Urlaub mit behinderten Kind

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  • :winken:


    Zur Info ,die Jugendherbergen in Berlin und Brandenburg bieten der Begleitperson eines alleinreisenden mit dem Merkzeichen B im Schwerbehindertenausweis die Übernachtung plus Frühstück kostenlos.


    Ganz neu die Jugendherberge in Hannover biete das auch an.
    Das ist allerdings noch nicht auf der Website zu finden.



    Wir waren in Berlin und Wien in Jugendherbergen und es waren tolle Abenteuer.


    Ich bin dran herauszubekommen welche anderen Jugendherbergen das vielleicht noch anbieten.
    Doch mein Anliegen scheint ungewöhnlich, die Standartantwort, das wissen wir nicht.
    Na dann suchen sie man ,meine Standartantwort :-D .


    Liebe Grüße


    Ute

  • Hast Du schon beim Verband Rheinland-Pfalz und Saarland angefragt?


    Hast Du da irgendwelche Infos?


    Ich noch nicht.


    Das Problem ist das jeder Landesverband sein eigenes Süppchen kocht.


    Es gibt keine einheitliche Regelung, was den Umgang mit Begleitpersonen betrifft.


    Ich bin am aber am Ball.


    Mein Jagdinstinkt ist geweckt :D


    Liebe Grüße


    Ute

  • Ich bin mir nicht sicher, ob es hier gewünscht ist, weil es sich nicht um ein Kind handelt, aber ich würde gerne über die Erfahrungen berichten, die ich diesen Urlaub mit meinem behinderten Vater machen durfte. Und vielleicht sind diese ja von Interesse für Leute, die mit einem eingeschränkten Angehörigen verreisen möchten.


    Wir waren in Sottomarina, am unteren Ende der Lagune von Venedig. Es war der Erste Urlaub, in dem er auf einen Rollstuhl angewiesen war. Kurze Strecken kann er zwar noch laufen, aber längere Strecken sind ihm aufgrund seiner Erkrankung nicht mehr möglich. Sprich, es war ihm möglich, bei schwer zu überwindenden Hindernissen auch mal kurz aus dem Rollstuhl aufzustehen, und diese laufenderweise zu überwinden.


    Am besten ist es wohl, im Stile einer Pro- und Contra-Liste zu berichten. Damit ich mit den positiven Dingen enden kann, möchte ich zuerst einmal die Punkte aufzählen, die uns Schwierigkeiten bereitet haben:


    - die Gehsteige. Oft waren sehr hohe Schwellen zu überwinden, die mit dem Rollstuhl kaum zu bewältigen waren. Allein auf dem Weg von unserer Unterkunft zum Strand (nicht mal 1 km) mussten wir eine weite Strecke auf der Straße zurücklegen, weil der Gehsteig mittendrin aufgehört hat und wir auf der anderen Seite nicht über den Randstein gekommen sind. Es gab zwar an jeder Ecke Zebrastreifen mit abgesenkten Bordsteinen, doch leider haben da ziemlich oft Autos drauf geparkt - was auch für "normale" Fußgänger diese Zebrastreifen ziemlich nutzlos gemacht haben. Allerdings sind die in Italien eh nicht so beachtet - weder von Fußgängern, noch von Autofahrern, da überquert man die Straße, wann und wo es zum Verkehrsfluss passt- dass das normalerweise nicht so arg gestört hätte
    - gerade in Venedig wären wir nicht weit gekommen, hätte mein Vater wirklich fest in seinem Rollstuhl sitzen müssen. Die einzigen Rampen, die wir gesehen haben, waren direkt am Hafen in der Nähe des Markusplatzes. Dort gab es drei Brücken, die auf diese Weise Rollstuhltauglich gemacht wurden. Und eine Rampe führte im Markusdom hinauf zum Souvenirshop. Doch ansonsten gab es immer wieder Stufen, die kaum zu überwinden waren. Falls es nicht einen versteckten Hintereingang gab, den wir nicht gefunden haben, wäre es für einen Rollstuhlfahrer kaum möglich gewesen, den Markusdom zu besichtigen, geschweige denn das Pala' d oro, zu dem sogar eine kleine Treppe hochführte, zu der es keine Alternative gab. Auch die Rialtoberücke war ohne Rampe und daher für Rollstuhlfahrer nur von unten zu besichtigen. Auch in den Gassen, die vom Markusplatz dorthin führten, gab es immer wieder kleine Brückchen mit Stufen ohne Rampe. Die kleinen Geschäfte sind meist so eng, dass ein Rollstuhlfahrer dort nicht hineinkommt. Und damit Gondelfahren ist natürlich utopisch. Sprich, in Venedig gehen der Markusdom und umliegende Gassen super, alles was darüber hinaus geht, ist kaum möglich.
    - Auf das Schiff wären wir mit aufgeklapptem Rollstuhl gar nicht drauf gekommen. Die Rampe war einfach zu schmal. Und als Sitzplatz kam auch nur das Heck in Frage, weil auf das Oberdeck eine leiterartige Treppe geführt hat und der Innenraum nur sehr schmale Gänge zwischen den Tischen und Bänken durchgeführt hätten.



