Sexualkunde

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  • Hallo zusammen!


    Meine Frage bezieht sich auf den Sexualkundeunterricht in der vierten Klasse der Grundschule.


    Hier fand er wie folgt statt: es kamen Pädagogen von "außerhalb" der Schule, die an zwei festgelegten Tagen mit den Kindern, nach Geschlechtern getrennt, den klassischen Sexualkundeuntericht gestalteten. Nach Vorankündigung für die Eltern.


    Nun gab es wohl viele Rückfragen seitens der Kinder und es wurde ein weiterer Termin anberaumt, bei dem auch sehr sensible Themen besprochen wurden. Dazu wurde den Kindern dieses Blatt (siehe Foto) ausgehändigt, natürlich wurde auch darüber gesprochen.


    Was sagt ihr dazu, als Eltern, aber auch als Fachleute (die es hier ja GsD gibt)? :)

    Werden Hummeln von anderen Insekten gemobbt, weil sie dick sind?


    Ich gönne mir das Gefühl, durchgehalten zu haben.

  • Puh... Ich weiß nicht - irgendwie fühlt es sich gerade an wie "Geht in der Form nicht." Ich muss noch Worte für eine greifbare Begründung finden...

    Und das liegt nicht nur daran, dass in diesem Schreiben Frauen, die sich an Jungen vergreifen, komplett ausgeklammert werden..

    LG
    CoCo



    Halt mich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht, und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.


    ~ Khalil Gibran ~





  • Ich finde das viel zu detailliert und altersunangemessen. Das macht doch eher Angst als aufzuklären. Was bleibt da bei einem Grundschulkind 4. Klasse hängen?

    Und das liegt nicht nur daran, dass in diesem Schreiben Frauen, die sich an Jungen vergreifen, komplett ausgeklammert werden..

    Ja, das finde ich auch. Da wird einer Randgruppe viel zu viel Raum gegeben, so als ob alle Männer potenziell so wären. Geht gar nicht.

  • Moin in die Runde

    Gibt es den "PädoBär" nicht mehr? Der kam bei uns in die Grundschule.


    Schließe mich an hinsichtlich:

    Viel zu fachlich und nicht "Geschlechterneutral"

  • Hm, ich finde es auch nicht gut.


    Für mich fehlt eben auch, dass Frauen ausgeklammert werden (und auch die werden zu Tätern).


    Auch die Überschrift ist unglücklich gwählt. Bei mir kommt an "böser Erwachsener". Das klammert für mich aber wieder aus, dass sehr viele TäterInnen aus dem familiären oder engen Umfeld kommen und denen unterstellt man ja erstmal keine bösen Absichten. Könnte im denken eines 10-jährigen Kindes evtl. zum Schluß führen, dass es dann ok ist...


    Ich finde es auch zu detailliert und auch (schlagt mich nicht) zu TäterInnen bezogen.

    Ich fände es besser, wenn Kindern in diesem Alter erklärt wird, dass ihr Körper ihnen gehört und sie bestimmen, wer sie wie anfasst oder küsst (ich habe mit meinen Kindern damals "kein Küsschen auf Kommando" und "kein Anfassen auf Kommando" gelesen).


    Auch, dass die Eltern nicht voher informiert wurden bzw. es mit ihnen besprochen wurde finde ich sehr unglücklich. Die Lehrer wissen ja nicht, ob es nicht evtl. ein betroffenes Kind gibt, das schon in Behandlung ist und dann getriggert wird.


    IMO geht es so gar nicht.


    Nachtrag: Wir mussten damals für die 4. Klasse in einem extra Elternabend jedes Bild, das den Kindern gezeigt werden sollte und jedes Arbeitsblatt einzeln absegnen. Auch da fand ich die eine oder andere Darstellung schon zu detailliert für das Alter.
    Und ob man wirklich jede Spielart durchdiskutieren muss, lass ich mal dahin gestellt. Nur, als die Lehrerin dann anmerkte, dass sie auf Nachfrage, wie dass denn dann bei 2 Männern funktioniert, die Kinder an die Eltern verweist und die das erklären sollen, habe ich ihr sehr deutlich gesagt, dass sie das dann bitte auch selbst übernehmen soll. Wenn sie der Meinung ist die Kinder über gleichgeschlechtliche Aktivitäten aufklären zu sollen, dann bitte auch so detailliert wie im hetero-Bereich ;-)

  • Ich danke euch. Ihr habt genau die Themen angesprochen, die mich dazu auch bewegt haben.


