danach gab es von den Erzieheren die Sprachstandsermittlung. (Mit 5). Und in diesem Jahr muss sie zum Amtsarzt für die Schulfähigkeit. Also ich finde daa reicht dann auch Mal. Zusätzlich zu den jährlichen Entwicklungs -Gesprächen. Und das bei totaler unauffalligkeit. Ich will nicht wissen, was "auffällige" Kinder alles durchlaufen müssen.

  • Naja, wenn die Kinder von Anfang an in Deutschland leben, mögen die diversen Kontrollmechanismen greifen. Aber was ist mit Kindern, die erst später hierher kommen?

    Bei meiner Tochter beispielsweise kam dieses Jahr kurz nach dem Halbjahr ein syrischer Junge in die Klasse, der kein Wort Deutsch sprach und verstand. Zum Einen hat er die Lehrerin ganz schön auf Trab gehalten, weil er ja gar nicht wusste (Wissen konnte), wie der Hase hier läuft. Zum anderen hat ein anderer Junge, dessen Muttersprache syrisch ist, der aber auch super deutsch spricht, ihm ständig Dolmetschen müssen, auch während dem Unterricht, wodurch er selbst mit seinem Kram ziemlich ins Hintertreffen gekommen ist. Grade im Übertrittsjahr fand ich (und auch andere Eltern) das eklatant ungünstig gelöst. In meinen Augen muss da erstmal eine Basis her, sodass man sich untereinander erst einmal verständigen kann, bevor eine Teilnahme am regulären Unterricht stattfinden kann.

    Man sitzt insgesamt viel zu wenig am Meer...

  • Clara66 :Bei uns leben die meisten Romas (aus dem Kosovo) in NRW. Die meisten davon sind schon in den 90ern gekommen und leben hier mind. in der 2. Generation Da schlagen noch ganz andere Probleme zu Buche als Sprache.

    Die Zeitungen sind hier voll damit ( hauptsächlich drohende Abschiebungen und Bandenkriminalität) und seit vielen Jahren greifen auch viele Hilfsmassnahmen nicht richtig . Clanregeln überwiegen die Schulpflicht, dementsprechend selten ist der Schulbesuch. Das ist ein Riesenproblem und da beißt sich die Katze in den Schwanz. Zudem kommt noch, dass diese Familien in ein/zwei Stadtteilen untergebracht werden. Vor Tochters Geburt habe ich in einem dieser Stadteile gearbeitet. Das war normal, dass ein Drittel der Kinder den selben Nachnamen trug und die Gruppen liefen täglich nur mit halber Kinderzahl, weil Kinder für andere Dinge gebraucht werden und oder der Sinn eines Besuches sich nicht erschließen will. Die Auflagen eine Kita zu besuchen kommt meist vom Jugendamt.

    Da muss dringend mehr getan werden als Verbote auszusprechen wegen z.B. Bettelei der Kinder oder Polizeipräsenz in den besagten Stadtteilen.

    Man müsste tiefer in die Geschichte und Verwurzlungen der Familien eintauchen. Zurzeit läuft das tatsächlich und immer noch paralell, auch wenn es immer wieder Erfolge zu verzeichnen gibt und immer mehr Familien verstehen, warum der Zugang zur Bildung so wichtig ist. Insgesamt aber viel zu schleppend. Zudem kommt noch, dass Kinder dieser Clans später kaum eine Chance haben hier aufgrund ihres "bekannten" Nachnamens z.B. bei der Wohnungssuche oder Jobsuche.

    Mädchen werden weiterhin so früh wie möglich verheiratet und bekommen sehr früh eigene Kinder. Dieses gehört zu ihrer Kultur. Das ist keine Mär. Und nein, natürlich nicht pauschal alle, aber doch ein großer Anteil. Insgesamt ist das ein riesiges (Verständigungs-) Problem. Und Verständnis, Akzeptanz läuft auf beiden Seiten nicht richtig. Ein Kampf gegen Windmühlen, auch wenn in den meisten Familien das Jugendamt drinhängt ist mein Gefühl dazu, dass sich diesbezüglich in den letzten Jahren nicht viel bewegt hat.
    Sorry, lang geworden, aber ein Thema, dass mich viel beschäftigt. Privat und beruflich. Der Lebensgefährte einer Bekannten stammt aus einem dieser Clans. Geächtet von seiner Familie und auf der anderen Seite bekommt er hier kaum einen Fuß in die Tür. Vorurteile sind allgegenwärtig. Das kostet schon immens viel Kraft sich ein Leben hier aufzubauen, wie es eigentlich gewünscht ist von den Einheimischen. Nur unterstützen, wollen sie ihn nicht. Da werden lieber Witze gemacht, wie: Der eine Teil seiner Familie sitzt im Knast, der andere Teil in einem fremden Haus. :brilleEinfach nur heftig und ein extrem facettenreiches, komplexes Thema.

    Sorry für ein wenig OT.

  • friday, mit so Aussagen bewegst du dich allerdings in der Öffentlichkeit auf extrem dünnes Eis.


    Kurz zum Thema, mein König war auf einer Vorschule nicht weil er musste sondern weil ich das wollte.

    Das war spitze! Eine tolle Truppe, kein auffälliges Kind, alle massiv motiviert und die Lehrerin sehr engagiert.