    Aber jetzt zu den Dingen, die wirklich toll waren.
    - zuallererst sei hier die unglaubliche Hilfsbereitschaft der Leute zu nennen. Gerade in Venedig war es so, dass wir die Stufen nur kritisch anschauen mussten, und sofort waren Passanten zur Stelle, die ohne viele Worte einfach angepackt und geholfen haben. Unsere Vermieterinnen haben sich förmlich überschlagen, um es meinem Vater so bequem wie möglich zu machen. Sobald wir uns dem Straßenrand genähert haben und klar war, dass wir die Straße überqueren wollen, haben die Autos angehalten und uns gehen lassen - Zebrastreifen oder nicht. Das war eine sehr positive Erfahrung.
    - Behindertenparkplätze waren reichlich vorhanden und auch wirklich nur von Leuten mit Behinderung genutzt. Darauf wurde penibel geachtet, auch von Passanten, die uns fast immer darauf hingewiesen haben und erst zufrieden waren, wenn sie den Behindertenausweis gesehen haben (in Italien ist der offensichtlich fest an der Windschutzscheibe angebracht, während unserer im Handschuhfach untergebracht ist, bis wir ihn brauchen)
    - Das Strandbad war auch auf Rollstuhlfahrer eingestellt. Es hätte sogar Schirme gegeben, die von Plastikrostfliesen umgeben waren, sodass sie problemlos von Rollifahrern erreicht werden konnten. Außerdem gab es einen strandtauglichen Rollstuhl mit breiten Alurädern, in die Löcher eingestanzt waren, sodass man damit auch problemlos durch den Sand fahren kann. Den hätten wir uns ausleihen können. Und sobald wir auch nur ansatzweise hilfebedürftig aussahen, kam sofort ein Bademeister, um seine Hilfe anzubieten.


    Zusammengefasst hat es mich wirklich erschreckt, wie viele Barrieren es gab, die ich vorher gar nicht als solche erkannt habe. Und gleichzeitig war ich positiv überrascht, wie viel Hilfsbereitschaft uns ganz selbstverständlich entgegengebracht wurde. Ich war heilfroh, dass mein Vater noch etwas mobil ist, so dass wir den Stuhl einfach mal stehen lassen konnten. Das ständige Ein- und Ausladen in den/aus dem Kofferraum war extrem anstrengend und nicht wirklich rückenschonend, an manchen Tagen bin ich mir selbst ganz krumm und lahm vorgekommen. Die "Barrierefreiheit" meiner Umgebung werde ich in Zukunft wohl mit ganz anderen Augen betrachten.


    LG, JayCee

    Man sitzt insgesamt viel zu wenig am Meer...

  • Ich bin dran an den Jugendherbergen.
    Es waren bis jetzt tolle Telefonate mit netten Menschen, aber leider hat keine/r den Durchblick.
    Kann es wirklich sein, das noch keiner solche Fragen gestellt hat.


    Ich bin gespannt.


    Liebe Grüße


    Ute