    Mein Sohn kam nach dieser Stunde reichlich verwirrt und als einziges Fragezeichen nach Hause - er konnte es gar nicht fassen, was ihm da gesagt wurde. Ich habe versucht, das irgendwie noch kindgerecht zu verpacken, momentan gibt es keine weiteren Probleme deswegen.


    Ich finde es aber nicht richtig, dass den Kindern so etwas einfach ausgehändigt wird. In den Übungseinheiten (ich habe sie online gefunden) steht für die Lehrpersonen, dass dieses Blatt nur nach sorgfältiger pädagogischer Abwägung genutzt werden sollte. Für meine Begriffe gehört zu einer solchen Abwägung in diesem speziellen Fall auch, dass die Eltern darüber exakt informiert werden, Stichwort Trigger.


    Gleichgeschlechtliche Liebe kam in der gesamten Unterrichtseinheit übrigens gar nicht vor.


    Danke euch für eure Rückmeldung! :)

    Werden Hummeln von anderen Insekten gemobbt, weil sie dick sind?


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  • in meinen Augen geht das in der Form nicht.


    Wir hatten Theaterstücke zu dem Thema mein Körper gehört mir. Dort waren diverse Situationen altersgerecht dargestellt. Die Eltern haben die Stücke komplett an einem Abend gesehen, die Kinder in mehreren Etappen, so dass Gelegenheit zur Durchsprache war.

    Mein Zwerg wäre nach einer solchen Info auch vollkommen verstört gewesen.

    Meine Finger sind offensichtlich immer schneller oder langsamer?? (wer weiß das schon??) als meine Gedanken, daher seht mir die Rechtschreibfehler (Flüchtigkeitsfehler) nach oder malt sie bunt an :blume

  • Jetzt wurde so ziemlich schon geschrieben, was ich dazu sagen wollte. Ich hätte da wohl noch Klärungsbedarf mit der Schule und würde, vielleicht zusammen mit anderen, wenig begeisterten Eltern, anregen, dass so etwas in Zukunft anders läuft... Hoffentlich werden alle Kinder, die jetzt verstört sind, zu Hause aufgefangen und das Thema dort anders angegangen. Die Kinder, bei denen das nicht möglich ist, bräuchten da ja eigentlich "Nachbesserung" von Seiten der Schule - aber dort scheint es ja an Kompetenz zu hapern... :|

    LG
    CoCo



    Halt mich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht, und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.


    ~ Khalil Gibran ~





  • Bestand der komplette Sexualkundeunterricht nur aus diesen Terminen mit externen Personen? Bei meinen Kindern - die zu dem Zeitpunkt bereits sehr umfassend aufgeklärt waren - wären vermutlich Nachfragen gekommen. Sie wussten in dem Alter bereits mehr, als in ihrem recht umfangreichen Unterricht abgehandelt wurde. Dass es auch gleichgeschlechtliche Liebe gibt, wussten sie in dem Alter ebenfalls schon länger.


    Das "Merkblatt" oben kann m. E. komplett in die Tonne, das empfinde ich in jeder Hinsicht als unpassend.

    Im Forum gängige Abkürzungen:
    ABR: Aufenthaltsbestimmungsrecht (kann sich auf das alleinige ABR beziehen) / ASR: Alleiniges Sorgerecht / GSR: Gemeinsames Sorgerecht / SR: Sorgerecht
    BU: Begleiteter Umgang oder Betreuungsunterhalt / KU: Kindesunterhalt / UHV: Unterhaltsvorschuss / WM: Wechselmodell / BET: Betreuungselternteil / UET: Umgangselternteil
    TE bzw. TS: Threadersteller bzw. Themenstarter / JA: Jugendamt
    KV: Kindsvater / KM: Kindsmutter / ET: Elternteil / GE: Großeltern

  • Danke euch. Ich werde das Thema nächste Woche beim Elternsprechtag mal ansprechen, dachte ich mir.


    Es gab auch noch ein paar Stunden bei der Sachkundelehrerin, um das Gelernt zu verfestigen, und es wurde auch ein Test geschrieben, aber da nur über die "normalen" Themen, die eben zur Aufklärung gehören.


    In dieser Klasse war so gut wie kein Kind wirklich aufgeklärt, was mich schon etwas erschreckt, aber auch etwas beruhigt hat.

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  • Ich finde den Text auch seeeeehr deutlich. Aber ich bin auch etwas zwiegespalten. Wenn ich es richtig verstanden habe, wurde die Klasse geteilt?