    Dort wurden weniger Inhalte vermittelt sondern das Verhalten in der Schule, Teamfähigkeit, sich auch mal durch unangenehmes durch zu beißen und Kritikfähigkeit geübt.

    Das war definitiv ein Highlight der Woche für ihn und ein toller Ausgleich zum Kindergarten in dessen Vorschulprogramm zwar auch tolle Sachen gemacht wurden aber nicht das was ich als ahnungsloser Laie unter einer Vorschule verstehe.

    Ich kann das jedem nur an Herz legen auch wenn man denkt das Kind hat das nicht nötig, es war absolut ein Gewinn für ihn.

  • friday, mit so Aussagen bewegst du dich allerdings in der Öffentlichkeit auf extrem dünnes Eis

    Ja, ich weiß. Und ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich erst eine Nacht darüber geschlafen habe, ob ich was sagen mag dazu. Letztlich ist es mein persönliches Empfinden und meine Erfahrungen.

    Dazu kommt noch, dass es mir nicht darum geht diese Menschen abzustempeln oder auszustossen. Ganz im Gegenteil: Ich finde, dass gerade diese Bevölkerungsgruppe gerade geschichtlich viel zu wenig berücksichtigt und ich sag mal stiefmütterlich behandelt wird.

    Ich -und das ist auch mein persönliches Empfinden-habe das Gefühl, dass man bestimmte Dinge nicht ansprechen/aussprechen und wie soll da ein Dialog entstehen?Wie sollen wir voran kommen, wenn man Dinge, die einen bewegen nicht aussprechen mögen?

    Ich habe auch kein Problem damit, wenn andere sagen, bei uns klappt das hervorragend. Ganz ehrlich, da würde ich wissen wollen: Wie macht ihr das?

    Liebe Grüße


    Friday

    Einmal editiert, zuletzt von friday ()

  • Eines Vorweg...mir tun diese Menschen wirklich leid, sie sind nirgends willkommen. Ihre Dörfer sehen schlimm aus, leben möchte ich dort auch nicht. Aber warum packen sie nicht an? Warum versuchen sie nicht ansatzweise ihre Dörfer wenigstens ein wenig schöner bzw lebenswerter zu gestalten. Sei es nur einen anständigen Weg bauen, damit man bei Regen nicht im Matsch laufen müssen. Warum schaffen sie es nicht, ihre Mülltüte bis zum Müllcontainer zu bringen? Der hier wirklich nur 10 Meter entfernt ist? Auch wenn sie unsere Gesetze nicht akzeptieren...man kann doch sein Umfeld versuchen sauber zu halten. Zu Kriegsflüchtlingen kann man leicht Kontakt aufbauen...bei den Roma und Sinti nicht möglich

  • Ja, ich weiß. Und ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich erst eine Nacht darüber geschlafen habe, ob ich was sagen mag dazu. Letztlich ist es mein persönliches Empfinden und meine Erfahrungen.

    Dazu kommt noch, dass es mir nicht darum geht diese Menschen abzustempeln oder auszustossen. Ganz im Gegenteil: Ich finde, dass gerade diese Bevölkerungsgruppe gerade geschichtlich viel zu wenig berücksichtigt und ich sag mal stiefmütterlich behandelt wird.

    Ich -und das ist auch mein persönliches Empfinden-habe das Gefühl, dass man bestimmte Dinge nicht ansprechen/aussprechen und wie soll da ein Dialog entstehen?Wie sollen wir voran kommen, wenn man Dinge, die einen bewegen nicht aussprechen mögen?

    Ich habe auch kein Problem damit, wenn andere sagen, bei uns klappt das hervorragend. Ganz ehrlich, da würde ich wissen wollen: Wie macht ihr das?

    Vor gut 40 Jahren haben wir in einer Großstadt genau diese Poblematik gehabt. Eine Gruppe Roma hatte sich fahrend, also mit Wohnwagen und Hänger am Stadtrand niedergelassen. Im Gebiet der Kirchengemeinde, in der ich als Jugendlicher aktiv war. Fünf Jahre habe ich das miterlebt. Wir sind so dicht herangekommen aneinander wie wohl kaum sonst jemand. Ich habe in den Wagen gesessen, am Lagerfeuer. Die Kids waren in unseren Gruppen. Aber genauso (un)regelmäßig, wie Friday es beschreibt. Gleichaltrige Jugendliche haben bei mir auf der Bude gehockt. Wir waren bei Hochzeiten und Taufen dabei.

    Ein guter Kumpel von mir aus der Kirchengemeinde, der sich ungeheuer engagiert hat, hat was Soziales studiert, beim Jugendamt einen Job bekommen und ist da jetzt in hoher Position. Ab und zu mailen wir miteinander. Und letztens hat er erzählt: Es hat sich in der Einstellung in den letzten 40 Jahren nichts geändert. Es gibt diese unüberschreitbare Grenze zwischen den Roma-Clans und der /den(?) Gesellschaften, die im Großen und Ganzen unüberschreitbar sind. Nur manche machen einen Schritt aus dem Roma-Bereich in die Gesellschaft(en). Mit allen von Friday beschriebenen Folgen.


    Für meinen Freund ist das ein Stück gescheitertes Leben, eine Sache, die er nicht aufgelöst bekommen hat und nicht weiß, wie er es auflösen soll. Und er befürchtet, dass die gegenseitige Akzeptanz sogar noch schlechter geworden ist.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.