    Weil es mich interessiert, habe ich kurz gegoogelt. In unterschiedlichen Artikeln steht übereinstimmend, dass sexueller Missbrauch tatsächlich deutlich überwiegend von Männern ausgeübt wird. Die Prozentzahlen schwanken anscheinend (ich kenne die Studien nicht) laut Wiki zwischen 1 und 20% Frauenanteil. Nun ist Wiki alles andere als "wissenschaftlich", liefert aber tendentielle Anhaltspunkte. Wirklich schlimm ist, dass die Täter sehr oft aus dem familiären Umfeld stammen.


    Ich finde es durchaus sehr wichtig, das Thema "sexueller Missbrauch" mit den Kindern anzusprechen. Kinder lieben ihre Eltern, und sie sind auch von ihnen abhängig. Das macht es für ein Kind so unglaublich schwer, zu unterscheiden, wo die Grenze ist. Und wenn sich Eltern (oder Verwandte oder Freunde der Eltern oder oder oder...) tatsächlich grenzüberschreitend verhalten, ist das Ansprechen eines Missbrauchs noch einmal eine mindestens genauso große Hürde für ein Kind, weil es die Person "verrät". Die Frage ist: wie spricht man das Thema an? Es ist nicht unbedingt schlecht, wenn Menschen "von außen" kommen und die Kinder sachlich und mit klaren, eindeutigen Worten informieren. Es gibt auch ganz nette Kinderbücher. Leider wird das Thema dort manchmal aber auch ein Stück weit verharmlost - Kindesmissbrauch ist in der Tat ein Verbrechen und meiner Meinung nach durch nichts zu entschuldigen! Und dann ist es auch eine Sache des Copyrights. Andererseits mag man Kinder nicht verschrecken. Obwohl die Dunkelziffer sehr hoch sein soll, vermute ich, dass die überwiegende Mehrheit der Kinder zum Glück (!!!!) keinen "Bezug" zu dem Thema hat.


    Ich finde es ganz grundsätzlich wichtig, dass Lehrer "ihre" Kinder kennen, mit ihnen sprechen, dass ein Vertrauensverhältnis zwischen Lehrkraft und Kind existiert bzw. im Lauf der Zeit aufgebaut wird. Aber ich bin eh der Auffassung, dass nicht nur in der Grundschule ganz viel über "Beziehung" (Zuhören, das Kind "sehen", Vertrauen usw.) läuft, sondern auch in den weiterführenden Schulen. Eine Lehrkraft, die "ihre" Kinder kennt, die ihnen zuhört, die "ihre" Kinder "sieht", merkt manchmal schon recht schnell, dass etwas nicht stimmt oder passt. Also wie gesagt: einerseits finde ich es wichtig, das Thema anzusprechen, andererseits stellt sich aber die Frage nach dem "Wie".

  • Maumau, ich sehe das prinzipiell ähnlich. Allerdings finde ich es unverständlich, warum wir Eltern an dieser Schule für alles und jeden Kleinkram unterschreiben müssen und dann so ein hoch sensibles Thema einfach an uns vorbei entschieden wird. Ich hätte das zB gerne vorher gewusst, um mein Kind entsprechend auffangen zu können - man weiß ja nie, wie Kinder auf so was reagieren.

    Werden Hummeln von anderen Insekten gemobbt, weil sie dick sind?


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  • Das ist ein so "heißes" Thema, dass die verschiedenen Bundesländer ganz ausdrücklich ausformulierte Regelungen haben.

    Es gibt Bundesländer, in denen dürfen externe Personen erst nach der Grundschule als Referenten geladen werden.

    Wo externe Personen geladen werden, muss in den meisten Bundesländern zwingend eine Lehrkraft anwesend sein.


    In den meisten Bundesländern müssen Sonderveranstaltungen zum Thema den Eltern angekündigt werden, in vielen Bundesländern in Grundschulen der Inhalt vorab den Eltern erläutert werden.


    Die verschiedenen Regelungen und vor allem die Grundsatzdiskussionen in den Bundesländern oder auch an Schulen im Einzelfall zeigen, dass dies ein ausgesprochen schwieriges Thema mit sehr kontroversen Ansichten ist. Das bedeutet auch, dass die jeweiligen Kinder beim Thema Sexualität mutmaßlich ganz unterschiedliche Wissens-, Erfahrungs- und Umgangserfahrungen Zuhause und in ihrer social group haben. Hier die Kinder jeweils dort "abzuholen", wo sie gerade stehen, ist mit Sicherheit eine sehr große und schwierige Aufgabe. Ob dies mit dem hier genutzten "Papier" gelingt, da habe ich meine Zweifel.

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Der Text ist doof geschrieben und ein Text, der persönlich anspricht ist sicher besser. Aber kann er ein 10 jähriges Kind wirklich überraschen? Das sind doch Inhalte, die man doch schon als Vorsichtsmassnahme mit den Kindern ansprechen sollte.

  • So, ein Update für euch. Heute hatte ich ein Gespräch mit der Klassenlehrerin und der Schulsozialarbeiterin, die beim selben Dienst arbeitet wie die Sonderpädagogen, die das Blatt vorgestellt haben (nicht nur deswegen, aber ich habe es am Ende zur Sprache gebracht).


    Die Klassenlehrerin kannte das Blatt nur am Rande, die Schulsozialarbeiterin gar nicht. Die Klassenlehrerin enthielt sich einer Meinung, weil es ja "externe Pädagogen" waren, und die Schulsozialarbeiterin belächelte mein Anliegen, solch ein offen und überdeutlich formuliertes Blatt vielleicht vorher mit den Eltern zu besprechen. Mein Kind habe ja keinen Schaden davon getragen und man habe vorher sorgfältig überlegt, ob man das Blatt verwende und schließlich gehöre das Missbrauchsthema ja unumstritten dazu.


    Ich bin echt enttäuscht... ich habe gehofft, ernst genommen zu werden. Nun ja, alles in allem rundet es am Ende des vierten Schuljahres mein Bild der Schule ab.:brille


    Und anitadr, mein Sohn ist mit 10,5 Jahren schon aufgeklärt gewesen, aber er wusste nicht, dass Männer ihre Penisse in Popos von Jungs stecken, um sie zu missbrauchen. Diese plastischen Darstellungen waren für meine Begriffe dann doch zu viel.

    Werden Hummeln von anderen Insekten gemobbt, weil sie dick sind?


    Ich gönne mir das Gefühl, durchgehalten zu haben.

  • Ich hoffe, es ist okay, wenn ich es in diesem Thread poste. Es geht auch um Sexualkundeunterricht, aber diesmal ein positives Beispiel.

    Der Unterricht ansich wird bei uns von den Lehrer/innnen gestaltet und wirklich schön aufbereitet (okay, die Kinder kichern trotzdem, gehört dazu :lach)

    Für den Bereich Prävention/Nein-sagen hat sich Schule Unterstützung von aussen geholt in Form von einer theaterpädagogischen Werkstatt. Achtung Werbung: Theater für starke Persönlichkeiten. Diese sind deutschlandweit buchbar.

    Gestern hatten wir einen Elternabend mit diesen und sie haben das aufgeführt und vorgestellt, was diese mit den Kindern bearbeiten. Ich fand es richtig toll.

    Sehr empathisch wurde dargestellt, wie Kinder/Jugendliche sich schützen können, was sie Bedenken sollten, welche Fragen sie sich stellen sollten, wenn sie sich in unsichere Situationen befinden. Großartig fand ich die beiden Aspekte zum Thema Bauchgefühl und die Schuldfrage. Es ist egal, wie sich ein Kind verhält. Der Erwachsene hat immer Schuld, auch wenn das Kind eine schlechte Entscheidung trifft.

    Ach, ich kann es gerade nicht so recht beschreiben, wie eindringlich und toll das aufbereitet war. Großartig. Ich bin wirklich nachhaltig beeindruckt.

    Liebe Grüße


    Friday

    Einmal editiert, zuletzt von friday ()

  • friday

    Dein Beitrag klingt so gut, dass ich gleich mal gegoogelt habe nach "Theater für starke Persönlichkeiten".

    Aber Fehlanzeige, es gab ne Menge Ergebnisse aber ich konnte nicht eine Kindertheater-Truppe finden.

    Kann es sein, dass du deren Namen hier falsch geschrieben hast?

    Ach die Liebe hat's so eilig, nur die Feindschaft wird nie langweilig ... (Rio Reiser)

  • :thumbup:

    Liebe Grüße



    Bap



    Wir können unser Leben nicht neu formatieren, ein anderes Betriebssystem aufspielen und alles wieder neu beginnen. Erst wenn man sich den Fehlern der Vergangenheit stellt, kann man positiv in die Zukunft blicken.

  • Hier sind noch 2 Wochen Schule. Ich frage mich, ob mein Kind nich Sexualerziehung bis dahin haben wird :rolleyes2: